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medizin-forum.de • Thema anzeigen - Überleben nach Selbstmordversuch bei schneller Hilfe möglich
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BeitragVerfasst: 02.02.14, 07:44 
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Beiträge: 4
Hallo
Ich weiß man sollte nicht öffentlich über Selbstmörder schreiben, aber es lässt mich sonst nicht los.
Ich habe gestern jemanden gefunden, der aus Mund und Nase blutete aber er hat noch geatmet! Irgendwann hat er nur noch wenig geatmet und der Mann am Telefon meinte ich soll ihn umdrehen und wiederbeleben. Das habe ich nicht geschafft aber es kam noch ein Mädchen vorbei und hat sein Bein genommen und wir haben es geschafft ihn zu drehen. Und dann lag da wir er vorher gelegen hatte eine Waffe! Ich hab mich so erschrocken und war wie gelähmt und konnte ihn nicht mehr anfassen. Es tut mir so leid, aber ich konnte nicht. Ich wollte ihm wirklich helfen und hab auch vorher als er auf der Seite lag das Blut von seinem Mund weg gewischt, dass er besser atmen kann. Dann kamen auch die Sanitäter aber die haben gleich abgewunken, als sie ihn gesehen haben.
Mir wurde dann gesagt ich hätte gut gehandelt und alles richtig gemacht aber das stimmt nicht! Ich habe nicht versucht ihn widerzubeleben weil ich mich so über den Anblick der Waffe erschrocken habe.
Daher jetzt meine Frage: wenn sich jemand erschießt und aber erst noch ganz normal atmet und ich hätte ihn richtig wiederbelebt und ihn sofort umgedreht bekommen und alles wär schneller gegangen hätte er dann überleben können?
LG


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BeitragVerfasst: 02.02.14, 08:54 
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DMF-Moderator

Registriert: 31.01.07, 15:01
Beiträge: 11107
Wohnort: 87727 Babenhausen ( Schwaben)
Guten Morgen,

nach Ihrer Schilderung könnte er sich in den Kopf geschossen haben, ist aber nur eine Vermutung. Wenn nicht lebenswichtige Strukuren getroffen werden, kann man eine Schußverletzung durchaus überleben. Aber es ist viel wichtiger, dass Sie sich keine Selbstvorwürfe machen. Es ist für viele Menschen sehr schwierig, sich zur Reanimation zu überwinden. Wenn die Waffe nicht gewesen wäre, hätten Sie sicherlich den Mut dazu aufgebracht. Darüber erschrocken zu sein, wenn man plötzlich eine Pistole vor Augen hat, ist keine Schande, so etwas sieht man ja sonst nur im Fernsehen. Quälen Sie sich nicht, ob Sie ihn hätten retten können, vielleicht hat er ja auch überlebt. Allein schon das Blut wegzuwischen, stellt für viele Leute eine starke Überwindung dar.

_________________
Grüße Dr. Fischer
Unter Bezugnahme auf § 7 (3) der Berufsordnung für Ärzte ist mein Beitrag eine Stellungnahme,die auf den vorliegenden Angaben beruht .Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.


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BeitragVerfasst: 02.02.14, 09:43 
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Registriert: 02.02.14, 07:25
Beiträge: 4
Lieber Herr Dr. Fischer,
Vielen Dank für die ehrliche Antwort! Leider bin ich ziemlich sicher, dass er es nicht überlebt hat denn die eilig herbeisprintenden Sanitäter wurden sehr langsam als der erste angekommen war und ihnen ein Zeichen gab und in den Rettungswagen wurde dann nicht der Verletzte ins Krankenhaus sondern ich zu so einem Seelsorger aufs Polizeirevier gefahren.
Ich habe noch nie eine Schussverletzung geschweige denn einen Toten gesehen, aber wenn ich jetzt im Nachhinein drüber nachdenke hat er sich wohl in den Mund geschossen, denn irgendwas hing aus seinem Mund das man nicht wegwischen konnte.
Ich wollte ihm wirklich helfen und hatte mich auch beim Umdrehen gedanklich darauf eingestellt, dass seine andere Gesichtshälfe sehr schlimm aussieht (ich hatte vermutet, dass er gestürzt ist oder von einem Zug der naheliegenden Bahntrasse verletzt wurde) aber dann hab ich mich über ein dummes Stück Metall so erschrocken.
Mir ist bewusst, dass diese Ausführungen seltsam klingen, aber ich mache mich selbst ziemlich schnell hysterisch und war gestern wohl schon so weit mit meinen Gefühlen überfordert, dass ich gar keine hatte, ich hätte ihm ja wenigstens die Hand halten können oder so aber ich hab fast nur noch rational gedacht.
Ich habe mich deshalb auch bewusst an ein medizinisches Forum gewandt, denn ich brauche eine ehrliche Antwort und nicht das "er wollte es so" und "sie haben alles richtig gemacht" eines Seelsorgers. Auch wenn das gestern natürlich auch gut tat.


