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medizin-forum.de • Thema anzeigen - Absturz aus ca. 6m Höhe -> Verhalten?, Was würdet ihr tun
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BeitragVerfasst: 22.12.08, 18:57 
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Folgende Situation: Ihr seit am klettern und könnt einen Sturz einer Person aus ca. 6m Höhe mitverfolgen. Die Person war leider falsch gesichert, schlägt also ohne Verzögerung auf dem Boden auf; glücklicherweise flach auf den Rücken.

Die Person ist ansprechbar, gibt zwar Antworten auf Fragen, ist aber deutlich verwirrt.
So wird die Frage, ob sie die Füsse noch spüren kann nicht richtig beantwortet, man kriegt bloss zu höhren dass es ihr gut gehe, was aber offensichtlich nicht der Fall ist.
Die Person bewegt sich danach immerzu selbst, dreht sich auch auf den Bauch. Sie mag nicht gross sprechen, hat durchaus grosse Schmerzen im Bereich der Schulter. Genau kann sie diese aber selbst nicht lokalisieren. Die professionelle Rettung wurde ohne Zeitverzögerung alarmiert; eintreffzeit ist in ca. 10-15min zu erwarten.

Andere anwesende Ersthelfer drehen die Person nun erneut zur Seite um ihr das Kletterseil abzubinden (liegt auf dem Knoten, der durchaus drücken kann), ziehen dem Unfallopfer die Kletterfinken aus, was nur mit erheblichem Bewegen des Opfers gelingt (für die Nicht-Kletterer: Solche Finken sitzen extrem eng, ich trage z.B. eine 44 bei einer regulären Schuhgrösse von 46) und setzen sich dann auf einen Stuhl neben dem Opfer um "von oben herab" die Überwachung vorzunehmen.

Ich selbst hätte so gehandelt:

Aufgrund des Unfallvorgangs sah ich folgende potenziellen Verletzungen:
1. Rückenverletzungen aufgrund der Sturzhöhe. Der flache Sturz dürfte die Folgen zwar minimiert haben, aber das Risiko sehe ich grundsätzlich als gegeben.

2. Aufgrund des flachen Sturzes auf den Rücken wird die Person garantiert auch den Hinterkopf stark angeschlagen haben. Riss- bzw. Platzwunden sind keine auszumachen, allerdings gehe ich hier von einer grossen Möglichkeit einer Hirnerschütterung aus. Schädelbruch glaube ich weniger, da die Person a) ansprechbar war und cool.gif keine Blutungen aus den Ohren odgl. festgestellt werden konnten.

3. Aufgrund der Aussagen des Opfers Schulter-Schlüsselbeinverletzung.

Die Frage ist nun, wie ist bei einem solchen Unfall Hergang zu handeln?
1)
Ich hätte z.B. versucht dem Opfer das Umdrehen nach Möglichkeit auszureden um unnötige Bewegungen zu minimieren. Dabei wäre eine permanente Überwachung des Ofpers notwendig gewesen um eine plötzliche Ohnmacht sofort erkennen zu können unabdingbar gewesen, aber das ist ja eh der normalfall.
Dann wäre auch ein Ausbinden der Person aus dem Seil kein Thema gewesen.

2)
Hat sich nun das Opfer dennoch gedreht würde ich das erneute drehen vermeiden und mit dem ausbinden aus dem Seil warten bis der Rettungsdient das Unfallopfer mittels Schaufeltrage/Vakuum-Matraze auf den Rücken umgedreht hat; auch wenn das Opfer dann nicht so bequem liegt.

3)
Falls die Probleme wirklich zu einem Problem werden (und das werden sie relativ schnell wenn man nicht in der Wand steht) hätte ich sie auf Bitten des Unfallopfers zwar ausgezogen, dann aber ganz sicher die Schnürung bis ganz nach unten aufgeschnitten und dann den Schuh zu zweit ausgezogen. So hätte eine Person den Unterschenkel fixieren können während die zweite den Schuh vorsichtig auszieht. Damit wären Züge und Erschütterungen auf die WS weitestgehend verhindert gewesen.

