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medizin-forum.de • Thema anzeigen - Fallbeispiel: Unwohlsein und Schwäche beim Kind
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BeitragVerfasst: 06.12.11, 22:51 
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Registriert: 24.05.08, 20:16
Beiträge: 1114
Nunja, bei einem schlappen Kind mit blassem Hautkolorit wuerde wohl jeder Paediater auch erst in Richtung Anaemie denken, gerade auch bei Heranwachsenden, die metabolisch bedingt eh einen erhoehten Bedarf an Eisen etc. haben. Und wenn diese noch dazu vegetarisch ernaehrt werden...

Was mich nach wie vor stoert ist der rektale Blutabgang. Ich freue mich auf die Aufloesung :)

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Once in a lifetime means there's no second chance ...

Informationen aus dem Internet dienen generell nur der ersten Orientierung, sind persönliche Meinungsäußerungen und können einen Arztbesuch nicht ersetzen.


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BeitragVerfasst: 07.12.11, 08:09 
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Beiträge: 7270
Wohnort: Bad Nauheim
Zitat:
Vegetarisch ernährte Kinder sind als ausreichend und ausgewogen ernährt zu betrachten, wenn die verabreichte Ernährung eine ovo-lacto-vegetabile Kost darstellt. Eine strenge bzw. strikte vegetarische Kost (Rohkost, Makrobiotik >Stufe 3) ist für Säuglinge und Kleinkinder nicht geeignet. Schwere Mangelzustände wie Rachitis, Osteoporose, Anämie und Gedeihstörung sind unter derartigen Ernährungsformen beschrieben worden. Bei ovo-lacto-vegetabilen Kostformen sind regelmäßige Längen- und Gewichtskontrollen in den ersten 10 Lebensjahren zu empfehlen. Kritische Nahrungsinhaltsstoffe bei Vegetariern sind: Energie, Eiweißgehalt, Kalzium, Vitamin D, Vitamin B12, Zink, Jod und Eisen. [...] Eine ausreichende Eisenzufuhr durch lactoovo-vegetabile Kost ist kaum zu erreichen.

Quelle: Vegetarische Ernährung und Außenseiterdiäen im Kindesalter in Monatsschrift Kinderheilkunde, 2001/1.

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Herzlichen Gruss
Ihr Achim Jäckel
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BeitragVerfasst: 07.12.11, 14:53 
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Registriert: 10.03.09, 17:22
Beiträge: 516
Lizard hat geschrieben:
Phileas Fogg hat geschrieben:
Vegetarier mit Anämie zu verbinden halte ich für altmodisch und falsch. .


So verallgemeinert meinte ich das auch nicht :wink: sondern eher so wie Dr.Flaccus es interpretiert hat.

Ich bezog mich auch auf die Aussage des Hausarztes :-)

Aber meine Aussage ist auch viel zu verallgemeinernd formuliert. Ich meinte viel eher den Rückschluss von "Vegetarier --> Eisenmangel" halte ich für altmodisch. Dabei habe ich aber auch nicht bedacht, wie Dr. Flaccus andeutet, dass es in dem Fall eine heranwachsende junge Frau ist, deren Ernährungsgewohnheiten man nicht kennt. Es scheint ja in die Richtung zu gehen...

Aber wie Lizard schrieb: Das Blut und die Klumpen im Stuhl sind noch nicht erklärt.


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BeitragVerfasst: 07.12.11, 15:49 
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DMF-Moderator

Registriert: 06.03.05, 08:30
Beiträge: 4399
Wohnort: Hildesheim
Okay.
Dann löse ich mal auf.

Der initial gemessene Hb der jungen Dame in der Klinik war:

3,3 g/dl.

Infusionen bis dahin (kurze Fahrstrecke) rund 500 Ringer-Lösung.

Auf weitere Nachfrage erklärte der zuständige Oberarzt, man habe bei der umfangreichen Untersuchung "nichts gefunden", was auf eine akute Blutung hindeute.

Die "Klumpen im Stuhl" hätten sich bei exaktem Nachfragen als simple Blutauflagerungen entpuppt, die rektale Untersuchung war unauffällig.

Es läge eine ausgeprägte "mikrozytäre Anämie" vor, die Eisenspeicher seien "quasi leer", das Serumeisen wäre "Null".

Die Arbeitsdiagnose der Kinderklinik rund 6 Stunden nach Aufnahme:

Ausgeprägte Eisenmangelanämie bei vegetarischer Ernährung im Wachtumsalter.

Lt. dem behandelnden Oberarzt dort und weiteren, von mir befragten Pädiatern, käme das "gar nicht so selten" vor. Meistens erwischt man die "fortgeschrittenen" vegetarischen Kinder mit einem Hb um 6 g/dl.

Ein Hb um 3 sei schon eine echte Rarität. Aber es kommt vor und es hat die erfahrenen Pädiater jetzt nicht wirklich erstaunt.

Den Notarzt schon. :shock:

Aber so haben jetzt einige etwas dazugelernt.

Grüße

A. Flaccus

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Dr. A. Flaccus
Facharzt für Anästhesie
- Notfallmedizin -
DMF-Moderator


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BeitragVerfasst: 08.12.11, 07:10 
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Registriert: 15.09.04, 09:49
Beiträge: 7270
Wohnort: Bad Nauheim
Wow, danke, was dazugelernt.
....ein Vegetarier...

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Herzlichen Gruss
Ihr Achim Jäckel
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BeitragVerfasst: 08.12.11, 16:02 
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Registriert: 30.09.04, 19:04
Beiträge: 294
Danke für diesen sehr interessanten Fall. Ich werde das im Hinterkopf behalten :)

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Hinweis unter Bezug auf §7(3) der Berufsordnung für Ärzte:
Mein Beitrag ist eine Stellungnahme, die auf den vorliegenden Angaben beruht. Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.


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BeitragVerfasst: 08.12.11, 16:44 
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Registriert: 10.03.09, 17:22
Beiträge: 516
Und ich habe Ihnen die perfekte Vorlage geliefert :-)

Vielen Dank und gerne mehr davon!


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