Navigationspfad: Home
medizin-forum.de • Thema anzeigen - Hyperventilation mit verbaler Sprachstörung???
Aktuelle Zeit: 16.12.17, 02:20

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 8 Beiträge ] 
Autor Nachricht
BeitragVerfasst: 24.05.16, 16:45 
Offline
Interessierter

Registriert: 15.03.16, 23:50
Beiträge: 5
(Dies ist mein erster Beitrag also verurteilt mich nicht :) )

Pagermeldung: „w17, Alkintox mit Atemnot“

Mannschaft: 1 Rettungssanitäter als Fahrer und ich (auch Rettungssanitäter)
Patientin: weiblich, ca. 17 Jahre, stark alkoholisiert
Ort: (Kleine Gemeinde in Österreich :D )vor einer Diskothek

Beim ankommen am Einsatzort vor einer Diskothek fanden wir unter cirka 20-30 schreienden stark alkoholisierten, lästigen Jugendlichen
unter anderem eine junge Dame die im ersten Moment starke Atemnot ausstrahlte.

Sie saß auf dem Schoß eines Freundes. Die engsten Kollegen/innen alle weinend rundherum, alle in Panik, es war sehr laut sodass man fast kein Wort verstah,
Securitys leider keine in der Nähe und von Platz zum arbeiten nicht die rede.
Somit beschlossen wir sofort den Tragstuhl zu holen und die Patientin mit einer besten Freundin in den RTW zu verlagern.

Als ich dort zu Wort kam antwortete Sie mir jedoch nicht. Eine Kollegin die ebenfalls im RTW war sagte mir das Sie raus in die frische Luft wollte
und auf einmal keine Luft mehr bekam. Auf die Frage ob Sie sonst normal reden kann antwortete die Freundin mit „JA KLAR“!
(Es war alles ein bisschen dramatisch für die Freundin sie schrie die ganze Zeit ich soll der Patientin Sauerstoff geben sonst würde sie noch versticken :roll: )

Peripherer Puls war ein bisschen schnell und stark.
Pupillen waren weit jedoch versicherte mir die Freundin, dass sie sicherlich keine anderen Drogen außer Alkohol genommen hat und auch nie das Getränk offen da stand.

Auf die Aufforderung, dass die Patientin meine Hand fest zudrücken soll reagierte Sie schnell somit wusste ich schonmal, dass sie mich hören konnte.
Als ich die Patientin darauf frage ob Sie ein kribbeln bzw. komisches Gefühl in den Fingern/Hände hat nickte Sie ein deutlich, Pfötchenstellung hatte Sie jedoch keine.
Sie war sehr blass jedoch auf die Frage ob ihr übel ist verneinte Sie mit einem Kopf schüttelnden nein.

Somit beschloss mein Fahrer und ich schonmal los in Richtung Krankenhaus zu fahren.
Pulsoxie ergab 99% Sauerstoff und 120 Puls

Meine erste Diagnose war somit für mich eine klare Hyperventilation :!:
- Panikattacke im Club darum wollte Sie raus
- 99% Sauerstoff dank des schnellen Atmens
- das kribbeln/komische Gefühl in den Händen
Als ich Ihr dann gleich geraten habe ruhig zu bleiben, keine angst zu haben und das alles gut ist wurde die Atmung sofort besser

Jedoch konnte Sie auch nach 5 Minuten fahrt im RTW immer noch nicht reden – was Sie auch nicht besonders störte.
Klar sah man ihr die Panik in den Augen jedoch versuchte Sie nicht einmal zu reden.

Hattet ihr sowas schon einmal :?:
Kann es sein das durch eine Hyperventilation eine Verbale Blockade oder sowas eingeleitet werden kann?
Liege ich vielleicht mit meine Diagnose falsch? :shock:

Wäre super wenn ich vielleicht 1 oder 2 antworten bekommen würde.
Danke und schöne Grüße aus Österreich
Elija :D 8)
(Top motivierter Rettungssanitäter seit 1,5 Jahren beim Österreichischen Roten Kreuz)


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: 25.05.16, 07:18 
Offline
Interessierter

Registriert: 08.05.16, 09:12
Beiträge: 13
Hallo Elija Jenny,

ich bin kein medizinisches Personal, habe so eine Panikattacken selbst aber erlebt (allerdings ohne Alkohol-Einfluss).
Eine Panikattacken fühlt sich für den Betroffenen so an, als wenn tausende von Gedanken/Stimmen gleichzeitig auf einen einprasseln, man fühlt sich wie in einem Karussel, die äußere Umgebung nimmt man gar nicht richtig wahr, es läuft alles wie ein Film vor einem ab.
Man bekommt heftiges Herzrasen, dadurch noch mehr Panik und schnappt nach Luft. Im Körper spielen sich Dinge ab, die man nur schwer erklären kann und die auch von einer Minute auf die andere wechseln kann (z.B. frieren, heftiges schwitzen im Wechsel, Schwindelatacken, Kribbeln im Körper, Unruhe usw.).
Man ist in dem Moment nicht fähig, viel zu reden, weil man viel zu sehr mit den Vorgängen im eigenen Körper beschäftigt ist und nicht versteht, was da los ist, besonders dann, wenn es das erste Mal ist. Vielleicht verstummen manche Personen dann unter Alkohol-Einfluss ganz.

Hoffe ich konnte ein wenig helfen. Schön zu wissen, daß es so motivierte Rettungssanitäter gibt.