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BeitragVerfasst: 02.02.14, 09:56 
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Registriert: 27.12.06, 00:51
Beiträge: 3416
hallo,

ich finde du hast getan was du konntest und mehr kann und darf keiner verlangen. Auch wenn man zu einem schweren Unfall dazu kommt ist es oft schwierig zu helfen, weil man als Nichtmediziener durch die Situation meist überfodert ist. Zuerst erschrickt man und dann kann man sich oft nicht überwinden hinzufassen, weil man denkt man macht dem Verletzten zusätzlich weh. Mache dir keine Vorwürfe, ich denke nicht dass es viele gibt die anders gehandelt hätten
Für dich alles Gute :kopfstreichel:


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BeitragVerfasst: 02.02.14, 10:42 
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Registriert: 10.01.07, 16:48
Beiträge: 4216
Hallo,
oft kann man nichts tun.
In solche eine Situationen hilft Wiederbeleben wenig. Das Herz und die Atmung setzen ja wegen die Hirnschaden aus. Das heißt lebenswichtige Strukturen funktionieren nicht mehr. Können nicht wiederhergestellt werden. Daher haben die Sanitäter nichts getan. Sinnlos.

Sie haben richtig gehandelt - und waren mutig genug es überhaupt zu versuchen.
Das macht definitiv nicht jeder.
Alles Gute
Muppet


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BeitragVerfasst: 02.02.14, 11:13 
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Registriert: 06.08.13, 13:05
Beiträge: 1152
Ich kann mich nur anschließen, neben den medizinischen Erklärungen kann ich als Laie natürlich auch nur sagen, dass es kein Grund für Vorwürfe gibt. Es gibt viele, die überhaupt nichts tun und einfach nur ihrer Wege gehen würden. Du aber hast Hilfe gerufen und so viel unternommen, wie Du Dir zugetraut hast, daher alle Achtung. Es wird einen natürlich verfolgen, aber bald wirst Du Dir auch darüber klar sein, dass es nicht an Dir lag. Von mir jedenfalls großen Respekt, denn wieviele häten denn überhaupt gehandelt?

Ich wünsche Dir die Kraft, dass Erlebte bald gut zu verarbeiten, auch wenn man es nie aus dem Gedächtnis löschen kann. Ich kenne vergleichbare Vorwürfe, die ich mir selsbst machte und ich habe es auch geschafft, das Ganze anders zu betrachten und würde immer wieder so handeln, nämlich helfen, so gut man kann und es sich auch zutraut. Daumen hoch an Dich.

_________________
"Es amüsiert mich immer, wenn Menschen all ihr Unglück dem Schicksal, dem Zufall oder dem Verhängnis zuschreiben, während sie ihre Erfolge oder ihr Glück mit ihrer eigenen Klugheit, ihrem Scharfsinn oder ihrer Einsicht begründen." (Coleridge)


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BeitragVerfasst: 02.02.14, 11:18 
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DMF-Moderator

Registriert: 20.05.07, 08:00
Beiträge: 2261
Guten Morgen,

Sie können stolz auf sich sein, dass Sie etwas getan haben: nämlich den Rettungsdienst verständigt haben! Es gibt mehr als genug Leute, die sich beim Anblick einer hilflosen Person einfach abwenden, ohne auch nur zum Handy zu greifen.
Also keine Selbstvorwürfe!

Dass Sie zu einem Psychologen gebracht wurden, ist sehr gut. Eine erste Krisenintervention hat also schon stattgefunden. Wenn Sie sich durch die erlebte Situation aber weiterhin belastet fühlen (z.B. immer wieder daran denken müssen, Schlafstörungen haben, nicht am Fundort der Person vorbei gehen können, Sie auffällig schreckhaft sind, o.ä.) wenden Sie sich bitte an Ihren Hausarzt. Dieser kann Ihnen dann entsprechende Gesprächspartner vermitteln.

Was Sie gerade durchleben, ist übrigens nichts unnormales. Sondern eine ganz normale Reaktion des Körpers auf eine Situation, die nicht so leicht zu verarbeiten ist. So etwas sieht man ja schließlich nicht alle Tage (übrigens auch der Rettungsdienst nicht).
Ganz wichtig ist, dass Sie jetzt Menschen an Ihrer Seite haben, denen Sie vertrauen und mit denen Sie über das Erlebte sprechen können - auch wiederholt, wenn Sie das Bedürfnis dazu haben.

Alles Gute!

Gruß
Die Anästhesieschwester


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BeitragVerfasst: 02.02.14, 17:02 
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Registriert: 02.02.14, 07:25
Beiträge: 4
Hallo
Vielen Dank für die netten Worte. Heute Morgen hatte ich das Gefühl ich hätte ihn umgebracht weil ich es nicht geschafft habe ihm zu helfen. Eine Freundin hat vorgeschlagen eine Blume an die Stelle zu legen und das werde ich wohl tun. Und den Erste Hilfe Kurs auffrischen, mit frischeren Kenntnissen wäre ich zwar genauso schockiert gewesen aber ich hätte ihn zumindest schneller umgedreht bekommen und an dem armen Kerl nicht so rumgezerrt.


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