Navigationspfad: Home
medizin-forum.de • Thema anzeigen - Monitor - Beitrag vom 12.07.2007
Aktuelle Zeit: 23.10.17, 12:46

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 29 Beiträge ]  Gehe zu Seite Vorherige  1, 2
Autor Nachricht
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 18.07.07, 13:45 
Offline
DMF-Mitglied

Registriert: 09.02.05, 09:26
Beiträge: 74
Hallo Erik.
Ja ich weiß schon worum es dir im Endeffekt geht. Wie gesagt, glaube auch ich ehrenamtliche Mitarbeiter würden einige Stellen wegnehmen. Ich kann auch jeden Rettungsassistenten verstehen, der damit seinen Beruf angegriffen fühlt (subjektiv). Aber objektiv ist doch da nichts verwerfliches dran. Wenn ein Mitarbeiter freiwillig ehrenamtliche Dienste ableistet finde ich das in Ordnung. Sobald Zwang oder auch wie die Anderen geschrieben haben "Zwang durch die Blume" dazukommt ist das natürlich nicht mehr in Ordnung. Das gibt es sicherlich, aber das sind nicht die Mehrzahl der Ehrenamlichen!

Was ich auch nicht ganz in Ordnung finde ist deine Differenzierung zwischen der FFW und den EA-Mitarbeitern im Rettungsdienst. Was wäre, wenn es keine Ehrenamtlichen in der Feuerwehr gäbe? Würde man es dann halt brennen lassen oder gäbe es mehr fest angestellte Feuerwehrmänner? Ich denke hier hat vermutlich jeder immer halt ein Auge auf seinen Beruf.
Auch in anderen Berufen gibt es durchaus auch unbezahlt Arbeitende. Ärzte, die mal ins Ausland gehen und in einem Entwicklungsland helfen oder Maurer, die kostenlos den Rohbau des Vereinsheims erstellen, um nur mal zwei Beispiele zu nennen.

Zu deiner Bemerkung mit dem dienstfreien Hauptamtlichen Personal möchte ich nur am Rande anmerken, dass dieses im Einsatzfall zu einer erschreckend hohen Zahl bei uns genau immer dann grad nicht in der Nähe sind, den Piepser nicht gehört hat oder etwas Ähnliches. Komischer Zufall! Finde ich zwar nichts verwerfliches dran, weil das ja jeder für sich entscheiden muss aber in den meisten Fällen wären wir nur mit den Hauptamlichen bei mehr als 4 Verletzten bei einem VU ganz schön aufgeschmissen!

Gruß
Bambi


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 19.07.07, 09:14 
Offline
DMF-Mitglied
DMF-Mitglied

Registriert: 15.07.07, 18:45
Beiträge: 262
Wohnort: Duisburg
Hallo Thomas H.

Die Fahrdienstleiter verstehen ihren Job schon, nur wenn die Belegschaft bis zu dem Umfang Urlaub hat wie es Zulässig ist und dann die andere Hälfte krank ist (oder krank feiert) wird es personalmäßig knapp. Und das ist der Punkt wo das EA aushilft. Ist ja nicht so als wenn das mehrmals Monatlich vorkommt. Eher vereinzelt übers Jahr verteilt, allerdings schon häufiger zur Urlaubszeit, das stimmt schon.
Ich muss ehrlich gestehen dass ich nicht weiß ob die RAs Geld für die Zeit kriegen bzw. ob es ihnen als Arbeitszeit angerechnet wird. Was ich weiß ist, dass ihnen kein Nachteil entsteht z. B. durch unbezahlte Überstunden die sie nacharbeiten müssen oder ähnliches. Wie die Abrechnung da erfolgt müsstest Du unsere Personalabteilung fragen.
Natürlich gibt es auch oft genug Veranstaltungen, die so reizvoll sind dass mancher RA diese in seiner Freizeit gerne mitmacht (Konzert von der Lieblingsband o.ä.), das ist dann für ihn so wie für die anderen Ehrenamtler die ja auch nach der Arbeit sowas machen und das wird definitv nicht vergütet. Ist ja dann Freizeit!

