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medizin-forum.de • Thema anzeigen - Mir fehlen gerade die Worte...
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 Betreff des Beitrags: Mir fehlen gerade die Worte...
BeitragVerfasst: 16.09.06, 06:42 
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Ein fröhliches "Guten Morgen" aus dem Frankenland,

als ich gerade den Computer hochgefahren habe und ins Forum kucken wollte, bin ich über einen Artikel gestolpert, den ich euch nicht vorenthalten wollte:

http://www.aerztezeitung.de/docs/2006/09/15/164a0405.asp?cat=/news


(Ironie Button an) Liebe Ärzte, die ihr das herausgefunden habt... ich bin stolz auf euch! Auf diese Idee wäre ich nie im Leben gekommen! Ich dachte immer, das wären Reflexe (Ironie Button aus)

Erst vor einer Woche hatte ich so ein Arzterlebnis der "besonderen Art":

Ich habe die letzten Wochen meinen Opa gepflegt, der an Krebs erkrankt war. Seine letzten Tage waren schlimm, er hatte Lungenmetastasen und ist langsam erstickt... die Luft hat nicht mehr zum Leben gereicht, war aber noch zu viel zum Sterben... Er konnte sich verbal nicht mehr äußern, denn eine Metastase an den Stimmbändern hat ihn zum Schweigen verdammt... als dann unser Hausharzt kam (am Abend vor seinem Tod) hat er meinem Opa einen Pulsoximeter an den Finger geklippt und danach meiner Oma erklärt, das Gehirn meines Großvaters sei schon tot, er bekommt nichts mehr mit und seine zuckenden Arme und Hände seinen nur noch Refllexe genau wie das qualvolle Atmen... das lass ich jetzt einfach mal so, unkommentiert stehen... Meine Wahrnehmung (und die meiner Familie) war, dass er uns sehr wohl wahrgenommen hat, er hat auf uns reagiert, hat meiner kleinen Nichte noch über den Kopf gestreichelt, hat uns mit den Augen verfolgt und uns ganz deutlich klar gemacht, was er will und was nicht... Ich werd dem Hausarzt mal diesen Artikel mailen.

Ja, und mit diesem bahnbrechenden wissenschaftlichen Ereignis wünsche ich euch ein schönes Wochenende

Bettina, die es schade findet, dass hier nur noch so wenig los ist

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BeitragVerfasst: 17.09.06, 10:29 
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Hmmm ... schon einige Klicks und keine Meinung... fehlen da denn jetzt allen die Worte? Mir fehlen die Diskussionen hier im Forum, das Fachsimpeln, Frust ablassen, getröstet werden und der Meinungsaustausch...

Aber ich hab ja hier schon mal geschrieben, dass ich gerne mit mir selbst diskutiere, denn da widerspricht mir niemand... ach und mit meinem Kater Paul, mit dem diskutiere ich auch gerne, der stimmt mir in allem zu... Gut, dann werd ich dem Paul mal den Artikel zeigen und ihn fragen, was er davon hält :-)

trotzdem einen schönen und sonnigen Sonntag (bei uns in Franken ist's noch schön warm und sonnig)

Bettina

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BeitragVerfasst: 17.09.06, 17:28 
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Wir könnten jetzt die Werbung nachspielen: wer hats erfunden? ... Man erinnere sich: die Bonbons kamen von den Schweizern. `*fg*
Aber die Antwort hier wird dir sicher nicht gefallen Bettina: wir haben die Menschlichkeit im Umgang mit Behinderten nicht erfunden.
Unser Konzept ist EINE von vielen möglichen Angeboten für schwerst wahrnehmungsgestörte Menschen.

Und unser Konzept wurde und wird systematisch überfrachtet mit medizinisch- therapeutischen Aspekten: z.B. Schmerzlinderung. Da wir diese Vorstellungen kaum zufriedenstellend erfüllen können, ist unser Konzept in den letzten Monaten immer weiter in den Hintergrund gerückt. Die DRGs haben diesen Prozess beschleunigt: nur was nachweisbar etwas bringt, wird bezahlt und gefördert.