4)
Das Unfallopfer fragte relativ schnell nach seiner Brille. Diese hätte ich ihm dann auch ausgehändigt, da es ja schon am Boden lag; weitere Verletzungen wären also ausgeschlossen gewesen und die Brille selbst war nicht defekt.

5)
Ich hätte mich NICHT auf einen Stuhl gesetzt sondern wäre neben dem Unfallopfer knien geblieben. Dies aus zwei Gründen:
Einerseits bin ich der Meinung, dass man allfällige Atemnöte oder ähnliche Probleme so viel einfacher/schneller mitkriegt. Andererseits ist für das Unfallopfer die gesamte Situation wohl schon beklemmend genug; da muss nicht noch einer neben ihr auf dem Stuhl sitzen, so dass man bloss noch die Beine/Füsse sehen kann. Das geht für mich ins selbe Thema wie dass man NIE eine Person auf einem Rettungsbrett/Spineboard, wie auch immer übersteigt.

6)
Eine Immobilisation der Schulter mittels Dreiecktüchern und SamSplint sah ich als nicht erforderlich an, da sich die Person nicht zu bewegen brauchte und die Professionelle Rettung anschliessend ggf. unter Einsatz von Betäubungsmitteln dies wesentlich einfacher und für das Opfer komfortabler machen konnte.

Nun die Gretchenfrage:
Wie hättet ihr gehandelt, wo abweichend von meinen Vorschlägen und warum?

Vielen Dank und allen schöne Feiertage!

PS: Falls sich jetzt einige fragen, warum ich letztendlich nicht geholfen habe: Es waren schnell rund 8 Personen um das Opfer versammelt, jeder meinte zu wissen was zu tun ist.
Auch als ich später dinge sah, die mMn einfach nicht gehen wollte ich nicht einspringen sofern ich keine lebensgefährdenden Probleme vorliegen sah. Ein Streit um die beste Betreuung des Opfers ist wohl das letzte, das man bei einem solchen Ereignis benötigt...


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BeitragVerfasst: 23.12.08, 17:31 
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Beiträge: 262
Wohnort: Duisburg
Im Prinzip sehe ich Deine Maßnahmen genauso. Gut, die Brille jetzt eher nachrangig und hätte im weiteren Verlauf eh gestört, wenns der Beruhigung des Patienten geholfen hätte wäre das aber eine Sinnvolle Maßnahme gewesen.
Die Schuhe hätte man sogar wie den rest der Kleidung auch mit der Schere aufmachen können, denke ich zumindest. Ich kenne solche Bergsteigerfinken nicht und weiß nicht ob man da mit der Rettungsschere reinkommt, aber egal wie, das hätte so wie Du schon sagtest ohne Patientenbewegung stattfinden müssen.
Eine gute Maßnahme wäre in meinen Augen noch gewesen den Kopf des Patienten manuell zu immobilisieren. Zum einen mangels Stifneck, zum anderen zur beruhigung (der Pat. fühlt das jemand da und sich jmd. kümmert) und zum anderen hätte diese Maßnahme evtl. den Wunsch sich umzudrehen von vorne herein gemindert.

Ich denke ein SHT wird ebenso wie eine Wirbelsäulenbeteiligung definitiv vorgelegen haben. Ebenso eine Lungenquetschung und vielleicht auch eine menge an inneren Blutungen an den Organen durch die Beschleunigungskräfte die da eingetreten sind.
Hatte der Pat. eine Amnesie?

