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medizin-forum.de • Thema anzeigen - Suizidversuch-wie geht Ihr mit dieser Situation um ?
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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 30.12.04, 19:59 
Hallo doc-in-not und Paramedic!

Hier ist noch einmal der (ganz und gar nicht betroffene!!! :shock: ) Laien-Gast. Erstmal danke, dass Sie sich mit meinem Posting beschäftigt haben und auch darauf eingegangen sind.

Ich bilde mir schon ein, alle Beiträge genau gelesen und auch so ziemlich verstanden zu haben und weiß auch, dass es eigentlich nicht das Thema dieses Threads ist, ob ein Suizidversuch mit oder ohne Not gemacht wird, in erpresserischer Absicht oder nicht...
Insofern war mein Beitrag natürlich etwas fehl am Platz. Aber da es hier ja doch um Gefühle geht, hab ich meine leider auch nicht "zurückhalten" können. Und mir sind als Vergleich eben sofort "jugendliche Vollrausch-Trinker" (und nur die hab ich mit meinem zugegebenermaßen schlecht gewählten Ausdruck gemeint) oder Alkoholisierte, die sich auch noch ans Steuer setzen und sich selbst, aber vor allem auch andere (!!) gefährden, eingefallen. Da hätte ich für Leute, die einen Suizidversuch unternommen haben, wesentlich mehr "Verständnis".
Soviel nur zur Klarstellung (ich hoffe, ich hab damit nicht noch mehr Verwirrung gestiftet...)

Dass der von mir zitierte Satz aus dem Zusammenhang gerissen war, geb ich schon zu; aber jeder, der (ebenfalls aufmerksam!) die Beiträge verfolgt hat, müsste ja auch den Zusammenhang kennen :wink:.

Zitat:
ich bemühe mich ja auch darum, die postings anderer schreiber zu "verstehen"
Ich hoffe, dass dies auch in meinem Fall gilt und ich jetzt nicht endgültig in Ungnade gefallen bin... :oops:
Nun überlasse ich das Feld aber wieder den "Fachleuten" und dem eigentlichen Thema. Es tut mir leid, dass ich davon abgelenkt habe...
Eine Bemerkung sei mir aber noch gestattet: wie schon oben erwähnt, finde ich es einfach toll und bewundernswert, wie ernsthaft, aber auch offen hier über die Gefühle der "professionellen Retter" diskutiert wird, und ich werde den Thread mit großem Interesse weiterverfolgen (keine Sorge - in Zukunft nur als stiller Leser! :wink: )

Vielleicht kann ich ein bisschen gut machen, indem ich diesmal diesen Satz hervorheben und doppelt unterstreichen möchte!!
Zitat:
meine höchstachtung vor allen, die hier ihre gefühle zu diesem thema outen !!!


Freundliche Grüße
der Laien-Gast


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 30.12.04, 21:36 
Hallo Ihr,

weiss gar nicht, ob ich mich trauen soll, ob es mir überhaupt "zusteht" hier zu schreiben...

Ich bin Betroffene und ich wollte mich, mitlerweile schon zweimal, ernsthaft Suiziedieren. Das letzte Mal vo 8 Wochen...

Mich macht es ehrlich gesagt betroffen, wenn ich die Beiträge lese. Ich habe damals nicht darüber nachgedacht, was der Notarzt und das Rettungsteam für Gefühle hatten, wie sie damit umgehen usw.
Damals habe ich nicht mehr allzuviel mitbekommen, weiss nur, dass ich eine scheisswut hatte, alle sollten mich in Ruhe lassen, doch sie liessen mich nicht...

Es macht mich doch sehr nachdenklich, denn alles was ich nicht wollte war, andere verletzten oder in Not zu bringen.

Dieser Satz : "du bringst dich ohne not in lebensgefahr" finde ich nicht sehr passend. Ich befand mich in höchster Not, eben halt in psychischer Not. Für mich gab es keinen anderen Ausweg, es war einfach keiner da...

Ich hoffe, ich habe Eure Diskusion nicht allzusehr gestört.

Viele Grüsse
Lou


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 30.12.04, 23:29 
@ lou: der satz ist nur im zusammenhang zu verstehen, niemand wollte den betroffenen ihre not absprechen oder sie nicht ernst nehmen. das was du hier geschrieben hast, finde ich eine wichtige bereicherung für dieses thema. danke dafür !!!

