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medizin-forum.de • Thema anzeigen - Schönes Fallbeispiel zum Miträtseln - Schlägerei nach Alk
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BeitragVerfasst: 16.05.07, 15:05 
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Hallo Zusammen.
Hatte einen interessanten Fall zum Thema erschweren der Diagnose durch Alkohol.
Umfeld: Rockfestival mit ca. 15000 Besuchern - erste Nachtschicht des Festivals nach den Auftritten der Bands
Einsatzkräfte auf dem Festival:
SEG-Rettungswagen (als KTW gemeldet) auf dem Zeltplatz (Besetzt mit RS+2 mal SanA/B)
Ambulanzzelt (mein Arbeitsplatz zusammen mit einem älteren Feuerwehr-RA ohne Rettungsdiensterfahrung)
Verletztenablagezelt (Hauptsächlich für betrunkene Besucher gedacht - Patienten werden von drei SanA/B und einer Praktikantin bewacht)
ELW mit einem Leitstellenmitarbeiter
In der nahegelegenen Wache (5 Min) befinden sich in dieser Nachtschicht durch eine Vorhalteerhöhung zwei RTW, ein KTW und ein NEF
Der Fall:
03:30 Nachts torkelt eine Personengruppe (6 Personen) auf das Ambulanzzelt zu. Eine der Personen wird von zwei anderen Personen gestützt. Die gestützte Person sowie ein weiteres Mitglied der Gruppe erbrechen sich kurz vor dem Zelt vor meine Füße.
Die einzige Dame der Gruppe erklärt mir, dass sie angegriffen/ausgeraubt und ihre zwei Freunde zusammengeschlagen wurden.
Patient1: Männlich - 26 Jahre - große Beule über den linken (blauen) Auge - wurde gestützt - hat sich gerade erbrochen - lallt - kann kaum gehen
Patient2: Männlich - 25 Jahre - Bauchschmerzen - torkelt - lallt - Bluterguss auf der rechten Unterbauchseite - Bluterguss am rechten Oberarm (sieht man weil Oberkörperfrei)
So das war das Bild, das sich auf den ersten Blick dargestellt hat. Dann mal viel Spass.
P.S. Mein RA meinte, wir sollten die doch einfach mal für ein paar Stunden ins Ablagezelt legen


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BeitragVerfasst: 16.05.07, 19:11 
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Bambi hat geschrieben:
Mein RA meinte, wir sollten die doch einfach mal für ein paar Stunden ins Ablagezelt legen


:shock:


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BeitragVerfasst: 17.05.07, 12:33 
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Jo - hab ich auch gedacht - naja.
Waren vermutlich noch etwas wenig Infos.
Folgendes ergaben Patientenbefragungen und Untersuchungen:
Patient1:
RR 150/100 meinte aber er habe immer nen hohen Blutdruck (etwas Fülliger)
Zeitlich und örtlich voll orientiert sowie mit komplettem Wissen über den Hergang der Schlägerei. Kann (lallend) sich relativ normal mit mir unterhalten.
Hat schon mehrfach erbrochen (auch schon vor der Schlägerei)
Linke Pupille stark erweitert / reagiert kaum auf Licht - rechte Pupille normal
BZ: 118
Weiterer Bodycheck unauffällig
Patient2:
RR 130/70
Hat Bauchschmerzen - wo kann er nicht genau sagen - Zitat:"kommt vermutlich vom Alkohol"
Mehrere Blutergüsse (neben den vorhin erwähnten auch am Rücken)
Weiterer Bodycheck unauffällig - kaum Schmerzempfinden
Keine Übelkeit - hat sich bisher nicht erbrochen Zitat:"Ich vertrag halt was"
BZ: 103
Bei näherer Betrachtung der Gruppe sind zwei weitere Mitglieder auffällig Alkoholisiert (torkeln / lallen / erbrechen) - waren aber nicht in die Schlägerei involviert. Werte dieser Beiden sind normal
Wäre interessant zu hören, was ihr so gemacht hättet. Hinterher wurde mir eine (für mich unerhebliche) Sache vorgeworfen und eine andere würde ich mir selbst zum Vorwurf machen. (Ich bin RS)
P.S. Der Fall ist schon etwas her - allen Beteiligten geht es bestens


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BeitragVerfasst: 17.05.07, 13:30 
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Patient 1: Beule, Erbrechen, Brillenhämatom, Pupillendifferenz = Verdacht SHT
Patient 2: Bauchschmerzen, Bluterguss re. Unterbauch (Bauch hart / weich ?) Verdacht stumpfes Bauchtrauma.

Zugegeben bei alkoholisierten Personen wünschen einige Kollegen sich sofort die Polizei mit der Ausnüchterungszelle oder in diesem Fall dem "bewachten Ablagezelt" herbei. Allerdings hat dieser Patientenkreis auch die Angewohnheit nicht immer mit den kompletten Angaben zum Hergang heraus zu rücken. Deshalb hätte ich zwecks Abklärung und meiner eigenen Absicherung NEF und RTW nachgefordert.


