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medizin-forum.de • Thema anzeigen - Pupillenreaktion - und Reanimation
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 Betreff des Beitrags: Pupillenreaktion - und Reanimation
BeitragVerfasst: 03.01.05, 21:48 
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DMF-Mitglied

Registriert: 20.12.04, 11:53
Beiträge: 91
Hallo zusammen !

Mehrfach wurde Pupillenreaktion als Parameter für den Verlauf herangezogen, daher habe ich meine Unterlagen durchstöbert um Studien und ähnliches zu finden, dabei habe ich folgendes gefunden:

1.) Pupillenreaktion
1.1) Kontraktion durch M. sphincter pupillae (über den Vagus)
1.2) Erweiterung durch M. dilatator pupillae (über Sympathikus, Fasern C8 - Th 2!)

2.) Pupillenreaktion bei Kreislaufstillstand
* 45 Sekunden bis 1 min 45 Sek. bis maximale Pupillenweite erreicht ist
* 30 Sek. bis 2 min bis zum Erlöschen der Lichtreaktion

3.) Pupillenreaktion während Reanimation
* Einfluß von Pharmaka (Atropin, Adrenalin,...)
* cerebraler Blutfluß unter CPR (ohne Hilfsmittel) zwischen 5 und 20 %, meist zuwenig um Pupillenverengung zur ermöglichen

4.) Pupillenreaktion und primärer Reanimationserfolg
(Steen-Hanson JE et al Crit Care Med 1988 16.69)
224 Patienten untersucht
n = Anzahl der Patientin in dieser Gruppe
% = primär erfolgreiche Reanimation

initiale Lichtreaktion

+ vorhanden: n=33; 55 %
+ unsicher: n =78; 31 %
+ fehlend: n = 133; 27 %

Lichtreaktion wahrend CPR:

+ Pupillen bleiben eng: n = 51; 77 %
+ Pupillenerweiterung; n = 54; 9 %
+ Pupillenverengung; n = 24, 83 %
+ Pupillen bleiben weit: n = 105; 13 %
+ Pupillen vorübergehend eng: n = 10; 0 %

Diese Zahlen beziehen sich nur auf das primäre Überleben, nicht auf den neurologischen Outcome. Pupillenweite und Reaktion zeigen zwar einen Trend an, es sind jedoch nur positive Aussagen möglich. Daß heißt: enge Pupillen oder enger werdende haben eine bessere Chance. Nur der Umkehrschluß ist nicht zulässig. Weite Pupillen sind kein sicherer Hinweis auf eine n bleibende cerebralen Schaden, wenn auch zugegeben die Wahrscheinlichkeit höher ist.

Daher hat der Pupillenstatus für mich fast keine Bedeutung bei meiner Entscheidungsfindung in Sachen Reanimation, bzw. deren Dauer.

Meine Kriterien werde ich in einem gesonderten Posting schreiben (Zwecks Länge)

liebe Grüße

Grisu

_________________
Schöne Grüße von

Grisu

(dem kleinen Rettungsdrachen)


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 06.01.05, 15:06 
:D

Danke das war sehr informativ

g@st


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 07.01.05, 20:08 
Hallo Grisu,

erst mal vielen, vielen Dank für die große Mühe, die Du Dir mit den beiden Postings gemacht hast !!! Die Ergebnisse der von Dir zitierten Studien –vor allem im Bezug auf Zeitfaktor und Ursache bei Kreislaufstillstand- haben mich sehr beeindruckt und werden in Zukunft meine Entscheidungen beeinflussen.

Deinem Nachsatz

Zitat:
...je älter ich werde,destso weniger und kürzer reanimiere ich und umso mehr Zeit bringe ich für die Angehörigen auf.

stimme ich nicht ganz zu. Bei mir würde dieser Nachsatz eher so aussehen

... je älter (biologisch, ist klar) der Patient ist und je mehr Vorerkrankungen er hat, desto kürzer reanimiere ich.

Und ich muß ganz ehrlich sagen... wenn ich bei alten Patienten die Entscheidung Rea ja/nein oder wie lange treffe, denke ich einen Moment lang auch „was würde ich tun, wenn das jetzt mein Vater/meine Mutter wäre“. Meine Eltern werden jetzt beide 80.
Also nochmals, das waren echt super Postings und ich hoffe, dass Du dem Forum noch lange erhalten bleibst !!!

Mit kollegialem und herzlichem Gruß,

Doc-in-not :wink:


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 07.01.05, 20:57 
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DMF-Mitglied

Registriert: 20.12.04, 11:53
Beiträge: 91
Hallo Doc(in) in Not !

Zitat:
Deinem Nachsatz

Zitat:
...je älter ich werde,destso weniger und kürzer reanimiere ich und umso mehr Zeit bringe ich für die Angehörigen auf.

stimme ich nicht ganz zu. Bei mir würde dieser Nachsatz eher so aussehen

... je älter (biologisch, ist klar) der Patient ist und je mehr Vorerkrankungen er hat, desto kürzer reanimiere ich.


Damit wollte ich eigentlich was ganz anderes ausdrücken. Je länger ich im Rettungs - und Notarztdienst bin, daß heißt je älter ich an Erfahrung werde, und das sind jetzt doch schon 20 Blaulichtjahre, destso kritischer hinterfrage ich, ob eine Rea überhaupt im Sinne des Patienten ist. Endlos Reanimationen über 30 min Dauer machen für mich auch keinen Sinn. (Die berühmte Ausnahme von der Regel jetzt einmal außer Acht gelassen.)


Zitat:
Und ich muß ganz ehrlich sagen... wenn ich bei alten Patienten die Entscheidung Rea ja/nein oder wie lange treffe, denke ich einen Moment lang auch „was würde ich tun, wenn das jetzt mein Vater/meine Mutter wäre“. Meine Eltern werden jetzt beide 80.


Meine Eltern sind zwar noch etwas jünger, aber den Gedanken lege ich mir oft als moralischen Vergleich, nicht nur bei Reanimationen.

liebe Grüße

Grisu112

_________________
Schöne Grüße von

Grisu

(dem kleinen Rettungsdrachen)


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