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medizin-forum.de • Thema anzeigen - Notruf bei hilfloser (alkoholisierter?) Person?
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BeitragVerfasst: 25.08.09, 15:31 
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Hallo in die Runde,
ich habe mal eine Frage, die mir wenn wohl Leute 'vom Fach' beantworten können.
Vor 2 Wochen verbrachte ich mit einigen Mitstudenten den Sommerabend am Werdersee, als ein sehr alkoholisiert wirkendender junger Mann zu uns torkelte. Nach unverständlichem Gemurmel ging er noch zwei Schritte rückwärts, fiel dann um, blieb in dieser verrenkten Position liegen und begann zu schnarchen.

Wir gingen davon aus, dass der junge Herr zu tief in die *Markenname entfernt A.L. -Flasche geschaut haben musste und nun begann seinen Rausch auszuschlafen. Nach einiger langer Zeit jedoch begannen wir uns Sorgen zu machen, da sich die Person nicht einmal in ihrer ungelenken Lage bewegt hatte. Als wir den Mann nicht wecken konnten, jedoch sowohl noch atmete als auch ein Puls zu fühlen war, entschieden wir uns die Polizei zu rufen, da der junge Mann hilflos und alleine auf der Wiese herumlag.
Die Aktion mit den netten Beamten würde nun etwas länger dauern zu beschreiben, Fazit ist, dass sie sich beschwerten weil wir sie wegen 'nem besoffenen Typ' gerufen hätten, der solle mal seinen Rausch ausschlafen, eine Zelle würde 120 Euro kosten und es seien ja keine -5 Grad draußen. Unser Einwand, dass der junge Mann alleine sei und auch auf keine Weckversuche reagieren würde, kam gar nicht erst an.

Die Polizei meinte, wir sollten den Mann rumliegen lassen, haben ihn dann aber sicherheitshalber in die stabile Seitenlage gebracht. Als wir jedoch irgendwann gehen wollten konnten wir ihn schlecht alleine zurücklassen. Also haben wir einen Rettungswagen alarmiert, welcher den Mann auch gleich mitgenommen hat.

Ich habe aufgrund des unmöglichen, unhöflichen Verhaltens der Polizisten schon eine Dienstaufsichtsbeschwerde eingelegt, eine Frage bleibt mir bei dieser Sache noch:

War es richtig bzw. notwendig, den Rettungsdienst zu alarmieren? Steht dieser immer in der Pflicht, betrunkene Menschen mitzunehmen, oder kann es auch vorkommen, dass der Zustand als 'nicht schlimm' beurteilt werden und die Person zurückgelassen werden kann?
Könnte man das Verhalten der Polizei somit auch als unterlassene Hilfeleistung ansehen?

Über eine kurze Aufklärung in Sachen Mitnahmepflicht/regelung des Rettungsdienstes würde ich mich freuen.


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BeitragVerfasst: 25.08.09, 16:27 
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Die Lage mit den alkoholisierten "Patienten" ist leider nicht ganz unkompliziert. Ich denke das wird auch reginonal in der Praxis anders gehandhabt. Ich kann da nur für das sprechen was in Düsseldorf gängig ist:

Zunächst einmal ist ein stark alkoholisierter Mensch grundsätzlich gefährdet, denn durch den Alkohol kann er u. U. auch tief bewußtlos werden sodass die Schutzreflexe erlöschen und er an z. B. erbrochenen ersticken kann; Apsiration heißt das auf schlau.
Im Prinzip geht es solchen Menschen aber gut, will sagen sie haben keine Grunderkrankung sondern haben sich selbst - mutwillig - in diese Lage gebracht. Da es aber sehr gefährlich wäre einen stark alkoholisierten Menschen sich selber zu überlassen muss jemand drittes eingreifen. Ob nun Polizei oder Rettungsdienst ist hierbei der komplizierte Punkt.
Bei uns ist die Lage dass wenn der Patient medizin NICHT gefährdet und "nur voll" ist dass die Kollegen von der Polizei in der Regel mitnehmen, in einer Zelle ausnüchtern lassen und dann geht der wieder.
Wenn die Kollegen in grün aber Zweifel haben ob der Patient soweit noch fit ist das er das ausnüchtern ohne Folgen überstehen könnte lehnen die aber auch schon mal ab. In der Praxis sieht es so aus dass der alkoholisierte den Weg ins Polizeiauto zwar mit Hilfe aber auf seinen eigenen zwei Beinen schaffen muss. Kann er nicht mehr alleine ins Auto "krabbeln" ist er unser Patient und die Polizei ermittelt nur noch die Daten.

