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 Betreff des Beitrags: Intraossärzugang
BeitragVerfasst: 26.11.12, 20:00 
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Interessierter

Registriert: 23.11.12, 07:56
Beiträge: 13
Guten Abend!

Eine Frage, aus großem Interesse an der Thematik und zum Sammeln von Erfahrungsberichten:

Wie sieht es bei Euch im Rettungsdienstbereich aus in Sachen intraossärer Zugang / alternative Zugangswege?

Hier im Bereich hat sich seit ca. 2 Jahren die EZ-IO bewährt, Firmenname nenne ich jetzt mal nicht, dürfte ja aber hinlänglich bekannt sein.

Das System ist hier auf jedem RTW sowie NEF vorhanden, besonders auf dem RTW hat es auch m.E. seine Daseinsberechtigung, da gerade in der Landrettung die "on scene"-Zeit ohne NA oder nach NA-Nachforderung länger sein kann und gerade beim schweren Trauma mit C-Problem der Zugang rasch etabliert werden muss.

Ich selbst kam auch schon mehrmals in die Situation, die "Bohrmaschine" benutzen zu müssen; gerade bei schwerstbrandverletzten oder eben Kindern, und, wie sollte es anders sein, bei sehr adipösen Patienten.

Die Erfahrungen sind durchweg positiv, auch beim bewußtseinsklaren Patienten ist der Vorgang der Bohrung selbst völlig ohne Schmerzen durchführbar, (Humeruskopf sowie proximale Tibia), da das Periost auf die punktuelle Belastung kaum reagiert.

Lediglich das Einspülen des NaCl-Bolus zum Freispülen der Markhöhle, bzw. der Kanüle selbst wird als äußerst unangenehm empfunden.

Hier schreiben die lokalen Protokolle einen Lidocain (2%) Bolus von 20-30mg (beim Erwachsenen) vor, anschließend dann das Freispülen mit 10ml NaCl.

Infusionen laufen nach erfolgter Spülung auch im Schuß, ohne Druckmanschette.

In sofern sind die Erfahrungen äußerst positiv.

Natürlich ist eine Aufklärung des Patienten und insbesondere der Angehörigen hier sehr wichtig, da die Maßnahme mit "Akkuschrauber" doch abschreckend wirkt... :-)

Gibt es hier im Forum Erfahrungen mit diesem oder anderen Systemen?

Wie sieht es im innerklinischen Bereich aus?



viele Grüße und auf interessante Beiträge hoffend,

Seb


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 Betreff des Beitrags: Re: Intraossärzugang
BeitragVerfasst: 27.11.12, 07:36 
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Administrator

Registriert: 15.09.04, 09:49
Beiträge: 7270
Wohnort: Bad Nauheim
Aus meiner Sicht und Erfahrung ein gutes ergänzendes System, was man recht selten braucht.
Retterfrosch hat geschrieben:
Die Erfahrungen sind durchweg positiv, auch beim bewußtseinsklaren Patienten ist der Vorgang der Bohrung selbst völlig ohne Schmerzen durchführbar, (Humeruskopf sowie proximale Tibia), da das Periost auf die punktuelle Belastung kaum reagiert.
Ich habe mehrere Patienten gehabt, die glaubhaft starke Schmerzhaftigkeit der Bohrung angaben. Den Humeruskopf habe ich noch nie angebohrt und würde ihn wohl auch nie anbohren. Dass man ein Lokalanästhetikum einspülen muss, halte ich für umständlich und in seinen (ggf. kardialen)Nebenwirkungen für noch wenig untersucht.
Retterfrosch hat geschrieben:
Infusionen laufen nach erfolgter Spülung auch im Schuß, ohne Druckmanschette.
Da habe ich gegenteilige Erfahrungen. Ohne Druckmanschette läuft es meist garnicht. Mit gerade so akzeptabel zur Medi-Gabe. In Schocksituationen zur Volumentherapie leider insuffizient.
Retterfrosch hat geschrieben:
Wie sieht es im innerklinischen Bereich aus?
-> Nach meiner Einschätzung: dauerhaft keine Bedeutung.

_________________
Herzlichen Gruss
Ihr Achim Jäckel
www.medizin-forum.de


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 Betreff des Beitrags: Re: Intraossärzugang
BeitragVerfasst: 27.11.12, 13:00 
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Interessierter

Registriert: 23.11.12, 07:56
Beiträge: 13
Hallo!

Danke für den Erfahrungsbericht!

Besonders die Bolusgabe des NaCl ist wohl entscheidend für die anschließende Qualität und Geschwindigkeit der Volumensubstitution, dieser Bolus sollte rasch und mit ausreichend Druck erfolgen, sonst bleibt er wirkungslos. Nicht umsonst handelt es sich um ein Luerlock-System.

Bisher hab ich das Verfahren etwa 10mal angewendet, zum Teil war ein zweimaliges Durchspülen notwendig, dann lief die Infusion ohne Druckmanschette jeweils im Schuß.

