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medizin-forum.de • Thema anzeigen - Vom Umgang mit psychiatrischen und geriatrischen Patienten
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BeitragVerfasst: 25.09.05, 19:53 
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Registriert: 02.03.05, 19:56
Beiträge: 258
Wohnort: Thüringen - nicht näher bezeichnet
Mußten heute einen Pat. mit akuter Schizophrenie einweisen, was ja an sich nichts besonderes ist in der heutigen Zeit.
Was wir aber auf der Station erlebten, ist der eigentliche Grund meines Beitrages.

Es war gerade Visite und eine Zimmertür stand offen.
Folgenden Dialog konnte ich hören.

Dr. :" Was war den gestern los?"
Pat.: " Na da waren wieder die riesigen Spinnen an der Wand."
Dr." So, so - und hat sie jemand anders auch gesehen?"
Pat:" Na der Pfleger!"
Pfleger:" Stimmt Dr. - ich hab dann auch gleich den Besenstil genommen und die Viecher mit gezielten Schüssen erledigt."
Dr.:" Na dann ist doch alles bestens oder?"
Pat." Bis heute schon, aber wenn die wieder kommen?"
Dr:" Dann erschießt sie der Pfleger wieder."
PAt." Da bin ich ja beruhigt!"

Ich habe geglaubt, nicht richtig zu hören und im ersten Moment gelächelt, aber danach war ich sehr nachdenklich.

Wie schlimm muß ein Mensch dran sein, wenn er solche Wahnvorstellungen hat und muß man "SO" mit dem Pat. ungehen, oder kann man den Pat. nicht auch anders behandeln?
Die Situation war schon zu lachen, aber der Zustand des Pat.hat mir doch echt zu denken gegeben und die Reaktion des Pflegers und des Arztes haben mir auch zu denken gegeben.

Nicht immmer sind Alkohol oder Drogen der Grund für solche Wahnvorstellungen.
wenn man aber dann als Pat. so behandelt wird - ich möchte NIE in eine solche Situation kommen und so behandelt werden.

Bei vielen Pat. liegt die Ursache tiefgründiger und die Leute sind ansonsten relativ "klar in der Birne"- wie man so sagt und wenn man dann so "umsorgt wird" - na Danke.

Mir tat der Pat. mit seinen akuten Wahnvorstellungen von wegen Nachbarn mit Molotovcocktails u.a. eigentlich leid, denn morgen hat er Geburtstag und den wollte er mir Sicherheit nicht in der "KLapper" verbringen, nur weil er heute an der Uhr gedreht hat.

Scheißtag heute.

asb-michel

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Ich sah meinen Beruf als Berufung an und war stolz darauf, solange ich ihn ausüben konnte.


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BeitragVerfasst: 25.09.05, 20:44 
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DMF-Moderator

Registriert: 12.02.05, 13:28
Beiträge: 716
Hallo Michel,

ich kann Dir nur zustimmen.
Wie kann man einen Menschen so unwürdig behandeln. Es ist völlig egal, ob der Patient etwas davon mitbekommt oder nicht. Man sollte Menschen so behandeln wie man es selbst erwartet.
Solche Verhaltensweisen sind leider die Dinge, die den Beruf im medizinischen Bereich nicht wirklich einfach machen.
Aber trotzdem finde ich meinen Beruf klasse und mache ihn gerne.

Liebe Grüsse

Inge

_________________
Liebe Grüße

Inge Becker
DMF-Moderatorin


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BeitragVerfasst: 25.09.05, 22:26 
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Registriert: 06.07.05, 19:31
Beiträge: 475
Wohnort: England, Newcastle
Schwere Situation, für den Patienten aber ebenso für den Arzt und den Pfleger. Was sollen sie ihm sagen? Du die Spinnen gibts gar nicht die bildest du dir nur ein.... das ist wahrlich ehrlicher aber ist es auch besser für den Patienten? Mich würde die Arbeit auf so einer Station emotional und von der sozialen Kompetenz überfordern. Frei nach Nietsche "Battle not with monsters, lest ye become a monster, and if you gaze into the Abyss, the Abyss gazes also into you". Ich bin immer froh wenn ich wieder "draussen" bin.


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BeitragVerfasst: 25.09.05, 23:37 
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Registriert: 24.02.05, 16:20
Beiträge: 81
Moin

Kann an diesem Gespräch wie es hier durch die Tür wahrgenommen wurde nichts schlechtes, menschenunwürdiges erkennen!

Liegt tatsächlich eine Halluzination vor, die nicht auf einer Täuschung durch z.B. Schatten oder Flecken beruht , ist das halt der beste Weg die Situation zu deeskalieren. Alternativ behauptet man da wären keine Spinnen , das glaubt der Patient zu 99,9% nicht, er fühlt sich unverstanden bis bedroht - dazu noch die Spinnen - kann furchtbar enden.

Die Wunderdroge die auf einen Klick solche Halluzinationen abstellt gibt es halt noch nicht. Besser solch ein Gespräch als den Patienten mit körperlicher oder chemischer Gewalt akut zu bändigen.

