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medizin-forum.de • Thema anzeigen - Erfahrungen zu Kommunikation auf Intensivstationen
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BeitragVerfasst: 23.09.15, 09:09 
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Registriert: 18.09.15, 14:34
Beiträge: 3
Hallo,

ich beschäftige mich berufsbedingt viel mit dem Thema „Kommunikation auf Intensivstationen“.
Arbeite bei einem Hersteller für Kommunikationshilfen und soll mich damit befassen, wie dies in der Praxis gehandhabt wird und was genau die Bedürfnisse und Erfahrungen sind.

Habe dazu ein paar Fragen einerseits an die Mitglieder hier, die als Patient auf Intensivstation waren und z.B. mechanisch beatmet wurden oder intubiert waren, auf jeden Fall nicht lautsprachlich kommunizieren konnten; aber auch an das Intensivpflegepersonal, die jeden Tage mit solchen o.g. Patienten kommunizieren:

An ehemalige Patienten:
1. Wie waren Eure Erfahrungen hier zum Thema Kommunikation während Ihr auf Intensivstation lagt? Wie wurde mit Euch kommuniziert (technische Möglichkeiten) und was waren die Themen?
2. Wie habt Ihr Euch dabei gefühlt? Habt Ihr 3 Schlagworte für mich?
3. Was hättet Ihr ausdrücken wollen und was wurde tatsächlich kommuniziert?
4. was würdet Ihr Euch für zukünftige Aufenthalte (ich hoffe, dass keiner von Euch da nochmal hin muss, aber falls doch) wünschen?
5. Welche technischen Möglichkeiten kennt ihr?

An Intensivpflegekräfte:
1. Wieviel Zeit hattet Ihr für den einzelnen Patienten zur Kommunikation?
2. Was wurde von Euch gefragt bzw. mitgeteilt an diese „stillen“ Patienten?
3. Auf welchem Wege haben Euch die Patienten geantwortet? Habt ihr Kommunikationstafel verwendet oder auch andere technische Hilfsmittel?
4. Was wäre hier seitens der Kommunikation in Intensivstationen Eurer Erfahrung nach zu verbessern bzw. was würde Euch die knapp bemessene Zeit hierfür erleichtern?
5. Welche technischen Hilfsmittel kennt Ihr bzw. werden bei Euch eingesetzt? Und wer ist hier bei Euch zuständig? Die Schwester oder der Pfleger? Oder habt Ihr dafür Logopäden auf der Station?

Auch sonstige Rückmeldungen hierzu wären sehr hilfreich für mich.

Vielen Dank vorab für Eure Antworten :)


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BeitragVerfasst: 23.09.15, 15:05 
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DMF-Moderator

Registriert: 20.05.07, 08:00
Beiträge: 2261
Hallo,

aus Sicht der Pflege:

ad 1): Kommunikation ist ja nicht auf ein bestimmtes Zeitfenster beschränkt, sonder sollte alle Maßnahmen begleiten. Von daher kann hier kein Zeitraum genannt werden.

ad 2): regelmäßige Frage nach Schmerzen und weiteren Beschwerden (Ja-/Nein-Fragen, bei fitten Patienten kann die Visuelle Analogskala bzw. numerische Ratingskala genutzt werden). Mitteilen tut man vieles: Wer man selbst ist, also Name und Funktion, was man gerade am bzw. für den Patienten macht, dass man da ist und sich kümmert,...

ad 3): Handzeichen, Skalen (s.o.), eigene Bildertafel des Patienten, Schreibblock, elektronsiche Sprechhilfe, , Sprechkanüle, Angehörige als "Dolmetscher", da sie den Patienten oft auch ohne Worte verstehen

ad 4): laminierte und somit desinfizierbare Bildertafeln sollten in ausreichender Zahl auf Station vorgehalten werden

ad 5): Technische Hilfsmittel kenne ich bisher nur als Eigentum des Patienten. Eine "Neuanpassung" habe ich noch nicht mitbekommen.
Logopädie haben wir nicht standardmäßig, kommt bei Bedarf meines Wissens nach von extern.

Gruß
Die Anästhesieschwester


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BeitragVerfasst: 23.09.15, 15:22 
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Registriert: 18.09.15, 14:34
Beiträge: 3
Vielen Dank schon mal für die Antwort.
Genau solche Rückmeldungen sind sehr hilfreich für mich, um mir ein besseres Bild davon zu machen, wenn wir in unseren Geräten Sachen für Intensivstationen anpassen und optimieren können. Nur wenn man ein genaues Bild davon hat, wie es in der Realität abläuft, könne wir entsprechend Lösungen entwickeln. D.h. es werden neben Handzeichen und Skalen auch elektronische Geräte verwendet, die im Besitz der Klinik bzw. der Station sind, richtig? Angehörige als Dolmetscher sind natürlich hilfreich, jedoch ja nicht immer vor Ort.
Bildertafeln sind als einfache Hilfe sehr wichtig, dies habe ich auch von andern Intensivstationen gehört. Diese Kommunikation ist aber doch ziemlich langsam, wenn der Patient Dinge, wie Schmerzen, Nebenwirkungen oder sonst Dinge ansprechen möchte, die seine Situation betreffen, die er aber nicht mitteilen kann.