War BasStim nicht mal ein Konzept in dem es um menschliche Entwicklungsmöglichkeiten ging, um Kommunikationsmöglichkeiten? Was ist davon im Pflegebereich geblieben? Belebend und beruhigend waschen und wenns hoch kommt noch die ASE. Letztere selbstverständlich als Pneumonieprophylaxe.

Elisabeth (die sich jetzt auch mal ein wenig von der Seele geschrieben hat *seufz*)


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BeitragVerfasst: 18.09.06, 07:42 
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... und alle "Basalen" bekommen orangene Blinklichter auf den Kopf gebunden und sagen den ganzen Tag nur noch "wir...wir..." *grins*

Hallo Elisabeth,

ich bestehe ja nicht drauf, dass wir diejenigen sind, die die Menschlichkeit erfunden haben und wir sind auch nicht diejenigen, die die Kommunikation erfunden haben und das Konzept Basale Stimulation in der Pflege ist auch nicht D A S einzige und wahre Konzept, das Pflege bedeutet. Ich arbeite bei unseren Schlaganfallpatienten sehr viel mit unserer Physiotherapeutin zusammen und es gelingt mir und ihr sehr gut, das Konzept Basale Stimulation mit dem Bobathkonzept zu "vereinigen"... wie gehe ich an den Menschen heran, meine innere Haltung meinem Gegenüber, wie begrüße ihn, wie nimmt er mich wahr bzw. ich ihn wahr, welches Angebot braucht bzw. will er im Moment...
Es funktioniert, aber ich muss wissen, in welcher Weise sich Konzepte voneinander unterscheiden, wo ich Grenzen ziehen muss bzw. sollte usw. Das geht nur, wenn ich fundierte Kenntnisse habe.

Wie kommt es, dass die Basale teilweise so sehr auf die esoterische Schiene abgerutscht ist? Eine Physiotherapeutin, mit der ich etwas für den Tag der offenen Tür unserer Palliativstation (Originalton meine Pflegedienstleitung: "Sie machen doch Basale Stimulation, das wäre doch was für den Tag der offenen Tür") vorbereitet habe, wollte Duftlampen mitbringen und Lampen mit verschiedenfarbigem Licht, "das ist doch die basale Stimulation, oder?"... WAS um himmels Willen ist denn nun Basale Stimulation? Ich kann's momentan nicht in wenige Worte fassen... WIE erklärt ihr das den Leuten? Sind wir nur noch gut für irgendwelche Referate, Facharbeiten oder Tage der offenen Tür? Wie Äffchen im Käfig, die ab und zu mal bestaunt werden dürfen? Exoten??? Die Zeit der exotischen Pflegekräfte, die das Konzept der Basalen Stimulation näher bringen wollen mit ihrem "Sinneseimerchen", die stimuliert haben, was ging... alles und jeden, der bei drei nicht auf den Bäumen war, die Zeit sollte nach 30 Jahren doch vorbei sein!

Tja, so bleibt mir nun wieder bloß die ASE und der somatische Dialog in Form einer Handmassage, mit dem ich das Konzept den Menschen näher bringen will am Tag der offenen Tür...

Liebe Grüße

Bettina

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BeitragVerfasst: 18.09.06, 08:00 
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Zitat:
Wie kommt es, dass die Basale teilweise so sehr auf die esoterische Schiene abgerutscht ist?
´

Vielleicht liegt es auch an der Art der Vermittlung der Inhalte. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass Selbsterfahrung alleine gepaart mit den Erzählungen der "Wunder" eher kontraproduktiv ist.
Ich konnte mit meinen Händen in den Augen anderer Wunder bewirken- z.B. mit einer ASE eine HF- Senkung bewirken. Ich konnte nur ansatzweise (und nicht medizinisch) erklären wie es zu diesem Wunder kam. Ein Wunder ist nicht beliebig reproduzierbar. Das macht das Ganze undurchsichtig und mysthisch.