@ Laien-Gast: nu is aber gut, ich finde natürlich kann und darf jeder was zu einem thema posten. manchmal auch ganz sinnvoll wegen der "betriebsblindheit", aber ich möchte nochmal an etwas anschliessen, was ein kollege hier (zumindest inhaltlich so ähnlich) gepostet hat: du kannst das nicht nachvollziehen! mehrere profis haben ihre sicht (gröstenteil übereinstimmend) geschildert, du darfst uns getrost glauben, das es für uns so ist. es ist verdammt nochmal nicht mein job einen betrunkenen unfallverursacher zu verurteilen, wie ich auch persönlich über sein tun denken mag.

noch was: ich wollte mit angewöhnen, die shift - taste zu benutzen (wegen der besseren lesbarkeit), hab jetzt nicht dran gedacht - sorry !!! werde versuchen das in zukunft zu berücksichtigen. euch allen einen guten rutsch und ein frohes neues jahr

daniel


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 31.12.04, 08:59 
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DMF-Mitglied

Registriert: 28.12.04, 18:55
Beiträge: 22
Wohnort: hinterm FFM-Flughafen :o)
beitrag gelöscht da laie..sorry...


Zuletzt geändert von Stefanie am 31.12.04, 15:09, insgesamt 2-mal geändert.

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 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Laien-Postings
BeitragVerfasst: 31.12.04, 09:39 
Liebe Laien-Gäste,

ich sehe, dass Sie sich von dem Thema hier sehr angesprochen fühlen.

Hierzu möchte ich Folgendes klarstellen: es war nicht meine Absicht, mit meinen Fragen Laien anzusprechen. Der Sinn meines Postings war einzig und allein, mich hier mit Rettungsdienstkollegen darüber auszutauschen, welche Gefühle professionelle Ersthelfer bei der Erstversorgung von Patienten mit Suizidversuch /-androhung empfinden und wie sie damit umgehen.

Ein Austausch mit Laien bzw. ehemaligen Suizidalen, welche Gefühle der Suizidale in dieser Situation hat/hatte und wie ernst- oder nicht ernstgemeint der Suizidversuch aus Sicht des Suizidalen letztlich war, liegt nicht in meinem Interesse.

Sie können sich sicher sein, dass ich die Diskussion mit Kollegen hier nicht führe, um auf den Gefühlen von Suizidalen „herumzutrampeln“. Ich führe sie vielmehr, um vielleicht Suizidale in Zukunft auch menschlich einfühlsamer und mit weniger Aggressionen erstversorgen zu können.

Ich werde auf weitere Laien-Postings daher nicht näher eingehen. Auch die mir reichlich zugesandten, teilweise sehr empörten Privatnachrichten werde ich nicht beantworten. Ich spreche hier ausschließlich für meine Person.

Mit freundlichem Gruß doc-in-not


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 01.01.05, 23:36 
Dieser Text wurde auf ausdrücklichen Wunsch des Nutzers gelöscht.
Wir bedauern sehr, dass der Zusammenhang und der Diskussionsfaden dadurch verloren gegangen ist.

J. Wagener
DMF-Moderator


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 01.01.05, 23:59 
Hallo

Auch wenn ich nur zu der Riege des Pflegepersonal gehöre, möchte ich nochmal was dazu sagen...

Also ich muss dazu sagen, für mich macht es auch keinen Unterschied, ob es ein appellativer oder "ernst gemeinter" Suizidversuch ist.... Fakt ist, dass der Mensch in meinen Augen nicht mit der Situation, in der er sich JETZT befindet nicht klar kommt.

Für mich hat jeder Suizidversuch, aber auch jeder geglückte Suizid eine gewisse Ernsthaftigkeit. Es gibt zumindest Gründe dafür, dass ein Mensch so nicht mehr weiterleben möchte...
Wenn es geht frage ich die Patienten danach...wenn es nicht mehr geht versuche ich, zumindest eine Grund zu erfahren... z.b. über die Polizei etc... Das gehört für mich, wie bei jedem anderen Patienten, zur Anamnese. Was jetzt aber nicht heißt, dass ich die Geschichte eines jeden Patienten mit nach Hause nehme und mich nicht abgrenzen kann... nur manche nehmen mich eben ien bißchen mehr mit... was aber bei uns im Team ganz gut aufgefangen wird...