Vom RD aus werden solche Patienten dann in das zuständige Notfallkrankenhaus gebracht, ein Arzt guckt sich den Patienten an und entscheidet dann alles weitere. Im Normalfall - also wenn er wirklich nur "zu" ist - wird er zum Ausnüchtern in ein Siestastühlen oder in den "blauen Salon" gelegt. Das ist dann aber die Entscheidung des aufnehmenden Arztes.

Richtig seitens der Kollegen in grün in Ihrem konkreten Beispiel wäre gewesen wenn sie einen RTW nachbestellt hätten und denen eine "Übergabe" gemacht hätten. Sich einfach so zu entfernen war aber definitiv falsch.

Dass Sie den Rettungsdienst gerufen haben war aber die einzig richtige und vernünftige Maßnahme.

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BeitragVerfasst: 26.08.09, 00:45 
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mmh leider sind Polizisten (trotz Garantenstellung) nicht immer Firm, was das Einschätzen von möglichen Notsituationen angeht. Ein Freund von mir (mittlerweile Polizist) macht sich teilweise noch immer Vorwürfe, nachdem ich ihm mal so erklärt habe, was er in so mancher Situation falsch gemacht hat..


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BeitragVerfasst: 26.08.09, 16:14 
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Eigentlich ist es doch einfach:

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BeitragVerfasst: 26.12.09, 23:53 
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Beiträge: 5
Hallo!
Sollte es wirklich so gewesen sein, dass die Polizisten die Person auf der Wiese liegen lassen haben, ist eine Dienstaufsichtsbeschwerde natürlich gerechtfertigt. Nur kann ich mir so ein Verhalten absolut nicht vorstellen und habe so etwas auch noch nicht erlebt! In diesem Fall wird immer ein Rettungswagen angefordert, da Polizisten keine Ärzte sind und eine nicht ansprechbare Person sowieso nicht einfach mit zur Dienststelle nehmen würden und dort in die Zelle sperren! Vorher muss von einem Arzt die Haftfähigkeit geprüft und bescheinigt werden, was in diesem Fall wohl kaum bescheinigt worden wäre. Da eine Übernachtung in der Zelle keine 120,00 Euro kostet, sondern ein Drittel, kann ich mir nicht vorstellen, dass diese Auskunft durch anwesende Polizeibeamte erteilt wurde.

Grüße


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BeitragVerfasst: 27.12.09, 12:21 
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Bei uns in NRW könnte/würde es anders ablaufen.
Es wird die Adresse ausfindig gemacht und dort angerufen.
Wenn`s denn funktioniert hat, werden die Angehörigen benachrichtigt und der
Trunkenbold nach Hause gefahren.
Allerdings nur, wenn alles weitere augenscheinlich im grünen Bereich ist.
Habe aber auch schon gesehen, dass der Betroffene schlicht und einfach und
äusserst wirksam `wachgeohrfeigt` wurde.....und von dannen zog.
:) error6


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BeitragVerfasst: 27.12.09, 12:45 
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Beiträge: 3413
hallo

war vor ca 3 Wochen in einem KH in der Notaufnahme.
Da kamen Sanis mit einem total betrunkenem Mann an. Sie wurden von der Polizei gerufen, weil der Mann im Kalten nähe des Weihnachtsmarktes lag.
Ich war ziemlich erschrocken wie dort das Personal reagierte. Die Sanis wurden gefragt warum sie ihn brächten, der wäre ja schon des öfteren hier gewesen und schläft nur seinen Rausch aus und ist nichtmal versichert. Kostet jedesmal eine Menge Geld.
Die Sanis meinten, dass die Polizei sagte. der muss ins KH weil hilflos.