Aus meiner Sicht hat BasStim verpaßt sich eindeutig abzugrenzen gegen medizinische Forderungen. Das Konzpet basiert zu aller erst auf psycholog./ pädagog. Ansätzen. Und gerade die Überfrachtung mit diversen Therapiideen in Richtung Medizin hat uns mehr geschadet denn genützt.
Noch heute wird die ASE an diversen Schulen als Pneumonieprophylaxe verkauft. Man lernt dort, dass man das Körperhaar nur in eine Richtung "bürsten" muss und schon wird der Pat. ruhig oder wacht auf. Sag mir, was man davon halten soll als Laie?

Elisabeth


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BeitragVerfasst: 19.09.06, 10:08 
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Hallo Elisabeth,

das ist der Grund, weshalb ich mich weigere im Nachweisheft einer Altenpflegeschülerin, die auf unserer Station lernt ein paar Punkte abzuzeichnen nämlich den Punkt "Basale Stimulation" ... kennengelernt... unter Aufsicht geübt... selbständig angewendet und die Punkte "belebende und beruhigende Körperpflege"... das wird wieder einige Diskussionen mit der Altenpflegelehrerin nach sich ziehen, aber das kann ich nicht wirklich mit meiner Ansicht vom Konzept verbinden.

Ich frage mich, warum ist es ok, wenn WIssenschaftler eindeutig beweisen können, eine Frau im Wachkoma zeigt Hirnaktivität... das wird angenommen.

Eine Frau im Wachkoma, die eindeutig reagiert mit Blicken, mit ihrer Atmung, auf der Intensivstation kann ich Reaktionen auch über die Herzfrequenz usw. erkennen und wir erklären, dass die Frau reagiert... NEIN, das wird als Reflex abgetan.

Wie mystisch sind wir denn eigentlich schon? Sind wir völlig abgespaced? Ich versteh's nicht!

Als ich das erste Basisseminar gemacht habe, wollte ich die Welt verändern, nach dem zweiten und dem Aufbauseminar wollte ich nur noch die Station verändern... nach der Weiterbildung zur Praxisbegleiterin habe ich mich verändert, meine Ansichten und meine Pflege... nochmal verändert... und was ist aus den Träumen geworden, das Konzept in unserem Haus umzusetzen? Sie haben sich in Schall und Rauch aufgelöst, weil mir die dringend benötigte Unterstützung der PDL fehlt... auf der anderen Seite läuft es bei uns auf der Station sehr gut... und wir haben eine ganz feine, tolle Pflege entwickelt... das vergesse ich oft, meinen Kollegen zu sagen... naja, auch wenn's jetzt ein bissl drucheinander war...

liebe Grüße

Bettina

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BeitragVerfasst: 20.09.06, 06:38 
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Zitat:
Ich frage mich, warum ist es ok, wenn WIssenschaftler eindeutig beweisen können, eine Frau im Wachkoma zeigt Hirnaktivität... das wird angenommen.


Vielelicht liegt es daran, dass man unsere Professionalität nicht ernst nimmt. Wie sollte man auch? Checklisten und Drehbuchstandards- beides oft angewendet ohne Fachwissen- zeigen zu deutlich, dass wir eigentlich nicht soviel Ahnung von unserer Arbeit haben. Pflege fachlich begründen... wieviel Prozent unserer Kollegen mögen das können?

Außerdem: Wenn etwas z.B. per Bild nachgewiesen werden kann, dann wird es geglaubt. Was können wir nachweisen und belegen?

Ich hatte vor Jahren mal die Idee, nachweisen zu wollen, dass BasStim wirkt im Frührehabereich. Ich wollte etwas meßbares haben.
Unser damaliger OA war sehr interesiiert- hat einem aber zugleich die Realität aufgezeigt: Man könne mit so einer Forschung lediglich nachweisen, dass Zuwendung für den Menschen positiv ist.
Damals habe ich das nicht verstanden- heute ist mir das klar. Ohne das der OA über die Ursprünge des Konzeptes wußte, hat er genau die beschrieben: es geht um Entwicklung und nicht um den Nachweis irgendwelcher Symptomveränderungen wie Unruhe wird zur Ruhe.