Ich mache es so wenn ich privat an einem Unfallort. etc. vorbeikomme das ich mich als RS vorstelle und frage ob ich helfen könne. Meistens überlassen die Anwesenden dann mir das Feld, wenn nicht gerade ein RA, KrSchw/Pfl oder ähnliches bereits vor Ort ist.
Klar, Kompetenzgerangel ist das denkbar schlechteste was dem Pat. in der Situation passieren kann, aber mangelhafte medizinische Betreuung und erstversorgung ist auch nicht das was ihm weiterhilft. Ein kleiner Hinweis auf die eigenes Fachkompetenz reicht im Normalfall aus um bei Laienersthelfer durchzudringen und die richtigen Maßnahmen danach zu beginnen.

Was ist jetzt aus der abgestürzten Person geworden?

_________________
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BeitragVerfasst: 24.12.08, 13:10 
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Beiträge: 10
Hallo Izzy

Erst einmal danke für deine Antwort.

Zur Sache mit der Brille. Die Situation war die, dass der Patient ausdrücklich danach fragte und auch den Eindruck machte diese suchen zu wollen. Darum hätte ich Ihm die Brille auch gegeben, wie das auch vor Ort gemacht wurde. Meiner Meinung nach diente dies der Beruhigung des Patienten deutlich.

Die Schuhe wären mit der Schere einfach ab zu kriegen gewesen, da die Kletterfinken oft bis zum Zehenansatz hinunter eine Zunge verfügen, deren Schnürung genauso weit heruter ragt. Einfaches Aufschneider der Schnürsenkel hätte locker gereicht um die Schuhe so erschütterungsfrei wie möglich ausziehen zu können.

Stiffneck war leider nicht vor Ort und ich hatte ausgerechnet an diesem Tag mein doch recht gut diversifiziertes EH Set zu Hause liegen gelassen, da ich ausnahmsweise eine andeere Tasche mitführte... Das heisst, auch die SamSplint war zuhause. Aber der Hinweis der manuellen Immobilisation ist sehr gut, daran hätte ich ehrlich gesagt auch nicht gleich gedacht!

Die Frage ist hier aber umso wichtiger: Was mache ich, wenn ein Patient das alles nicht will. Sprich, wenn er eine Immobilisation nicht will und auch den Aufforderungen, so ruhig als möglich liegen zu bleiben nicht folge leistet?
Auf der einen Seite gehe ich aufgrund einer Schock-Situation beim Patienten davon aus, dass er vermindert zurechnungsfähig ist und nicht unbedingt weiss, wass er da tut. Hier hilft sicher ein ruhiges Einreden auf den Patienten damit sich dieser möglichst so verhält wie es gut wäre. Tut er dies nicht, was dann? Ich kann den Patienten ja nicht zur "mitarbeit" vergewaltigen. Ich gehe davon aus, dass man dann nur noch das macht, was der Patient auch zulässt ("will"), für den Rest und die daraus entstehenden Konsequenzen ist der Patient dann selbst verantwortlich.

SHT hätte man ja eigentlich ja auch durch die Pupillen-Reflexe auf Licht testen können -> die Lampe war halt auch im EH Set zuhause :(
Eine Amnesie war schwer fest zu stellen, da der Patient zwar wach war, aber nicht richtig orientiert. Allerdings waren dann die anderen Helfer auch mit anderen Dingen beschäftigt (ausbinden aus dem Seil unter drehen des Patienten) als diesen Fragen nach zu gehen; im Detail kann ich die Frage also nicht beantworten.

Zum Vorstellen am Unfall-Ort: Das macht als RS natürlich Sinn. Mein Problem besteht darin, dass ich "nur" Feuerwehrmann bin (nicht beruflich), dort aber regelmässige EH Unterweisungen erhalte und auch Übungen abgehalten werden.
Darüber hinaus bin ich auch viel in den Bergen unterwegs und habe mich durch Lektüren und Kurse auch dahingehend weiter gebildet (z.B. verwenden von "USA"-Schema, WASI, SIRUP-Formular -> Weiss nicht ob das einem Profi etwas sagt, aber ist halt schon weiter führender als die normalen EH Kurse).
Nur: Damit will ich mich auch nicht profilieren, bzw. muss ich desswegen ja nicht mehr können als ein anderer EH, da die Angabe: "Ich bin Feuerwehrmann" ja keine medizinische Quali mit sich bringt wie der Satz: "Ich bin Rettungs Sanitäter". Ich denke, du weisst, was ich meine.

