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medizin-forum.de • Thema anzeigen - Symptome einer rheumatischen Erkrankung?
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BeitragVerfasst: 06.09.16, 22:40 
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Interessierter

Registriert: 10.03.14, 19:54
Beiträge: 11
Liebe Mitglieder,
ich würde gerne wissen, ob folgende Symptome auf eine rheumatische Erkrankung hindeuten könnten:

- Erhöhter Augeninnendruck
- Gelegentlich Migräne und Sehstörungen
- Gelegentlich leichter Schwindel
- Mitralklappenprolaps
- Niedrige Entzündungswerte
- Leicht ausgeprägtes Seborrhoisches Ekzem
- Häufige Müdigkeit und Erschöpfung

Wie können Rheuma- bzw. Autoimmunerkrankungen eindeutig diagnostiziert werden?


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BeitragVerfasst: 07.09.16, 15:15 
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DMF-Moderator

Registriert: 31.01.07, 15:01
Beiträge: 10887
Wohnort: 87727 Babenhausen ( Schwaben)
Guten Tag,
der Begriff " Rheuma" umfasst eine Unzahl an verschiedenen Erkrankungen, nicht nur Gelenk-und Weichteilerkrankungen. Kollagenosen, gewisse Autoimmunerkrankungen, Gefäßentzündungen und viele andere Erkrankungen gehören diesem Formenkreis an. Daher kann Ihre Frage nicht so ohne weiteres beantwortet werden. Aber grob gesagt, passen Ihre Symptome nicht zu einer rheumatischen Erkrankung. Bei fast allen sind z.B. die Entzündungswerte ( BSG, CRP, Leukozyten) erhöht. Besteht Verdacht auf " Rheuma", hilft oftmals nur eine Laboruntersuchung weiter unter Einschluß aller relevanten Laborwerte ( BB, Eisen, Kupfer, Kreatinin, Knochen-und Leberparameter, Muskelenzyme, Harnsäure, immunologische Untersuchungen wie diverse antinukleäre Faktoren ( ANF, ANA, ccP usw).

_________________
Grüße Dr. Fischer
Unter Bezugnahme auf § 7 (3) der Berufsordnung für Ärzte ist mein Beitrag eine Stellungnahme,die auf den vorliegenden Angaben beruht .Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.


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BeitragVerfasst: 05.10.16, 11:09 
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Interessierter

Registriert: 10.03.14, 19:54
Beiträge: 11
Vielen Dank. Es gibt allerdings eine Untersuchung des britischen Rheumatologen Paul Emery, deren Ergebnis war, dass eine rheumatische Erkrankung auch dann vorliegen kann, wenn keine auffälligen Entzündungswerte im Blut vorhanden sind. Ich zitiere hierzu einen Beitrag von Priv. Doz. Dr. med. H.E. Langer:

Zitat:
Es ist leider auch vielen Ärzten und – was noch viel schlimmer ist – leider auch einigen Rheumatologen nicht bekannt, dass eine Arthritis vorliegen kann, ohne dass man im Labor erhöhte Entzündungswerte nachweisen kann.

Eine in dieser Hinsicht außerordentlich bedeutsame wissenschaftliche Untersuchung stammt von dem bekannten britischen Rheumatologen Paul Emery. Er hat in seiner „early arthritis clinic“ Patienten mit einer beginnenden Arthritis sehr sorgfältig mit einer ganzen Reihe von Untersuchungen untersucht und dann nach einem vorbestimmten Plan „prospektiv“ über die nächsten drei Jahre nachuntersucht.

Nach Ablauf der drei Jahre wurde dann festgestellt, bei welchen Patienten nun eine sichere chronische Polyarthritis / rheumatoide Arthritis vorlag und dann rückblickend geschaut, welche Befunde bei diesen Patienten ganz zu Anfang vorlagen.

Das erstaunliche Ergebnis war, dass bei mehr als einem Drittel der Patienten im Anfangsstadium der chronischen Polyarthritis / rheumatoiden Arthritis die Blutsenkung und / oder das c-reaktive Protein (CRP-Wert) nicht erhöht, d.h. normal waren.

Ebenso können auch im späteren Krankheitsverlauf die Entzündungswerte im Blut bei M. Bechterew oder bei der Psoriasisarthritis völlig normal sein, auch wenn lokal eine hohe Entzündungsaktivität besteht, die Krankheit erheblich aktiv ist und sich im Verlauf auch typische Röntgenveränderungen entwickeln.

Von besonderer Bedeutung ist es, zu wissen, dass einige der schwersten und z.T. lebensbedrohlichen rheumatischen bzw. immunologischen Systemerkrankungen wie einige Vaskulitiden oft mit nur ganz geringen oder sogar fehlenden Entzündungszeichen im Labor einhergehen, obwohl vor Ort in den Gefäßen ganz ausgeprägte Entzündungen bestehen und die Gefahr von Infarkten und anderen lebensbedrohlichen Ereignissen besteht. Bei vielen dieser Erkrankungen reichen die üblicherweise routinemäßig durchgeführten Laboruntersuchungen nicht aus, da sich die Erkrankung und die Aktivität der Erkrankung hier oft erst durch eine sehr aufwendige, diffenzierte Labordiagnostik und zusätzliche diagnostische Maßnahmen ermitteln lässt.

Es ist deshalb sehr wichtig, bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen zwischen der lokalen und der systemischen Entzündungsaktivität zu unterscheiden, da die beiden Phänomene nicht immer parallel laufen müssen.

Dies gilt im übrigen auch für die Therapie und das Therapiemonitoring. Im Klartext: Wenn sich unter einer medikamentösen Therapie einer Arthritis oder einer anderen entzündlich-rheumatischen oder immunologischen Systemerkrankung die Blutwerte normalisieren, heißt das nicht in jedem Fall auch gleichzeitig, dass die Erkrankung vollständig kontrolliert ist und sich ein einer kompletten Remission befindet. Um von einer kompletten Remission sprechen zu können, ist immer auch die Bewertung anderer Parameter außer dem Labor notwendig.


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BeitragVerfasst: 05.10.16, 14:41 
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DMF-Moderator

Registriert: 31.01.07, 15:01
Beiträge: 10887
Wohnort: 87727 Babenhausen ( Schwaben)
Hallo,
Es ist mir selbst als Frauenarzt bekannt, dass die entsprechenden Laborwerte mehr oder weniger auch fehlen können, je nach Stadium und Art der rheumatischen Erkrankung. Daher schrieb ich ja "bei fast allen"-ohne näher darauf einzugehen, was zu weit führen würde. Allerdings wurde als Blutuntersuchung- so wie ich das Zitat lese- nur CRP und die BSG untersucht und darauf hingewiesen, dass die "üblichen" Laboruntersuchungen nicht ausreichen. Es gibt aber sehr viele und sehr genaue Laboruntersuchungen und daher ist die Frage, ob diese besagten 30 % sich eben nur auf BSG und CRP beziehen und mit weiterführenden Laboruntersuchungen festgestellt werden könnten.
Nebenbei: CRP, Leukos und BSG gehören zwar mit zur Basisdiagnostik, zur Labordiagnostik einer rheumatischen Erkrankung tragen sie aber meist herzlich wenig bei.

_________________
Grüße Dr. Fischer
Unter Bezugnahme auf § 7 (3) der Berufsordnung für Ärzte ist mein Beitrag eine Stellungnahme,die auf den vorliegenden Angaben beruht .Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.


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