Bei mir bekommt jeder Patient prinzipiell die gleiche fachlich qualifizierte psychische und med. Behandlung (natürlich Krankeitsbild bezogen) und Betreuung.... egal ob Herzinfarkt, Apoplex, Polytrauma oder Suizidversuch. Für mich ist ein suizidaler Patient ein Patient wie jeder andere auch...

Klar gibt es auch Patienten, die mir irgendwann auf den Keks gehen.... aber das ist ja auch nur menschlich... ich bin auch nicht immer gleich gut drauf.
Aber ich habe auch kein Problem damit meine Grenze zu erkenne und den Patienten an einen Kollegen abzugeben...


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 02.01.05, 00:11 
Anonymous hat geschrieben:
Moin!
Ich glaube, paramedic trifft die Sache schon ganz gut. Da muss ich "meinen" RTW mit jemandem blockieren, der sich selbst in (Lebens-)Gefahr bringt, wenn jederzeit mein Piper z.B. für einen Kindernotfall oder schweren VU losgehen könnte.


Hm ich denke das mit dem "sich selbst in Lebensgefahr bringen" ist ein zweischneidiges Schwert....
Ich denke da z.B. an die unzähligen Autofahrer die unter C2 -Einfluss fahren oder mit 100 durch die gschlossene Ortschaft brettern... Versteht ihr was ich meine? Wo beginnt es und wo hört das auf?
Letztendlich ist jeder Mensch für dich selbst verantwortlich und ich denke nicht, dass es irgend jemanden zustehst, das Verhalten moralisch zu beurteilen...

Verstehen kann ich es auch nciht, wenn zum 20 mal ein Mensch mit V.a. Suizidversuch
in die NA zu uns kommt und sich dann letztendlich rausstellt, dass er 20 Aspirin geshcluckt hat, weil seine Freundin ihn mal wieder verlassen hat.. nein verstehe kann ich das irgend wann einfach nciht mehr.. aber ich respektiere es und versuche dann demjenigen die Hilfe zukommen zu lassen, die er braucht... und wenns die Psychiatrie ist...


So jetzt aber gute Nacht


Grüße
Tine


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 02.01.05, 13:08 
x-file hat geschrieben:
Liebe Retter,

mir war noch überhaupt nicht bekannt, dass es eine Qualifizierung nach Profi und Laie in spontan humaner Gefühlswahrnehmung gibt.

Reicht es zur Erlangung so einer Qualifikation, dass ich selbst als Laie :?: sehr wütend darüber war, wie ich einen Menschen so gerade davor bewahren konnte, als die Kohlenmonoxydinduktion in sein Fahrzeug schon lief?


Viele Grüsse

Robert


Ich möchte aufgrund dieses Postings ganz klar stellen
1. daß hier mitschreiben kann, wer will
2. daß die Ablehnung, das in diesem Thread und von mir angefangene Thema mit Laien zu diskutieren sich nur auf meine Person bezieht und nicht allgemein als Meinung der Fach-Teilnehmer hier zu sehen ist. Ich war davon ausgegangen, daß ich dies mit meiner Aussage

Zitat:
Ich werde auf weitere Laien-Postings daher nicht näher eingehen. Auch die mir reichlich zugesandten, teilweise sehr empörten Privatnachrichten werde ich nicht beantworten. Ich spreche hier ausschließlich für meine Person
].

bereits deutlich gemacht hatte.

Gruß von doc-in-not :wink:


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 02.01.05, 13:39 
Hallo Tine,

danke dass Du so offen hier gepostet hast und uns damit auch die Einblicke von der Seite des Pflegepersonals im Umgang mit Suizidalen eröffnen konntest.

Zitat:
Bei mir bekommt jeder Patient prinzipiell die gleiche fachlich qualifizierte psychische und med. Behandlung (natürlich Krankeitsbild bezogen) und Betreuung.... egal ob Herzinfarkt, Apoplex, Polytrauma oder Suizidversuch. Für mich ist ein suizidaler Patient ein Patient wie jeder andere auch...

