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medizin-forum.de • Thema anzeigen - Hilfe zur Selbsthilfe... oder wie???
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 Betreff des Beitrags: Hilfe zur Selbsthilfe... oder wie???
BeitragVerfasst: 02.05.07, 15:38 
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Hallo an alle da draußen im www und besonders im "Basale-Forum",

mir ist erst wieder letzte Woche aufgefallen, wieviel unsere Patienten/Bewohner, die wir betreuen und pflegen selbst machen können. Pflegende jammern ja oft und gerne (*Asche auf mein Haupt, aber den Anschein hat es manchmal... mich eingeschlossen) vor allem ĂŒber zuviel Arbeitsbelastung, ĂŒber RĂŒckenschmerzen, darĂŒber als "Dienstboten" missbraucht zu werden. (sollte ich mich jetzt tĂ€uschen, bitte schreibt es mir :-))
Aber ist es nicht oft so, dass den Leuten jegliches Recht auf Autonomie abgesprochen wird?
Als konkretes Beispiel fĂ€llt mir ein alter Herr (87 Jahre alt) ein, der zu uns zur Reha kam... "Der ist völlig durcheinander gewesen, als ich ihn heute morgen gewaschen habe" war meine Aussage am ersten Tag nach dem "Frei"... ich kannte ihn nicht, hatte noch keine Anamnese (er war erst einen Tag bei uns) und mĂŒde war ich auch, also Standard "WaschIII" ĂŒberwiegende Waschhilfe am Waschbecken... zudem war der Herr noch sehr schwerhörig dazu, dass es sehr anstrengend war, mit ihm zu kommunizieren.
Alles was er sagte war, dass er ĂŒber starke Schmerzen in beiden Handgelenken jammerte... stĂ€ndig... aktivierte Arthrose war die "Ferndiagnose" unseres Stationsarztes...
Der Mann meinte, dass er wohl heute noch stirbt und er will jetzt sofort seine Tochter anrufen... was wir getan haben. Die Tochter klĂ€rte mich auf, dass sich ihr Vater unter der Wochen noch nieee mehr als Gesicht und HĂ€nde gewaschen hat, am Wochenende gebadet hat und außerdem Gicht hĂ€tte...
Nach ein paar Tabletten "was auch immer"gegen Gicht, einer ausfĂŒhlrichen Anamnese gemeinsam mit dem Herrn und seiner Tochter sind wir noch auf sehr viel mehr gekommen, was halt nicht unbedingt in den "normalen" Stationsablauf gepasst hat... aber als er Autonomie erfahren hat, indem wir ihn nicht mehr dazu gezwungen haben, sich unbedingt jeden Tag zu waschen war er plötzlich auch nicht mehr durcheinander... wir haben "Zeitersparnis", die wir nutzen können, um langsam und deutlich mit ihm zu sprechen, so war auch die Kommunikation kein Problem mehr...

Ich frage mich, wie oft solche Dinge passieren... warum das passiert... welhalb wir kein Vertrauen zu Menschen haben, die doch vor dem Krankenhausaufenthalt ihr Leben alleine gemeistert haben und die nach dem Krankenhausaufenthalt ihr Leben wieder alleine meistern mĂŒssen...

Was passiert hier?... sind wir PflegekrĂ€fte schon viel zu sehr Standards, Pflegemaßnahmen, PPR und Ähnlichem hörig, dass wir uns nicht mehr trauen, uns auf unseren Bauch und unser normales MenschenverstĂ€ndnis zu verlassen?

Und warum um Himmels Willen gibt's hier im Forum keine Fallbeispiele mehr, keine Fragen mehr zur Basalen Stimulation sondern meistens nur noch Fragen zu Statistiken und Facharbeiten...

Auf jeden Fall bin ich schon sehr gespannt, ob ich Antworten auf meine Fragen bekomme.

