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medizin-forum.de • Thema anzeigen - Biographiearbeit
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 Betreff des Beitrags: Biographiearbeit
BeitragVerfasst: 22.03.06, 05:18 
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Interessierter

Registriert: 21.03.06, 09:58
BeitrÀge: 7
Hallo ihr lieben Schreiber und Leser dieses Forums,

wer von euch hat: Erfahrungen in der Umsetzung, Literaturtips... zum Thema Einbeziehen der Biographie eines Menschen in die tĂ€gliche Pflege. Ich meine dabei nicht nur das gewohnte Duchgel benutzen, sondern Fragen wie -Umgang und Verarbeitung von Krankheit, -Einbeziehen und Umsetzen von spirituellen BedĂŒrfnissen, -Einbeziehen eines gewohnten Lebensrythmus usw.

Ich habe dazu kĂŒrzlich eine fĂŒr mich ziemlich prĂ€gende Erfahrung gemacht:
Es war Sonntag ich habe einen alten Menschen mit bestem Wissen und Gewissen nach der Basalen gewaschen, "gelagert", Mundgepflegt...(Zeitaufwand ca 45 Minuten am StĂŒck) Ich habe aber das GefĂŒhl, das Highlight an diesem Vormittag war fĂŒr ihn, als ich ihm aus seinem Gesangbuch, das auf dem Nachttisch lag, ein paar Gebete vorgelesen habe (Zeitaufwand ca 5 Minuten).
Ich frage mich manchmal sind wir in der BS nicht oft zu sehr auf unsere "Techniken" fixiert. Ich habe fĂŒr mich das GefĂŒhl bei dem Patieten war an diesem Morgen das Zentrale Ziel "Sin und Bedeutung geben" wichtiger als alles andere.

Deswegen noch mal meine Frage: welche Erfahrungen habt ihr mit der Einbezeihung der Biographie eines Menschen in die Pflege?

Freue mich auf alle eure Erfahrungen; Ideen, Tips, Literaturhinweise ....
:D

Liebe GrĂŒĂŸe ins www

Majad


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 19.11.06, 22:45 
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Interessierter

Registriert: 01.11.06, 08:02
BeitrÀge: 17
Wohnort: Schörfling am Attersee
Hallo

Ich halte das Biographische fĂŒr sehr sehr wichtig und entscheidend. In der Basalen Stimulation leg ich sehr viel Wert auf die persönlichen Erfahrungen der PatientInnen. Ich komme zwar nicht aus der Pflege aber in der Therapie werden dann GegenstĂ€nde aus dem bekannten Umfeld der PatientInnen herangezogen.

Warum nicht mal beten, ich hatte auch so einen Fall und hab dem Patienten die HÀnde mal gefalten, das ist motorisch nicht so leicht anzunbahnen, gibt aber eine ganz schöne Position der HÀnde mit viel Eigenwahrnehmung. Weil die Finger ineinander verschrÀnken muss man nur aufpassen, dass es nicht zu lange dauert, weil hÀufig viel Spannung in den Flexoren liegt und die Finger nicht blau werden sollen.

Schöne GrĂŒĂŸe

_________________
Bettina
www.wahrnehmen.at


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 Betreff des Beitrags: Re: Biographiearbeit
BeitragVerfasst: 04.07.11, 21:00 
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Interessierter

Registriert: 04.07.11, 20:46
BeitrÀge: 10
Hallo!
Mache zur zeit die FWB Intensiv- und AnĂ€sthesie und schreibe gerade eine Facharbeit zum Thema: Erstellung eines biografischen Anamnesebogens fĂŒr eine Intensivstation.
Wer hat hiermit Erfahrung? Gibt es soetwas schon in Anwendung


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 Betreff des Beitrags: Re: Biographiearbeit
BeitragVerfasst: 10.07.11, 09:26 
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DMF-Moderator

