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medizin-forum.de • Thema anzeigen - Notfallmeldung "Infarkt"
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 Betreff des Beitrags: Notfallmeldung "Infarkt"
BeitragVerfasst: 13.04.05, 20:06 
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DMF-Moderator

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Moin!

Ich möchte hier mal "stufenweise" ein aktuelles Fallbeispiel zum Besten geben:

55jähriger Pat., mit Ca-Antangon. eingestellter Hypertonus alarmiert Rettungsdienst wegen Thoraxschmerz.

Bei Eintreffen des NA Beschwerdebeginn < 60 min.
Pat. war zwischenzeitlich 1 x kollabiert.
RR nicht messbar, SaO2 nicht messbar.
Herzfrequenz 110/min, regelmäßig, keine Extrasystolen.
Starke Dyspnoe, heftigster Thoraxschmerz.
Pat. ruft: "Ich kann nicht mehr, der Schmerz, die Luft, ich sterbe."
3-Kanal EKG zeigt angedeutete Hebung in Abl. I
12-Kanal-EKG wird vorbereitet.
PTCA-Zentrum = 10 Fahrminuten entfernt.

Ihre 1. Schritte?

Mit freundlichen Grüßen

_________________
Dr. A. Flaccus
Facharzt für Anästhesie
- Notfallmedizin -
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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 13.04.05, 20:50 
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Danke Herr Flaccus,

sieht nach einem interessanten Fall aus.

Also: O2 über Nasenbrille 6l, venöser Zugang, vorerst langsam infundieren, dann 12 Kanal Ekg, mal schauen was sich daraus ergibt.

Gespannt, wie es weitergeht...

_________________
Erik Eichhorn
Rett-Med
DMF-Moderator im Forum Rettungsdienst und präklinische Notfallmedizin


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 Betreff des Beitrags: downcase
BeitragVerfasst: 13.04.05, 22:00 
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Beiträge: 417
ekg schreiben, nötigste stabiliserungen und therapien einleiten und wenn st-hebungen zu sehen sind asap unter voranmeldung ins zentrum zur akut-intervention. nichts anderes dürfte in ähnlichem maß prognoseverbessernd sein. zur not vorübergehend katecholamine zur kreislaufstabilisierung. bei hinweisen auf einen inferioren infarkt mit rechtsherzbeteiligung versuch der kreislaufstabilisation mit volumen.

grüße

downcase


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 Betreff des Beitrags: Re: downcase
BeitragVerfasst: 13.04.05, 22:47 
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Beiträge: 3329
Hallöchen,

also, ich glaub noch nicht, daß sich hierbei ein Myocardinfarkt herausstellen wird!
Wir sollten in unsere differenzialdiagnostischen Überlegungen im Moment z. B. noch ein (rupturiertes) TAA oder eine fulminante Lungenembolie einbeziehen. :roll:


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 Betreff des Beitrags: Re: downcase
BeitragVerfasst: 14.04.05, 10:48 
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DMF-Moderator

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Beiträge: 4393
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Martin Stadler hat geschrieben:
Wir sollten in unsere differenzialdiagnostischen Überlegungen im Moment z. B. noch ein (rupturiertes) TAA (...) einbeziehen.


Moin!

...wenn dem so ist: Kein ASS? Kein Heparin? Nur "Scoop + run" - was tun Sie dann?
Was melden Sie an? Kann der Infarkt sicher ausgeschlossen werden?

Eine interessante Diskussion!

_________________
Dr. A. Flaccus
Facharzt für Anästhesie
- Notfallmedizin -
DMF-Moderator


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 14.04.05, 14:00 
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Beiträge: 1343
Wohnort: Hansestadt Greifswald
An dieser Stelle wäre das 12-Kanal-EKG sicher hilfreich? ST-Hebungen oder spiegelbildiche Senkungen vorhanden?

_________________
Erik Eichhorn
Rett-Med
DMF-Moderator im Forum Rettungsdienst und präklinische Notfallmedizin


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 Betreff des Beitrags: Re: downcase
BeitragVerfasst: 14.04.05, 18:00 
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Registriert: 12.10.04, 16:22
Beiträge: 3329
DocAlf hat geschrieben:
...wenn dem so ist: Kein ASS? Kein Heparin? Nur "Scoop + run" - was tun Sie dann?
Was melden Sie an? Kann der Infarkt sicher ausgeschlossen werden?


Mahlzeit!

Wie Erik schon sagt, das 12-Kanal-EKG kann man sicher noch abwarten, um einen Anhaltspunkt zu haben. Der Infarkt ist dennoch nicht sicher auszuschließen. Jedoch sollte man an solch bedrohliche Prozesse denken und somit nicht zuviel Zeit verschwenden, wenn man nach dem EKG mit der Diagnostik nicht entscheidend weiterkommt.

Im Zweifel würde ich eine Klinik mit PTCA und Thoraxchirurgie anfahren und "DD: TAA-Ruptur/AMI" anmelden und entsprechend kein ASS anwenden.