Was im Detail aus der abgestürzten Person wurde weiss ich nicht. Ich wartete dann in etwas Entfernung bis der RTW mit NA eintraffen und bin dann auch gegangen. Personalien udgl. waren schon hinterlegt falls die Polizei noch Fragen hat; kam aber nie etwas.

Ich hoffe natürlich, dass die Person ohne bleibenden Schäden wieder dem Klettern und den Alltagsgeschäften nachgehen kann - beim klettern habe ich sie allerdings seit da nie mehr gesehen.


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BeitragVerfasst: 24.12.08, 18:41 
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Beiträge: 299
Wohnort: Reutlingen (D Ba-Wü)
Grüße ans Forum,

Izzy hat eigentlich schon alles gesagt. Sicherlich schwierig bei so viel motivierten Helfern, und jeder weiß was, ja das kennen wir. Wie hätte ich ohne Equipment gehandelt?

Beim Sturz aus 6m Höhe auf festen Untergrund ist so ziemlich jede Verletzung vorstellbar und möglich, ohne nähere Angaben geh ich von einem schwer verletzten Patienten aus.

Soweit möglich Immobilisation, auch ein angelegter Stiffneck bietet keinen sicheren Schutz, also immer einer der den Kopf fixiert. Jetzt wurde berichtet, dass der Patient unruhig und verwirrt war, dies deutet auf möglicherweise eine Gehirnerschütterung und/oder aber eine Minderversorgung des Gehirns mit Sauerstoff hin. Also ohne Hilfsmittel Immobilisation soweit Möglich, lässt sich der Patient nicht überzeugen, so ist es fraglich ob leichter Nachdruck hier zum gewünschten Erfolg oder aber zur Eskalation führt, im Zweifelsfalle würde ich den Patienten machen lassen was er will, aber schwierig dies ohne einen Blick auf die Situation zu sagen. Dass der Patient bewegt wurde um ihn aus dem Seil und den Schuhen zu bekommen sehe ich als nicht so gute Hilfe an. Bei einem solchen Sturz sollten nur 2 Bewegungen am Patienten durchgeführt werden, 1. Pat. achsengerecht auf den Rücken drehen, 2. Pat. auf Spineboard bzw. mittels Schaufeltrage auf Vacuummatratze. In der Theorie einfach gesagt, wie sie gesehen haben in der Praxis nicht so einfach.

Grüße

Markus Bela

_________________
Lehrrettungsassistent / ILS-Disponent / QMB
"Gut gemeint" ist nicht gut genug.
Skype: m.bela77


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BeitragVerfasst: 30.12.08, 13:58 
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Registriert: 07.05.07, 16:24
Beiträge: 56
Wohnort: Sachsen
Hallo Leute!
lang nichts mehr von mir gehört...aber will auch noch was dazu los werden :)

sicherlich ist schon fast alles gesagt, Sturz aus der Höhe ist mit einigen Verletzungen zu rechnen.Seine Verrwirrtheit deutet auf ein SHT hin- in welcher Grösse sich das bewegt stellt sich ja genau erst später raus....durch den Schock und Adrenalinaustoss wird er vermutlich alle Schmerzen noch nicht so spüren- also wie beschrieben-flach liegen lassen und HWS manuell immobilisieren.(solang er bei Bewusstsein bleibt)
mein letzter Sturz (meine den Einsatz :D ) waren ca 3 Meter auf den Hinterkopf-beim eintreffen 3 Stunden später war Pat. sehr unruhig aber ansprechbar...Diagnose; massive sehr grosse Hirnblutung- 3 Tage später letal...

guten Rutsch ins neue Jahr für alle!!!


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