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medizin-forum.de • Thema anzeigen - Chronische Schmerzen und mit den Kräften am Ende
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BeitragVerfasst: 08.11.15, 18:13 
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Registriert: 02.02.08, 14:04
Beiträge: 248
Hallo,
ich (w, 27 Jahre alt) habe seit vielen Jahren chronische Rückenschmerzen. Mit 12 Jahren wurde eine starke Skoliose diagnostiziert. Es folgten Korsett und Krankengymnastik. Die Skoliose verschlechterte sich aber sehr schnell. Mit 14 sollte ich schon operiert werden, aber ich konnte mich dann erst im Alter von 23 Jahren mit 90° in der Brustwirbelsäule und 70° in der LWS dazu durchringen. Vor 4 Jahren wurde ich dann von TH4-L4 versteift. Schmerzen hatte ich schon in den Jahren vor der OP immer aber ich konnte sie damals immer noch durch Hinliegen lindern. Zum Zeitpunkt der OP hatte ich schon deutliche Verschleißerscheinungen durch die jahrelange Fehlbelastung der Wirbel aufgrund der starken Krümmung. Ich erholte mich lange nicht von der OP und war über 1 Jahr daheim. Chronische Schmerzen blieben, jedoch anders als vor der OP. Viel stärker, sodass ich nun schon seit August 2011 (seit der OP) Opiate u.a. einnehme. Hauptproblem ist alles unterhalb L4 (Osteochondrose L4/L5 und Bandscheibenvorfall L5/S1), jedoch machen auch immer wieder der Nacken (und somit auch der Kopf) und die BWS+Rippen große Probleme.
Ich bin seit einem halben Jahr berufstätig. Nach meinem Masterstudium habe ich keine entsprechende Stelle gefunden und arbeite daher in einer Kinderkrippe, um zunächst etwas Berufserfahrung zu sammeln.
Behandlung bisher:
-Reha 2012+2015, Facetteninfiltrationen 2012
-stationär 2014: Infiltrationen in den Spinalkanal+ISG-Infiltrationen+Nervenwurzelblockade S1+Thermokoagulation der Facettengelenke L4-S1 (hielt nur paar Monate an)
- immer wieder Akupunktur
- Reizstrom
- seit 09/2011 durchgehend 2x die Woche Krankengymnastik
- Muskelrelaxation nach Jacobson
- Medikamente aktuell täglich: 3x 100mg Tapentadol, 60mg Etericoxib, 500-2000mg Novaminsulfon, zur Nacht 25mg Amitriptylin, damit ich schlafen kann

