Navigationspfad: Home
medizin-forum.de • Thema anzeigen - Fallbeispiel: "Z.n. Krampfanfall"
Aktuelle Zeit: 12.12.17, 09:22

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 23 Beiträge ]  Gehe zu Seite 1, 2  Nächste
Autor Nachricht
 Betreff des Beitrags: Fallbeispiel: "Z.n. Krampfanfall"
BeitragVerfasst: 26.12.13, 19:08 
Offline
DMF-Moderator

Registriert: 06.03.05, 08:30
Beiträge: 4399
Wohnort: Hildesheim
Moin, moin,

ich möchte gern ein Fallbeispiel schildern, das ich kürzlich erlebt habe:

Alarmmeldung: "Z.n. Krampfanfall", auf Nachfrage erklärt die Leitstelle, der Pat. komme schon wieder zu sich.

In der Wohnung findet sich ein 60jähriger Pat. auf der Couch liegend mit geschlossenen Augen. Auf Nachfrage antwortet er gezielt und orientiert, dabei werden die Augen auch geöffnet. Zum Ereignis besteht Amnesie.

Die Ehefrau ergänzt: "Von 10 min. Kurzzeitig weggetreten...Augen verdreht", "Z.n. Reanimation und langer Klinikaufenthalt vor 3 Jahren", "Krampfpotientiale im EEG seit langem bekannt, machmal Absencen", "So etwas wie das hier noch nicht gehabt".

RTW und NEF haben sich mittlerweile postiert und alles Notwendige bereitgelegt. :)

Was sind nun die nächsten Schitte?
Gibt´s erste Verdachtsdiagnosen?

Bin gespannt. Ich werde den Fall dann Schritt für Schritt fortsetzen...

Gruß

A. Flaccus

_________________
Dr. A. Flaccus
Facharzt für Anästhesie
- Notfallmedizin -
DMF-Moderator


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: 12.01.14, 17:17 
Offline
DMF-Moderator

Registriert: 06.03.05, 08:30
Beiträge: 4399
Wohnort: Hildesheim
Hab mal vom Fachforum ins "öffentliche" geschoben. Vielleicht diskutieren hierr ja mehr Leute mit. :wink:

_________________
Dr. A. Flaccus
Facharzt für Anästhesie
- Notfallmedizin -
DMF-Moderator


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: 12.01.14, 18:09 
Offline
DMF-Mitglied
DMF-Mitglied

Registriert: 30.09.04, 19:04
Beiträge: 294
Was sagt uns das EKG und das restliche Monitoring, BZ, Pulsdefizit ?
Weitere Vorerkrankungen?
Welche Medikamente nimmt der Patient und nimmt er sie auch wirklich ?

_________________
Hinweis unter Bezug auf §7(3) der Berufsordnung für Ärzte:
Mein Beitrag ist eine Stellungnahme, die auf den vorliegenden Angaben beruht. Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: 12.01.14, 18:26 
Offline
DMF-Moderator

Registriert: 06.03.05, 08:30
Beiträge: 4399
Wohnort: Hildesheim
Blutdruck 120/80
BZ: 121 mg/dl
SpO2: 97%, dort angezeigte Frequenz: 110/min, Signalstärke +++ (von 5 möglichen)
SpO2-Kurve wirkt aber verwackelt
Der Körper ist total verschwitzt, EKG-Elektroden sind schwierig...
Eingenässt hat der Patient nicht, Zugenbiß ist auch nicht sichtbar, Pupillen mittelweit und lichtreagibel.

Damals war wohl "irgendeine Rhytmusstörung" im Rahmen eines NSTEMI auslöser für die Reanimation. Danach lange Reha wg. neurologischer Folgestörungen. Nach drei Jahren immer noch etwas verlangsamt aber sonst aktiv am Leben teilnehmend. Und wie gesagt: Krampfpotentiale im EEG sind bekannt, nur einen "echten" Anfall wie diesen gab´s noch nie.

