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 Betreff des Beitrags: Recherchefrage
BeitragVerfasst: 30.12.09, 12:13 
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Registriert: 30.12.09, 11:50
Beiträge: 2
Hallo liebe Medizin-Foren-Gemeinschaft!

Ich habe eine vielleicht eher ungewöhnliche Frage und hoffe, dass ich sie an euch stellen darf und sogar im richtigen Forum gelandet bin, denn meine Frage ist eher theoretischer Natur.
Um auf den Punkt zu kommen: Zur Zeit schreibe ich an einem Roman und habe eine Situation, in welcher die Protagonistin ins Krankenhaus eingeliefert wird.
Da ich nun keinen Unsinn schreiben möchte, was die Behandlung im Krankenhaus angeht, würde ich mich sehr freuen, wenn ihr mir einige Tipps oder theoretische Vorgehensweisen der Ärzte schreiben könntet.
Zur Situation:

Ein 19-Jähriges Mädchen wird bewusstlos von ihrer Nachbarin in der Wohnung aufgefunden. Ein herbeigerufener Notarzt lässt das Mädchen ins Krankenhaus bringen.
Von der Mutter erfahren die Ärzte folgende Geschichte: Der langjährige Freund des Mädchens verschwand wenige Tage zuvor und anscheinend hatte das Mädchen sich auf die Suche nach ihm gemacht, weshalb sie die Tage vor ihrem Auffinden ebenfalls verschwunden war.
Die Ärzte stellen folgendes fest:
1) Das Mädchen ist etwas zu dünn (bei einer Größe von ca. 1,70m wiegt sie nur etwa 52kg) und hat einen akuten Vitamin- und Mineralstoffmangel (nicht gravierend, spricht jedoch für eine schlechte Ernährung über Wochen, wenn nicht Monate, hinweg).
2) Es gibt keine offensichtlichen Verletzungen, außer einer Schnittwunde am rechten Arm.
3) Nachdem das Mädchen zu Bewusstsein gekommen ist, werden zwei Dinge deutlich:
1. Sie erinnert sich nicht an die vergangenen Tage.
2. Sie halluziniert (spricht mit Menschen, die nicht da sind).
Ansonsten ist ihr Zustand stabil und sie ist ansprechbar. Es gibt keine vorhergehenden Erkrankungen chronischer oder psychischer Natur.

Meine Frage(n) nun:
Ist die geschilderte Situation an sich glaubwürdig? Wie würden die Ärzte auf diese Patientin reagieren bzw welche Maßnahmen würden sie wahrscheinlich einleiten?

Ich hoffe, dass ich dies fragen durfte und ihr mir etwas eurer Zeit opfert.
Liebe Grüße,
E.M.


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BeitragVerfasst: 30.12.09, 15:59 
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Beiträge: 275
Wohnort: Köln/Magdeburg
Also,

dem Mädel würde falls noch nicht geschehen ein Zugang gelegt und Blut abgenommen werden - welches dann untersucht wird (im beschriebenen fall würde wahrscheinlich auch ein sogenantes ToxScreening durchgeführt werden welches auf übliche Drogen/Medikamente und Gifte testet.
Es würde eine gründliche (körperliche) Untersuchung (Blutdruck, Temperatur, Puls, Lunge abhören etc) durchgeführt werden, ein EKG würde geschrieben werden.
Je nachdem würde (kommt auf den Arzt und die Vorgeschichte an) ein CCT (Computertomographie vom Schädel/Gehirn) gemacht werden.
Dann würde sicherlich ein Neurologe und ein Psychologe hinzugezogen werden um das Mädchen zu untersuchen. Gegebenenfalls (kommt auf das Krankenhaus und seine Fachabteilungen an) würde eine Verlegung in eine Fachklinik Neurologie/Psychiatrie angestrebt/durchgeführt werden - je nach vermutetem Krankheitsbild.

Sind alles nur sehr oberflächliche Angaben, aber dich denke Du willst auch kein Fachbuch schreiben. Wenn Fragen bestehen, einfach fragen *g*

Viel Erfolg!

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BeitragVerfasst: 30.12.09, 18:16 
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Registriert: 22.12.09, 10:27
Beiträge: 46
Das find ich ja jetzt mal toll :lol:
Hast du schon mehr Bücher geschrieben??
Wenn die anderen dir hier noch richtig weiterhelfen können die später mal sagen "Ich hab da "mitgeschrieben", voll cool =)
Und sorry für das off topic ;)


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BeitragVerfasst: 31.12.09, 05:59 
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Registriert: 30.12.09, 11:50
Beiträge: 2
Huhu,
vielen Dank für diese schnelle Antwort, VK-Retter! Das hilft mir schon ein gutes Stück weiter.
Würden die Ärzte bzw der hinzugezogene Neurologe / Psychologe das Mädchen direkt auf ihre psychischen Probleme ansprechen (sie ist ja volljährig)? Schließlich ist ihr erst einmal nicht bewusst, dass sie halluziniert.
Und nein, ein Fachbuch gewiss nicht :) Dennoch ... Ich möchte keinen Unsinn schreiben; was dann dramaturgisch gesehen vielleicht sinnvoll, aber völlig unglaubwürdig ist. Da möchte ich auf jeden Fall korrekt bleiben!
Mandalakind, danke auch für das nette Offtopic ;) Also ich muss gestehen, bisher gibt es nur kleinere Erzählungen in regionalen Anthologien sowie damit verbundene Lesungen im Rahmen von Lesungen, an denen einige Autoren beteiligt sind.
Dieser Roman liegt allerdings schon einige Jahre herum - wobei sich das anhört, als wäre er angestaubt; was er nicht ist, da ich kontinuierlich daran gearbeitet habe. Nun geht es in die "kritische Phase", in welcher ich eben die Glaubwürdigkeit einiger Szenen überprüfe und sie anschließend schreibe :)
Ohja, mehr Offtopic als alles andere, Entschuldigung ;)
Liebe Grüße - und ich freue mich über jedes weitere Detail!
E.M.