Technische Hilfsmittel wie Kommunikationshilfen finden so langsam auch den Weg in die Intensivstationen, jedoch ist hier noch viel Unwissenheit darüber, welche Möglichkeiten es gibt. Mithilfe von Augensteuerungen kann der Patient alleine mithilfe der Augenbewegungen Dinge kommunizieren und auf Fragen antworten. Ebenso hat er die Möglichkeit gezielt Fragen zu stellen, die ihn betreffen.

Aber richtig, in der Regel werden solche Hilfsmittel über die gesetzlichen Krankenkassen bezahlt und der Patient wird dann versorgt, wenn der Zustand der Unfähigkeit zu kommunizieren anhält bzw. dauerhaft ist. Dies geschieht meist bei Indikationen wie z.B. ALS, RETT Syndrom oder Zerebral Parese. Für den Einsatz in Intensivstationen wird so ein Gerät dann von der Klinik angeschafft, damit es im Bedarfsfalls auch greifbar ist.

Also vielen Dank nochmal für die Antwort.

Sind hier evtl. auch ehemalige Patienten, die Ihre Sicht schildern können?


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BeitragVerfasst: 23.09.15, 18:10 
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DMF-Moderator

Registriert: 20.05.07, 08:00
Beiträge: 2261
Hallo,

mit technischen Hilfsmitteln waren elektronische Sprechhilfen zur Erzeugung einer "Ersatzstimme" gemeint, keine digitalen Kommunikationsmittel.

Gruß
Die Anästhesieschwester


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BeitragVerfasst: 23.09.15, 20:21 
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Registriert: 10.01.07, 16:48
Beiträge: 4216
Hallo,
ich stelle Leute fragen und habe eine leichte Antwortsverfahren (blinzeln wenn Hände gelähmt sind). Betreue auch Autisten die nicht sprechen - da geht es über eine gedruckte und laminierte "Tastatur" oder Computer/schriftlich. Sie können ja verstehen.

Beatmete Patienten - kann man so nicht pauschal sagen, da auf der Neuro kommen kognitive Probleme dazu. Ist jemand beatmet und hat Wernickes Aphasie hilft nur Kontext relevante Bewegungen. Sie können nämlich Sprache nicht verstehen, weder mündlich, schriftlich noch Zeichensprache.

Broca Aphasie: können Sprache verstehen aber weder Sprechen noch schreiben. Da hilft so keine Technik. Gebärdensprache können sie auch nicht lernen. Sie sagen automatisch manche Wörter. Tschüss und hallo und ggf. Danke. Sonst nichts.

Globale Aphasie: können Sprache weder verstehen noch produzieren. Betrifft ebenfalls schreiben und Gebärdensprache.
Ein Patient sagt nur manama. Kann auch nicht verstehen was ich ihm sage. Kommunikation geht über Bilder, Gesichtsausdruck und Bewegungen (Hand führen, alles motorisch vormachen, Bilder zeigen und er wählt die zutreffende aus). Ist aber sonst kognitiv in Ordnung.

Aphasie kommt bei:
Schlaganfall
Schädelhirntrauma
Blutungen
Hypoxie bei Herzinfarkt
usw. vor. Also Volkserkrankungen.

Sind eigentlich die "Hauptkunden". Sind ja dauerhaft Beeinträchtigt. Beatmet weil Hirnnerven zerstört sind - atmen nicht ohne Tks.

Lungenpatienten sind ja nur kurz intubiert und kognitiv klar. Neurologische Patienten nicht. Sind nämlich auch oft lang beatmet. Tlw. Monaten oder lebenslang. COPD + Schlanganfall ist nichts ungewöhnliches.
Gruß
Muppet


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BeitragVerfasst: 23.09.15, 20:45 
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DMF-Moderator

Registriert: 20.05.07, 08:00
Beiträge: 2261
Hallo Muppet,

nein, gerade Lungenpatienten, z.B. bei ARDS, können über Monate hinweg beatmet sein. Kommen dann aber oft vom Akutkrankenhaus in spezielle Pneumologische Kliniken mit eigenen Weaning-Stationen.

Gruß
Die Anästhesieschwester


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BeitragVerfasst: 28.09.15, 10:20 
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Registriert: 18.09.15, 14:34
Beiträge: 3
Danke für die weiteren Antworten.

Patientensicht wäre noch sehr hilfreich für mich? :-)


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