Edit: Ach ja, zur Qualität der Ausbildung wollte ich noch was sagen:

Ich habe meine Ausbildung auf der JUH Akademie in Münster gemacht und dort auch recht gut abgeschnitten (schriftlich 3, der Rest war komplett 1 wen es interessiert...) und habe dort zusammen mit einigen Hauptamtlern abgeschlossen die teilweise schlechter abgeschnitten haben als ich und Tags darauf vollwertig einen RTW besetzt haben.
Mein Ergebnis ist keine Ausnahmeleistung sondern entspricht dem aktuellen Schnitt aus unserem Standort, da alle RS von uns in Münster ausgebildet wurden und werden ist dies also sehr gut vergleichbar. Die letzten 10 oder mehr RS die aus Münster zurück kamen hatten nie einen Schnitt schlechter als "1,...".

Unser ZF vertritt die Meinung, dass wenn wir schon beim Rettungsdienst mitmachen wollen wir so weit es irgendmöglich ist auch auf dem gleichen Niveau sein MÜSSEN wie Hauptamtliche Kollegen. Unsere Interne Ausbildung ist auch entsprechend straff angelegt man kann fast sagen "Drill" ist bei den Fortbildungen angesagt. Natürlich können selbst 50, 60 oder mehr Fortbildungsstunden im Jahr (wie ich sie zum Beispiel regelmäßig ansammele) nicht die Erfahrung ausgleichen die ein Hauptamtlicher RA über die Jahre hinweg gesammelt hat; keine Frage. Wir können aber unser möglichstest tun um dem HA "auf den Fersen" zu bleiben. Außerdem ist es bisher immer so gewesen das je Fahrzeug ein erfahrener Mann mit drauf sitzt.
Und im Gegensatz zu anderen Standorten und/ oder Organisationen (was mir aber nur via Flurfunk zugetragen wurde) werden bei uns alle Fahrzeuge mindestens nach dem aktuell gültigen Stand des Rettungsdienst Gesetztes besetzt. Wenn vorhanden auch gerne höher Qualifiziert, so sitzen auch schon mal RA/RS auf einem KTW.
Immerhin wurden wir für die Qualität unserer Arbeit von der BF schon mehrfach gelobt was beweist das unser Konzept absolut aufgeht und funktioniert auch wenn es ein gewaltigen mehr Aufwand mit sich bringt was Trainings, Fort- und Ausbildungen angeht.
Die meisten meiner Ehrenamtlichen Kollegen sind aber auch wie ich der Meinung dass wir diesen Mehraufwand bringen müssen um eine gewisse Qualität auf die Strasse zu kriegen. Und es erfüllt einen natürlich auch mit Stolz wenn man sich z. B. von Trainingssequenz zu Trainingssequenz verbessern kann und eigene Fortschritte sieht.

_________________
Hier ist das Internet zu Ende. Bitte Alt+F4 drücken.


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 22.07.07, 16:49 
Offline
DMF-Mitglied
DMF-Mitglied

Registriert: 13.01.05, 20:07
Beiträge: 194
Wohnort: Hamburg
https://www.skverlag.de/index.php?id=174&backPID=174&tt_news=1197

Ich persönlich empfinde soetwas als einen Faustschlag in das Gesicht
aller hauptamtlichen Rettungsdienstmitarbeiter. Was bitte hat dies noch
mit dem Entschädigen eines Aufwandes zu tun?

Gruß Thomas


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 22.07.07, 20:16 
Offline
DMF-Mitglied
DMF-Mitglied

Registriert: 02.07.06, 12:42
Beiträge: 252
Wohnort: Verden
@ Thomas H.

Da stimme ich dir zu. An meinem Hauptarbeitsplatz (Druckindustrie) bekomme ich einen Stundenlohn von 12,62 brutto. Durch diesen Artikel habe ich erstmals etwas davon gehört, dass es auch ehrenamtliche Lst - Disponenten gibt :twisted: Fazit: auch hier liegt ein Missbrauch des Ehrenamts vor.