@ Marc02
Stimme dir voll und ganz zu.

Bis denne
Frank


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BeitragVerfasst: 17.05.07, 18:14 
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ach ja - hatte ich vergessen
Bauch von Patient2 weich
Und - Nef und RTW einmal oder zweimal??? (Zweites NEF wäre ein Primäreinsatz für einen ITH mit Ausleuchtung durch die Feuerwehr)


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BeitragVerfasst: 17.05.07, 21:03 
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Auf alle Fälle pro Patient ein RTW. Was ist mit dem "Begleiter" der sich ebenfalls übergeben hat?


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BeitragVerfasst: 18.05.07, 12:01 
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Hallo noch mal

Patienten 3+4: Beide haben sich schon mehrfach übergeben sind von den Werten her ok und noch einigermaßen ansprechbar (wie Besoffene halt so ansprechbar sind)

Ich sag euch mal was ich gemacht habe, damit ihr Manöverkritik an mir üben könnt.

VOR den ersten Untersuchungen: RTW mit KTW-Besatzung vom Zeltplatz abgezogen (durch ELW) und an das Ambulanzzelt beordert (Anfahrt nicht mal eine Minute)
Dann Werte wie im zweiten Beitrag festgestellt.
Durch ELW einen RTW und einen Notarzt angefordert (Für Patient 1 - Verdacht SHT)
Patient 2 von Zeltplatzretter versorgen lassen.
Die beiden weiteren (alkoholisierten) Patienten in das Ablagezelt zum Ausnüchtern verfrachtet.
Patienten 1 und 2 haben dann einen Zugang bekommen (mit Infusion Kochsalzlösung) - die Beiden wollten erst gar nicht und haben sich erst nach gutem Zureden überhaupt einen Zugang verpassen lassen.
Bis zum Eintreffen des RTW / NEF weitere Kontrolle der Vitalparameter
Zeitgleich mit dem Eintreffen des NEF sackt der Blutdruck von Patient 2 auf 70 - Patient trübt ein und ist dann bewusstlos (so schlagartig hatte ich das noch nie erlebt)
Patient 1 weiterhin unverändert
Weiterhin wollte ich folgendes machen (in Absprache mit NA)
Patient 1 mit Zelt-RTW ins Krankenhaus (Transportdauer nicht ganz 5 min)
Patient 2 wird durch RTW + NA versorgt und transportiert


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BeitragVerfasst: 18.05.07, 15:36 
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Patient 2 = perforierter Darm?

Was mich auch mal interessiert: Dein Kollege war doch der einzige RA vor Ort, oder? Wie war denn seine weitere Reaktion? Wer die höchste Qualifikation hat, hat auch eine dementsprechende Verantwortung.


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BeitragVerfasst: 18.05.07, 17:42 
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Darüber woltle ich hier eigentlich nicht diskutieren. Nur soviel:
1. Es gibt RAs, deren Berufsbezeichnung nichts über ihr Können / Qualifikation aussagt
2. Der Kollege stand ab dem Zeitpunkt der Alarmierung des Zeltplatzretters nicht mehr zur Verfügung
Was mich mehr interessiert. Wer findet Fehler in meinem Vorgehen / Was hättet ihr anders, oder auch genau so gemacht?
Es gab hauptsächlich einen Kritikpunkt von der Einsatzleitung und einen von mir selbst. Hab ich aber Beides zu dem Zeitpunkt noch nicht gewusst bzw in der Hektik nicht daran gedacht.
Gruß Bambi


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BeitragVerfasst: 18.05.07, 21:00 
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noch neu hier

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Beide Patienten gehören meiner Meinung nach klinisch untersucht !!!!

Die Aussage des RA hätte ich (RS, 14 Jahre Hauptamtlich) ohne Diskussion abseits der Patienten sicherlich nicht akzeptiert und ausdieskutiert......

*edit* Stimmt.... RA´s gibt es eine Menge, wo man die fachliche Qualifikation in Frage stellen könnte......


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BeitragVerfasst: 19.05.07, 18:48 
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haematom hat geschrieben:
Beide Patienten gehören meiner Meinung nach klinisch untersucht !!!!


Deshalb habe ich auch geschrieben pro Patient ein RTW. Das alkoholisierte Patienten sich in ihrer Situation falsch einschätzen bzw. überschätzen ist leider normal. Aufgrund der geschilderten Ereignisse und der sichtbaren Untersuchungsergebnisse sind Patient 1 & 2 als potentielle Notfallpatienten zu betrachten. Zwei RTW und mindestens ein NEF hätten sofort nachgefordert werden müssen.