Aber immer noch wird das Konzept vieltausendfach reduziert auf belebende und beruhigende GKW, auf die ASE zur Pneumonieprophylaxe. Und es gibt "Studien" die nachweisen das BasStim eigentlich nur als Wellness taugt im KKH. Und Wellness muss die Kasse nicht zahlen.

Elisabeth


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BeitragVerfasst: 01.10.06, 23:08 
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Hallo da draußen.
Ich bin an der Intensivmedizin interessiert und hätte da die Frage, ob es zur Basalen Stimulation und der komulitative(?) Stimulation Fachbücher gibt, die sich interessierte zum besseren verständnis zulegen können?

Für alle Mühen schon mal: danke.. :roll:


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BeitragVerfasst: 12.10.06, 07:06 
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Wohnort: 82418 Murnau
Hallo Rocky,
danke für die Anfrage, doch ich kann mir unter dem Begriff komulitative Stimulation gerade nichts vorstellen, muss also ebenfalls ein Fragezeichen dahinter stellen, vielleicht hilft uns ja noch jemand weiter?
Sollte es aber kommunikaive Stimulation o. ä. heißen, dann würde ich das Buch von Gaby Bartoczek u. P. Nydahl empfehlen, "Neue Wege in der Pflege Schwerstkranker", siehe auch http://www.basale-stimulation.de/Pflege ... hp?lang=de denn es werden mit zahlreichen Fallbeispielen genau diese Stimulationsmöglichkeiten aufgezeigt, die helfen mit Patienten auf der Intensivstation "besser" zu kommunizieren. Es werden Ebenen aufgezeigt, die nicht nur die verbale Kommunikation nutzen, sondern vielmehr somatischer, vibratorischer und vestibulärer Art. Damit erreichen Sie wahrnehmungsbeeinträchtigte Menschen, die aus dem Koma erwachen sollen, die im Weaningprozess stehen etc.
Wenn Sie eine Frage haben, die Sie im Moment direkt beschäftigt, dann melden Sie sich einfach noch einmal, wünsche Ihnen noch einen schönen Tag.
MfG
Peter Estner


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BeitragVerfasst: 15.10.06, 16:36 
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Wohnort: Göttingen
Hallo,
cih habe mich gerade ein wenig eingelesen in das Thema BS in Anwendung und Umsetzung.
Ich bin seit drei Jahren ausgelernt und habe natürlich auch vieles über BS gelernt... Da ich damals (in einer Gruppe von 6 Leuten ) ein Sechsstündiges Referat mit vielen praktischen Übungen erarbeitet hatte weiß ich noch über einen Großteil der Anwendungen bescheid...und auch ich habe leider die Erfahrung machen müssen das die meisten Stationen eben diese BS sehr individuell auslegen und eben auf beruhigende und aktivierende GKW reduzieren. Als Schülerin konnte ich nicht viel ändern-denn als eben diese wird man ja (fast) nie ernst genommen. Zur Zeit versuche ich einen Teil meiner Erfahrungen an meine (überwiegend) ungelernten Kräfte zu vermitteln-was aber auch recht schwer fällt das dort das medizinische Wissen stark eingeschränkt ist... Aber eben dieses fehlende Wissen läßt bei meinen Kollegen andere Beobachtungs"werte" zu und sie sind viel offener für die einzelnen Bedürfnisse und auch realen Bedingungen in der Pflege.. Eben der Mensch und seine Empfindungen-egal in welcher Verfassungdieser ist-steht im Vordergrund.
Ich denke die falsche Handhabung der BS in der Praxis beruht vor allem auf die Versessenheit der Schwestern und Ärzte, Verssenheit im bezug auf: " Alles muss beweisbar und dies mithilfe von Fakten sein" Aber ehrlich-jeder der die Ausbildung in der Pflege begonnen hat sah doch den Mensch als Mensch und nicht als bestehendes Gewirr aus Daten und Fakten, oder???