Registriert: 09.10.04, 14:45
BeitrÀge: 219
Wohnort: 82418 Murnau
Hallo soelvi
es freut mich sehr zum Einen, dass Sie das Thema Basale Stimulation fĂŒr die Facharbeit nehmen möchten und zum Anderen, dass Sie sich dem Thema Biographische Anamnese witmen möchten. Meiner Meinung nach gibt es tausende von Biographiebögen, alle mit viel Arbeit ausgeklĂŒgelt und erstellt, kurz und lang usw. der Haken ist, dass sie alle in der Schublade versinken und sie keiner ausfĂŒllen mag. Manchmal werden sie kommentarlos Angehörigen mitgegeben und was diese dann damit machen weiß man nicht, vor allem nicht, welche Gedanken die Angehörigen dabei haben, wenn sie oft zu tiefst intime Fragen beantworten sollen und nicht wissen warum ....

So, d. h. jetzt, was ist sinnvoll und in welchem Rahmen kann ein Biographischer Anamnesebogen erstellt werden, denn eine letzte Frage noch im Vorfeld ist abzuklÀren, was geschieht mit den doch so persönlichen Bögen?

Um hier nicht zu weit zu gehen und auch nicht negativ dem Biographischen Anamnesebogen gegenĂŒberzustehen, sind das fĂŒr mich wichtige, zentrale Überlegungen, die in der Ausarbeitung des Themas wichtig sind.

Ein Anamnesebogen kann nur individuell fĂŒr die jeweilige Station/Abteilung ausgearbeitet werden, denn es ist ja ein Unterschied ob ich auf einer Intensivstation arbeite, in einer FrĂŒhreha oder im Alten- bzw. Pflegeheim. Also individuell und natĂŒrlich soll so ein Bogen zum AusfĂŒllen schnell gehen. Heutzutage haben wir ja keine Zeit fĂŒr noch zusĂ€tzliche Doku-Arbeit. Was können wir umsetzen, das wir erfragen, welche Möglichkeiten gibt es. GrundsĂ€tzlich könnten sich die Fragen nach den ATL`s beziehen und dabei eben schauen, woraus kann ich eine Pflege ableiten, die speziell fĂŒr diesen Patienten machbar ist. Einen Anamnesebogen nach den Zentralen Zielen aufgebaut, habe ich auch schon einmal probiert zu erstellen, aber den konnte ich nicht ausprobieren, da er vom Team abgelehnt wurde. Dies geht dann nur, wenn jeder die Zentralen Ziele kennt und sie auch in seine Pflege mit einbezieht. Aber ATL`s kennt jeder und in den allegemeinen Pflegeanamnesebogen mit eingearbeitet, den ja eh jede Station hat, das machte fĂŒr uns Sinn und hat sich auch bewĂ€hrt.
Hoffe ich konnte etwas weiterhelfen, viel Erfolg und hoffentlich viele Anregungen hier im Forum
viele GrĂŒĂŸe
Peter Estner


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 Betreff des Beitrags: Re: Biographiearbeit
BeitragVerfasst: 22.07.11, 02:04 
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Interessierter

Registriert: 26.08.07, 17:33
BeitrÀge: 6
Hallo alle zusammen,

also ich freu mich erst einmal, dass in diesem Forum doch noch ein FĂŒnkchen Leben zu stecken scheint. Ist ja doch so ein bisschen Wachkoma hier.
Ich frage mich, wie die Basalisten ĂŒberhaupt Kommunizieren?
Thema Biographiearbeit:
1. Was passiert mit den Biographiebögen?
Richtig, sie verschwinden in den Schubladen. Wer sie benutzt, der benutzt sie aus eigener Überzeugung. Und das sind nicht viele.
In der Regel wird es nicht von einem Pflegeteam erwartet, das es sich mit so etwas beschÀftigt und selbst wenn, dann ist es meist nur theoretisch.
„Wir mĂŒssen das ausfĂŒllen lassen und fertig.“
2. Was macht man mit so einem Biographiebogen?
Gute Frage. Also fĂŒhre ich als ĂŒberzeugter Nutzer von biographischem Wissen ĂŒber Patienten ein AngehörigengesprĂ€ch. Ich möchte wissen wer er vor dem Ereignis war.
Am liebsten möchte ich ein Video von ihm sehen. Wie er sich bewegt, verhĂ€lt, tritt er dominant auf oder ist er eher zurĂŒckhaltend? Ich möchte mir ein Bild von seiner Persönlichkeit machen, auch um zu wissen, dass er vielleicht in seiner jetzigen Situation oder spĂ€ter anders sein wird als er war.
Aber was mache ich mit dem Wissen, wenn ich nach drei SpĂ€tdiensten, Nachtdienst habe und in ein anderes Zimmer wechseln muss. Es gibt keine Zimmer- oder Bezugspflege auf Intensivstationen, das Personal fĂŒhlt sich dadurch zu sehr belastet!
Wenn es doch so etwas gibt, bitte melden! Wie geht ihr mit dem Problem „Bezugspflege“ um. Bekommt ihr UnterstĂŒtzung vom Haus? Wenn nicht, ist Bezugspflege vielleicht vom Haus gar nicht gewollt?

