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medizin-forum.de • Thema anzeigen - Übergaben / Übernahmen
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 Betreff des Beitrags: Übergaben / Übernahmen
BeitragVerfasst: 04.10.11, 06:17 
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Administrator

Registriert: 15.09.04, 09:49
Beiträge: 7270
Wohnort: Bad Nauheim
Liebe Freunde der Notfallmedizin,

mal 3 Fallschilderungen aus den letzten Tagen:

1) Reiterin vom Pferd gestürzt und auf Brustkorb getreten: Instabiler Thorax, Pneumo-+ Hämatothorax. Kreislauf + 02-Sätt. noch stabil. Transportzeit 10 min zu Notfallaufnahme. Trotz 2x tel. Ankündigung, dass eine schnelle Thoraxdrainage (Chirurg) , Anästhesie und Internist (Echo: Perikarderguss? ) im Schockraum nötig wären, kam erst nach 12 Min. und der Drohung die Pat. wieder mitzunehmen überhaupt ein Kollege, der sich dann weder bei mir noch bei der Pat. vorstellte.

2) Intensivtransport: Pat. mit Myokardinfarkt (Trop- pos. nicht ganz frischer STEMI) von peripheren Krankenhaus 25 km in die Kardiologie. Dringende Anfahrt (20 km). Als wir um die Ecke biegen, sehen wir den Pat. vor dem KH auf der Straße mit Brief und 2 Taschen in der Hand. Die RTW-Besatzung ist gerade dabei ihn auf eine Trage zu lagern und die Taschen zu übernehmen. Übergabe: keine. Kein Kollege in der Nähe! (Vorgeschichte: Wegen Thopraxbeschwerden vor einer Woche stationär, entlassen: nix am Herzen...)

3) Gleicher Pat. auf der ITS der Kardiologie: Empfang und Übernahme durch Pflege prompt und freundlich. Ärztlicher Kollege ignoriert Pat. und Kollegen ca. 12 Minuten bervor er Routinearbeiten mißmutig unterbricht und ohne ein Wort an den Pat. zu richten gelangweilt meinen Vortrag anhört, während die RTW-Besatzung schon wieder im Auto saß. "Primärnotarzt hin oder her, man hätte zu warten und wäre ja ohnehin schon lange mit dem Pat. unterwegs. Dann kommts darauf auch nicht mehr an."

Meine Erfahrungen zu Übergaben/Übernahmen derzeit:

50 % ok - erträglich
35 % super - so sollte es sein
15 % eine Schande (mit "gefühlt" steigender Tendenz)

Was machen Sie/macht Ihr für Erfahrungen?

_________________
Herzlichen Gruss
Ihr Achim Jäckel
www.medizin-forum.de


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 Betreff des Beitrags: Re: Übergaben / Übernahmen
BeitragVerfasst: 05.10.11, 11:29 
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Registriert: 06.07.05, 19:31
Beiträge: 475
Wohnort: England, Newcastle
Hallo

das sind ja wirklch äußerst unerfreuliche und unprofessionelle Ereignisse. Aus meiner Zeit in D habe ich nur gutes über Arzt-Arzt Übergaben in Erinnerung. Meine persönlichen Erfahrungen mit Übergaben an Ärzte und Pflegepersonal im Besonderen waren eher naja, sagen wir verbesserungswürdig, vorallem in großen Häusern. Desinteresse und Überheblichkeit waren die vorherschenden Attitüden.

Hier ist es sehr unterschiedlich, Ärzte nehmen unsere Übergaben wesentlich ernster und mit mehr Wertschätzung, das Pflegepersonal scheint aus welchem Grund auch immer (vieleicht Konkurenzgehabe) eher desinteresiert. Ausnahmen sind Nurses mit denen man regelmäßig Kontakt hat.

Es gibt genug Studien die zeigen wie wichtig für das Wohlbefinden und den Therapieerfolg eine professionelle Übergabe zwsichen behandelnden ist, damit meine ich nicht nur RD an KH. Vieleicht sollten sich das gewisse Personen zu gemüte führen.

Hoffe Deine Erfahrungen die nächsten Tage werden besser :-)

Marcus

_________________
mfg Marcus

Urban Search and Rescue Paramedic


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 Betreff des Beitrags: Re: Übergaben / Übernahmen
BeitragVerfasst: 05.10.11, 18:29 
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DMF-Moderator

Registriert: 06.03.05, 08:30
Beiträge: 4399
Wohnort: Hildesheim
Moin,

ich will mal etwas aus "meinem" Bereich beisteuern:

Fall 1: löst bei uns - wenn korrekt angemeldet - innerklinisch immer Polytraumaalarm aus. Da steht das komplette Team und gelagert wird primär auf dem Röntgentisch. Rö-Thorax ist nach 2 min. auf dem Monitor, Sonogerät wartet betriebsbereit - der Rest ergibt sich von selbst...