Gruß
Frank


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 22.07.07, 20:18 
Offline
DMF-Moderator

Registriert: 30.01.05, 10:41
Beiträge: 983
Hallo Leute !

Ihr werdet euch jetzt wohl fragen, warum sic gerade der Doc zu so einem Thema zu Wort meldet ?

Ich habe den Beitrag jetzt lange verfolgt und finde es toll, wie ein so heißes Eisen doch so sachlich diskutiert wird. Ich möchte hier aber doch aus meiner Sicht Stellung nehmen.
Warum ?
Ich habe meine gesamte Rettungsdienstliche Ausbildung (KTW – NAW, LS) ehrenamtlich gemacht. Erst ab dem NA und dann LNA wurde aus der Berufung auch ein Beruf.

Der Maßstab an dem jeder Mitarbeiter ob EA oder HA gemessen werden muss, ist die Qualität der Versorgung des Patienten. Und die muss stimmen. Die anderen Argumente, die so gekommen sind, sind halt viel Standespolitik, offensichtlich ein in allen Bereichen der Medizin existierender Dauerbrenner. Es ist gut verständlich, dass von Seiten derer, die den Job wollen, argumentiert wird, das EA nimmt ihnen Stellen weg, allerdings ist das nur die halbe Wahrheit. In einem gut funktionierendem System kann man Synergieeffekte nutzen, die hohe Motivation des EA fördert vielfach eine Weiterentwicklung, die in einem reinen HA Betrieb oft untergeht.

Einschränkend möchte ich jedoch hinzufügen, ich meine „wirkliches „ EA, nicht Pseudo-HA für „Ersatzlohn“.

Die vielfach angeführte höhere Einsatzerfahrung des HA sehe ich lange nicht so absolut. In meinem Rettungsdienstbereich haben wir die „Einsatzerfahrung“ durch entsprechende Auswertung versucht zu objektivieren, es hat sich gezeigt, dass zu den Stosszeiten (Kernarbeitszeit HA) viel Routine pro Kopf und Einsatzstunde anfällt und wenig persönliche Notfallerfahrung gesammelt wird, in den Randzeiten (HA und EA abgedeckt) sich das Verhältnis von der Routine zum Notfall verschiebt und die pro Kopf Einsatzerfahrung dadurch ansteigt.

Eine der Wurzeln dieses Problems ist die nicht kontrollierte Ausbildung. Jede RD-Schule, darf so viele Leute ausbilden, wie sie will/kann, dadurch entsteht bei dem vorhanden Interesse natürlich eine entsprechende „Überproduktion“ von RA, die alle auf den Arbeitsmarkt wollen. Überangebot senkt den Preis, in diesem Fall den Lohn, was von einigen Dienstgebern dann gnadenlos ausgenutzt wird.

Die in dem Monitorbeitrag angesprochene Situation ist zumindest sehr fragwürdig, ob mehr werden die Gerichte urteilen, das allerdings als Grund zur Degradierung oder Abschaffung des EA zu nutzen erachte ich als ebenso bedenklich.

Mit freundlichen Grüssen

Erbschwendtner

_________________
Dr.Ch. Erbschwendtner
Internist, LNA
Rett-Med
DMF-Moderator im Forum Rettungsdienst und präklinische Notfallmedizin


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 27.07.07, 19:00 
Offline
DMF-Mitglied
DMF-Mitglied

Registriert: 02.07.06, 12:42
Beiträge: 252
Wohnort: Verden
Gestern ist das neue Feuerwehr - Magazin bei mir ins Haus geflattert. Dort steht ein sehr interessanter Artikel zum Thema Bezahlung für Ehrenamtliche. Am Beispiel von Hessen geht es hier um Differenzen zwischen Freiwilligen Feuerwehren und dem Freiwilligen Polizeidienst (es gibt sie auch in anderen Bundesländern, bzw. sind in Planung). Letztgenannte erhalte eine Aufwandsentschädigung von 7 Euro / Stunde, maximal 20 Stunden / Monat. Sicherlich auch, wie von Christian schon gesagt, als Pseudo - HA zu bezeichnen.


