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medizin-forum.de • Thema anzeigen - restriktive Suaerstofftherapie
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 Betreff des Beitrags: restriktive Suaerstofftherapie
BeitragVerfasst: 31.03.09, 17:14 
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Hallo erst mal

Seit Ende 2008 kursiert bei uns die aktuelle Leitlinie der British Thoracic Society zum Thema Sauerstoff in der Rettungsmedizin http://www.brit-thoracic.org.uk/Portals ... uppl_6.pdf. Viele alte und gern diskutierte Hüte wie COPD und Hypercapnie wurden mal wieder schriftlich dargelegt. Zum eigendlichen Punkt meines Interesses.
Für "nichtrepsiratorische Notfälle" wie z.B. AP Beschwerden, Herzinfarkt und apoplectischer Insult wird von einer Sauerstoffgabe bei SaO2 bei Raumluft über 93% abgeraten (88% bei hyperkapniegefährdeten co-Erkrankungen). Es gäbe keine relevante Studie die einen Benefit für die Patientengruppe beweisen würde, im Gegenteil Hyperoxie würde im Zweifel cardialen und cerebralen Blutfluss reduzieren, Sektion 8.13 falls es jemand nachlesen mag.
Wir sind zum Glück nicht daran gebunden und können unserer klinischer Einschätzung folgen. ABER, im Zweifel müssen wir unser Vorgehen begründen.
Wie sieht eure Einschätzung aus, wie geht ihr vor. Habt ihr Studien pro / contra die ihr linken könntet? Ich persönlich habe fast immer die Erfahrung gemacht das auch die niedrig dosierte Gabe von Sauerstoff einen erheblichen beruhigenden Faktor hat da die Sauerstoffgabe im Volksmund einen hohen Heilwert hat. Dies geht in Bereiche die ich sonst nur mit Diazepam erreichen kann. Sollte man nun auf solche Effekte verzichten mit Hinischt auf etwaige Reduktionen von Blutfluss?
mfg Marcus


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BeitragVerfasst: 04.04.09, 15:53 
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Hatte da mal ne Studie bezüglich der Evidenz der Sauerstofftherapie beim Schlaganfall in den Händen, ich hoffe ich find das nochmal.

Deren Aussage war nur beim massiven Stroke großzügige Sauerstoffgabe, ansonsten Werte bis 93% akzeptieren. Das würde sich ja decken.

Ich such und frag mal,

Grüße

Markus

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BeitragVerfasst: 04.04.09, 16:04 
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Das wäre klasse Markus, danke. Ich freue mich auch auf jede "Meinung" und eigenes vorgehen mit einer kurzen Begründung.
Danke

mfg Marcus


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BeitragVerfasst: 07.04.09, 13:53 
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hi.

also meine meinung is folgende: grade bei HI und apoplex ist die sauerstoffversorgung - bzw. deren optimierung- des betroffenen gewebes doch eins der wichtigsten therapieziele (siehe MONA-Schema bei HI); wenn jemand normalerweise eine sättigung von meinetwegen 98% hat, find ichs schon kritisch ihm bei entsprechender symptomatik ne 93% durchgehn zu lassen.
und so schnell kommt der patient meines wissens auch nicht in eine hyperoxie bei 6-8L/min., zumal ja eine sauerstoffschuld besteht.
das mit dem verminderten (zerebralem) blutfluß tritt doch eher bei hyperventilation auf, wenn es in deren folge zu zerebraler vasokonstriktion kommt, oder!?! (wurde früher auch angewendet um den hirndruck bei entsprechenden krankheitsbildern zu senken, glaub ich).
Des weiteren kommt der ja bereits erwähnte beruhigende effekt des O2 dazu, sowie die psychische betreuung des pat., der sich durch diese maßnahme "behandelt" fühlt.

mein fazit: HI/Apoplex bekommen auf jeden fall sauerstoff entsprechend der SAO2, bei zyanose sowieso; bei COPD - Patienten natürlich entsprechend reduzierte Gabe.

wie gesagt, das ist "nur" meine persönliche meinung; ich lass mich gern eines besseren belehren

gruß

zweistein :D


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BeitragVerfasst: 07.04.09, 17:49 
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Danke für deinen Input!

Ich sehe das größtenteils genauso. Die Studie geht in die Richtung das eben keine generelle Sauerstoffschuld besteht, sondern nur in kleinen Teilen des Organismus und das durch die hyperoxie zum Beispiel beim MI das gesamte Organ minderperfundiert wird. Ich habe auch meine Zweifel aber mit "Zweifeln" kann ich wenig gegen eine randomisierte Studie argumentieren.
Was du mit der vasokonstriktion ansprichst hat nichts mit hyperoxie sondern mit hypocapnie zu tun. Als letztes Mittel bei SHT Patienten die decerebrieren hyperventiliere ich. Welche andere Möglichkeit habe ich präklinisch?

Vieleicht kann ja auch einer unserer Gasmänner seinen Senf dazugeben..... Danke.

mfg Marcus


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BeitragVerfasst: 08.04.09, 05:28 
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Hab mal meinen Guru-LRA (msc) drauf angesetzt, der prügelt sich eh gerne mit Studien rum, er recherchiert mal.

Hoffe dir bald seine Ergebnisse präsentieren zu können.

Grüße

Markus

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BeitragVerfasst: 08.04.09, 10:12 
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Interessierter

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Hallo alle zusammen.

Also nochmal zu dem hyperventilieren bei SHT (mit entsprechender symptomatik); hyperventilation>hypokapnie>cerebrale vasokonstriktion>senkung des hirndrucks, ABER auch verminderung der zerebralen durchblutung!
insofern weiß ich nich, ob damit wirklich was gewonnen ist - hab auf jeden fall schon des öfteren gelesen, daß davon abgeraten wird.
sieht vor ort/als ultima ratio aber halt auch immer anders aus


und mit der sauerstoffschuld: die besteht natürlich hauptsächlich/zuerst im betroffenen Gewebe, aber ein ausgeprägter Infarkt wirkt sich doch früher oder später auch auf die zirkulation aus;

hm, auf jeden fall knifflige sache.

bis denne


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BeitragVerfasst: 08.04.09, 23:24 
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huhu Zweistein,

ein Patient der decerebriert hat ohne Maßnahme ca 10 Minuten zu Leben, vieleicht weniger. Wenn ich dann hyperventiliere kommen nochmal vieleicht 10 dazu und danach wird es schlimmer als es vorher war, ich schädige also mit der hoffnung das die Ärzte im KH in der Lage sind den ICD massiv zu senken. Es ist ultima ratio, nichts anderes. Einen Patienten mit SHT zu hyperventilieren obwohl keine imminente Gefahr besteht, sozusagen als Therapieansatz ist äußerst übel da durch die von dir genannte vasokonstriktion eine hypoxie ensteht die wiederum ein ödem hervorruft..ergo ICD hoch...

Ich glaube ein Patient mit massivem Infarkt wird nicht mit einer Sättigung von über 93% daherkommen, die Patienten auf die es wohl ankommt sind Patienten mit Angina, kleinen Seitenast Infarkten etc pp. Die diskussion an unserer Wache ist groß und von allen offiziellen Seiten hören wir bisher nur das wir jeden Fall selbst bewerten sollen, also "keine Stellungname". Das Problem ist nur das man hier sehr klagefreudig ist, deshalb versuche ich mein Handeln immer gerne fundiert begründen zu können.


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