Nun zum eigentlichen Thema-der Artikel und die ach so bewanderten Ärzte. Das Problem bei diesen liegt nach meiner Meinung nach an der Ausbildung-denn die die "nur" 6Wochen Pflegepraktikum und vielleicht noch Zivildienst Erfahrungen haben sind sogut wie gar nicht mit den realen Bedürfnissen vertraut...was einfach bedeutet , dass diese gar keine Möglichkeit haben einen Patienten kennenzulernen, ihn als ein individuelles Individuum anzuerkennen und nicht nur sein "Problem"zu sehen...Die einzigen die das erkennen können (aber leider auch nur wenige ) sind eben Schwestern und Pfleger diezum großen Teil anders an die Menschen herantreten.. Ich arbeite zur Zeit in der Häuslichen Krankenpflege und erlebe fast täglich die Unfähigkeit unserer Ärzte und auch eben dieses Unverständniss das Patienten "nur noch Reflexe" besitzen. Das Problem was dabei auftritt ist auch die unzureichende Aufklärung der Angehörigen-den meistens gilt doch das was der Arzt sagt als das richtige und nicht das was ein/e "läpische" Krankenpfleger/in zu sagen hat...

So, nun hab ich mich erstmal genug aufgeregt, ich hoffe es sind nicht zu viele Kuriositäten enthalten:)
Bis Dann, Antje...


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BeitragVerfasst: 20.10.06, 13:56 
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Hallo Antje,

es liegt wohl nicht nur an der Ausbildung der Ärzte sondern auch an der Pflegeausbildung... oder am Menschenbild, das uns während der Ausbildung oder dem Studium vermittelt wird.

Pflege ist ein Berührungsberuf, wir berühren täglich Menschen an ihren intimsten Stellen, ohne dass wir uns darüber irgendwie Gedanken machen (Ärzte und Pflegekräfte)... Lt. Prof. Hannig wird ein Mensch auf der Intensivstation alle 5 Minuten von irgendjemandem berührt... das muss man sich mal geben! ALLE 5 MINUTEN... ABER wer hat während der Ausbildung gelernt, wie richtiges Berühren geht? Meine Ausbildung ist zwar schon ein paar Jährchen her, aber ich hab's nicht gelernt und die Schüler, ob Altenpflegeschüler, die bei uns auf der Station ihre Ausbildung machen oder Krankenpflegeschüler haben mir auch meine Frage nach dem "Lernen von Berührungen" nicht beantworten können... es beruht halt auf "Versuch und Irrtum"... irgendwann passt's dann schon... Es wird vielmehr Wert darauf gelegt, Erfolge zu sehen... Wir lernen zu erkennen, welche Defizite die Menschen haben und dann lernen wir, diese Defizite erfolgreich zu behandeln... (of topic: ich hab gut aufgepasst in Traunstein :wink: ) Wir lernen dann, den Menschen darin zu unterstützen, das "Gelernte" weiter zu verbessern... was aber häufig NICHT passiert, ist ein Dialog, die Interaktion zwischen dem Patienten und uns Pflegenden... oft wissen wir ja garnicht, was der, der da so hilflos vor uns liegt, will... deshalb brauchen wir dann wieder die Handbücher und die wissenschaftlichen Beweise, damit wir nachschauen können, was derjenige braucht, wenn er etwas bestimmtes hat... Individuelle Pflege ist garnicht so individuell, wie wir sie immer anpreisen... Wir haben häufig Angst davor, wirklich individuell zu arbeiten wenn z.B. ein Patient sich nicht waschen lassen will, sehr heftig mit Schlagen und taktiler Abwehr reagiert, wer lässt den Menschen denn dann schon in der Sch... liegen, wenn er gerade Stuhlgang hatte? Wer kommt denn dann nach einer halben Stunde wieder rein, um ihn dann sauber zu machen, wenn er sich wieder beruhigt hat? (immer vorausgesetzt, er hat eine intakte Haut) Traut ihr euch das? Ich weiß nicht mal, ob ich das tun würde... das sind sie nämlich, unsere do's und dont's, die wir in unseren Köpfen haben... UND wie erkläre ich das den Angehörigen?...
Ja, jetzt hab ich mich wieder mal total versabbelt... deshalb brauchen wir wohl die wissenschaftlichen Beiträge, um das zu glauben und zu beweisen, was wir eigentlich schon längst wissen.