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: 01.08.07, 10:36 
Offline
DMF-Mitglied
DMF-Mitglied

Registriert: 17.08.05, 17:36
Beiträge: 496
Wohnort: Wiesloch (Baden-Württemberg)
Guten Morgen Zusammen,

ich habe die Beiträge mal durchgelesen und mir auch den Monitor-Beitrag online angesehen. Die sachliche Diskussion hier finde ich super, weshalb ich auch meine Ansichten hier mal einbringen möchte. Ich persönlich denke die in Monitor geschilderten Fälle haben grundsätzlich überhaupt nichts mit dem Ehrenamt zu tun. Hier liegt doch eindeutig ein Mißbrauch arbeitsloser Kolleginnen und Kollegen vor, vordem das Ehrenamt, als Deckmäntelchen mißbraucht wird. Von daher muß man auch hier erst einmal gegenüber der Monitor Redaktion gewaltige Kritik ausüben - für die klare Darstellung der Begriffsdefinition..
Ehrenamt hat in erster Linie etwas mit Freiwilligkeit zu tun, die hier gezeigten Kolleginnen und Kollegen tun es aber aus der Not herraus, weil sie - logischer Weise - etwas zu den bescheidenen HarzIV- Verhältnissen, dazu verdienen wollen. - Und, sind wir ehrlich, wer von und würde es nicht tun ? Schließlich, haben auch die Betroffenen Familie, müssen Miete bezahlen, oder wollen einfach die Klassenfahrt ihres Nachwuchses ermöglichen. Von daher ein sicher nachvollziehbarer Gedanke.
Kritik gehöhrt auch hier also nicht an die "Ehrenamtlichen", sondern eindeutig und ganz ganz massiv an die Führungsebene, die dieses Vorgehen und Handeln überhaupt erst ermöglicht. Wenn dazu noch das Ehrenamt mißbraucht wird bitte ich doch dabei auch folgendes zu bedenken: Der klassische ehrenamtliche Helfer organisiert sich zunächst in einer Ortsgruppe einer Hilfsorganisation. Er sucht neben seinem beruflichen Dasein eine Beschäftigung, eine Möglichkeit seine Freizeit sinnvoll zu gestalten. Je nach Engagement des Helfers wird er verschiedene Ausbildungswege nutzen (die z.T. auch beruflich nicht uninteressant sind - nicht nur für den Rettungsdienst ), und wird nun aber RS oder gar RA. Spätestens jetzt werden die Ortsgruppen aber ausgedient haben, da diese in nur seltenen Fällen direkt in den RD eingebunden sind. Er wird sich also an seinen Kreisverband wenden müssen, dort zu einem Rettungsdienst- /-wachenleiter hingehen müssen, seine Qualifikation (hoffentlich, ist leider auch nicht immer der Fall) nachweisen müssen, und kann dann ggf. im Rettungsdienst zum Einsatz kommen. Sicher alles noch ehrenamtlich, solange auch die Arbeit in der Ortsgruppe nicht vernachlässigt wird und, jetzt kommt´s worauf sicher viele warten, wenn die Aufwandsentschädigungen nicht zu hoch sind.
Und um genau dies zu vermeiden sind widerum die Führungskräfte verantwortlich. Hier gehören klare Quotenregelungen her. So darf der Personalstand an "ehrenamlichen Aushilfen" keines Falls höher sein als der hautberuflicher Beschäftigter. Wenn dies der Fall ist muß ganz klar der Stellenplan geändert werden. Gleiches gilt auch für den Bedarfsplan. Wenn aus der Regelung, aus "Ehrenamtliche" in Spitzenzeiten den hauptamtlichen RD unterstützen, statt der Ausnahme, die Regel wird, muß auch hier der Bedarf an Fahrzeugen, Stellen und ggf. sogar ganzen Wachen überprüft und ergänzt werden. Nur so lässt sich auch dauerhaft ein Miteinander organisieren, ohne das weder der hauptamtliche, noch der ehrenamtliche Mitarbeiter benachteiligt ist.
Ferner möchte ich noch einen Appell an sämtliche Kreisgeschäftsführer loswerden: Wird in ihrem Kreisverband auch wie in dem Monitorbetrag erwähnt gearbeitet ? Dann sollten Sie sich schnellstens zum Umdenken bewegen lassen, denn es könnte passieren daß das "wirkliche Ehrenamt" sich mal auf die Hinterbeine stellt. Und dann werden Sie ihren Job los. Denn hauptamtliche Kreisgeschäftsführer, werden von der ehrenamtlichen Vorstandschaft auf Kreis-, oder Regionalverbandsebene angestellt, und bei Bedarf auch wieder entlassen ! Dies zumindest für die meisten HiOrgs zu derren Organisationsform ein e.V. ist.