1. Frage dazu: Mache ich jetzt eine ausfĂŒhrliche Übergabe an den nĂ€chsten Dienst?
WĂŒrde wahrscheinlich heißen, dass jeder stĂ€ndig ausfĂŒhrliche Übergaben machen muss. Macht kein Mensch. Der Informationsverlust bei Übergaben ist sehr hoch.
2. Frage dazu: Vertrauen Aufbauen? Wie soll das gehen, bei Rotation von Personal auf Intensivstationen? Biographiearbeit heißt etwas ĂŒber die Person zu erfahren, heißt ein StĂŒck Personenzentrierte Pflege. Um die Persönlichkeit zu kennen, muss ich mit ihr in eine Beziehung treten, was gleichzeitig bedeutet, dass ich dem Patient die Möglichkeit gebe Vertrauen zu mir aufbauen zu können. Ist ja ein Ziel der Basalen. Hier hapert es schon wieder, dass die meisten Pflegenden auf Intensivstationen, die ich zumindest kenne, ĂŒberhaupt nicht BeziehungsfĂ€hig in Zusammenhang mit den Patienten, die sie betreuen sind.
„Nach dem zweiten Tag der Betreuung, fĂ€llt bei mir der Sympathiespiegel zu den Patienten“ Aussage eines Kollegen.
Person! Persönlichkeit! Wie soll ein Pflegender den Patienten als Person wahr nehmen, wenn er sich selbst nur als irgendjemand betrachtet sieht.
Als Pflegender habe ich kaum Mitspracherecht. Dienstberatungen laufen mehr als Monologe ab. Belehrungen, Ab sofort wird das so und so gemacht. Wie ist es mit der Demokratie auf einer Intensivstation? Ich muss einspringen, wenn jemand Krank wird, doch wenn ich mal Frei haben möchte, ist das immer schwierig. Eigentlich will ja keiner nur so vor sich hin pflegen, auch wir Pflegenden verfolgen Ziele mit unserem Beruf, doch wie ist das mit ZielvereinbarungsgesprĂ€chen? Wer bin ich (Pflegender) ĂŒberhaupt? Wie war der Spruch?: „Am Du zum Ich werden.“ Gilt fĂŒr die Pflege-Patientenbeziehung ebenso wie fĂŒr die Pflege-Vorgesetztenbeziehung. Algemeines Pflegebild in Deutschland.
Jeder Mensch ist ein StĂŒck weit ein Spiegel der Gesellschaft in der er lebt.

Die Frage also wozu Biografiebögen im Intensivbereich? Also ich sehe hier eine Sackgasse.
Oder gibt es hier andere Erfahrungen?
Ich weiß, wieder eine nicht so gute Meinung. Biografiearbeit halte ich fĂŒr sehr wichtig, aber es ist eben aus meiner Sicht nur eine Theorie.
Ich hoffe ich habe mit meinem Beitrag dieses Forum nicht wieder in den Dornröschenschlaf geschickt. Vielleicht fÀllt mir dazu auch noch was Konstruktives ein.
GrĂŒĂŸe Moerphy


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