Ich finde es schön, dass Du Patienten mit Suizidversuch (unabhängig davon, wie „ernstgemeint“ dieser war) mit der gleichen menschlichen Zuwendung und den gleichen Gefühlen gegenübertreten kannst, wie allen anderen Patienten auch ! Ich wünschte, auch ich könnte das.

Während meiner längeren Zeiten als Ärztin auf Innere Intensiv (mit 2-3 Suizidpatienten pro Woche) hatte ich auch den Eindruck, dass das Intensivpflegepersonal verschieden „gern“ mit diesen Patienten umgeht. Einige versorgten diese Patienten ausgesprochen gerne, andere gaben sie wenn möglich gleich ab. Leider habe ich damals keine Gespräche über dieses Thema geführt, sonst könnte ich jetzt mehr zu den Gründen sagen. Habt Ihr in Eurem Pflegeteam schon mal darüber gesprochen ?

Zitat:
Letztendlich ist jeder Mensch für dich selbst verantwortlich und ich denke nicht, dass es irgend jemanden zustehst, das Verhalten moralisch zu beurteilen...

Ich denke nicht, dass ich Suizidale bewusst oder moralisch verurteile. Diese Aversionen kommen ungewollt in mir hoch und ich kann ihr Auftreten nicht an etwas Artikulierbarem festmachen, wie z.B. Moral (man „darf“ sich nicht umbringen o.ä.). Und sie kommen nur hoch, wenn ich den Eindruck habe, der Suizid war eigentlich „nicht ernstgemeint“- oder vielleicht sollte man besser sagen, nicht in der Absicht angelegt, dabei wirklich zu sterben. Also eben die besagten 20 Aspirin, wenn der Freund mal wieder böse war...

Ich habe den Thread gerade auch deshalb angefangen, weil ich meine aggressiven Gefühle zwar wahrnehme (und auch darunter leide bzw. deshalb Schuldgefühle habe), aber mir nicht recht erklären kann, warum ich sie eigentlich bekomme. Der bisherige Diskussionsverlauf hat mir allerdings schon sehr geholfen, mir etwas klarer zu werden.

Daher finde ich auch Deine Postings sehr hilfreich und danke Dir für die Mühe, die Du Dir damit gemacht hast !

Einen herzlichen Gruß ! doc-in-not :wink:


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 Betreff des Beitrags: Hallo
BeitragVerfasst: 02.01.05, 15:47 
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Beiträge: 33
Wohnort: Nahe Karlsruhe
Ich bin jetzt seit mehr als 10 Jahren auf ner interdisziplinären Intensivstation als FKP tätig und kenne dieses Gefühl der "Wut" (ist vielleicht etwas zu hart, aber mir fällt grad nix besseres ein) auch sehr gut. Immer mit dem Gedanken verbunden, da kommt jetzt jemand, hat 3 Tbl Paracetamol o.ä. geschluckt, nur um es seinem Partner, Freund, Eltern oder sonstwem zu zeigen, "mir gehts nicht gut".
Um es für Klinik-Außenstehende mal zu verdeutlichen, diese Pat. müssen dann (zumindest ists so in den KH, die ich kenne) bis zum Nachweis der "Nichtsuizidalität" durch einen Neuro- bzw. Psychologen auf der intensivstation verbleiben. Und da bei uns solche Fachrichtungen nciht am Haus vertreten sind, muss dann ein konsiliarischer Arzt von Außerhalb hinzugezogen werden. Und wenns jetzt Freitag abend ist dann verbleibt der Patient eben bis Montag nach der Sprechstunde des Neurologen bei uns. Und blockiert somit einen Bettplatz, den ein HI-Pat oder so doch viel besser brauchen könnte.
Nicht daß ich dann so einen Patienten schlechter behandeln würde als einen anderen, auch würde er es mir nicht anmerken, geschweige denn zu hören kriegen, aber ich bin oftmals echt abgenervt. Und nicht nur ich, sondern auch die meisten Kollegen. Das merkt man dann immer, wenn man die Reaktionen beobachtet, wenn eine Anmeldung eines Suizidpatienten em Telefon erfolgt.
Aber ich denke mal, das ist eine ganz normale Reaktion, denn schließlich will man iegentlich denen helfen, die die Hilfe medizinisch brauchen. Daß Suizidalisten auch Hilfe brauchen ist keine Frage, aber eben eine solche, die wir nicht leisten konnen. Zumindest solange es nicht medizinisch notwendig ist.
Gruß Jupp