In diesem Sinne


Uwe

_________________
Gesundheits- und Krankenpfleger für Intensivpflege und Anästhesie / Rettungsassistent


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 01.08.07, 21:15 
Offline
DMF-Mitglied
DMF-Mitglied

Registriert: 13.01.05, 20:07
Beiträge: 194
Wohnort: Hamburg
Hallo Uwe,

danke für deine Meinung.

Es gibt Rettungsdienstorganisationen die
öffentlich bekannt geben, dass sie mit einem
ehrenamtlichen Engagement von 30 % (oder
mehr) kalkulieren. Mit solchen Zahlen werden
auch Ausschreibungen gegenüber seriösen
Anbietern gewonnen. Ein ehrenamtlicher Einsatz
im (Regel-)Rettungsdienst von X % bedeutet ein
Abbau, bzw. Nichtentstehen von X % sozial-
versicherungspflichtiger Stellen!

Wir müssen uns darüber im klaren sein, dass
bei allem Respekt der Ehrenamtlichkeit gegen-
über, m. E. der gesellschaftliche Nachteil durch
die fehlenden SV-Beiträge höher ist, als der
Vorteil durch EA-Engagement im Regelrettungs-
dienst.

Dies ist mal unabhängig von subjektiven Eindrücken
bezüglich Profession und Qualität eine objektive
Größe.

Gruß


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 02.08.07, 09:54 
Offline
DMF-Mitglied

Registriert: 09.02.05, 09:26
Beiträge: 74
Hallo,
Das ist wie gesagt mit Sicherheit in Ballungsgebieten richtig.
Man muss sich aber auch darüber im klaren sein, dass es in ländlichen Gebieten rein Ehrenamtliche Einheiten von Rettungsdienst (und ich füge hinzu Feuerwehr - und da noch viel mehr) gibt, die es mit Hauptamtlichen schlichtweg überhaupt nicht gäbe, weil diese nicht annähernd finanzierbar wären.
Es gibt bei uns sogar Fahrzeuge zu gewissen Zeiten und in einigen Gebieten sogar komplette Wachen, die nur weiter betrieben werden, weil diese durch einen gewissen Teil an Ehrenamtlichen weniger Kosten und (ziemlich) Kostendeckend sind. Ansonsten würde man halt die Wachen auflösen (mit den HA) und die Hilfsfrist noch knapper ausnutzen. Und das wären dann 15 min Fahrzeit. Wäre das gut für die Patienten?
Des weiteren soll bei uns (ich glaube ich habe es schon einmal erwähnt) immer wieder ein Fahrzeug (welches wir dringend brauchen) gestrichen werden. Bei uns stellen sich dann immer die EAs auf die Hinterfüße und schreiben einen Brief in dem angekündigt wird man beende sofort den EA-Dienst wenn dieses Fahrzeug wegfällt. Bisher hat das immer geholfen. (Der KTW von dem ich rede wird übrigens Hauptamtlich besetzt)
Also es gibt auch andere Beispiele.
Sicherlich ist das nicht der Normalfall - aber völlig außer acht lassen darf man das IMHO auch nicht.
Außerdem kann ich es (als Ehrenamtlicher) durchaus verstehen, wenn sich Hauptamtliche sorgen um IHRE sozialpflichtigen Arbeitsplätze machen (verstecken sie sich doch nicht immer hinter dem Gesamtwirtschaftlichen Schaden, sondern sprechen sie das doch klar an. Das ist Verständlich). Trotzdem entstehen dadurch wenn der EA gut ausgebildet ist dem Patienten keinerlei Nachteile. Und als erstes kommt es auf den Patienten an.
Gruß
Bambi