Medis:
ASS 100
Betablocker
Cholesterinsenker

_________________
Dr. A. Flaccus
Facharzt für Anästhesie
- Notfallmedizin -
DMF-Moderator


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: 12.01.14, 18:47 
Offline
DMF-Mitglied
DMF-Mitglied

Registriert: 10.01.07, 16:48
Beiträge: 4216
Hautfarbe während Anfall?
Viel Speichel produziert?
Initialschrei?
Versive Kopfbewegung?
Tonisch dann clonische Phase?
Seitendifferenz?
Sofort orientiert?
Keine antiepileptische Behandlung?
EPs im EEG können irreführend sein
Absencen treten bei Fokalepilepsie nicht auf (wenn dann, sind das dialeptische Anfälle),
Abwesenheitszustände können aber auch bei Herzprobleme/Perfusionsstörungen auftreten.
Patient schläfrig?
Ca Spiegel?
Prolaktin?
Kreatin?

Also, wenn keine tonische Phase, Gesicht blaß und verschwitzt, Cloni erst nach Bewusstseinsverlust, keine versive Kopfbewegung, Augen nach oben verdreht, sofort orientiert - tendiere eher zu Herzrhythmusstörung/konvulsive Synokop.


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: 12.01.14, 18:52 
Offline
DMF-Moderator

Registriert: 06.03.05, 08:30
Beiträge: 4399
Wohnort: Hildesheim
Also...die meisten Fragen können hier nicht beantwortet werden. Wir befinden uns am Notfallort in einer Wohnung.

:arrow: Laborwerte scheiden aus, alte sind nicht vorhanden
:arrow: Exakte Anamnese durch Partner (Laie!) ist nicht möglich
:arrow: Das Bewußtsein kehrte "relativ schnell" wieder zurück, der Patient antwortet langsam auf alle Frasgen, Amnesie zum Geschehen

_________________
Dr. A. Flaccus
Facharzt für Anästhesie
- Notfallmedizin -
DMF-Moderator


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: 12.01.14, 19:00 
Offline
DMF-Mitglied
DMF-Mitglied

Registriert: 30.09.04, 19:04
Beiträge: 294
Hat der Patient einen Schrittmacher ?

_________________
Hinweis unter Bezug auf §7(3) der Berufsordnung für Ärzte:
Mein Beitrag ist eine Stellungnahme, die auf den vorliegenden Angaben beruht. Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: 12.01.14, 19:01 
Offline
DMF-Moderator

Registriert: 06.03.05, 08:30
Beiträge: 4399
Wohnort: Hildesheim
Nein, hat er nicht...

_________________
Dr. A. Flaccus
Facharzt für Anästhesie
- Notfallmedizin -
DMF-Moderator


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: 12.01.14, 19:06 
Offline
DMF-Mitglied
DMF-Mitglied

Registriert: 30.09.04, 19:04
Beiträge: 294
Trotz der Anamnese mit Krampfpotentialen usw. würde ich jetzt nicht direkt von einem epileptischen Anfall ausgehen.
Der Patient ist ja direkt wieder Ansprechbar und orientiert.
Würde jetzt mal versuchen das EKG trotz verschwitzer Haut dranzubasteln :D . Kann ja z.B. auch ein Adam Stokes Anfall gewesen sein.

_________________
Hinweis unter Bezug auf §7(3) der Berufsordnung für Ärzte:
Mein Beitrag ist eine Stellungnahme, die auf den vorliegenden Angaben beruht. Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: 12.01.14, 19:13 
Offline
DMF-Moderator

Registriert: 06.03.05, 08:30
Beiträge: 4399
Wohnort: Hildesheim
:)
Hartnäckigkeit zahlt sich aus....

Wir kleben also das EKG und schon die ersten hörbaren Tonfolgen lassen nicht gutes vermuten:

Sichtbar wird eine Tachycardie von 260 Schlägen pro Minute (220 bis 285).
Wirkt auf dem Monitor am ehesten wie eine Kammertachycardie.