Am Ende haben die ihn dann aber doch aufnehmen müssen :lol:

so kanns gehn :shock:

Gruß dora


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BeitragVerfasst: 27.12.09, 13:56 
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Beiträge: 1472
Könnte ich als Laie überhapt unterscheiden, ob jemand sternhagelvoll oder schwer kank ist? Ich habe (über x Ecken, also nicht aus zuverlässiger Quelle) gehört, die Symptome könnten bei Schlaganfall und/oder Zuckerschock ähnlich sein. Der Geruch kann ein Indiz sein, muss es aber nicht - man kann nach einem einzelnen Glas schon kräftig riechen (oder wenn man etwas verschüttet hat), ist dann aber nicht unbedingt besoffen...

Allein deshalb wäre der Rettungsdienst meiner Meinung nach der richtige Ansprechpartner - auch für die Polizei!


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BeitragVerfasst: 27.12.09, 15:02 
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Interessierter

Registriert: 21.12.09, 13:46
Beiträge: 5
error6 hat geschrieben:
Bei uns in NRW könnte/würde es anders ablaufen.
Es wird die Adresse ausfindig gemacht und dort angerufen.
Wenn`s denn funktioniert hat, werden die Angehörigen benachrichtigt und der
Trunkenbold nach Hause gefahren.
Allerdings nur, wenn alles weitere augenscheinlich im grünen Bereich ist.
Habe aber auch schon gesehen, dass der Betroffene schlicht und einfach und
äusserst wirksam `wachgeohrfeigt` wurde.....und von dannen zog.
:) error6


Bei einer alkoholisierten Person, die noch selbst laufen kann, wird bei uns auch so verfahren, dass (wenn möglich) Angehörige benachrichtigt werden.Hierbei kommt es aber auch auf den Promillewert an. Da die oben genannte Person jedoch nicht wach zu bekommen war, ist das meiner Meinung nach unmöglich.

Und wie schon gesagt wurde, wie soll ein Polizist erkennen ob "nur" der Alkohol schuld am Zustand der Person ist? Ich rufe bei nicht ansprechbaren Personen immer einen Rettungswagen um auf der sicheren Seite zu sein.

Ab einem bestimmten Alkoholwert muss das Krankenhaus alkoholisierte Personen stationär aufnehmen.Ich denke ab 2,5 Promille. Stimmt das?


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BeitragVerfasst: 27.12.09, 16:55 
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Natürlich muss die Person anspechbar sein,
ansonsten kannst ja nix anderes machen als den Kw zu rufen.
:)


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BeitragVerfasst: 27.12.09, 18:57 
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Beiträge: 275
Wohnort: Köln/Magdeburg
Es gibt keinen fixen promillewert der eine stationäre Aufnahme/Überwachung rechtfertigt. Dies muss immer vom aktuellen und zu erwartenden klinischen Zustand abhängig gemacht werden. Und medizinisch gesehen ist ein bewusstloser oder deutlich bewusstseinseingetrübter Mensch nun mal überwachungspflichtig. Ist er "nur" vollgekotzt und besoffen, seine Schutzreflexe aber ehalten und ist aufgrund der Alkoholmenge/Aufnahmezeit auch nicht zu erwarten das sich das plötzlich ändert kann er selbstverständlich auch zu Hause oder in der Polizeizelle (wobei die das meist ungerne machen) ausnüchtern. Wenn sich da eine rum ihn kümmert ist das zwar schön, für mich abe rnicht notwendig. Ein "normaler" Schläfer (die im Bett, nicht die mit den Bombengürteln) braucht schließlich auch keinen Babysitter.

_________________
Quid pro quo?


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