Eine Aspiration war in keinem der Fälle notwendig, da man bereits nach dem Bohren Blut in der Kanüle aufsteigen sah.

Von den 10 Patienten waren 4 bei bewußtsein, einer davon ein freiwilliger Proband, bei der Einführung des Systems. Durchgängiger Tenor bei den bewußtseinsklaren Patienten: Die Punktion war schmerzfrei, das Einspülen mit unangenehm schmerzhaftem Druck verbunden, daran änderte auch das Lidocain nichts, welches in der analgetischen Dosierung und bei langsamer Applikation vor dem Freispülen der Markhöhle keine kardiovaskuläre Wirkung entfaltet.

Somit blieb bei den anderen Punktionen das Lidocain weg, der rasche NaCl-Bolus mit kurzem Schmerz war durchaus akzeptabel bei den Patienten

Medikamente wirkten ohne Verzögerung gleichzusetzen dem i.v.-Zugang, ist ja auch nichts anderes.

Hat denn jemand Erfahrungen mit anderen Systemen?

Grüße


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 Betreff des Beitrags: Re: Intraossärzugang
BeitragVerfasst: 27.11.12, 17:10 
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DMF-Moderator

Registriert: 20.05.07, 08:00
Beiträge: 2261
@ Dr. Jaeckel:

EZ-IO u.ä. haben in der Klinik schon eine zunehmende Bedeutung. Alle mir persönlich bekannten Anästhesie-Abteilungen haben mindestens 2 Sets vorrätig und setzen sie ein, wenn es intraoperativ zu akuten hämodynamischen Komplikationen kommt und man keine weiteren iv-Zugänge mehr legen kann (oder der vorhandene para ist... :| ) Ich habe selbst 2x den Einatz von io-Zugängen im perioperativen Bereich erlebt, jedes Mal bei kurzen, einfachen Eingriffen, bei denen primär nicht mit größerem Blutverlust bzw. Kreislaufkomplikationen zu rechnen war.
Ob es eine Vorhaltung in Notaufnahmen gibt, ist mir nicht bekannt.

Gruß
Die Anästhesieschwester


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 Betreff des Beitrags: Re: Intraossärzugang
BeitragVerfasst: 27.11.12, 18:36 
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DMF-Mitglied
DMF-Mitglied

Registriert: 18.02.05, 18:27
Beiträge: 418
hallo,

habe das o.g. system das eine oder andere mal eingesetzt. ich habe das aber nur ein einziges mal bei einem wachen pat. gemacht. in der tat war offenbar das bohren mit der nadel weniger ausgeprägt als ich das erwartet hätte. aber obwohl ich dieses manöver mit dem lokalanästhetikum i.o. durchgeführt habe (und wie herr jäckel halte ich das aus elektrophysiologischen erwägungen für alles andere als unproblematisch, v.a. bei nicht gesundem herz und/oder dem einsatz anderer medikamente, die die kardiale elektrophysiologie beeinflussen) hat jede injektion/infusion, auch wenn vorsichtig und langsam durchgeführt, sofort zu extremsten schmerzen. der patient ist jedes mal unter die decke gegangen, obwohl die nadel klar im markraum lag.
mein fazit für mich persönlich:
ich werde das nie wieder bei einem wachen patienten einsetzen.
es ist aber eine gute alternative z.b. bei reanimationen.

grüße

downcase


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 Betreff des Beitrags: Re: Intraossärzugang
BeitragVerfasst: 27.11.12, 20:30 
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Interessierter

Registriert: 23.11.12, 07:56
Beiträge: 13
Hi!

Sind denn die Cook-Nadeln noch irgendwo im Einsatz und werden benutzt?

Hier lagen die immer im Kinderkoffer, bevor der Bohrer kam.

Beim Erwachsenen war es aber damit wohl nur schwer möglich, die Markhöhle zu punktieren.

Des weiteren sind wohl in manchen Bereichen noch die B.I.G. und FAST im Einsatz, beide wohl auch zur sternalen Anwendung zugelassen (?).

Ich denke, diese Systeme des alternativen Zugangs werden durch die Verbreitung einheitlicher Konzepte wie PHTLS und ATLS immer bekannter.

Auch, weil die Leitlinien nach dem 2. frustranen periphervenösen Punktionsversuch direkt die Alternativen wünschen.


Grüße,

Seb


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 Betreff des Beitrags: Re: Intraossärzugang
BeitragVerfasst: 27.11.12, 20:34 
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Administrator

Registriert: 15.09.04, 09:49
Beiträge: 7270
Wohnort: Bad Nauheim
Retterfrosch hat geschrieben:
Sind denn die Cook-Nadeln noch irgendwo im Einsatz und werden benutzt?
Ja, werden bei Kleinstkindern noch empfohlen, die Handhabung gelehrt (z.B. Seminar/Kurs INTECH invasive Notfallmaßnahmen Heidelberg).

_________________
Herzlichen Gruss
Ihr Achim Jäckel
www.medizin-forum.de


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