RR jetzt noch 90/60.

Und nun?

_________________
Dr. A. Flaccus
Facharzt für Anästhesie
- Notfallmedizin -
DMF-Moderator


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: 12.01.14, 19:18 
Offline
DMF-Mitglied
DMF-Mitglied

Registriert: 30.09.04, 19:04
Beiträge: 294
Die Tachykardie scheint ja durchaus hämodynamisch wirksam zu sein, daher kann an sich überlegen ob man unter Kurznarkose mit 200J (biphasisch) kardiovertiert oder wenn es die Klinik erlaubt ein Loading mit 300mg Amiodaron i.v. beginnt und den Patient schnell in eine kardiologische Abteilung bringt.

_________________
Hinweis unter Bezug auf §7(3) der Berufsordnung für Ärzte:
Mein Beitrag ist eine Stellungnahme, die auf den vorliegenden Angaben beruht. Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: 12.01.14, 19:22 
Offline
DMF-Moderator

Registriert: 06.03.05, 08:30
Beiträge: 4399
Wohnort: Hildesheim
Zitat:
ob man unter Kurznarkose


Der Patient hat vor einer Stunde eine komplette Mahlzeit zu sich genommen.

Aber: Transport in die Klinik (2. Stock, kein Fahrstuhl, reine Fahrzeit weitere 7-10 min.) unter diesen Bedingungen?

_________________
Dr. A. Flaccus
Facharzt für Anästhesie
- Notfallmedizin -
DMF-Moderator


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: 12.01.14, 19:46 
Offline
DMF-Mitglied
DMF-Mitglied

Registriert: 30.09.04, 19:04
Beiträge: 294
Also mit einer Frequenz von ca.230/min würde ich ungern mit dem Patient die Treppen runter und dann noch 10 Minuten fahren.

Geben wir dem Patienten doch 300mg Amiodaron und schauen was passiert .

_________________
Hinweis unter Bezug auf §7(3) der Berufsordnung für Ärzte:
Mein Beitrag ist eine Stellungnahme, die auf den vorliegenden Angaben beruht. Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: 12.01.14, 20:12 
Offline
DMF-Moderator

Registriert: 06.03.05, 08:30
Beiträge: 4399
Wohnort: Hildesheim
Zitat:
und schauen was passiert .


nix passiert...

_________________
Dr. A. Flaccus
Facharzt für Anästhesie
- Notfallmedizin -
DMF-Moderator


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: 12.01.14, 22:45 
Offline
Interessierter

Registriert: 31.01.12, 09:42
Beiträge: 5
Wohnort: NRW
Sind beide Lungen seitengleich belüftet?
Hat der Patient gestaute Halsvenen?

Sind Lungen und Halsvenen o. B. würde ich dem Patienten O2 über Nasenbrille oder Maske (was besser toleriert wird) anbieten, eine i.V.-Zugang legen und versuchen durch ß-Blocker die Frequenz auszubremsen.

Unter engmaschiger RR-Kontrolle würde ich unter Voranmeldung die nächstgelegene Kardiologie anfahren. V.a. Reentry Tachycardie

_________________
Viele Grüsse,
Reddy.

Rettungsassistent | PHTLS-Provider


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 23 Beiträge ]  Gehe zu Seite 1, 2  Nächste

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 3 Gäste


Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.

Suche nach:
Powered by phpBB® Forum Software © phpBB Group
Deutsche Übersetzung durch phpBB.de
Karma functions powered by Karma MOD © 2007, 2009 m157y
© Deutsches Medizin Forum 1995-2017. Ein Dienst der Medizin Forum AG, Hochwaldstraße 18 , D-61231 Bad Nauheim ,HRB 2159, Amtsgericht Friedberg/Hessen, Tel. 03212 1129675, Fax. 03212 1129675, Mail jaeckel@medizin-forum.de. Plazieren Sie Ihre Werbung wirkungsvoll! Hier finden Sie unsere Mediadaten!