Seid ganz herzlich gegrĂŒĂŸt aus dem sonnigen, aber windig-kalten Mittelfranken

Bettina

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BeitragVerfasst: 07.05.07, 16:00 
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... gut, nachdem meine Fragen zwar 74 Mal angeklickt wurden, aber niemand geantwortet hat... gehe ich davon aus, dass es das Problem mit der Eigenverantwortung in anderen HĂ€usern einfach nicht gibt, sondern dass das ganz spezifisch und nur in unserer Klinik und auf meiner Station passiert... ODER ich habe zuviel drumherumgeschrieben, deshalb versuche ich einfach nochmal meine Fragen ohne viel drumherum zu stellen:

Wie ist das in euren HĂ€usern mit der Autonomie der Patienten/Bewohner? DĂŒrfen sie selbst entscheiden, wieviel, und ob sie sich waschen wollen, oder nicht?

Langt ihr gleich hin, nach dem Motto, das mach ich schon, oder dĂŒrfen sich die Leute auch gerne mal plagen (z.B. beim StrĂŒmpfe anziehen)

Glaubt ihr daran, wenn euch der Patient sagt, "ich fall nicht aus dem Bett" oder macht ihr automatisch Bettgitter ran (zur Sicherheit)?

Wieviel Autonomie hat ein Mensch noch, wenn er in eine Klinik/Pflegeheim kommt?

Liebe GrĂŒĂŸe

Bettina

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BeitragVerfasst: 07.05.07, 18:14 
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Liebe Bettina,
da hast Du aber auch wirklich ein schwieriges Thema rausgesucht. Manchmal gelingt es mir, Patienten/innen selbstbestimmen zu lassen, manchmal wieder nicht. Deshalb denke ich, ist es nicht so leicht spontan darauf zu antworten. Die grĂ¶ĂŸten Schwierigkeiten habe ich beispielsweise bei der Mobilisation. Das Waschen kann ich ganz gut dem Patienten ĂŒberlassen, das mit der Mobilisation ist oft schwieriger zu entscheiden.
Schon nach kurzer BettlÀgrigkeit sind Patient/Innen nicht motiviert aufzustehen, beisp. an die Bettkante. Hier brauche ich schon Zeit, ausreichend zu informieren und darauf zu warten, das EinverstÀndnis zu bekommen. Was aber wenn ich es trotzdem nicht bekomme?
Da fĂ€llt mir im Augenblick eine Patientin ein, ich habe sie unbedingt mobilisieren wollen. Es war zudem auch angeordnet. Sie wollte selbst nicht, lange Liegezeit wegen nekrot. Fasziitis und Polyneuropatie, Schmerzproblematik. Außerdem hatte sie einen Dekubitus entwickelt, noch sehr klein. - Trotzdem war es wichtig geworden, sie zu mobilisieren..... Sie wollte aber nicht!
Mit klarer Absprache, Zeitplan usw. einhalten, konnten wir uns darauf einigen, dass sie sich in die Thekla (Mobilisierungsstuhl) sitzt. - Bis heute habe ich aber dennoch ein schlechtes Gewissen, denn es war aus pflegerischer Sicht, was den Dekubitus und ihre Wunde anging, nicht so in Ordnung. - Deshalb handelte ich tagsdrauf gegen die Anordnung des Mobilisierens und kam dem Wunsch der Patientin nach. ....
Irgendwie dreht sich alles im Kreis und die Patientin kommt nicht voran. Jetzt wÀre die Frage, was soll man/frau da tun?
Es gibt aber auch Situationen, wo es richtig Spass macht, PatientInnen Autonomie und Verantwortung zu geben. Ein Patient fĂ€llt mir ein, er war unruhig, konnte sich aber nicht richtig mitteilen. Jeder dachte auch er sei "durchgĂ€ngig" usw., teilweise wurde er auch fixiert, um sich nicht die ZugĂ€nge zu ziehen. Nach einiger Zeit Beziehungsaufbau lernte ich ihn besser einschĂ€tzen und dachte mir, vielleicht drĂŒckt ihn das NatĂŒrlichste aller NatĂŒrlichkeiten und holte den Toillettenstuhl. Siehe da, er konnte ihn gut gebrauchen, denn es war ihm sichtlich unangenehm, sein "GeschĂ€ft" im Bett und noch dazu in eine Windel zu verrichten.
Manchmal ist es nicht unser UnverstĂ€ndnis, sondern unsere "Bequemlichkeit". Andererseits ist es das SelbstverstĂ€ndlichste auf der Welt, anderen ihre Autonomie und anders ausgedrĂŒckt, ihre WĂŒrde zu lassen. Hat dies aber auch etwas mit Macht zu tun, oder Ohnmacht.
WĂŒnsche mir zum Schluss auch, dass es noch zu einer interessanten Diskussion kommt. Danke Bettina, das Du unverwĂŒstlich bleibst und immer wieder Anregungen fĂŒr das Forum hast, was wĂ€re das Forum ohne Dich.
Viele GrĂŒĂŸe
Peter