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 02.08.07, 10:11 
Offline
DMF-Moderator

Registriert: 15.09.04, 16:01
Beiträge: 1343
Wohnort: Hansestadt Greifswald
Hallo Bambi,

ich kann Deine Argumentation ganz gut nachvollziehen, denn ich kenne den RD im Süden Deutschlands Recht gut und weiß welchen Anteil und Wert das Ehrenamt dort am RD hat.

Auf der anderen Seite muss man aber sehen, dass dort eine gewisse Tradition (starke und aktive Ortsvereine) den Leistungsanbietern überhaupt erst ermöglichen ehrenamtliches Personal im Regelrettungsdienst einzusetzen.
Ich lebe und arbeite jetzt in Mecklenburg-Vorpommern. MV ist wahrscheinlich das Flächenland schlechthin in Deutschland. Im Regelrettungsdienst arbeitet kein Ehrenamtlicher. Es gibt Wachen die haben nichtmal einen Einsatz in 24 Stunden. Die Hilfsfrist ist mit die kürzeste in ganz Deutschland. Vom ersten Klingeln am Telefon bis zum Eintreffen des geeigneten Rettungsmittels dürfen nur 10 Minuten vergehen. Dafür werden in der Urlaubssaison zusätzliche Wachen eröffnet. In Bad Doberan fliegt Deutschlands einziger Notarzteinsatzhubschrauber als "NEF der Lüfte" weil anders die Hilfsfrist nicht zu halten ist.
Das ganze System wird vom ersten bis zum letzten Euro von den Krankenkassen finanziert. Ohne Ehrenamt und ohne Finanz- oder Materialspenden. Sowas gibt es nur im Bereich der SEGen oder im Katastrophenschutz.
Wahrscheinlich wendet also MV auf einen Einwohner gerechnet erheblich mehr Geld auf um den Rettungsdienst zu finanzieren, als ein Bundesland, welches seit vielen Jahren aufs Ehrenamt zurückgreift.
Die Kassenbeiträge, die jeder von uns zahlt, sind aber beinahe überall identisch.

Hand aufs Herz. Schon ungerecht oder?

Aber nochmal. Für solche Missverständnisse trägt nicht der ehrenamtliche Mitarbeiter die unmittelbare Verantwortung. Ich habe auch keinen Lösungvorschlag, wie sich diese Misere gerecht für alle beseitigen lassen soll.
Ich will einfach nur anregen, bei der Diskussion EA / HA auch immer mal wieder den Blick über den Tellerrand zu wagen.

Gruß,

_________________
Erik Eichhorn
Rett-Med
DMF-Moderator im Forum Rettungsdienst und präklinische Notfallmedizin


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 02.08.07, 18:03 
Offline
DMF-Mitglied
DMF-Mitglied

Registriert: 02.07.06, 12:42
Beiträge: 252
Wohnort: Verden
Und die nächste Pressemitteilung:

https://www.skverlag.de/index.php?id=174&backPID=174&ttnews=1211


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 06.08.07, 19:03 
Offline
DMF-Mitglied
DMF-Mitglied

Registriert: 02.07.06, 12:42
Beiträge: 252
Wohnort: Verden
Nun geht es im Norden richtig rund. Neue Erkenntnisse von Staatsanwaltschaft und Zoll gehen jetzt auf weitere Landkreise über.

https://www.skverlag.de/index.php?id=174&backPID=174&tt_news=1214


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 15.08.07, 11:36 
Offline
DMF-Mitglied
DMF-Mitglied

Registriert: 17.08.05, 17:36
Beiträge: 496
Wohnort: Wiesloch (Baden-Württemberg)
Tagchen Zusammen,

@ Thomas:

Zitat:
Es gibt Rettungsdienstorganisationen die
öffentlich bekannt geben, dass sie mit einem
ehrenamtlichen Engagement von 30 % (oder
mehr) kalkulieren.