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 02.01.05, 17:17 
Hallo zusammen

doc-in-not hat geschrieben:
Ich denke nicht, dass ich Suizidale bewusst oder moralisch verurteile. Diese Aversionen kommen ungewollt in mir hoch und ich kann ihr Auftreten nicht an etwas Artikulierbarem festmachen, wie z.B. Moral (man „darf“ sich nicht umbringen o.ä.). Und sie kommen nur hoch, wenn ich den Eindruck habe, der Suizid war eigentlich „nicht ernstgemeint“- oder vielleicht sollte man besser sagen, nicht in der Absicht angelegt, dabei wirklich zu sterben. Also eben die besagten 20 Aspirin, wenn der Freund mal wieder böse war...


Sorry doc... wollte Dich damit nicht angreifen...
Ich kenne das ja auch, dass mir ein Patient richtig auf die Nerven geht... wobei ich das für mich nicht am Krankheitsbild ableite... :-)
Aber mir ist eben aufegfallen, dassfür viele, suizidale Patienten "nur" eine zusätzliche Belastung sind, die ja ncihts ernsthaft krankes haben.... verstehst Du? Und das wollte ich deutlich machen... es liegt nicht in unserem Ermessen, das Verhalten einens jeden Menschen zu berurteilen...
Ich denke gerade im medizinischen Bereich sollte man die persönlichen Eindrücke, so weit als möglich zurückstellen sollte... dasa macht für mich einfach einen Teil der Fachkompetenz aus... das man das nciht immer kann und dass es Situationen gibt, in denen man nur noch genervt ist kann ich absolut nachvollziehen... Wir sind ja alle nur Menschen... trotz allem sollte immer noch die Fachlichkeit im Fordergrund stehen...
Ist meine Meinung dazu...

@Jupp
bei uns ist das schon auch so... dass ein suizidaler Patient so lange auf ITS bleibt bis ein Psychiater die nächsten Schritte festlegt... gut wir haben eine Psychiatrie im Haus... das geht das dann schon mal recht schnell...

Hm, meiner Meinung nach klassifizierst Du Patienten... so nach dem Motto "Der hat ein Recht auf ein ITS Bett und der nicht..." So kommt das zumindest bei mir an...
Das ein HI-Patient evtl auch den Bettplaztz blockiert, weil er seit Jahren 2Schachteln am Tag raucht, seine Medis nicht regelmäßig nimmt, und dazu noch nen stressigen Job hat und keinen Deut kürzer tritt ... trotz Anraten des Arztes... Und sich somit auch Selbst gefährdend verhält...
Verstehst du? Ich finde es schwierig da eine Grenze zu ziehen... Wer hat mehr Recht auf ein ITS Bett? Das ist die gleiche Diskussion wie... ein Privatpatient und ein Allgemien Patient haben gleichzeitig einen Herz-Kreislauf stillstand. Und es ist nur ein Arzt da... wer wird wohl zuerst reanimiert? Ich würde sagen zu 95 % der Private.
Verstehst Du was ich damit sagen will? Kanns gard nicht anders ausdrücken...


Viele Grüße
Tine


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 Betreff des Beitrags: @Tine
BeitragVerfasst: 02.01.05, 17:29 
Offline
DMF-Mitglied

Registriert: 07.10.04, 02:38
Beiträge: 33
Wohnort: Nahe Karlsruhe
Ja, irgendwie klassifiziere ich diese Patienten schon, stimmt. Aber wie gesagt, nur innerlich. Und auch nur dann, wenn die Suiziden (ist das der Plural?) eher als Hilferuf zu sehen sind, was ja doch in der überwiegenden Mehrzahl der Fall ist. Dann muss ja evtl wirklich ein anderer drunter leiden.
Und selbstverständlich verspüre ich auch in etwa das gleiche Gefühl bei einem kettenrauchenden Re-Infarktpatient, bei einem betrunkenen Verkehrsunfallpat, bei einem Epilepsiepat., der seine Medis absetzt weil er ja schon so lange keinen Anfall mehr hatte usw.
Ich möchte nochmals sagen, diese Patienten spüren es nciht, daß ich so denke. Sie bekommen mit Sicherheit auch die gleiche Behandlung wie die anderen. Es ist halt eben so ein Gefühl.
Und wenn Du grade danach fragst, wieviele Kollegen würde bei 2 Reas nicht doch eher den kassenpatienten dem Privaten vorziehen? :roll:
Ich wüßte schon einige.
Jeder, der ein Intensivbett braucht sollte auch eins kriegen. Aber man sollte sich halt auch nicht grade drum reißen.
Gruß Jupp


