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medizin-forum.de • Thema anzeigen - Schlaganfall - Vergangene Zeit bis RD Alarmierung
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BeitragVerfasst: 08.04.15, 09:10 
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Interessierter

Registriert: 07.04.15, 20:14
Beiträge: 7
Hallo Community,

ich hoffe, dass es auf meine Fragestellung überhaupt eine halbwegs pauschale Antwort gibt.

Also. Patient, 46, männlich, keine bekannten Risikofaktoren für Insult und keine Vorerkrankungen, leidet plötzlich unter deutlichen Gesichtsfeldausfällen und Kopf-/Nackenschmerzen. Er teilt das seiner Lebensgefährtin mit (schätzungsweise 10 - 15 Min. nach Auftreten der ersten Symptome, was die Lebensgefährtin zu dem Zeitpunkt aber nicht weiß), zeigt ansonsten keine Symptome. Die Angehörige hat den Verdacht auf Schlaganfall, ist jedoch unsicher und hat Sorge, überzureagieren. Der Patient begibt sich unter die Dusche. Er fällt danach durch zunehmende Wortfindungsstörungen und starke Gangunsicherheit sowie Desorientierung auf, worauf die Lebensgefährtin umgehend den RD kontaktiert und ihren Verdacht und die Symptomatik mitteilt (vom Mitteilen der Symptome bis dahin sind ca. 15 Minuten vergangen). Der Patient wird mittels RTW und Sonderrechten in die nächste Stroke Unit gebracht. Dort erfolgt eine schnelle Versorgung, der Patient liegt noch im Zeitfenster und kann lysiert werden, worauf sich ein Teil der Symptomatik zurückbildet.
Der Patient erholt sich gut, verblieben sind 5 Wochen nach dem Insult noch eine minimale Gesichtsfeldeinschränkung und leichte Gedächtnisprobleme. Körperlich keine Einschränkungen erkennbar. Eine Ursache für den Insult wurde nicht gefunden. Auf dem MRT sind 2 abgestorbene Areale erkennbar.
Der Patient startet in 3 Wochen seine berufliche Wiedereingliederung.

Die Lebensgefährtin macht sich trotz des guten Outcome große Vorwürfe, nicht umgehend den RD verständigt sondern ca. 15 Minuten "verschenkt" zu haben. Kann man in etwa abschätzen/gibt es Berechnungsmöglichkeiten, wie viel Hirngewebe in dieser Zeit verloren geht? Wie berechtigt sind die Schuldgefühle der Lebensgefährtin?

Viele Grüße
Angela


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BeitragVerfasst: 10.04.15, 09:18 
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Interessierter

Registriert: 07.04.15, 20:14
Beiträge: 7
Hat keiner eine Idee? Es würde mir wirklich helfen, eine realistische Einschätzung zu haben, ich mach mich nämlich wirklich verrückt deswegen (die angesprochene Lebensgefährtin bin ich selbst) und bekomme immer massivere Schuldgefühle, was sich auch körperlich inzwischen auswirkt mit Panikattacken. :( In meiner Umgebung kann ich leider niemanden fragen, ich habe keinen medizinisch bewandten Ansprechpartner, dem ich ausreichend vertrauen würde, dass ich ihm gegenüber meine Schuld eingestehen könnte.

Viele Grüße
Angela


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BeitragVerfasst: 10.04.15, 20:09 
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DMF-Moderator

Registriert: 06.03.05, 08:30
Beiträge: 4393
Wohnort: Hildesheim
Guten Abend,

machen Sie sich nicht verrückt.

Es wurde innerhalb des Zeitfensters reagiert und wenn ein Mensch sich trotz solcher Symptome noch unter die Dusche begibt, dann hätte ich wohl auch erstmal abgewartet.

So können z.B. Migräneattacken durchaus auch zu Sehstörungen führen, ebenso wie z.B. auch Streß.

Es ist manchmal schwer, den "richtigen" Zeitpunkt zu finden, um Alarm zu schlagen - aus der Ferne betrachtet würde ich sagen: Alles richtig gemacht. :)

Mit freundlichen Grüßen

Dr. A. Flaccus

_________________
Dr. A. Flaccus
Facharzt für Anästhesie
- Notfallmedizin -
DMF-Moderator


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BeitragVerfasst: 10.04.15, 21:50 
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Interessierter

Registriert: 07.04.15, 20:14
Beiträge: 7
Hallo Dr. Flaccus,

vielen herzlichen Dank für die Antwort. Es tat so gut, Ihre Zeilen zu lesen.

Mein persönliches Problem ist eben auch, dass ich durch eine dissoziative Störung bedingt diverse Ausfallserscheinungen quasi "gewöhnt" bin. Und da finde ich es dann sehr schwer, zu differenzieren, was noch als "ungefährlich" gewertet werden kann und was bedrohlich ist.
Wenn Sie schreiben, Sie hätten ebenfalls erstmal abgewartet, beruhigt mich das. Ich war von Anfang an alarmiert, aber wie gesagt, ich kenne von mir selbst diverse, teils massive "Aussetzer" und das hat mich stark verunsichert, wie ich die Situation einzuschätzen habe.

Vielen herzlichen Dank für Ihre Hilfe!

Viele Grüße
Angela


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BeitragVerfasst: 10.04.15, 22:16 
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DMF-Mitglied
DMF-Mitglied

Registriert: 02.04.09, 17:33
Beiträge: 120
Sie haben super reagiert! Nicht jeder erkennt die Hinweise und handelt entsprechend - sie haben alles richtig gemacht!


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BeitragVerfasst: 11.04.15, 20:44 
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Interessierter

Registriert: 07.04.15, 20:14
Beiträge: 7
Vielen lieben Dank!
Es tut sehr gut das zu lesen und hilft mir beim Realitätscheck, wenn ich ins Grübeln verfalle. Danke!

Viele Grüße
Angela


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