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BeitragVerfasst: 21.05.07, 18:43 
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Hallo,

nur mal so als "Zwischenbemerkung":

Pat. 1 hat eine weite Pupille, weil er ´nen Schlag auf´s Auge bekam (Blaues Auge und weite Pupille = links!). Er ist voll orientiert und hat schon vor der Schlägerei erbrochen.

Meines Erachtens deutet eine weite Pupille nur dann auf einen zeitkritischen Notfall hin, wenn der dazugehörige Patient eintrübt, bzw. der GCS sich immer mehr von 15 entfernt.

Wache, voll orientierte Pat. mit weiter Pupille sind nicht die klassischen SHT-Pat. .

Deshalb: Pat. brächte m.E. erstmal nur Überwachung vor Ort. Pat. 2 steht hier klar im Mittelpunkt.

Bin gespannt, worauf die "Kritik" zielt...

Gruß
A. Flaccus

_________________
Dr. A. Flaccus
Facharzt für Anästhesie
- Notfallmedizin -
DMF-Moderator


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BeitragVerfasst: 21.05.07, 21:10 
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Beiträge: 44
vll hättest du Polizei hinzurufen müssen? (immerhin wurden sie ausgeraubt)


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BeitragVerfasst: 22.05.07, 18:41 
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Beiträge: 74
Jetzt habt ihr´s komplett!
RTW mit NA-Begleitung brachten Pat2 nach Intubation und zweitem Zugang mit HAES ins nächste Krankenhaus. Dort wurde der Patient sofort operiert und überlebte ohne Folgeschäden. Der Patient hatte eine Leberruptur (trotz fehlender Rippenbrüche). Festgestellter Blutalkohol 2.2 Promille.
Pat1, wollten wir mit dem Zeltplatzretter transportieren. Der ELW verbot uns dies allerdings, da dies das einzige Fahrzeug auf dem Zeltplatz war. So wurde der Transport von einem zweiten herbeigerufenen RTW 5 min später übernommen. Patient blieb über den gesamten Zeitraum stabil. Diagnose des Krankenhauses: Gehirnerschütterung, Augenverletzung (die genaue Bezeichnung konnte mir leider niemand sagen). Blutalkohol 2.5 Promille.
Kritik an meinem Vorgehen wurde tatsächlich laut, da ich bis zum Abtransport der Verletzten keine Polizei verständigt habe. Würde dazu auch gerne mal ein paar Meinungen hören.
Ein weiterer Sani hätte sogar das KIT gerufen (wegen den Verletzungen des Pat2) aber das halte ich dann doch für etwas übertrieben.
Mein eigener Kritikpunkt besteht darin, dass ich für Patient 2 auch einen RTW bestellen hätte müssen. Auch wenn die ersten Untersuchungsergebnisse nicht umbedingt auf einen Leberriss schließen ließen.
@ Dr. Flaccus: Das Endergebnis gibt Ihnen recht und ich hatte diiese Möglichkeit durchaus auch im Hinterkopf. Aber eine frisch manifestierte Pupillendifferenz würde ich auch in Zukunft immer klinisch abklären lassen. Die Betrunkenen im Sanitätszelt sind in der Regel immer innerhalb der ersten 10 min eingeschlafen und ich wollte die GCS nicht bei einem schlafenden Patienten beurteilen :D
Mein Fazit aus diesem Einsatz: So daneben war ich bei gleich 2 Patienten mit meiner ersten Einschätzung noch nie. In Zukunft geht bei mir jeder stark alkoholisierte Patient ins KH wenn nichttriviale Begleitverletzungen vorliegen. Hätten wir beide, zu Anfang unkritischen, Patienten ins Zelt gelegt, hätte es in dieser Nacht vermutlich einen Toten gegeben.
Gruß
Bambi


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BeitragVerfasst: 22.05.07, 19:05 
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Registriert: 06.03.05, 08:30
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Wohnort: Hildesheim
Moin, moin!

Zitat:
Aber eine frisch manifestierte Pupillendifferenz würde ich auch in Zukunft immer klinisch abklären lassen.


Ich habe nichts Gegenteiliges behauptet. Ich schrieb: "erstmal" überwachen - es ging hier um Prioritäten.

Zitat:
In Zukunft geht bei mir jeder stark alkoholisierte Patient ins KH wenn nichttriviale Begleitverletzungen vorliegen.


Hm. Das sollte bei "nichttrivialen" Verletzungen schon ohne Alkohol immer der Fall sein, oder?

Die reichlichen Blutergüsse und die Anamnese Schlägerei zusammen mit den Bauchschmerzen lassen im übrigen keine andere Schlußfolgerung zu.
Das es sich so dramatisch entwickelt hat, ist "Schicksal" und war nicht vorherzusehen. So etwas passiert.

Gruß

Dr. A. Flaccus

_________________
Dr. A. Flaccus
Facharzt für Anästhesie
- Notfallmedizin -
DMF-Moderator


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