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 02.01.05, 18:33 
Tine25 hat geschrieben:
Sorry doc... wollte Dich damit nicht angreifen...
Ich kenne das ja auch, dass mir ein Patient richtig auf die Nerven geht... wobei ich das für mich nicht am Krankheitsbild ableite... :-)


Hi Tine,

nicht entschuldigen...! Ich hab mich in keiner Weise irgendwie von Dir angegriffen gefühlt, sondern wollte mit meinen Unterstreichungen nur irgendwie deutlich machen, daß es bei mir kein bewusster Vorgang ist, wenn ich auf Suizidale so mit "Ärger" reagiere. Ist immer schwierig, sich schriftlich ohne Mimik, Gestik und Betonungen zu verständigen... :wink:

Zitat:
Ich denke gerade im medizinischen Bereich sollte man die persönlichen Eindrücke, so weit als möglich zurückstellen sollte...


Also so ganz uneingeschränkt würde ich Dir da nicht zustimmen - wobei es natürlich ein Unterschied ist, ob man Patienten über einen längeren Zeitraum wie in der Intensivpflege oder für sehr befristete Zeiträume, wie im Rettungsdienst, betreut.

Ich glaube aber, wir beide denken bei "persönlichen Eindrücken" auch ein bißchen was Unterschiedliches. Also wenn mein persönlicher Eindruck ist, der Patient hat Angst oder Sorgen oder ist äußerlich ganz ruhig und innerlich vielleicht total aufgeregt, dann versuche ich da auch menschlich mitzufühlen und darauf einzugehen. Es kann dann schon sein, daß ich "das würde mir auch Angst machen" oder "darüber würde ich mich auch sorgen" oder "sie wirken nach außen so ruhig, wie geht es Ihnen innendrin... ?", also meine persönlichen Eindrücke dem Patienten auch mitteile.

Würde auch gerne noch was zu Deiner Antwort an Jupp sagen (und diesen damit auch gleich ansprechen :) ):
Ich habe die von Jupp geschilderte Situation "körperlich gesunder Suizidaler liegt auf Intensiv, bis der Psychiater kommt" in meiner Krankenhauszeit genau so erlebt. Hab das am Anfang dieses Threads auch fast mit den gleichen Worten wie Jupp geschildert und dabei die gleichen Gefühle gehabt, wie er und wohl viele seiner Kollegen.

Auch bei uns gab es damals auf Intensiv ein allgemeines Aufstöhnen, wenn es mal wieder von der Leitstelle hies: Ihr kriegt gleich eine 17-jährige Tablettenintox.oder die Pforte anrief "da kommt eine Mutter mit ihrer Tochter zu Euch rauf nach Tabletteneinnahme". Wir haben damals (10 Jahre her) auch fast jeder Tablettenintox den Magen gespült, weil man ja nie wirklich sicher sein konnte, ob sie nur das geschluckt haben, was sie angaben. Und diese Spülerei ist halt nervig und Schweinkram, obwohl wir dafür sogar extra einen Stuhl mit Fixierungen in der Spüle hatten...

Ich glaube, wenn Jupp die Patienten "klassifiziert" von wegen Recht auf Intensivbett oder nicht, dann tut er das weniger unter dem Aspekt, der Suizid-Patient hats ja selbst verschuldet und der Herzinfarkt nicht. Sondern eher nach der Schwere der körperlichen Erkrankung.

