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 Betreff des Beitrags: Fallbeispiel
BeitragVerfasst: 09.01.10, 08:23 
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Beiträge: 76
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Hallo!

Mich würde interessieren,wie man vorgeht, wenn es zu folgendem Fallbeispiel kommt:

Patient mit Luftnot fordert Rettungsdienst an. Folgendes Bild bietet sich dem vor Ort eintreffenden Team. Ausgeprägte Sprechdyspnoe (Ein-Wort-Sätze), starker Hustenreiz, expiratorischer Stridor. Nutzen der Atemhilfsmuskulatur, atemerleichternde Haltung mittels Kutschersitz. Bekanntes Asthma und VCD. Berotec mehrfach erfolglos angewandt.

Sättigung: 92%
HF: 140 Schläge/min
Atemgeräusche auskultatorisch leise und kaum hörbar
keine Zyanose

Wie geht man da vor? Werden dem Patienten noch Möglichkeiten gegeben, die Atemnot mittels gemeinsamer Atemübungen hinzubekommen, um so die Atemnot zu durchbrechen? Werden gleich Medikamente gegeben? Wenn ja, welche?

Besten Dank für Antworten!


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 09.01.10, 11:56 
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Also ich würde als erstes 15l O2 über Maske geben (wenn man hat mit Reservoir).
Während dessen kann man natürlich versuchen den Patienten dazu zu bringen eine Lippenbremse etc durchzuführen. Von Experimenten a la durch die Spritze pusten würde ich hier erst mal Abstand nehmen, da dies der Sauerstoffpapplikation im Wege stehen würde.
Interessant wäre wie seine Sättigung sonst ist (92% und keine Zyanose ist für eine ausgeprägte Atemnot bei Asthema Bronchiale/VCD ja jetzt nicht sooo wenig) und ob er das Gefühl hat das nur das Asthma oder die VCD (Vocal Cord Dysfunktion - für alle die wie iich erst mal googlen mussten) oder beides ist (er sollte das von den Beschwerden her trennen können - Erfahrung macht da den Meister *g*).
Hört sich aber eher nach Asthma an (expir. Stridor, silent chest).
Entsprechend würde ich Salbutamol vorbereiten und über einen Vernebler zum Sauerstoff geben. Dazu zügig einen periphervenösen Zugang.

Jetzt würde ich erst mal gucken wie der Patient sich gibt/entwickelt. Silent chest ist natürlich ein deutliches Warnzeichen, aber rein von den Werten her ist der Patient noch nicht so schlecht dran. (Finde es immer schwierig so was nur auf Zahlen fußend zu machen - gerade bei Dyspnoepatienten finde ich sieht und spürt man vor Ort richtig gut wo es lang geht).
Wichtig wäre natürlich eine ausführliche Anamnese. (z.B. SAMPLE; idealerweise mit Behandungs- und E-Berichten)

Wenn möglich zügiger Transport in die entsprechende Klinik - die können dort immer noch am besten helfen. Ich denke ein Überwachungsbett wäre angezeigt (wenn sich den Pat nicht innerhalb von 10min komplett erholt) muss man aber vom Zustand des Patienten abhängig machen.

Begründung:
Eine akute Zyanose tritt beim Dyspnoepatienten meist erst ein wenn er sich erschöpft. An dieser Stelle sind wir hier (zum Glück) noch nicht. Der Patient ist Tachykard, aber noch nicht übermäßig. gefährlich wird es bei starker Tachykardie mit HRST, bzw. bei einer Bradykardie. Abhängig ist dies natürlich auch vom AZ des Pat. Dennoch ist die Sättigung "nur" bei 92%. Was allerdings ein prognostisches Warnzeichen sein sollte sind die kaum hörbaren Atemgeräusche.
D.h. der Pat. ist zwar noch nicht unmittelbar als kritisch zu betrachten, benötigt aber definitiv Sauerstoff und Salbutamol um das auch beizubehalten.
Das genau schränkt die Möglichkeit der Atemübungen ein, da sie mit O2-Maske meist schlecht funktionieren/zu vermitteln sind.
Generell habe ich die Erfahrung gemacht das Atemübunegn meist (in der Situation) vom Patienten nicht verstanden, tolleriert oder konsequent durchgeführt werden. ausnahme sind die Patienten die ihr Krankehitsbild gut kennen und die Übungen selbstständig durchführen. Den geht es auch meist etwas besser, was allerdings auch gut auf die psychische Komponente zurückzuführen ist.

