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medizin-forum.de • Thema anzeigen - Prophylaxe bei Meningokokken
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 Betreff des Beitrags: Prophylaxe bei Meningokokken
BeitragVerfasst: 16.03.05, 06:34 
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guten morgen!

zuerst ein frage an alle: "von wo bekommt ihr die prophylaxe, wenn ihr einen pat. mit meningokokken transportiert habt? habt ihr auf einem stützpunkt das medikament lagernd, oder bekommt ihr es vom krankenhaus?"

wir hatten aktuell den fall (kurz nach 23.00), dass wir einen pat. mit meningokokkensepsis transportiert haben. zuerst in unser heimatkrankenhaus, und dann weiter in die 50 km entfernte kinderklinik. wir hatten bei erstkontakt keinerlei schutz, weil der praktische arzt vor ort keinerlei verdacht auf meningokokken äusserte.

nach der überstellung war natürlich die prophylaxe für uns spruchreif. ich persönlich hatte einen solchen fall noch nie, mein kollege sagte, dass er die prophylaxe früher (2 mal) vom heimatkrankenhaus erhalten habe - war kein problem. der notarzt kam auf die kinderklinik, weil dieses kh viel grösser ist - fehlanzeige, für uns gibt es da nichts.
wir setzten uns mit unserem heimat-kh in verbindung, auch nichts. man erklärte uns, dass wir die erste prophylaxe innerhalb 12 stunden nehmen müssten, von wo und wie wir das bekommen ist jeden egal. die vorhandenen tabletten wurden vom personal aufgebraucht und der rest (1 schachtel) wurde den angehörigen mitgegeben, nichts mehr da.
keine einzige diensthabende apotheke im weiteren umgreis hat dieses medikament lagernd. wir haben nur erfahren, dass das bestellt werden muss, und normalerweise :? so um 10.00 zur verfügung steht.
vielleicht bin ich zu nervös und auch etwas wütend :twisted: - nicht ohne grund , ich hoffe, dass die rel. grosse apotheke in der stadt das medikament lagernd hat. für den fall es muss auch da bestellt werden, da wirds bei einer ev. lieferverzögerung mit den 12 stunden unter umständen eng.

wir müssen diesbezüglich eine lösung finden, wenn das z.b. um 19.00 passiert, kann keiner mehr die angegebenen 12 stunden einhalten. und es kann nicht sein, dass wir draussen so lange keine möglichkeit für eine prophylaxe haben! :idea:
es war nie so spruchreif, weil wir früher die tabletten vom kh bekommen haben, ohne probleme, aber jetzt gehts halt nicht mehr so einfach :cry:
wenns ums geld geht, das kh kann das sicher mit unserem dienstgeber und auch krankenkasse regeln, aber dass wir im gegensatz zu früher, vielleicht wegen einsparungen, keine prophylaxe erhalten, das kann und will ich nicht verstehen.

gebt mir bitte bescheid, wie ihr die prophylaxe bei euren stützpunkten handhabt.
uns schwebt jetzt vor, dass wir immer eine packung bei uns am stützpunkt lagernd haben, wir wollen und können uns nicht auf das krankenhaus verlassen.

danke im voraus

romy


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BeitragVerfasst: 16.03.05, 17:11 
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Hallo Romy!

Wir hatten neulich auch einen Fall von schwerer Meningokokkensepsis bei uns auf der Intensiv.

Nachdem die Diagnose feststand, wurden alle Beteiligten, die unmittelbar mit dem Patienten vor der ersten Antibiotikagabe zu tun hatten, zusammengetrommelt (Notarzt, NEF-Fahrer, RTW-Besatzung, MTRA, aufnehmende Ärzte und Schwester) und alle im Haus zur Verfügung stehenden Rifampicin-Präperate zusammengesucht. Die restlichen wurden über unsere Verbundapotheke zügig organisiert und geliefert, so daß alle Gefährdeten innerhalb dieser 12-Stunden-Frist versorgt waren.

Nun zur Beruhigung: die Wahrscheinlichkeit, sich bei guter Gesundheit und kurzem Kontakt bei einem Patienten mit Meningokokken zu infizieren, ist sehr gering, wenn man nicht gerade intensiv mit Sekreten des Respirationstraktes in Berührung kommt.