Fall 2: Kenne ich auch, ist aber eher selten. Bei solchen Einzelfällen rufe ich hinterher gern den betreffenden Kollegen an und kläre Differenzen persönlich.

Fall 3: Kann passieren - jeder hat mal gute und schlechte Tage. Auch hier würde ich für meinen Bereich sagen: Eher ein Einzelfall. Akute Koronarsyndrome werden bei uns in der regel ernst genommen. Diue beiden großen Häuser in Hildesheim haben zertifizierte CPU´s, und die Algorhytmen laufen gut ab.

Meine Erfahrungen:

< 10% "Schande",
um 10-20% "Super" und der Rest so dazwischen. Das ist ja auch sehr tagesform- und tageszeitabhängig :wink:

Gruß

A. Flaccus

_________________
Dr. A. Flaccus
Facharzt für Anästhesie
- Notfallmedizin -
DMF-Moderator


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 Betreff des Beitrags: Re: Übergaben / Übernahmen
BeitragVerfasst: 07.10.11, 08:01 
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DMF-Mitglied

Registriert: 07.05.07, 16:24
Beiträge: 56
Wohnort: Sachsen
Hallo!
ein super Thema! :wink:
Sicherlich ist das ganze differenziert zu sehen.In unserem SchwerpunktKH(Stammhaus)sehe ich immer parallel zur Laune des Personals das Patientenaufkommen.8 kurzfristig belegte Tragen, 2 Schwestern,1 Pflegeschüler...
dazu ein junger Assistenzarzt und Röntgen dauert ewig...da versuche ich zu differenzieren.
Seit einiger Zeit rühmt man sich mit einer DGU-Traumazertifizierung. Wir bringen einen recht schweren Unfall -über die Lst angemeldet. Übergabe an die Schwester-Antwort: Arzt kommt eh keiner die sitzen bei der Röntgendemo.... :evil: Gespräche verlaufen alle im Sand.
Müssen wir zu unseren Maximalversorger fahren wird`s schon schwieriger. Chronisch überbelastet und ein Teil des Pflegepersonals ständig schlecht gelaunt bis arrogant.Übergabe erfolgt bei kleineren Sachen an das Pflegepersonal,schwerere Sachen an einen FA , bzw den (für die Rettungsstelle) diensthabenden OA Anästhesie.Dies funktioniert in der Regel gut bis sehr gut.Uns allem fällt aber auf: Die Ärzteschaft der Neurologie/Neurochirugie sind durch die Bank weg alle überheblich bis arrogant. :shock: :)
Coro läuft in unseren beiden Häusern immer super.
Desweiteren habe ich festgestellt, eine Anmeldung über die Leitstelle läuft nie so wie man sich das wünscht.
In kritischen oder unklaren Situationen melde ich seit einiger Zeit persönlich an, die erspart die stille Post, ich weiß mit wem ich gesprochen habe und Rückfragen können sofort geklärt werden. So lösen sich Probleme schon frühzeitig in Luft auf.
Klärende Gespräche haben bis jetzt nirgends etwas gebracht. Jeder schützt sein (ärztl.)Personal-schuld sind die anderen....
Fahren wir mal etwas weiter erlebt man aber auch das Gegenteil: Voll ausgelastete Rettungsstelle und trozdem freundliches Personal-von der Pflege bis zum OA.egal wenn man dort aufschlägt, und nen Chip für`n Kaffeeautomat gibts für jeden immer!! :D
Die "beste" Übergabe habe ich bis jetzt in einem Ostschweizer Spital erlebt.Anmeldung immer persönlich mit Ankunftszeit. Kleinere Sachen in den Behandlungsraum-Übergabe an Arzt UND Pflegepersonal.(sonst gibts Ärger mit den Pflegekräften die nichts wissen)Schwere Fälle in den Schockraum. Dort steht dann das komplette Team bereit-im Schnitt 2-3 Pflegekräfte und je nach Fall, 3-4 Ärzte.Dann erfolgt eine Übergabe, nur das nötigste wird gearbeitet, es ist absolute Stille und alle hören mir zu!!(Kenne ich aus D eben nirgends so!) Freundlich sind sie dort auch immer alle und am Schluß sagt man: Bitte Danke und einen schönen Arbeitstag...!!
auch nicht überall so.... :)