_________________
Quid pro quo?


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BeitragVerfasst: 10.01.10, 02:38 
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Beiträge: 299
Wohnort: Reutlingen (D Ba-Wü)
Grüße,

größtenteils möchte ich mich dem Vorredner anschliessen.

Bei ausgeprägter Dyspnoe, silent lung würde ich den Patienten trotz einer Sättigung von 92% als kritisch ansehen, aber mal der Reihe nach...

Atemweg: obere Atemwege wohl frei
Belüftung: bds. kaum hörbare AG bei expiratorischem Stridor, silent Lung !!!
>> NA-Ruf :) Salbutamol vernebelt, monitoring
Circulation: Tachykard (Rhytmus? Tastbarkeit?), Haut?, Halsvenen?, Rekap.? !!!
>> Anlage i.V. Zugang, Beatmungbereitschaft
Defizite (neurolog.): GCS wohl 15?, vermutlich keine Paresen (Kutschersitz)
Entkleiden/Untersuchen: Check ABCD(+EKG) (parallel Differentialdiagnosensuche), solange möglich Anamnese (AMPEL/OPQRST)
>> Airwaymanagement/Narkose/Entlastungspunktion wird evtl. nötig, Equipment da?

Dann wird der NA schon da sein :) Potenziell würd ich mit eher große Sorgen machen, dass der Patient sich schnell verschlechtert, aber das zeigt nur der Verlauf des Einsatzes. Kann sich ja doch in ein paar Richtungen entwickeln. Ist es ein erfundener Patient?

Grüße

Markus Bela

_________________
Lehrrettungsassistent / ILS-Disponent / QMB
"Gut gemeint" ist nicht gut genug.
Skype: m.bela77


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BeitragVerfasst: 11.01.10, 12:38 
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Registriert: 06.07.05, 19:31
Beiträge: 475
Wohnort: England, Newcastle
hmmm
Sein Berotec mehrfach genutzt? Wie oft? Die Tachycardie würde ich einfach mal der übermäßigen Anwendung zuschreiben. Die Sättigung ist noch tollerierbar, AGs beidseitig leise oder ist ein Seitenunterschied oder sogar Lappenunterschied hörbar? Wie alt ist der Patient? Wärend der Untersuchung erst mal 100% O2 wie von denVorrednern gesagt. 12 Kanal EKG, 5mg Salbutamol 500mcg Ipratropium. Besserung der AGs? Husten, produktiv oder trocken? AGs kaum hörbar aber starker exp stridor? hmm entweder bewegt ein Patient kaum Luft oder nicht. Passt für mich nicht so zusammen.
Binmal gespant über die Auflösung.


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BeitragVerfasst: 11.01.10, 21:55 
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Hallo,

danke für die ersten Antworten.

Der Patient ist 30 Jahre alt. Jap, er hat ein deutlich hörbaren expiratorischen Stridor, obwohl auskultatorisch kaum ein Atemgeräusch zu hören ist. Berotec hat er 8 Hub erfolglos genommen.

Das Fallbeispiel ist nicht erfunden! Einzige Abwandlung - zu der Diagnose Asthma, wurde im Nachhinein die Zusatzdiagnose VCD festgestellt. Insofern würde mich halt interessieren, ob und was sich dadurch für den Rettungsdienst vor Ort am Vorgehen ändert.

Hoffe noch auf weitere interessante Antworten...

Jumanji


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BeitragVerfasst: 15.01.10, 14:58 
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Registriert: 06.07.05, 19:31
Beiträge: 475
Wohnort: England, Newcastle
Wenn der Patient nicht auf die Therapie mit beta2 mimetikum und Parasympatholytikum anspricht würde ich Steroide geben und in eine Klinik fahren. Präklinisch ist außer C-PAP nicht viel machbar bei diesem Syndrom und zu unterscheiden was gerade akut das Problemist traue ich mir nicht zu. Bei akuter Verschlechterung Adrenalin aber all dies ziehlt nur auf das Asthma ab.


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