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BeitragVerfasst: 10.05.07, 07:10 
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Hallo Peter,

danke fĂŒr die Blumen... und fĂŒr deine Gedanken zur Autonomie der Menschen in unseren Kliniken und Heimen :D

Ich hatte die letzen zwei Tage (bzw. NĂ€chte) Nachtdienst und hab auch wieder, als ich auf der Nachbarstation beim "Lagern" mitgeholfen habe, erlebt, wie Menschen völlig passiv "gemacht" werden... es wird bestimmt, wie sie zu liegen haben, ihnen wird die Möglichkeit genommen, selbst zu entscheiden, auf welche Seite sie sich legen wollen, ihnen wird die Möglichkeit genommen, sich selbst zu bewegen... sie werden bewegt... und das war eine Kollegin, die ich sehr gerne mag, die ein großes fachliches Wissen hat und die ich auch sehr schĂ€tze... nur auf eine Diskussion mit mir ließ sie sich in dem Moment nicht ein... "ich weck doch die Leute nicht auf... ruckzuck, dann können sie weiterschlafen"... tja, auch ein Argument... und die persönliche Autonomie meiner Kollegin...

Wie geht ihr in solchen FĂ€llen mit Kollegen um? Sprecht ihr darĂŒber?... ist das Autonomie und Verantwortung der Kollegen?...

Und wie ist es mit eurer eigenen Autonomie... Grenzen setzen... bis hierhin und nicht weiter... macht ihr das?

lg

Bettina (die sich schon sehr auf Basel freut :-))

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BeitragVerfasst: 15.05.07, 11:14 
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Hallo Bettina,

ich denke es liegt am System der Versorgung. Versorgung meine ich nicht die Mitarbeiter und Kollegen sondern die Strukturen in den Einrichtungen.

Klassifikationen ergeben sich zwangslÀufig, KrankenhÀuser sind mit Einrichtungen der Altenhilfe nicht vergleichbar.

Ich selber aus der KP arbeite im AP Bereich. Leider, so habe ich es erst spĂ€ter gemerkt steht im KH oftmals der Patient der Erkrankung im Weg. JĂŒngere, Mobile Patienten Ă€ußeren Ihre BedĂŒrfnisse, lassen sich vllt. auch leichter pflegen, Ältere sind Fremd, sagen nicht das was Ihnen paßt. Passen sich an und wollen keinem zur Last fallen.

Was zÀhlt der Mensch, wo Erkrankungen und Abrechnung im Vordergurnd stehen ?

Oft wird es mit Personalproblemen weg diskutiert, nur ist es richtig ?

Viele Probleme entstehen in unseren Köpfen. Dauert langern LÀnger bei schlafenden als bei wachen Patienten ? Ich denke Nein.

Das System ist auslöser, und jeder einzelne auch.

Es ist ein gesamt Prozess, wir erleben oft die Soziale Deprivation, unsere Bew. mĂŒssen ins KH und kommen zurĂŒck nach einer Woche und rufen stĂ€ndig Hallo, Hallo Schwester...!?

Die Einstellung zur Dinestleistung, und jeder in der Pflege bietet eine Dienstleistung an, sollte sich im klaren sein, der jenige der Hilfe braucht, BEZAHLT meinen Arbeitsplatz, die TrÀger ( KH / AP ) verwalten die Gelder.

Es ist schwierig pauschal zu Antworten.

Kusi

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Profi sein, heißt auch Fehler zu zugeben...
Lernen ist eine TĂ€tigkeit, bei der man das Ziel nie erreicht und zugleich immer fĂŒrchten muss, das schon Erreichte wieder zu verlieren.