Ein Suizidaler mit 3 Paracetamol ist körperlich gesund und braucht weder Intensivüberwachung noch -pflege. Dennoch muß er aus rein rechtlichen Gründen so lange auf Intensiv bleiben, bis ein Psychiater sagt, er ist nicht mehr suizidal. Einzig und alleine, weil er auf Normalstation ohne Monitoring nicht unter Kontrolle ist und aus dem Fenster hüpfen könnte. Und es ist halt verrückt, wenn Du dann zwei Suizidale übers Wochenende auf Intensiv hast, bei Platzmangel nicht verlegen darfst (wir habens manchmal gemacht mit Fußfixierung auf Normalstation) und Dich bei der Leitstelle als voll abmelden mußt. Mit der Konsequenz, daß aus körperlichen Gründen intensivpflichtige Patienten durch längere Transportwege zur nächsten freien Intensiv gefährdet werden... Klar, der Suizidale kann nichts für diese blöde "Logistik" aber irgendwie richtet man seinen Groll halt doch gegen ihn und nicht gegens "System".

Das ist dann so ähnlich, wie draußen im Rettungsdienst, wer hats so schön überspitzt formuliert, paramedic ?
Zitat:
und was machst du ?? böser suizidaler patient ?? du bringst dich ohne not in lebensgefahr, du blockierst meinen rtw für die "richtigen" notfälle, du stiehlst mir meine zeit.


Naja, alles in allem finde ich es sehr interessant, wie von jedem der Kontakt mit Suizidalen unterschiedlich empfunden wird... vielen Dank auch Jupp für Deinen eindrucksvollen Bericht !

Für mich ist es schon irgendwie leichter, mit der Geschiche umzugehen, alleine durch das Wissen, daß auch andere diese "abwehrenden" Gefühle gegen Suizidale kriegen.

Was mich interessieren würde ist die Frage, ob die mit eher negativen Gefühen gegenüber Suizidalen dies gegenüber allen Patienten mit Suizidversuch empfinden, oder ob es für Euch einen Unterschied macht, ob der Suizid in wirklicher Tötungsabsicht (z.B. Erhängen, E 605, Erschiessen u.ä.) oder mit Bagatellmedikamenten, die auch hochdosiert nicht tödlich sind, gemacht wurde ?

Ich würde mich über weitere Meinungen und Diskussionen sehr freuen !

Gruß von doc-in-not :wink:

PS: Jupp, über Deinen Abschlußsatz hab ich mich eben wirklich weggeschmissen - pruuuuust, saugut !
Zitat:
Jeder, der ein Intensivbett braucht sollte auch eins kriegen. Aber man sollte sich halt auch nicht grade drum reißen


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 02.01.05, 21:41 
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DMF-Mitglied

Registriert: 07.10.04, 02:38
Beiträge: 33
Wohnort: Nahe Karlsruhe
Hallo d-i-n,
jetzt hatte ich vorhin direkt auf Dein post auch was geschrieben, wollte es abschicken, dann ist doch tatsächlich die Verbindung zum Forum abgeka....-stürzt. :twisted:
Naja, jetzt mal ein neuer Versuch.
Zu Deiner Frage, wie das so ist mit der Klassifizierung bei "richtigen" Suizid(versuchen), also E605, Erhängen, Erschießen, Sturz aus dem fenster usw (alles schon selbst erlebt)(ähm, also bei Patienten natürlich), dazu möchte ich sagen, wenn ich es mir so überlege, daß da diese "Klassifizierung" nciht passiert, wobei ich da nur für mich sprechen kann. Kann allerdings auch daran liegen, daß es solchen Patienten ja dann entsprechend "dreckig" geht und man in dem Moment einfach keine Zeit dazu hat. Wobei ich diese Klassifizierung ja auch nicht bewußt mache, sondern es ist ja wie bei jedem Gefühl, eher unwillkürlich.
Vielmehr ist es tatsächlich so, daß es sehr vielen Ärzten und Pflegern/Schwestern so geht, daß sie quasi in "nötige" und "unnötige" Patienten unterteilen. Das geht sogar soweit (oder besser ging), daß man früher bei Patienten, die eine gänzlich unbedeutende Menge an Tabletten eingenommen hatte, aus pädagogischen Gründen eine Magenspülung vorgenommen hat. Meistens mit den Worten:"Dann überlegt Sie/Er es sich beim nächsten Mal zweimal, ob er/sie wieder was nimmt." Gottseidank ist das heute zumindest bei uns nicht mehr so. Wir machen kaum mehr Magenspülungen, und wenn, dann nur wenn sie von der Vergiftungszentrale empfohlen wird. Wir sind ja auch keine Unmenschen. :mrgreen:

Grüße Jupp


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