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medizin-forum.de • Thema anzeigen - s.c. Infusion
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 Betreff des Beitrags: s.c. Infusion
BeitragVerfasst: 04.10.13, 15:48 
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Beiträge: 34
Wohnort: Mitten in Deutschland
Sehr geehrte Forumsteilnehmer.


Wie aus der Überschrift hervor geht, geht es mir um die Frage nach der subkutanen Infusionstechnik. Jedoch weniger zur Technik, sondern viel mehr um die Verbreitung und die Verwendung.
> Was haltet ihr von der s.c.-Inf. im präklinischen ("notfallmedizinischen") Bereich?
> Habt ihr diese bereits in der Notfallmedizin angewendet?
> Welche Vor- bzw. Nachteile bringt diese Form der Flüssigkeitszufuhr eurer Meinung nach mit sich?!

Natürlich ist mir klar, dass über die s.c.-Methode nur geringfügige Mengen an Flüssigkeit dem Pat. zugeführt werden sollen und können, aber angenommen man hat einen stark exsikkierten Patienten, bei dem das Legen eines i.v. Zuganges nicht möglich ist. Wäre das dann eine Alternativ für euch?!

Ich selbst hatte vor gar nicht so langer Zeit eine Patientin (ca. 90J., stark exsikkiert, nicht mehr ansprechbar, ... sie lag wahrscheinlich seit drei oder vier Tagen so im Bett - wobei alle anderen Parameter eigentlich gar nicht so schlecht aussahen) bei welcher es am Arm nicht möglich war einen Zugang zu legen (5 Versuche) ... erst im RTW gelang es dann an einer unteren Extremität einen Zugang zu legen. Man muss sagen, dass das Ganzen wahrscheinlich die Folge eines Apoplex war, aber es geht mir jetzt in erster Linie um den Gedanken einer s.c.-Infusion...
Alleine aus dem Gedanken, die Schmerzen der Einstiche zu vermeiden - wäre es da nicht sinnvoll die s.c.-Inf. zu bevorzugen - unter Berücksichtigung, die Tropfgeschwindigkeit so gering wie möglich zu halten?! ODER würde dies dann eine zu schnelle, zu große Flüssigkeitszufuhr für die Patientin bedeuten?!


Ich würde mich sehr über eure ernstgemeinten Antworten freuen.


Herzliche Grüße
J-H

_________________
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 Betreff des Beitrags: Re: s.c. Infusion
BeitragVerfasst: 05.10.13, 07:46 
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Registriert: 13.07.08, 20:59
Beiträge: 262
Wohnort: Queensland - Australien
Hallo J-H,

wie Sie schon beschrieben haben, ist die Menge an Flüssigkeit welche in einem dezidierten Zeit über den subcutanen Weg aufgenommen verhältnismäßig klein. Daher besteht immer die Frage zum Nutzen/Wirkungsprinzip.

Sollte der Patient notwendigerweise mit Flüssigkeit substituiert werden, ist die erste Wahl der intravenöse Zugang. Hier haben Sie schon richtig resümiert, das dieses u.U. nicht möglich ist.
Da die Rettungsmedizin der Akutmedizin und nicht der klassischen kurativen Medizin zugeordnet wird, sind unsere Therapiemaßnahmen in erster Linie bei lebensbedrohlichen Indikationen angezeigt.
Sofern würde sich hier der Weg, bei bestehender Notwendigkeit in nächster Instanz über einen intraossären Zugang verwirklichen lassen. Dabei wird (meist mittels eines Bohrers, eines Schussgerätes oder einer manuell eingeschraubten Zugangsmöglichkeit) die Flüssigkeit in die Spongiosa (das rote Knochenmark in den Knochenbälgchen) eingebracht und sofort resorbiert.
Sollte eine sofortige Flüssigkeitssubstitution nicht notwendig sein, kann dieses auf die Klinik verschoben werden, wo ggf. bessere Bedingungen für die intravenöse Gabe bestehen.
Zusammenfassend kann gesagt werden:
In der Akutmedizin werden wir mit allen Mitteln versuchen einen guten Zugangsweg für die Flüssigkeitsgabe zu etablieren, da eine lebensbedrohliche Indikation besteht. Sollte diese nicht vorhanden sein, verzichten wir auf Techniken wie die s.c. Infusion, da sie eine untergeordnete und nicht effektive Methode in der Akutmedizin darstellt. Durch die geringen Durchflussmengen und Resorbtionszeiten kann durch eine kurze Behandlungs- und Transportzeit darauf verzichtet werden, in der die vermeintlich resorbierte Menge an Flüssigkeit stark in Grenzen halten würde.
Sollte die Notwendigkeit der Flüssigkeitsgabe bestehen und ein i.v. Zugang ist nicht etablierbar, wird auf die nächst invasivere Stufe eskaliert, welche dann u.U. ein intraossärer Zugang oder zentralvenös-plazierter Highflow Shaldonkatheter in der V.sublcavia oder V.femoralis sein könnte. Hier hängt es aber dann vom jeweiligen akutmedizinischen Bild ab, das der Patient präsentiert.
Somit stellt die s.c. Technik keine Relevanz für die Notfallmedizin meines Erachtens dar.

Viele Grüße,

S.Steingrobe

_________________
Advanced Care Paramedic - Queensland Ambulance Service (Australia)


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 Betreff des Beitrags: Re: s.c. Infusion
BeitragVerfasst: 10.10.13, 20:07 
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Registriert: 25.07.12, 13:33
Beiträge: 34
Wohnort: Mitten in Deutschland
Sehr geehrter S.Steingrobe.


Vielen Dank für Ihre schnelle Antwort. Leider komme ich erst heute dazu eine Antwort zu verfassen.

Ich bin selbst im Bereich der Rettungsmedizin tätig und hatte wie erwähnt vor einigen Wochen einen Fall, bei dem es nicht möglich war, einer exsikkierten Frau einen i.v.-Zugang zu legen. Dar die Rettungsmittel bei uns im Landkreis aber über keine Nadeln geschweige denn die "Schuss-/Bohrgeräte" für einen i.o.-Zugang verfügen, kam mir dieser Gedanke ...
Wie erwähnt verfügen wir (übrigens auch nicht auf dem NEF) über ein solches Gerät, haben aber ausreichend Material, mit welchem eine s.c.-Inf. möglich wäre.
Die erwähnte Möglichkeit zeitnah in einer Klinik zu sein ist bei uns im Landkreis wohl eher nicht das Problem ( :D ) aber es ging mir ja auch primär um den Grundsatz, ob es relevant ist.

Vielen herzlichen Dank für Ihre schnelle und umfangreiche Antwort! Sie haben mir damit sehr geholfen.


Herzliche Grüße
J-H

_________________
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