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BeitragVerfasst: 15.05.07, 15:08 
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Hallo Kusi,

vielen Dank fĂŒr deine Antwort und deine Gedanken zu meiner Frage...

Zitat:
ich denke es liegt am System der Versorgung. Versorgung meine ich nicht die Mitarbeiter und Kollegen sondern die Strukturen in den Einrichtungen.


Hat die Autonomie eines Menschen... jetzt mal egal, ob Patient/Bewohner oder meine eigene als Pflegekraft wirklich etwas mit der Struktur in der Einrichtung zu tun? Hat das nicht auch etwas mit dem "Mut", mit dem ich pflege und mit dem Vertrauen, das ich in die Menschen, die ich pflege zu tun?



Zitat:
Viele Probleme entstehen in unseren Köpfen. Dauert langern LÀnger bei schlafenden als bei wachen Patienten ? Ich denke Nein.


... und als ich darĂŒber gerade nachgedacht habe, ist mir der Gedanke gekommen, ob ich wirklich nachts aufgeweckt werden wollte zum "Lagern" wahrscheinlich wĂ€re ich nicht sehr amĂŒsant fĂŒr die PflegekrĂ€fte, die mich nachts wecken wĂŒrden... auf der anderen Seite bin ich jemand, der sich fĂŒr's Positionieren recht lange Zeit nimmt und die Leute viel selbst machen lĂ€sst... richtig oder falsch... kann wohl auch nicht wirklich pauschal geklĂ€rt werden... wie ist der Rythmus des Einzelnen? Wobei ich wieder beim Gedanken Autonomie des Menschen bin, der in unseren "Einrichtungen" liegt, leidet, gepflegt wird und lebt...

Zitat:
Was zÀhlt der Mensch, wo Erkrankungen und Abrechnung im Vordergurnd stehen ?

Oft wird es mit Personalproblemen weg diskutiert, nur ist es richtig ?


Was zĂ€hlt der Mensch??? Wir hatten ein KTQ Audit in unserer Klinik, fĂŒr die Leute zĂ€hlten nur die Statistiken und ob es fĂŒr alles ein Formular gibt... wir haben jetzt ganz viele tolle Formulare, die wir auch ausfĂŒllen... da hab ich halt weniger Zeit fĂŒr den Menschen... bin ich autonom genug, pfeif ich auf die lĂ€stigen Dinger, fĂŒlle sie eben etwas schneller aus und tue doch das, was ich viel lieber mache, nĂ€mlich mich um die Menschen kĂŒmmern, die mir anvertraut sind... hab ich aber einen schlechten Tag, bin ich auch autonom und vergrabe mich in den Formularen und Dokumentantionen und bin halt weniger in den Zimmern... immer meine individuelle Autonomie...


Da könnten wir jetzt richtig philosophisch werden und fragen: "Was ist richtig, was ist falsch" *g*

Ich freu mich ĂŒber eine rege Diskussion... und wĂŒrde mich ĂŒber noch mehr Antworten freuen, denn pauschalisieren kann man das Thema Autonomie der Menschen und auch Eigenverantwortung nicht ...

Was mir immer wieder auffĂ€llt ist, dass sich die Leute noch nicht einmal selbst die Hose ausziehen trauen, wenn sie auf die Toilette mĂŒssen, weil sie Angst haben, es geht uns zu langsam oder sie könnten etwas falsch machen...

ganz liebe GrĂŒĂŸe

Bettina

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BeitragVerfasst: 15.05.07, 16:07 
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Hallo Bettina,

Autonomie was heißt dieses ?

In der idealistischen Philosophie wird die Willensfreiheit als „Autonomie“ bezeichnet.

Gemeint ist die FĂ€higkeit des Menschen, sich als Wesen der Freiheit zu begreifen und aus dieser Freiheit zu handeln. Weil ein Tun der Freiheit zugleich Vertun anderer Chancen ist, Handeln aus Freiheit immer auch ein Setzen von Grenzen (Abgrenzung gegen nicht realisierte Möglichkeiten) darstellt, heißt Freiheit Autonomie: Selbstgesetzgebung.

Ist Autonomie heute im Zeitalter der Standards noch nach Pflegewissenschaftlichen Erkentnissen zeitgemĂ€ĂŸ ?