Definitiv zu viel. Bei meiner Idee der Quotenregelung, dachte ich an 10 - max 15%. Sollten dann dennoch nicht alle "Ehris" retten gehen können, könnten die Fahrzeuge auch noch mit 3. Männern / Frauen besetzt werden. Im Notfall zählt eh´jede Hand, beim Tragen tun sich 3 leichter wie zwei, und das Ehrenamt hat die Möglichkeit Erfahrungen im RD zu sammeln um für SEG und San Dienste fit zu sein.

@ Erik:

Zitat:
....Die Hilfsfrist ist mit die kürzeste in ganz Deutschland. Vom ersten Klingeln am Telefon bis zum Eintreffen des geeigneten Rettungsmittels dürfen nur 10 Minuten vergehen. Dafür werden in der Urlaubssaison zusätzliche Wachen eröffnet......Das ganze System wird vom ersten bis zum letzten Euro von den Krankenkassen finanziert. .....Wahrscheinlich wendet also MV auf einen Einwohner gerechnet erheblich mehr Geld auf um den Rettungsdienst zu finanzieren, als ein Bundesland, welches seit vielen Jahren aufs Ehrenamt zurückgreift.
Die Kassenbeiträge, die jeder von uns zahlt, sind aber beinahe überall identisch.

Hand aufs Herz. Schon ungerecht oder?


Hallo Erik, ich habe mal versucht wesentliche Eckpunkte deines Beitrag zusammen zu fassen, und dennoch die eigentliche Botschaft dabei nicht zu verletzen. In diesen Fällen stimme ich Dir 100% zu. Dann müssen wir uns aber 2 wesentliche Fragen genauestens überlegen.
1. Gehören rettungsdienstliche Regelungen, wie Besatzungen, Hilfsfristen etc. wirklich in den Aufgabenbereich der Länder ? Denn nur wenn wir von Flensburg bis Oberammergau und von Trier bis Görlitz, das selbe RD-Gesetz hätten, hätten wir Gerechtigkeit.

2. Können und wollen wir ein System uns leisten das ein erreichen der Hilfsfrist, zufolge hat das NEH benötigt werden. Versteh mich nicht falsch, aber immer und unter allen Umständen 100% an Sicherheit zu bieten halte ich schlicht weg für unmöglich.

LG

Uwe

_________________
Gesundheits- und Krankenpfleger für Intensivpflege und Anästhesie / Rettungsassistent


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 15.08.07, 11:44 
Offline
DMF-Mitglied

Registriert: 09.02.05, 09:26
Beiträge: 74
Uwe Hecker hat geschrieben:
2. Können und wollen wir ein System uns leisten das ein erreichen der Hilfsfrist, zufolge hat das NEH benötigt werden. Versteh mich nicht falsch, aber immer und unter allen Umständen 100% an Sicherheit zu bieten halte ich schlicht weg für unmöglich.

Autsch! Sollte mal jemand in deiner Verwandschaft / Bekanntschaft ernsthaft Hilfe benötigen und das nächste Fahrzeug braucht über 20 Minuten denkst du darüber bestimmt anders (Ich wünsche es dir nicht)

Gruß
Bambi

Edit: Beim Rest mit den einhweitlichen Regelungen Bundesweit stimme ich dir zu


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 29 Beiträge ]  Gehe zu Seite Vorherige  1, 2

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 4 Gäste


Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.

Suche nach:
Powered by phpBB® Forum Software © phpBB Group
Deutsche Übersetzung durch phpBB.de
Karma functions powered by Karma MOD © 2007, 2009 m157y
© Deutsches Medizin Forum 1995-2017. Ein Dienst der Medizin Forum AG, Hochwaldstraße 18 , D-61231 Bad Nauheim ,HRB 2159, Amtsgericht Friedberg/Hessen, Tel. 03212 1129675, Fax. 03212 1129675, Mail jaeckel@medizin-forum.de. Plazieren Sie Ihre Werbung wirkungsvoll! Hier finden Sie unsere Mediadaten!