Erwähnen sollte ich vielleicht auch, dass ich seit Jahren an starker Müdigkeit leide. Ich bin nie ausgeschlafen und könnte tagsüber immer einschlafen. Ich habe eine Schilddrüsenunterfunktion, die aber medikamentös eingestellt ist.
Von der 4-wöchigen Reha Anfang diesen Jahres profitierte ich zunächst. Ich konnte dort dann sogar das Tapentadol reduzieren. Die Rehaärzte dort wollten, dass ich das ganz ausschleiche. Daheim konnte ich es aber nicht weiter reduzieren und seitdem ich arbeite, nehme ich wieder meine alte Dosis. Seit der Reha mache ich Gerätetraining zusätzlich zur Krankengymnastik. Nach der Reha hätte ich also erst mal Grund genug gehabt, glücklicher zu sein, doch ich fiel richtig in ein Loch. Ich hatte mein Masterstudium trotz der Schmerzen mit sehr gut abgeschlossen und konnte mich aber gar nicht drüber freuen. Ohne Lernstress hätte ich mehr Zeit für meine Hobbys gehabt, aber ich konnte mich weder dazu aufraffen noch hatte ich noch die gleiche Freude daran. So Phasen hatte ich davor auch immer mal wieder, aber seit Anfang des Jahres geht diese Phase nicht mehr vorüber. Ausnahme war mein 10-tägiger Sommerurlaub. Weit weg von daheim und am Meer. Aber auch danach war es ganz schlimm. Ich hätte ständig heulen können und habe das auch viel.
Ich kämpfe mich täglich morgens aus dem Bett, habe das Gefühl ewig nicht richtig wach zu werden, bin immer müde, empfinde keine große Freude mehr, bin niedergeschlagen, habe oft kaum Appetit (bin aber eh schon an der Grenze zum Untergewicht), habe am liebsten meine Ruhe (allein sein), habe mich sehr von meinen sozialen Kontakten zurückgezogen usw. Zur Arbeit schaffe ich es noch täglich, aber sobald ich heimkomme und Feierabend habe, habe ich überhaupt keine Kraft mehr irgendetwas zu tun. Zum einen sind meine Schmerzen dann meist unerträglich und zum anderen bin ich dermaßen erschöpft, da es anstrengt so zu tun als sei nichts.
In der Reha musste man bei der Aufnahme den PHQ-9 ausfüllen. Im Nachhinein muss ich gestehen, dass ich da nicht ehrlich zu mir selbst war. Ich kannte den Test...(hatte im Masterstudium Soziale Arbeit "psychosoziale Gesundheit" als Schwerpunkt). Zu dem Zeitpunkt war ich aber selbst der Meinung, dass ich psychisch gar keine Probleme habe. Die Erkenntnis, dass das anders ist, kam dann als ich wieder daheim war. Ich denke, dass ich inzwischen an Depressionen leide. Hört sich schon sehr danach an, oder? Symptome passen alle. Habe auch schon mehrmals Onlinetests, die z.B. auf dem PHQ-9 beruhen, gemacht. Einzig allein Suizidgedanken kann ich verneinen.
Leider kann ich mich irgendwie niemand öffnen. Das war schon immer so. Wenn mich jemand fragt, wie es mir geht sage ich meist "gut", obwohl es nicht so ist. Das kommt aber auch mit daher, dass es eh niemand versteht, wenn ich mal ehrlich bin.
Ich brauche Hilfe, aber schaffe es nicht mir die zu holen. Vor 1,5 Wochen war ich bei meinem Hausarzt wegen einer verschleppten Bronchitis. An dem Tag war ich ganz schlecht drauf, war sehr niedergeschlagen usw. Mein Hausarzt kennt mich sehr gut. Er ist auch derjenige, der mich wegen meiner Schmerzen behandelt. In der Praxis habe ich aber auch immer versucht, fröhlich zu wirken usw. Letztes Mal hat er mich dann, als ich schon gehen wollte, noch angesprochen was die Schmerzen denn grad machen und wie es mir abgesehen von der Bronchitis geht. Habe mich ja auch mal nicht bemüht, fröhlich zu wirken sondern war so wie ich bin. Ich habe ihm dann ansatzweise kurz erzählt, wie es mir geht. Dass mich die Schmerzen fertig machen, ich außer arbeiten gar nichts mehr mache usw. Er hat sich dann alles notiert und meinte, dass ich jetzt erst mal wieder gesund werden soll und wir dann aber schauen müssten. Ich war erleichtert, dass ich es ansatzweise angesprochen habe und es auch ankam. Jetzt wollte ich diese Woche schon in der Praxis anrufen, um einen Termin auszumachen und habe es einfach nicht geschafft. Jeden Tag habe ich es auf morgen verschoben, obwohl ich ja eigentlich möchte, dass er mir hilft...Einerseits möchte ich jemand erzählen, dass es mir schlecht geht usw., aber andererseits habe ich große Angst davor und weiß nicht wie. Selbst hier das Schreiben fällt mir schwer, obwohl mir niemand direkt gegenüber sitzt.
Mein Hausarzt wird mich sicherlich weiter schicken, aber ihm kann ich das alles im Moment am ehesten erzählen. Sollte ich zunächst dann danach zu einem Schmerztherapeuten? Mir wurde hier auch schon eine Schmerztherapiepraxis empfohlen. Wartezeit aktuell 7 Monate. Über eine mögliche Psychotherapeutin habe ich ich neulich auch informiert, aktuelle Wartezeit 1 Jahr. In der nächsten Zeit wird mir also zunächst mein Hausarzt bleiben.
Wie kann der mir helfen? Er hat mir letztens den Vorschlag gemacht auch morgens Amitriptylin zu nehmen, aber das geht nicht. Nach der Einnahme werde ich so müde, sodass ich das nur nehmen kann, wenn ich direkt ins Bett gehe.
Für meinen ewig langen Text habe ich gar keine großen Fragen, jedoch tat es gut, das alles mal zu schreiben...
Viele Grüße!