QualitĂ€t ist eine Begriff der die Zufriedenheit und einheitliche Reihenfolge als ResĂŒmee wiedergeben soll.

Heißt QualitĂ€t auch um halb Sechs gewaschen zu werden ? Fast jedes KH hat ein QM nach Iso Zert. und weiß ich nicht . TQM und EFQM sind Instrumente die eine Autonomie außeracht lassen.

In der Industrie mag dieses ein Sinn ergeben. In der Pflege wo Individuelle Menschen ob Gesund oder Krank, Behindert oder Alt leben, kann ich doch nicht alles vergessen, um Ganzheitlich zu pflegen.

Was bedeutet Pflege heute ?

Standards, Formulare, Verfahrensanweisung, Richtlinien... und wo bleibt der Mensch ??

QualitĂ€t heißt fĂŒr mich 1. der Mensch , 2. seine BedĂŒrfnisse, 3. seine WĂŒnsche.

In dieser Form ist QualitÀt und auch die Pflege messbar.. in der Zufriedenheit des jenigen.. Ohne Formulare und Richtlinien.

Ich ( persönlich ) wĂŒrde jedem etwas erzĂ€hlen, sollte es nicht so laufen wie ich es möchte, es sei ich bin dement und bekomme es nicht mit.

Dann muss ich mir auch keine Gedanken mehr darĂŒber machen. "Ironie"

Anpassen ist einfacher als verÀndern.

Lernen ist eine TĂ€tigkeit, bei der man das Ziel nie erreicht und zugleich immer fĂŒrchten muss, das schon Erreichte wieder zu verlieren.

Kusi

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BeitragVerfasst: 15.05.07, 18:16 
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Zitat:
Lernen ist eine TĂ€tigkeit, bei der man das Ziel nie erreicht und zugleich immer fĂŒrchten muss, das schon Erreichte wieder zu verlieren.


Menno... warum kann ich nicht solche tollen SĂ€tze formulieren :-(

Hi Kusi,

Autonomie fÀngt meines Erachtens ja schon bei ganz kleinen Dingen an, nÀmlich schon bei Fragen ob der Mensch Pfefferminz- oder Kamillentee oder sonstwelchen Tee haben möchte... oder dass er wÀhlen darf zwischen diesen dusseligen Schnabelbecher (wobei ich da immer sehr schnell Grenzen setze *asche auf mein haupt* ) oder einer Tasse... ja, oder mir fÀllt ein Beispiel ein, das heute auf meiner Station passiert ist...

Wir rehabilitieren momentan eine Frau, die an Depressionen leidet, COPD, ungefĂ€hr zwei Millionen andere Krankheiten noch hat und die momentan zwar unglaublich Hunger hat, aber nix Essen kann, weil alles nach "DiĂ€t" richt und schmeckt... tja, ist sie jetzt völlig durchgeknallt???? ... als ich ihr heute eine Zitronenlimo, auf die sie Appetit hatte geholt habe und ihr dann auch noch Salz fĂŒr die Suppe gegeben habe, bekam ich Probleme mit einem jungen Kollegen, denn das Limo hat Zucker enthalten und die Frau ist Diabetikerin und ihre Nierenwerte sind nicht die Besten, also auch keine drei Körner Salz... schwierige Diskussion, denn er hatte vom Medizinischen völlig Recht... aber wo war sie denn jetzt, die individuelle Pflege und die Autonomie der Frau?

Zitat:
Ist Autonomie heute im Zeitalter der Standards noch nach Pflegewissenschaftlichen Erkentnissen zeitgemĂ€ĂŸ ?



Ich glaube gerade die pflegewissenschaftlichen Erkenntnisse können uns helfen, die Autonomie (Selbstbestimmung) der Menschen wieder zu fördern... gerade die Erkenntnisse und Studien, die mit dem Konzept der Basalen Stimulation zusammenhĂ€ngen (das musste jetzt von mir kommen, sind schließlich im "Basale Forum" *g*)

Ist es nicht auch manchmal die Bequemlichkeit Pflegender (ohne pauschalisierend wirken zu wollen), die uns dazu treibt, "nach Standard" zu pflegen... woher weiß ich denn, dass Pat. A, Pat. B und Pat. C mit völlig verschiedenen Erkrankungen alle den WaschIII -standard brauchen, bloß weil A, B und C am Waschbecken gewaschen werden?... Nur wenn ich das tue, dann habe ich nach Standard gepflegt und bin abgesichert... also auch unser Sicherheitsdenken???