Solche Problemsituationen treten übrigens nicht nur in der Psychiatrie auf, sondern können einem überall im Klinikalltag begegnen. Gerade im Intensivbereich trifft man öfter auf solche Problemsituationen wie Spinnen oder ähnliches Getier, das den Patienten bedroht. Gut wenn es nur durch Schrauben an Klimaanlagenschächten oder Bilder an der Wand ausgelöst wurde.

Tschau
Dirk Jahnke


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BeitragVerfasst: 26.09.05, 05:05 
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Registriert: 25.03.05, 17:25
Beiträge: 1338
Wohnort: Saarland
Nein, ich finde an dem Gespräch auch nichts Schlimmes, Entwürdigendes.

Es wurde auf die Ängste des Pat. eingegangen, er wurde beruhigt.

Wenn einer meiner kleiner Pat. Angst vopr nem Monster unter dem Bett hat - dem sag ich auch nicht "Stell dich nicht so an, Monster gibt es nicht!"

Oder ich hatte in der Erw.pflege auch demente Patienten. Am besten ging es, wenn man im Gespräch auf ihre Phantastereien einging und sie miteinbezog.

Susanne


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BeitragVerfasst: 26.09.05, 10:03 
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DMF-Moderator

Registriert: 29.09.04, 14:41
Beiträge: 1079
Wohnort: Hannover
Hallo!

Der Pfleger hat in diesem Falle durchaus sehr gut reagiert, denn im Moment war dies für den Patienten die einzige Realität! Der Pfleger holte ihn auf der Ebene wo er sich befand ab und vermittelte so eine Basis der Verständigung genannt Validation. Im Bereich der Dementenpflege ist es durchaus üblich sich so mit den alten Leuten zu verständigen die in ihrer Realität leben, sie fühlen sich dadurch verstanden und angenommen :wink: Ich denke dass diese Methode sich auch mit diesem Falle in Verbindung bringen läßt. Vielleicht ist auch jemandem der Name Naomi Feil mit der sich der Begriff der Validation verbindet:

http://www.nixlein.de/validation1.htm

Liebe Grüße

corectly


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BeitragVerfasst: 26.09.05, 16:55 
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DMF-Moderator

Registriert: 06.03.05, 08:30
Beiträge: 4399
Wohnort: Hildesheim
Moin!

ich habe vor kurzem einen tollen Artikel zum Thema gelesen - und der Inhalt sagt eigentlich alles. :)

Hier der Link:

http://www2.aerztezeitung.de/docs/2005/ ... 7a1802.asp
http://www2.aerztezeitung.de/docs/2005/ ... 2.asp?cat=

(ist passwort-geschüzt, hab´ ich gerade entdeckt - wer den Artikel lesen will Kurze Mail an mich!)

Eindrucksvolle Zitate:

"Wir müssen akzeptieren, daß diese Menschen anders sind und daß sie ihr Leben so gewählt haben, auch wenn wir es nicht verstehen"

(...)
Für Menschen außerhalb der Station ist es oft schwierig, diesen Weg mitzugehen. Oft reagieren die Angehörigen verständnislos. Sie ärgern sich über die schmutzigen Fingernägel ihre alten Mutter. Sie argwöhnen, ihre Mutter werde schlecht versorgt. Sie wissen nicht, daß sie mit den Fingern essen will und ihr Gebiß wegwirft.


:!: Doch Achtung: Man muß den ganzen Artikel gelesen haben, um zu verstehen, worum es hier geht :!:

mfg

_________________
Dr. A. Flaccus
Facharzt für Anästhesie
- Notfallmedizin -
DMF-Moderator


Zuletzt geändert von Dr. A. Flaccus am 26.09.05, 19:40, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 26.09.05, 19:25 
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DMF-Moderator

Registriert: 30.01.05, 10:41
Beiträge: 983
Hallo DocAlf !

Danke für den Link. Es ist wirklich ein sehr interessanter, aber auch sehr nachdenklich stimmender Artikel. Wir müssen uns immer wieder bemühen, die Dinge aus Sicht des Patienten zu sehen. Gerade bei diesen Menschen ist es oft schwer (für uns/mich) über den eigenen Schatten zu springen und eine fremde "Realität" als tatsächliche Wirklichkeit des Patienten zu akzeptieren.

Gruß

Erbschwendtner

_________________
Dr.Ch. Erbschwendtner
Internist, LNA
Rett-Med
DMF-Moderator im Forum Rettungsdienst und präklinische Notfallmedizin


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BeitragVerfasst: 26.09.05, 23:17 
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Registriert: 24.08.05, 16:02
Beiträge: 191
Ich empfinde den Umgang mit psychisch erkrankten Meschen schwer. Ich ertappe mich selbst immer beim (fehlerhaften) Umgang mit diesen Patienten. Ich denke, daß bei Ausbildungen im Rettungsdienst viel zu wenig auf das Thema Psyiatrie eingegangen wird.
Grundsätzlich halte ich es auch falsch, daß man Patienten die in die Psych eingewiesen werden nicht sagt wohin man mit Ihnen fährt bzw. etwas erfindet. Wir machen es uns oft leicht, da dies für uns deutlich weniger Ärger und Aufwand bedeutet obwohl es ganz klat falsch ist.


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