LG Nelly


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: 25.05.16, 08:41 
Offline
Interessierter

Registriert: 15.03.16, 23:50
Beiträge: 5
Hey Nelly,

vielen Dank für deine Antwort. Ja, du hast mir weitergeholfen.
Da ich noch nie selbst eine Panikattacke hatte, konnte ich mich dank deiner Beschreibung sehr gut hineinversetzten.

Ja, die Patientin war auch sehr benommen und schaute mich wie gesagt schweigend und mit sehr komischen Blicken an.
Und das Sie während dem Hyperventilieren nicht reden kann, kann ich auch noch gut verstehen, jedoch war eben für mich komisch, dass Sie auch Minuten nach der Hyperventilation/Panikattacke kein Wort reden konnte/wollte obwohl ich natürlich immer wieder nett versucht habe mit Ihr Kontakt aufzunehmen.
Ja, vielleicht hängts mit dem Alkohol zusammen - mal schauen ob vielleicht ein Arzt dazu noch was zu sagen hat :)

Nochmals Danke für die Antwort :!:

Liebe Grüße
Elija :D


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: 25.05.16, 09:23 
Offline
DMF-Mitglied
DMF-Mitglied

Registriert: 10.01.07, 16:48
Beiträge: 4216
Hallo,
das Schweigen könnte auch psychogen sein. Kommt manchmal bei Panikpatienten vor. Auch komische Zuckungen oder pseudoneurologische Symptomen sind möglich. Meistens reicht eine Benzodiazepin. Dann hören erfahrungsgemäß die Symptomen auf. Kann man auch mit eine Placebo erreichen (NaCl Spritze). Ethisch gesehen fragwürdig, aber besser als mit Drogen vollballern.
Gruß
Muppet


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: 25.05.16, 12:03 
Offline
Interessierter

Registriert: 15.03.16, 23:50
Beiträge: 5
Hallo Muppet,

OK super. Danke für die Rückantwort.
Ja, das mit dem Placebo Effekt könnte hier sehr wahrscheinlich echt gut klappen. :)

Danke und noch einen schönen Tag.
Gruß
Elija


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: 25.05.16, 12:32 
Offline
Interessierter

Registriert: 08.05.16, 09:12
Beiträge: 13
Hallo zusammen,

@ Muppet: Ist es nicht gefährlich Antidepressiva nach Alkoholkonsum zu geben?

Mir hat am meisten geholfen, daß man mir gesagt hat, daß körperlich alles in Ordnung ist, ich nicht grade einen Herzinfarkt habe oder so. Solche Fragen Kreiseln einem nämlich in diesem Moment im Kopf herum. Wenn man sowas zum ersten Mal hat, fällt es einem sehr schwer, diese Verhalten des Körpers einer seelischen Ursache zuzuordnen.

LG Nelly


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: 26.05.16, 10:07 
Offline
DMF-Mitglied
DMF-Mitglied

Registriert: 21.03.05, 11:49
Beiträge: 401
Wohnort: in Sachsen-Anhalt
Ich hatte mal eine Hyperventilation mit Pfötchenstellung und halb gelähmter Zunge. Wahrscheinlich hilft das hier nicht weiter, aber ich beschreibe mal meine Hyperventilationstetanie.

Ich habe beim Serpentinenfahren im Hochsommer so stark geatmet, weil mir schlecht wurde, dass ich hyperventilierte (aber das wusste ich da nicht). Meine Hände und Füße verkrampften, dass sie aussahen wie bei Tetanuskrampf. Meine Zunge war so unbeweglich, dass ich nur lallen konnte. Zum Glück stand ich dann endlich in einem Wasserbecken, wurde mit kaltem Wasser übergossen und beruhigte mich. Dann konnte ich wieder normal reden und Hände und Füße benutzen.

_________________
-Nutze das Leben ständig-du bist länger tot als lebendig.-


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: 30.05.16, 19:43 
Offline
Interessierter

Registriert: 15.03.16, 23:50
Beiträge: 5
Hallo zusammen,

vielen Dank für die Antworten!

@Nelly, ja ist ganz sicher so. Benzodiazepin/Antidepressiva gabe natürlich nur wenn der Patient keinen Alk intus hat. Bei gleichzeitiger Aufnahme von Benzodiazepinen und Alkohol ist zudem das Risiko einer tödlichen Überdosierung erhöht. Ja, wie in deinem Fall hilft meist nur die Beruhigung schon sehr viel.

@Dagmar, vielen Dank für die Antwort. Ok ja, wie schon gesagt kann ich mir vorstellen das während dem Hyperventilieren man schlecht bis gar nicht reden kann. Jedoch war das bei der jungen Dame auch noch nach 5 Minuten normaler Atmung das diese einfach gar nicht mehr reden konnte.

Ich wünsche noch einen schönen Tag.
Beste Grüße
Elija :D


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 8 Beiträge ] 

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 4 Gäste


Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.

Suche nach:
Powered by phpBB® Forum Software © phpBB Group
Deutsche Übersetzung durch phpBB.de
Karma functions powered by Karma MOD © 2007, 2009 m157y
© Deutsches Medizin Forum 1995-2017. Ein Dienst der Medizin Forum AG, Hochwaldstraße 18 , D-61231 Bad Nauheim ,HRB 2159, Amtsgericht Friedberg/Hessen, Tel. 03212 1129675, Fax. 03212 1129675, Mail jaeckel@medizin-forum.de. Plazieren Sie Ihre Werbung wirkungsvoll! Hier finden Sie unsere Mediadaten!