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 Betreff des Beitrags: Re: Übergaben / Übernahmen
BeitragVerfasst: 17.10.11, 21:54 
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Registriert: 01.02.06, 16:45
Beiträge: 277
Die perfekte Übergabe war Teil unserer letzten Fortbildung. Grunsätzlich gibt es mehrere Mögliehkeiten einen Patienten zu übergeben/übernehmen. Im Zuge der Algorhitmen ist es aber nur noch eine Frage der Zeit bis nicht nur der Gesprächsrahmen sondern auch die Ausdrucksweise standartisiert sein wird. Das ist lediglich meine persönliche Vermutung. :)

Bei RD-Kollegen fällt mir oft auf, dass das Untergeordnete Informationen, wie zum Beispiel das soziale Umfeld im Vergleich zum Bewußtsein, ellenlang ausgewalzt, kommentiert und bewertet werden.

Beim Pflegepersonal fällt mir oft auf, dass es lediglich an der Fachrichtung interessiert ist. Zum Beispiel : "Z.n. Sturz, Unfallchirurgisch." Und das reicht meistens auch schon.

Übergibt man einen Apoplex allerdings an einen Neurologen, so kommen Fragen nach Alter, Uhrzeit bei Beginn der Symptomatik, etc.

Ich für meinen Teil habe einen kleinen Standart, der überwiegend daraus besteht, höflich aber sachlich zu sein, Schlagworte zu benutzen und Emotionen außen vor zu lassen. Schnacken kann man nach der Übergabe/Aufnahme immer noch.

Beispiel :

Frau XXX aus dem Altenheim XXX, ist gegen 19:00 Uhr unbeobachtet gestürzt. Sie lag auf dem Boden ihres Zimmers, war laut der Schwester initial ansprechbar und klagt über Schmerzen in der rechten Hüfte, sonst nichts. Verkürzt oder nach außen rotiert ist nichts. Werte waren okay. Bekannte Demenz.

Natürlich kann ich jetzt, zu Hause, um viertel vor elf abends, nicht für Vollständigkeit garantieren. :wink:

Es gibt sicherlich Gründe, eine Info hinzuzufügen oder wegzulassen. Allerdings sollte eine Übergabe meiner Meinung nach zügig über die Bühne gehen. Und damit das gelingen kann muß man einen Kompromiss finden. Und zum Zeitpunkt der Übergabe einer gestürzten Person, haöte ich es zum Beispiel für überflüssig den 12-Kanal-EKG befund zu übermitteln. :wink: Betonung auf : Zum Zeitpunkt der Übergabe.

Übergibt man Patienten die an einem schweren Verkehrsunfall beteiligt waren wird das ganze natürlich spannend weil es da viel mehr Informationen zu bewerten gilt. Was ist wichtig was nicht.

An der Übergaben der schweren VKU erinnere ich mich ehrlich gesagt nicht mehr aber an die, der Leichten. :)

Herr XXX Unfall innerorts PKW-Fahrer. Ihm ist ein anderer PKW hinten drauf gefahren. Er war laut Zeugen nicht bewußtlos, klagt jedoch über Übelkeit und Schwindel, sonst beschwerdefrei und voll orientiert, Stiffneck ist Routine, Bodycheck war okay. Kreislaufstabil. Keine Vorerkrankungen bekannt.


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 Betreff des Beitrags: Re: Übergaben / Übernahmen
BeitragVerfasst: 18.10.11, 06:37 
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Administrator

Registriert: 15.09.04, 09:49
Beiträge: 7270
Wohnort: Bad Nauheim
Zur standardisierten Strukturierung der Übergabe gibt es Untersuchungen/Vorschläge:
Zitat:
Fazit: Vor allem konnte die Anzahl von NKE reduziert werden, ebenso kam es zu einer Verbesserung der Patientenübergabe nach Einführung des BAUM-Schemas. Es führte zu einer inhaltlichen Vervollständigung und bot dem Rettungsassistenten offenbar gleichzeitig eine geeignete Gliederung zur Wiedergabe. Damit kann sich das BAUM-Schema zur Strukturierung und Verbesserung der Patientenübergabe von Rettungsassistenten eignen und würde sich damit als Baustein zu Qualitätsverbesserung in der Notfallmedizin anbieten.
*NKE = negative Kommunikationsereignisse: Mißverständnisse, Durcheinanderreden, Kompetenzgerangel usw... (im Artikel ausführlich erläutert)
Quelle: "Kann durch eine einfache Schulung das Kommunikations- und Patientenübergabemanagement in der Notfallmedizin verbessert werden?" in Notfall Rettungsmed 2011 · 14:37–44, Vgl auch hier.

_________________
Herzlichen Gruss
Ihr Achim Jäckel
www.medizin-forum.de


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