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medizin-forum.de • Thema anzeigen - Auch ein Fallbericht
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 Betreff des Beitrags: Auch ein Fallbericht
BeitragVerfasst: 24.02.06, 15:26 
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Eine ältere Frau (77J., BMI 14) bricht 14.00Uhr zu Hause wegen Kreislaufbeschwerden zusammen, teilweise hat sie Wahrnehmungsstörungen. Ihr Mann ruft den RD --> Notaufnahme. Um 23.30 Uhr wird sie dort entlassen, da angeblich kein Befund und Behandlungsbedarf vorliegt und dem hilflosen Mann übergeben. Ihr Zustand ist unverändert!!!

Folgendes war geschehen: Die Frau klagte wegen mäßigen Ischiasbeschwerden und bekam vom HA ein TRANSTEC-Pflaster auf den Hintern geklebt, was sie überhaupt nicht verkraftete. Dies stellten 2 Tage nach dem "Besuch" in der Notaufnahme die Pfleger im Heim, in dem sie wegen des schlimmen Zustanden untergebracht werden mußte, fest.
Wie gründlich wird man untersucht???


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BeitragVerfasst: 24.02.06, 18:27 
Hallo Antje,

ein eindrucksvoller Fall, wenngleich ich als Außenstehender sehr vorsichtig mit Verurteilungen wäre, wenn nicht alle Informationen vorliegen.

Für Interessierte http://www.infomed.org/pharma-kritik/pk11b-01.html
hier die Infos zum Transtec-Pflaster.

Normalerweise wird in der Klinik auch eine ausführliche Medikamentenanamnese erhoben, im Rahmen derer das Pflaster eigentlich Erwähnung hätte finden müssen. Wenn dies nicht angegeben wurde, könnte es mir ehrlich gesagt auch passieren, daß ich ein Pflaster am Hintern übersehe. Dazu kommt ein BMI von nur 14 (bist Du sicher ??? Das wären 32 kg Gewicht bei 150 cm Größe !!! :shock: ) und der extrem kachektische Allgemeinzustand wäre schon Anlaß genug für Kreislaufprobleme, weswegen man hierauf wahrscheinlich das Hauptaugenmerk hatte.

Am obigen Beispiel sieht man (das soll jetzt nicht Kritik, sondern Anregung sein !), wie wichtig eine Medikamentenanamnese durch den KT/RD wäre. Ist man in der Wohnung des Patienten, kann man recht einfach nach Einnahmezetteln oder Medikamentenschachteln suchen und diese einpacken. Die Klinikärzte werden es Euch wirklich danken, denn wenn der Patient im Bett liegt und sagt "ja, Herr Doktor, ich nehme eine rote, zwei weiße und abends eine blaue Tablette" und die Hausarztpraxis zuhat, ist man echt verzweifelt !

Gruß von doc-in-not :wink:


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BeitragVerfasst: 24.02.06, 18:49 
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Hallo doc-in-not,
sämtliche Infos sowohl über den BMI (162cm, 42kg) als auch über Transtec habe ich von dem Pfleger. Es handelt sich um meine Oma.
Viele Grüße


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BeitragVerfasst: 24.02.06, 19:32 
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Registriert: 06.03.05, 08:30
Beiträge: 4393
Wohnort: Hildesheim
Moin!

Kreislaufbeschwerden, Wahrnehmungsstörungen, Kachexie - ganz ehrlich: Da guckt der Internist nicht zuerst auf den Popo - wenngleich ich zugeben muß, daß eine gründliche körperliche Untersuchung manches mal viele unnötige apparative Untersuchungen vermeiden würde.

Und zur Anamnese: Nicht selten "vergessen" gerade ältere Patienten, daß sie etwas nehmen. Und ein Pflaster, das irgendwo klebt, ist erst recht schnell aus der Erinnerung verschwunden, noch dazu, wenn der Pat. selbst gerade unter den Nebenwirkungen dieses Pflasters leidet...:(

Dennoch: ein interessanter Fall - aber Vorsicht mit Pauschalverurteilungen!

Gruß
A. Flaccus

_________________
Dr. A. Flaccus
Facharzt für Anästhesie
- Notfallmedizin -
DMF-Moderator


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BeitragVerfasst: 25.02.06, 10:11 
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Registriert: 13.04.05, 08:34
Beiträge: 111
Dieser Fall spaltet mich selbst. Zum einen bin ich natürlich sauer, dass man das Pflaster nicht entdeckt hat und dies für die Frau tragische Folgen hatte (wer geht schon gern ins Pflegeheim, wenn auch nur vorübergehend). Zum anderen habe ich wirklich vollstes Verständnis, dass man bei einem Pat. mit einem solchen Allgemeinzustand eben nicht auf den ....schaut.

Viel mehr würde mich interessieren was den HA veranlasst hat ihr einen so fetten Hammer zu verpassen. Ich habe leider keine Schweigepflichtentbindung bekommen, da meine Großeltern das "Vertrauensverhältnis" nicht gefährden wollen.

Aber vielleicht war´s für euch Profis mal wieder eine Anregung, man lernt ja auch nie aus!!

Viele Grüße


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BeitragVerfasst: 25.02.06, 17:26 
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Beiträge: 169
Wohnort: Land Brandenburg
hallo zmv antje und kollegen,
für mich ist dies so ein Fall, wo man als RD relativ wenig ausrichten kann, wenn keine Vorinformationen vorliegen. Ich gehe natürlich von den vorliegenden Beschwerden aus - iIntensiv muss dann wohl schon in der Klinik gesucht werden. Wenn wirklich keiner die Info hat, dass ein Pflaster am Po angebracht ist ..... ja, sicher muss auch da nachgesehen werden, aber Untersuchungspunkt 1. wird das wohl in keiner Klinik sein....
also, noch mehr die Augen auf im Job.........
Gruß Glaxina
.


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