In unserem Fall mußte der agitierte, unkooperative 110 kg-schwere Patient vom Rettungsteam zu Boden gerungen werden, um ihn zu behandeln. Körpernähe pur!
Im normalen Patient-Retter-Kontakt ist die Infektionswahrscheinlichkeit, wie gesagt, äußerst gering.
Selbst wenn das mit Eurer AB-Prophylaxe nicht mehr hinhaut, würde ich mir da keine großen Sorgen machen.

Für die Bereitstellung derselben dürfte in Eurem Fall letztendlich das Gesundheitsamt als Behörde zuständig sein. Eine Meningokokkeninfektion ist meldepflichtig. Die hätten sich dann nach sofortiger Information um die rechtzeitige Bereitstellung der AB kümmern müssen.

In jedem Fall solltet Ihr Euch für eine eventuelle Wiederholung eines solchen Falles mal rüsten und einen "Alarmplan" erstellen.

Alles Gute

K.W.

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BeitragVerfasst: 16.03.05, 17:45 
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Hallo Forum,

mir ist das mittlerweile zweimal passiert. Jedesmal haben wir im KH (einmal Uni, einmal KKH) problemlos das Präparat Cibrobay (r) bekommen. Meines Wissens ist dies kein seltenes Antibiotikum, daher kann ich nicht wirklich nachvollziehen wie sowas in einem halbwegs gut ausgerüsteten KH ausgehen kann. Kommt sowas öffters vor ist mit Sicherheit zu überlegen ob man nicht mit einer Apotheke im Einsatzbereich ein Vertrag ausgehandelt sollte, so dass diese eine größere Vorhaltung hinsichtlich dieses Medikamentes (auch andere prophylakische Medis) einrichtet.

Gruß


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BeitragVerfasst: 20.03.05, 03:54 
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hallo!

erstmal danke für die antworten! möglichkeiten, die angesprochen werden und dann schauen wie weiter vorgegangen wird.
habe die prophylaxe bekommen, eine apotheke hatte rifampicin 600 mg lagernd.

@ani
danke für die beruhigung, unser pat. war auch sehr agitiert (hatte halt keine 110 kg), war teilweise nicht so leicht ihn auf der trage zu halten, midazolam wirkte nur sehr kurz - wurde wiederholt gegeben,...

hab jetzt auch erfahren, dass auch ein anderes antibiotika (ciproxin - ist in jedem kh leicht zu bekommen) als prophylaxe genommen werden kann, mit dem vorteil, dass es bei weitem nicht so starke nebenwirkungen hat - die sind nicht zu unterschätzen, haben mich ziemlich fertig gemacht :?

auf jedem fall bleibe ich deswegen am ball. gesundheitsamt (sanitätsbehörde/amtsarzt) müsste sich dafür einschalten, muss nocht abgeklärt werden.

gruss,
romy


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BeitragVerfasst: 20.03.05, 13:39 
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Meinst Du vielleicht Ciprofloxacin?

...macht jedenfalls keinen roten Urin und ist eine gute Alternative zum Rifampicin! :D

Freut mich aber, daß es doch noch alles geklappt hat!

LG

K.W.

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BeitragVerfasst: 20.03.05, 14:13 
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Hallo Miteinander !!!

Wenn man diesen Thread hier liest, glaubt man seinen Augen nicht zu trauen. Selbstverständlich ist das aufnehmende Krankenhaus in Absprache mit dem Gesundheitsamt verpflichtet, eine Chemoprophylaxe bei Vd. auf eine Meningokokken-Erkrankung, auch an das Rettungsdienstpersonal herauszugeben. Und das ein Krankenhaus nicht genügend Ciprofloxacin zur Verfügung hat, um zumindest eine einmalige Gabe von 500 mg sicherzustellen, halte ich für ausgeschloßen.
Wenn die aufnehmende Station sich dazu nicht in der Lage sieht, würde ich mich unverzüglich als berufsgenossenschaftlicher Patient in der dortigen E.R.N.A. vorstellen und mir eine entsprechende Prophylaxe einfordern.

Herzliche Grüße
Gunnar Piltz


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BeitragVerfasst: 22.03.05, 02:32 
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hallo zusammen!