So, 12-Kanal-EKG schon abgeleitet? :roll: :wink:


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 14.04.05, 18:20 
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Beiträge: 417
hallo,

mein eindruck ist, daß hier viele der ansicht sind, daß es deswegen kein infarkt sein kann, weil etwas so banales ja nicht hier gepostet werden würde. tatsache ist aber, wenn so ein patient in der realität mit solchen beschwerden aufläuft, dann ist die wahrscheinlichkeit für einen infarkt nun mal am größten, erst recht wenn er entsprechende elektrokardiographische kriterien aufweist.
und dann macht es schon sinn, den pat. so schnell wie möglich einer koronarintervention zuzuführen. es sei denn, es ist eindeutig etwas anderes.

auf jeden fall sollte natürlich die lunge auskultiert werden. blutdruckmessungen an beiden armen schaden sicher auch nicht. eine große differenz könnte einen schon stutzig machen, ebenso das fehlen peripherer pulse oder ein reißender schmerzcharakter bzw. ein wandernder schmerz.
liegt so etwas aber nicht vor, dann ist die diagnose einer thorakalen aortendissektion so spekulativ, daß ich einen möglichen (und wahrscheinlichen) infarktpatienten ungern von der intervention abhalten (oder diese verzögern) wollen würde. wobei sicherlich auch die frage eine rolle spielt, wie groß der zeitverlust bei einem transport in eine klinik mit kardiochirurgie im vergleich zu einer nur mit interventioneller kardiologie ist.

grüße

downcase


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BeitragVerfasst: 14.04.05, 18:22 
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Beiträge: 417
p.s. zum ekg:
bei thorakalen aortendissektionen kann es zur beteiligung von koronararterien kommen, die dann auch zu einer ischämie bzw. einem infarkt führen können, der entsprechende ekg-veränderungen mit sich bringt. ein infarkt-ekg würde im konkreten fall also eine aortendissektion nicht a priori aus der liste der differentialdiagnosen eliminieren.

grüße

downcase


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 14.04.05, 18:45 
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Dieses (interessante) Fallbeispiel wurde schon vor zwei Tagen in der Hypnos-Gemeinde aufgeloest. Mehr sage ich nicht dazu ... :)


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BeitragVerfasst: 14.04.05, 23:38 
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Beiträge: 3329
Hallo downcase,

kann mich Deinen Schilderungen prinzipiell anschließen! Das am wahrscheinlichsten Vorliegende ist entsprechend zeit- und methodengerecht zu behandeln. Und das ist im Augenblick in der Tat der Infarkt.

Nur wollte ich auf andere DD aufmerksam machen, weil bis dahin alle ohne Kenntnis des 12-K-EKGs nur noch vom Infarkt ausgegangen sind. Man darf sich, egal von wem, keine Diagnosen einreden lassen!

Bin immer noch auf die Auswertung des EKG gespannt ... :)


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 Betreff des Beitrags: Fortsetzung...
BeitragVerfasst: 15.04.05, 07:56 
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Sodele, dann will ich in Anbetracht der sehr interessanten Antworten mal fortfahren:

1. RR linker und rechter Arm nicht meßbar
2. 12-Kanal-EKG zeigt Hebung in I und V 6, sonst nirgends!
3. NA gibt 10 mg Morphin, 500 ASS, Paspertin und 5000 IE Heparin, weil "häufiges kommt häufig vor" und häufig ist es ein Infarkt.

4. Der Pat. ist weiterhin außer sich vor Schmerzen.

Und jetzt?

mfg

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Dr. A. Flaccus
Facharzt für Anästhesie
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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 15.04.05, 08:12 
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Beiträge: 1343
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Mhh, nicht gerade ein klassisches Infarkt-EKG. Aks Krankenwagenfahrer würde ich sagen, Doc lass uns losfahren.

Vorzugsweise Klinik mit Interventionsplatz, wenn die zu weit ist, jede andere.

Zum Thema "Häufiges kommt häufig vor"...

den hier find ich so niedlich :-)

"If it walks like a duck, swims like a duck, and quacks
like a duck, then it probably is a duck."

_________________
Erik Eichhorn
Rett-Med
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 Betreff des Beitrags: Nachtrag
BeitragVerfasst: 15.04.05, 08:44 
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Beiträge: 4393
Wohnort: Hildesheim
noch ein kurzer Nachtrag:

PTCA-Zentrum: 10 min. Fahrzeit
Zentrum mit Herz-Lungen-Maschine: 40 min. Fahrzeit, es ist dunkel draußen.

Der Pat. ist knapp 25 min. nach Alarmierung bereits im RTW und hat vorher die oben genannte Therapie erhalten (und zwar vor Dokumentation des 12-Kanal-EKGs -> aus dem Bauch-Enzscheidung., Das EKG ist wegen der starken Unruhe des Pat. auch teilweise verwackelt und die Haut unter den Klebeelektroden ist feucht -> Kaltschweiß).

Der Notarzt ist der festen Überzeugung, daß dieser Pat. nicht mehr lange die Kraft haben wird, seine "nicht aushaltbaren" Schmerzen noch verbal kundzutun... :(

_________________
Dr. A. Flaccus
Facharzt für Anästhesie
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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 15.04.05, 11:14 
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Wohnort: Hamburg
Hallo Forum,

mein Beitrag als Krankenwagenbeifahrer:

Wenn der NA der Meinung ist der Pat. macht nicht mehr lange (wg. des Sz) dann gibt es m.E. zwei Möglichkeiten:
- run'n'treat in das nähere KH (mit PTCA wird wohl auch kein allzu kleines Haus sein)
- Intubationsnarkose mit Transport in die 40 min entfernte Klinik

Was mich ein bisschen stutzig macht: der nichtmessbare RR, meine Fragen hierzu:
- periphere Pulse vorhanden?
- Refilltime?

Bei dieser Symptomatik/Diagnostik d.h. ein kaum zu verwertendes EKG würde ich (wenn es meine Entscheidung währe) auf MI behandeln. Wobei m.E. bei Zweifel an der richtigen Diagnose eine Lyse ausschließen. Bei weiterhin nicht messbarer RR Vorgehen wie bei einem "normalen" Kardiogenen Schock (dh. Katecholamine) je nachdem was in eurem RD-Bereich vorhanden ist (Dopamin/Doputamin oder Noradrenalin o.ä..)

Mal guggen ob's was hilft.

Gruß


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