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medizin-forum.de • Thema anzeigen - Krankenhäuser verweigern Aufnahme
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 Betreff des Beitrags: Krankenhäuser verweigern Aufnahme
BeitragVerfasst: 17.12.08, 15:53 
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Registriert: 17.12.08, 15:44
Beiträge: 1
Manche Krankenhäuser verweigern häufig die Annahme von Notfallpatienten,
die im RTW oder RTH liegen. Besonders Schwerstverletzte werden nicht
gerne übernommen. Angeblich "weil es keine freien Betten gibt". Kennt Ihr solche Fälle?
Was steckt dahinter?


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 17.12.08, 19:23 
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Registriert: 27.02.06, 11:39
Beiträge: 299
Wohnort: Reutlingen (D Ba-Wü)
Grüße,

googel gibt einem Antwort unter "Landeskrankenhausgesetz Bundesland".

Im Falle Baden-Württemberg steht dort folgendes...

4. ABSCHNITT

Pflichten und Organisation des Krankenhauses
§ 28
Aufnahme in ein Krankenhaus

(3) Das Krankenhaus ist im Rahmen seiner Aufgabenstellung und Leistungsfähigkeit zur Aufnahme und Versorgung verpflichtet. Ist das Krankenhaus belegt, so hat es einen Patienten, dessen sofortige Aufnahme und Versorgung notwendig und durch ein anderes geeignetes Krankenhaus nicht gesichert ist, einstweilen aufzunehmen. Es sorgt nötigenfalls für eine Verlegung des Patienten.


Ich denke soetwas dürfte Bundesweit gleich sein. In der Vergangenheit machten einige leider wahre Geschichten die Runde, wo eben gleich mehrere Krankenhäuser die Aufnahme von einem Schwerverletzen verweigerten.


Generell sind Krankenhäuser also wohl zur Aufnahme verpflichtet, bevor ihr jedoch ein KH zur Aufhname verpflichtet bedenkt immer, dass deswegen der Patient sicher nicht optimal weiterversorgt wird, weil es evtl einfach wirklich nicht möglich ist. Also Alternativen abwängen, dann aber entschlossene Entscheidung.

Grüße

Markus Bela

_________________
Lehrrettungsassistent / ILS-Disponent / QMB
"Gut gemeint" ist nicht gut genug.
Skype: m.bela77


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 17.12.08, 19:29 
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DMF-Moderator

Registriert: 06.03.05, 08:30
Beiträge: 4393
Wohnort: Hildesheim
Guten Abend,

hinter dieser Form von Abmeldung steckt oftmals eine Reihe von Mißverständnissen.

Prinzipiell kommen folgende Szenarien in Betracht:

1. Alle Betten im Haus belegt (incl. Intensiv)
2. Alle Intensivbetten belegt
3. keine freier Chirurg / Anästhesist, weil gerade im OP ( im Bereitschaftsdienst )
4. keine freier Internist, weil gerade im Herzkatheter
5. Notaufnahme überfüllt, weil zu viele Patienten gleichzeitig

1. und 2. rechtfertigen m.E. keine Ablehnung von Notfallpatienten! Ein Krankenhaus mit Notaufnahme ist formal immer zur Aufnahme und Erstbehandlung von Patienten verpflichtet. Verlegen kann man danach immer noch.

Bei 3. - 5. ist das schwieriger. Nicht selten sind die Kapazitäten, vor allem im Bereitschaftsdienst, sehr begrenzt. Wenn alle Beteiligten bei einer langen OP stehen - wer soll dann das Polytrauma versorgen ? Man kann nicht immer "für alle Fälle" noch ein Reserveteam vorhalten.

Aber 1. und 2. sind wesentlich häufiger. Oft sind die Krankenhäuser ganzer Regionen abgemeldet. Keiner hat mehr ein Bett frei und die Leitstelle übernimmt diese Meldungen oft sehr unkritisch.
Aber ich wiederhole nochmals: "Kein freies Bett" heißt nicht, das nicht behandelt werden muß! Zur Erstversorgung sind die Krankenhäuser verpflichtet!

Viele Notärzte und RTW-Besatzungen nehmen "Abmeldungen" dennoch hin und suchen oft lange nach einer geeigneten Klinik. Das habe ich mir längst abgewöhnt. Ich nehme den Hinweis zur Kenntnis und fahre die nächste geeignete Klinik an. Hat man erstmal die Tür zur Notaufnahme überquert, liegt der "schwarze Peter" bei der Klinik. Ich biete sogar an, den Pat. nach Erstversorgung weiter zu verlegen - bisher wurde dieses Angebot noch nie in Anspruch genommen...komisch, oder ?

Bei Fällen der Kategorie 3. - 5. telefoniere ich persönlich mit dem Aufnahmearzt der Klinik und kläre den Sachverhalt. Viele Kollegen (nicht nur die der "eigenen" Klinik) kenne ich persönlich - und nicht selten taten sich kurzfristig ungeahnte Kapazitäten auf... :wink:

Das ganze ist insgesamt ein schwieriges Thema - auch die Kliniken wissen oft nicht mehr, wohin mit dem Patienten. Aber m.E. steht das Krankenhaus gegenüber dem Rettungsteam auf der Strasse in der Pflicht. Die Logistik in der Klinik ist völlig anders.

Ich hoffe, ich konnte mit meinem langen Beitrag die Sache etwas erläutern ( und gleichzeitig ein Plädoyer für "offene Notaufnahmen" halten ).

Mit freundlichen Grüßen

Dr. A. Flaccus

_________________
Dr. A. Flaccus
Facharzt für Anästhesie
- Notfallmedizin -
DMF-Moderator


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