Übrigens habe ich auch gelernt, dass das Konzept der Basalen Stimulation in der Pflege das Konzept ist, das wissenschaftlich am meisten von allen Konzepten beleuchtet ist.

Zitat:
Ich denke die falsche Handhabung der BS in der Praxis beruht vor allem auf die Versessenheit der Schwestern und Ärzte, Verssenheit im bezug auf: " Alles muss beweisbar und dies mithilfe von Fakten sein" Aber ehrlich-jeder der die Ausbildung in der Pflege begonnen hat sah doch den Mensch als Mensch und nicht als bestehendes Gewirr aus Daten und Fakten, oder???


Eine Frage noch an dich Antje,

was meinst du mit "falscher Handhabung" ? Kann man etwas "falsch" machen, wenn ich meinem Gegenüber Pflegeangebote mache und ihm die Möglichkeit gebe, anzunehmen oder abzulehnen? Ich weiß es nicht...

ganz herzliche und liebe Grüße aus Mittelfranken

Bettina

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BeitragVerfasst: 22.10.06, 11:51 
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Bettina hat geschrieben:

Übrigens habe ich auch gelernt, dass das Konzept der Basalen Stimulation in der Pflege das Konzept ist, das wissenschaftlich am meisten von allen Konzepten beleuchtet ist.

Zitat:
Ich denke die falsche Handhabung der BS in der Praxis beruht vor allem auf die Versessenheit der Schwestern und Ärzte, Verssenheit im bezug auf: " Alles muss beweisbar und dies mithilfe von Fakten sein" Aber ehrlich-jeder der die Ausbildung in der Pflege begonnen hat sah doch den Mensch als Mensch und nicht als bestehendes Gewirr aus Daten und Fakten, oder???




Vielleicht liegt das Problem etwas anders. Pflegewissenschaften machen auf mich manchmal den Eindruck als wollten sie das Fahrrad neu erfinden. Es gibt bereits eine Vielzahl an wissenschaftlichen Begründungen für das Konzept aus Medizin, Psychologie, Pädagogik. Siehe hierzu auch die Konzeptanalyse von B. Werner: www.amazon.de/Konzeptanalyse-Basale-Stimulation-Birgit-Werner/...

Warum also nicht da ansetzen? Aber vielleicht liegts daran, dass in den Begründungen für das Konzept keine Argumente stecken für die gewünschte Symptomtherapie: beruhigend, belebend, Pneumonieprophylaxe, Schmerzreduzierung usw., usw..

Elisabeth


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BeitragVerfasst: 22.10.06, 18:37 
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Zitat:
Übrigens habe ich auch gelernt, dass das Konzept der Basalen Stimulation in der Pflege das Konzept ist, das wissenschaftlich am meisten von allen Konzepten beleuchtet ist.