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BeitragVerfasst: 31.12.09, 15:11 
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Registriert: 05.11.06, 22:59
Beiträge: 275
Wohnort: Köln/Magdeburg
So,

eine neurologische Untersuchung würde (grob) wie folgt aufgebaut sein:
- Ausführliche Anamnese und Fremdanamnese
o Ausführliche Anamnese bedeutet, dass nicht nur die Vorgeschichte der akuten somatischen (körperlichen) Beschwerden beleuchtet/erfragt wird, sondern auch die so genannten pyscho-sozialen Aspekte (also die psychologische und soziale Entwicklung und Situation des Patienten). In diesem Zusammenhang würden auch Fragen zu bestehenden oder vorhergehenden psychischen Erkrankungen, Therapien und Klinikaufenthalten gestellt werden. Sowohl was die Person selber, als auch (nähere) Verwandten der Blutlinie angeht.
Die ermittelten Informationen lassen ein Gesamtbild entstehen und möglicherweise Rückschlüsse auf Prädispositionen, Risikofaktoren und Kausalzusammenhänge (in Bezug auf akute oder länger bestehende Erkrankungen und deren Ursachen, bzw. Folgen) zu.
Auch vegetative Funktionen (Schlaf-,Blasen-/Mastdarm-,Sexualfunktion u.ä.) und Medikamente/Drogen werden vom Neurologen erfragt.
Was die Fremdanamnese angeht werden Zeugen, Verwandte, Freunde (wer auch immer anwesend ist und etwas konstruktives zur Vorgeschichte oder den unmittelbaren Vorgängen beizutragen hat) befragt.
- Praktikabeler Gesamtstatus
o Hier werden Fehlbildungen, Fehlhaltungen, Hautveränderungen, Gelenke, Augen, Muskulatur, unwillkürliche und willkürliche Bewegung(en), Gangbild in einer allgemeinen Inspektion (Betrachtung) erhoben.
o Des weiteren folgt eine gründliche körperliche Untersuchung bei der die Hirnnerven, Nervenaustrittspunkte, Wirbelsäule, Sensorik, Sensibilität, Kraft, Reflexe, Koordination und viele andere Faktoren geprüft werden.
o Auch ein psychischer Befund wird erhoben. Es wird ermittelt in wie weit der Patient bei Bewusstsein ist (Vigilanz), ob Merkfähigkeit, Konzentration oder Aufmerksamkeit gestört sind, ob der Patient zu Person, Ort, Zeit und Situation orientiert ist, ob seine zwischenmenschliche Interaktion Auffälligkeiten aufweist, sein Antriebsverhalten („Motivation“), seine Wahrnehmung und seine Stimmungslage als „normal“ einzuordnen sind.
- Symptom-orientierte Untersuchungen
o Entsprechend eines ersten Verdachts folgen weitere Maßnahmen und Untersuchungen falls erforderlich.

Es würden also schon hier erste Fragen psychologischer Natur erhoben werden. Auch dem Patienten gegenüber. Dies kann unter Umständen Unmut, Unverständnis, Ablehnung oder sogar Aggression beim Patienten hervorrufen, aber auch eine Öffnung, ein Ausbruch in Tränen oder ganz andere Reaktionen verursachen. Jeder Patient ist da anders.

Was die psychologische/psychiatrische Untersuchung angeht bin ich nicht ganz so firm.
Hier würde aber auf jeden fall im (längeren) Gespräch mit dem Patienten versucht werden zu klären welche Probleme bestehen, welche (ob) psychiatrischen Erkrankungen vorliegen (diese können vom Patienten selber häufig gar nicht als solche erkannt oder wahrgenommen werden), wie der Patient dazu steht und dann wenn mögliche wie in Folge eine Therapie anzustreben ist (letzteres fällt häufig zunächst weg und wird erst nach mehreren Sitzungen angesprochen). Unter Umständen werden hier auch Fragen gestellt die noch weiter in die Intimsphäre eindringen und wunder Punkte des Patienten und seiner Geschichte berühren.
Nicht nur die Antworten des Patienten, sondern auch seine Stimmung, Gemütsverfassung (Affekt) durch die Stimmungslage beeinflusste Bewegungen, Schlafverhalten, Denkvermögen und Krankheitsverarbeitung sowie viele andere Punkte sind für den Untersuchenden von Bedeutung, da sie wichtige Hinweise auf den Gesamtzustand und mögliche Erkrankungen geben.

Was die direkte Ansprache auf ihre Halluzinationen angeht würde man sicherlich )hoffentlich) vorsichtig vorgehen. D.h. man versucht erst Ausmaß und wenn möglich Ursprung der Halluzinationen zu ermitteln und dann vorsichtig mit dem Patienten über diese Thematik zu sprechen. Es ist je nachdem nämlich kein einfacher Schritt für den Patienten Dinge die er als real wahrnimmt als unecht und eingebildet einzustufen – niemand wird gerne für „verrückt“ gehalten und es ist ein natürlicher menschlicher Wesenszug das wir zunächst uns selber und dem was wir wahrnehmen glauben.

Ich hoffe das hilft weiter, ansonsten immer weiter fragen ;-)
Allen einen guten Rutsch und ein schönes neues Jahr 2010!

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