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BeitragVerfasst: 09.11.15, 20:50 
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DMF-Moderator

Registriert: 15.09.04, 15:24
Beiträge: 2028
Hallo Studie,

nachdem Sie hier ja schon sehr viel erzählen konnten und auch in Ihrer "Selbstdiagnose" durchaus fortgeschritten sind, tun Sie den nächsten Schritt bitte auch noch: Suchen Sie nach einem geeigneten Psychotherapeuten. :!:
Sie wissen selbst, dass Sie hier dringend eine professionelle Unterstützung brauchen. Die kann Ihnen auch Ihr Hausarzt nicht bieten.
Auch ein Schmerztherapeut wird da nicht viel weiter kommen bzw. er wird Ihnen wahrscheinlich sehr bald ebenfalls diesen Hinweis geben.
Wenn eine Depression einigermaßen im Griff ist, kann man schauen, was von den Schmerzen noch übrig geblieben ist. Das wäre dann ggf. eine Aufgabe für einen Schmerztherapeuten.
Gute Besserung und alles Gute wünsche ich Ihnen
MfG W.Gahbler
----------------------

Hinweis unter Bezug auf §7(3) der Berufsordnung für Ärzte:
1. Der voranstehende Beitrag ist eine allgemeine Stellungnahme, die, ausgehend von Ihrer Anfrage mit größtmöglicher Sorgfalt verfasst wurde.
2. Bitte wenden Sie Sich unabhängig davon persönlich zur Beratung, Untersuchung und Behandlung an eine Ärztin oder einen Arzt Ihres Vertrauens!
_________________
aus der Gemeinschaftspraxis
Dr.W.Gahbler/F.Becker/Dr.K.Sieben/R.Simon
http://www.schmerzkreis.net


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BeitragVerfasst: 10.11.15, 09:02 
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Registriert: 10.01.07, 16:48
Beiträge: 4216
Hallo,
in der Tat wird der Hausarzt wenig helfen können. Neben Amitriptylin gibt es andere Antidepressiva die stimmungsaufhellend wirken ohne müde zu machen (z.B. Citalopram).

Jetzt die Vorgehensweise um Hilfe zu erhalten:

1. Überweisung für Psychotherapeuten ist nicht notwendig.

2. Bzgl. Psychotherapeuten: es nutzt nichts nur 1 anzurufen, sondern ggf. alle. Auch wenn keine regelmäßige Termine frei sind, ein Beratungsgespräch kann man manchmal reinschieben.
Google "Kassenärztliche Vereinigung" + deinem Bundesland und "Psychotherapeuten Suche". Da geht eine Maske auf. Trage Psychotherapeut ein und da sind alle Psychotherapeuten mit Kassenzulassung gelistet. Mindestens 5 anrufen. Wichtig: Auflisten welche Therapeuten ablehnen. Du brauchst ggf. die Namen und Adressen für einen Antrag an die Krankenkasse.

3. Keine Platz innerhalb 4 Monaten frei? Da bleibt der Kostenerstattungsverfahren. D.h. du rufst Privattherapeuten an - achte dabei darauf das die Titel "psychologische Psychotherapeut" , "Dipl. Psychologe" oder "psychologische Therapeut" angegeben wird, so landest du bei jemand der tatsächlich qualifizert ist. (Therapeut nach HPG ohne Zusatz "Psychologe/psychologisch" haben kein Psychologiestudium absolviert, sondern nur einen Kurs belegt - mit Vorsicht zu geniessen). Die Krankenkasse übernimmt die Kosten genau wie bei die Therapeuten mit eine Kassenzulassung. Vorraussetzung: mind. 5 Ablehnungen von Kassentherapeuten (daher die Liste).

Auch bzgl. Selbstdiagnose: siehe "Teufelskreis der Depression und Rückenschmerzen". Haut 100% hin zu was du beschreibst. Rückenschmerzen -> Depression -> weniger Bewegung -> Schmerzen verstärken sich -> noch weniger Bewegung -> soziale Isolation -> Depression wird stärker -> Schmerzen werden stärker -> ad infinitum.

Gruß
Muppet


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