@ani
ja ciprofloxacin = ciproxin(R), hab nicht daran gedacht, den wirkstoff anzugeben :roll:

roter urin war mir eh egal, aber rifampicin hat sich bei mir ziemlich heftig auf den magen geschlagen, jeder bissen ist wirder retour gekommen - mit magenschutz wurde es etwas besser. dafür hab ich in den 2 tagen 3 kg abgenommen :lol: und ab der 2 tablette hab ich fürchterlich geschwitzt, kältegefühl,... wie bei einer grippe nur ohne fieber... war auch völlig fertig und hatte noch dazu viel dienst. aber naja, ist so.

@gunnar piltz

ist viel schief gegangen, und wir lassen jetzt nicht locker. ist auch nicht in ordnung, dass uns das kh nicht einmal die erste prophylaxe für alle zur verfügung stellen konnte - jetzt sind mehr medikamente auf lager. was sicher ist, in bezug auf gesundheitsamt (bei uns sanitätspolizei mit amtsarzt) wird noch was unternommen seitens unserer "führung", wurde gestern besprochen. :P
frage, war bedeutet E.R.N.A.?

das hauptproblem ist sicher, dass solche vorkomnisse sehr selten sind, v.a. in einem mittelgrossen, ländlichen bezirk wo ich lebe und arbeite, aber das ist keine entschuldigung. ist nun mal passiert, man kanns nicht mehr rückgängig machen, aber man kann vieles für die zukunft verbessern! :idea:

schönen tag noch,

romy


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BeitragVerfasst: 22.03.05, 06:16 
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Sorry romy, das sollte keine Haarspalterei werden... habe Ciproxin (R) nur nicht in der Roten Liste gefunden und deshalb noch mal nachgefragt. :-)

Also nix für ungut und noch einen schönen Tag!

Karsten Walter

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BeitragVerfasst: 22.03.05, 11:10 
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Hallo romy !!!

Adler9 hat geschrieben:
frage, war bedeutet E.R.N.A.?

Das ist die Zusammenfassung für Erste Hilfe, Rettungsstelle, Notaufnahme, Ambulanz - kurz E.R.N.A. ! Da es deutschlandweit unterschiedliche Bezeichnungen für die erstaufnehmende Abteilung / erste Anlaufstelle für Notfall-Patienten in Krankenhäusern gibt, hat man sich auf diesen Zusammenschluß der Bezeichnungen und die daraus entstandene Abkürzung geeinigt.

Herzliche Grüße

_________________
Gunnar Piltz
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BeitragVerfasst: 23.03.05, 21:14 
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hallo!

@ani
ist schon in ordnung, brauchst nicht entschuldigen. wir sind halt doch von 2 verschiedenen ländern und die namen sind nicht gleich. muss mir deshalb sowieso mehr angewöhnen, nicht den für uns gebräuchlichen produknamen zu nennen - die gewohnheit hat durchgeschlagen :wink:

@gunnar pilz
danke!

grüsse,

romy


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BeitragVerfasst: 08.07.05, 17:01 
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Hallo Forum,

in der aktuellen Rettungs- und Notfallmedizin gibt es eine konkrete Aussagen zu dem Thema. Laut RKI ist eine Prophylaxe nur bei einer Meningokokkenmeningitis von nöten
Folgende Wirkstoffe werden vom Autor empohlen:
- Ciprofloxacin: einmalige orale Gabe von 500 mg
- Rifampicin: orale Gabe von 2x600 mg für 2 Tage
- Ceftriaxon: einmailige i.m. Gabe (auch für Kinder/Schwangere)
- Minocyclin: orale Gabe von 2 x 100 mg für 5 Tage


Quelle:

F. Thömke - Notfall & Rettungsmedizin, Band 8-Heft 4-Juni 2005 - S. 255 ff

Gruß


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BeitragVerfasst: 19.07.05, 21:21 
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noch neu hier

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Hallo, mir ist nur noch nicht klar wie Ihr auf die 12 Stunden kommt ? Aussage des RKI : Die Chemoprophylaxe muss schnellstmöglich durchgeführt werden. Sinnvoll ist eine solche Maßnahme maximal 10 Tage nach dem letzten Kontakt zu einem Erkrankten.
Mittel der Wahl ist Rifampicin. Bei Personen über 18 Jahren kann auch einmalig 500 mg Ciprofloxacin gegeben werden.
Gruß
Markus
:)


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