Und zum Thema Anpassung fÀllt mir jetzt auch ein Satz ein... nÀmlich meine Signatur

"Anpassung ist die StÀrke der Schwachen"...

nur wer nicht angepasst ist, dem weht oft ein rauher Wind um die Nase und das kann manchmal ganz schön anstrengend sein.

liebe GrĂŒĂŸe

Bettina

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BeitragVerfasst: 16.05.07, 09:08 
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Zitat:
Wir rehabilitieren momentan eine Frau, die an Depressionen leidet, COPD, ungefĂ€hr zwei Millionen andere Krankheiten noch hat und die momentan zwar unglaublich Hunger hat, aber nix Essen kann, weil alles nach "DiĂ€t" richt und schmeckt... tja, ist sie jetzt völlig durchgeknallt???? ... als ich ihr heute eine Zitronenlimo, auf die sie Appetit hatte geholt habe und ihr dann auch noch Salz fĂŒr die Suppe gegeben habe, bekam ich Probleme mit einem jungen Kollegen, denn das Limo hat Zucker enthalten und die Frau ist Diabetikerin und ihre Nierenwerte sind nicht die Besten, also auch keine drei Körner Salz...


Hallo Bettina,

ich finde es gut, dieser Pat. eine Limo zu holen, was fĂŒr Probleme können durch eine Limo auftreten ? Diabetisches Koma ? Entgleisung durch ein Glas Limo ? Warum hat Sie solch schlechte Nierenwerte, von der wenigen FlĂŒssigkeit, dem Salz ?

Gut geschrieben, 3 Körner Salz...

Ich möchte diesen jungen Kollegen nicht schlecht machen, ich hÀtte versucht es an eigenen Bsp. deutlich zu machen.

HĂ€lt sich jeder von uns immer an die Richtlinien ?

Bsp : Tonsillektomie :
Innerhalb der ersten 2postop Wochen sollte auf jegliche Art von sauren, scharfen, harten und heißen Speisen verzichtet werden, da diese starke Schmerzen verursachen können.
Auch FruchtsÀuren sollten gemieden werden, besonders aggressiv sind Tomaten(!). Apfelmus und anderes Konservenobst ist im allgemeinen gut vertrÀglich, auch geriebene Birne und Mango werden gut vertragen. Bei GetrÀnken sollten kalte GetrÀnke bevorzugt werden, kohlensÀurehaltige GetrÀnke können ebenfalls ein starkes Brennen an der Wunde verursachen. ....
....Duschen wird auch bis zu einer Woche nach der Operation nicht empfohlen. Es soll auch danach darauf geachtet werden, dass das Wasser nicht zu warm ist, um eventuelle Nachblutungen zu vermeiden, die durch den Bluthochdruck beim Duschen entstehen. Beim ZĂ€hneputzen sollte man darauf achten, dass keine Zahnpasta den Rachen hinablĂ€uft, da dies durch den Mentholgehalt vieler Zahnpasten zu Schmerzen fĂŒhren kann.... und so weiter..

Dieses sind alles Sachen die beachtet werden sollen, jedem wird gesagt mach dieses nicht lass das sein.. und ? Was tun wir wirklich !?!

Einer Frau die Limo verweigern, wegen dem Diabetes... In der Reha im Krankenhaus ĂŒberall mĂŒssen sich alle Anpassen, doch passen sich die Pat. in ihrer hĂ€uslichen Umgebung dann auch an ? Nein.. FĂŒr mich als PK heißt es doch anpassen an die gewohnheiten der Pat. im Rahmen meiner möglichkeit..

Zitat:
„Handle so, dass jeder Zeit dein Handeln zur obersten persönlichen Lebensregel, persönlicher Grundsatz des Willens und Handelns verwendet wird.“

Kategorischer Imperativ Kants

Kusi

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