Liebe Bettina,
wir haben inzwischen weitere pflegewissenschaftliche Untersuchungen zum Thema Basale Berührung von A. Schürenberg und eine weitere zur ASE von A. Schiff und " Das Erleben kompensatorischer Mundhygiene aus der Perspektive von Menschen mit schwersten Bewegungs- und Sensibilitätseinschränkungen aller Extremitäten (Tetraplegie)„…besser ist natürlich selber…“ von B. Werner.
Wir können das Konzept der Basalen Stimulation auch gestützt sehen von weiteren Forschungsarbeiten aus der Neurophysiologie und anderen modernen Wissenschaften, z.B. aus der Raumfahrt, was die Vibration angeht. All diese Erkenntnisse ermutigen selbst auszuprobieren und individuell zu bleiben, dies scheint mir ebenfalls sehr wichtig zu sein: um "Fehler" zu vermeiden. Genaue Beobachtung und Reflexion, dann sieht man schon, ob man richtig liegt. Wenn ich beim Wachkomapatienten, (wissenschaftl. Arbeit von Dr. P. Tolle, Bremen) Unwohlsein mit Wohlbefinden abwäge, kann ich genau erkennen, ob ich richtig oder falsch gehandelt habe, diese Arbeiten helfen uns weiter in der Praxis und in unserer Argumentation. Werde die Abstracts diese Tage auf die Homepage stellen können.
Viele Grüße
Peter


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BeitragVerfasst: 01.11.06, 18:15 
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Hallo Peter,

du sprichst in deinem Beitrag von Forschungsarbeiten zwegs Vibration und Raumfahrt - wo kann man das nachlesen?
Auch würde mich interessiern wo man zumindest Abstracts von den Arbeiten von A. Schürenberg und A. Schiff bekommen kann, am Besten natürlich ganze Arbeiten.

Viele Grüße nach Murnau, schneits schon?

Maja


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BeitragVerfasst: 04.04.08, 13:58 
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Hallo Allerseits.
In den Recherchen zu meiner Hausarbeit führte mich mein Weg unter anderem auch in dieses Forum.Ich will mich nun kurz zu dem Post von Antje beziehen. In meiner Ausbildung habe ich das Glück von Lehrern zu profitieren die von der Kinästhetik und der Basalen Stimulation begeistert und auch überzeugt sind. Das Thema Berührung wurde unter dem Aspekt Berührung professionell gestalten bearbeitet. Das gelernte als Schüler umzusetzen fällt jedoch schwer und wird tatsächlich oft über Versuch und Irrtum gestaltet. Dagegen ist meiner Meinung nach nichts einzuwenden, wenn die Wirkung der Handlung danach genau beobachtet und reflektiert wird.

Schwester A. schrieb von ihrem 6 std. Seminar in dem praktische Übungen gemacht wurden. Ich selbst habe an einem 8 std. "Schnupper Seminar" teilgenommen, in dem uns viele verschiedene Stimulationshilfsmittel (Bürsten,Steine,Sand, Duftöle etc.) und deren Anwendung vorgestellt wurden.
In meinen Vorbereitungen zu einer Praxisbegleitung auf einer Nerologischen Station während meines ersten Ausbildungsjahres fragte ich eine erfahrene Schwester wie ich diese gestalten könne.Sie sagte :" ... mach doch ne Basale"

Ich bin der Meinung das dass Konzept von vielen falsch verstanden wird und lediglich als Pflegerische Effekthascherei eingesetzt wird. Wer sich jedoch ein bissle mit der Literatur beschäftigt erkennt das so nicht sein muss/darf. In " Basale Stimulation in der Pflege-Die Grundlagen" gibts ein Kapitel welches ich besonders passend finde. Es geht dort um zentrale Ziele der Basalen Stimulation. Es handelt davon BS als ganzheitliches Konzept und nicht als vereinzelte Pflegehandlungen zu sehen.
Von diesen Zielen habe ich allerdings in meinem Schnupper Seminar nichts gehört und ich weiss nicht ob in einem 6std. praktischen Seminar für sowas zeit ist. Warscheinlich nicht.Muss auch nicht denn es ist ja ein "praktisches".Doch darf es nicht beim Wissen üder praktische Handlungen bleiben.Die theoretische und ethische Auseinandersetzung mit dem Konzept ist unumgänglich. Und daran hapert es meiner Meinung nach leider...

MFG
Pflegeschüler


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