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medizin-forum.de • Thema anzeigen - VU - Ein Leichtverletzter
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 Betreff des Beitrags: VU - Ein Leichtverletzter
BeitragVerfasst: 09.02.05, 09:14 
Hab auch mal ein Fallbeispiel für euch.
Fand ich vor allem Organisatorisch spannend.
Nachschicht KTW. Am selben Standort befindet sich auch noch ein RTW.
Um 21.30 geht der Piepser des RTW "Notarzteinsatz, bewusstlose Person". Wir bekommen noch mit, dass es eine laufende REA ist.
Drei Minuten später: Telefon klingelt, Leitstelle dran. Wir sollen auf den zweiten RTW umsteigen - VU - einmal leicht.
Anfahrt zur Unfallstelle (j.w.d.) 23 Minuten.
Bei Ankunft Schock :shock: :
Kleinwagen gegen Baum gerast, Wagen total schrott, Polizei bereits vor Ort.
So wie der Wagen nach dem ersten Bllick ausschaut ist da keiner mehr rausgekommen.
Wir gehen zum Funkwagen der Polizei.
Da stehen die Verletzten. Es sind 4 :!: Personen.
Alle geben an kaum Schmerzen zu haben und unverletzt zu sein.
Nochmals Betrachtung des KFZ:
- Einschlag des KFZ an der Beifahrerseite kurz vor der B-Säule
- B-Säule massiv in Richtung Rücksitz gequetscht
- Verankerung des Beifahrersitzes herausgerissen, Sitz liegt lose im Wagen
Der Fahrer (18 Jahre) gibt an er wäre mit 120 Km/h gefahren und ein Pflug eines Traktor hätte ihn gestreift, worauf er von der Fahrbahn gekommen sei.
Es hatt -5 Grad
Verletzungsmuster:
Fahrer männlich, 18 Jahre, ausgeprägte Gurtmarken, keine Schmerzen, keine weiteren offensichtlichen Verletzungen, guter Puls, RR OK.
Beifahrer weiblich, 17 Jahre, Gurtmarken auf der linken Körperseite, mittelstarke Schmerzen im Schulterbereich (rechts), sonst keine offensichtlichen Verletzungen, keine weiteren Schmerzpunkte, alle weiteren Werte gut.
Person hinten links, männlich, 15 Jahre, ausgeprägte Gurtmarken, keine Schmerzen, keine weiteren offensichtlichen Verletzungen, Werte gut.
Person hinten rechts, weiblich, 13 Jahre, ausgeprägte Gurtmarken, keine Schmerzen, keine weiteren offensichtlichen Verletzungen, Werte gut.
Rettungsmittel:
Unser RTW hatte die gleiche Anfahrtszeit wie wir zu ihrem Einsatz, der kann auch noch dauern.
Durch starken Nebel kann kein Heli anfliegen.
Der nächste RTW benötigt gute 35 bis 40 Minuten zu dieser Stelle. Der übernächste und weitere mindestens eine Stunde.
Es gibt an unserem Standort noch einen Hintergrundnotarzt aber nur mit Fahrzeug ohne Sonderanlage. Außerdem einen OrgL mit Sonderanlage und einen LNA ohne Sonderanlage.
Ich hab lang überlegt, was ich jetzt mach. Vorschläge :?:
Gruß Bambi


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 10.02.05, 20:43 
Hallo Bambi,

sag mal, wo gibt es denn eine sooo "dünne" Rettungsdienstbesetzung, vor allem auch, was den NA betrifft ? Ich arbeite ja auch in einem sehr ländlichen Gebiet Niedersachsens, aber nach 20-25 spätestens sind NA und RTW aus den benachbarten Wachen da... wunder ! Wenn alle Stricke reißen, haben wir auch noch eine sehr gute SEG, die innerhalb 10 min von unserer Wache ausrücken kann (mit RTW).

Also ich hätte in diesem Fall den NA Eures Standortes geholt und ihn von der Polizei mit SR begleiten lassen, damit es schneller geht. Bis dahin könnte man die Patienten, denen bei 5 Grad sicher kalt ist, mal in den RTW setzen (2 auf die Liege, 2 auf die Sitze) und die Vitalparameter feststellen. Aus Deiner recht genauen Beschreibung der Verletzungen shließe ich, daß ihr das gemacht habt.

Vom Zustand des Unfall-PKW hätte ich auch mit mehr Verletzungen gerechnet - da gebe ich Dir völlig recht. Aber ich hätte ehrlich gesagt auch als NA in diesem Fall keine weiteren Maßnahmen (Halskrause oder so) gemacht. Mag fahrlässig sein, aber die Verunfallten sind bis zu Eurem Eintreffen ja nun schon 25 min am Unfallort rumgelaufen und es geht ihnen immer noch gut (bei schweren inneren Verletzungen wäre dies wohl eher nicht der Fall) und instabile WS-Verletzungen halte ich daher auch eher für unwahrscheinlich.

Vermutlich hätte ich entweder alle vier Patienten mit dem RTW ins Krankenhaus gebracht, oder aufgeteilt. " im RTW, 2 mit NA in einem Polizeifahrzeug.

Bin sehr gespannt, wie es dann bei Euch gelaufen ist und was von den anderen hier noch für Vorschläge kommen.

Gruß von doc-in-not :wink:


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BeitragVerfasst: 11.02.05, 14:17 
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DMF-Mitglied

Registriert: 09.02.05, 09:26
Beiträge: 74
Hallo din.

Richtig, haben sie alle nacheinander (sonst wegen Überfüllung geschlossen) in den RTW verfrachtet und nen gründlichen Bodycheck gemacht. Beifahrerin und die 13 jährige Schwester haben von uns einen Stifneck verpasst bekommen. Zwar keine akuten Schmerzen, aber der Unfallmechanismus!!!
Die Beifahrerin haben wir dann im RTW auf der Liege behalten (Vakuummatraze), da die Schmerzen in der Schulter auf eine Schulterlux hingedeutet haben aber keine Fehlstellung zu erkennen war (Sicher ist sicher). Außerdem haben wir der Beifahrerin eine Infusion angelegt (NaCl, Zugang grün).
Zu den Rettungsmitteln (was hier wohl die spannendste Frage war).
Wir hätten auch noch einen SEG-RTW rufen können. der braucht ja aber bis zur besetzung auch locker 10 minuten und dann noch die Anfahrt.
Ich hab mich (wohl auch mit Magenschmerzen) zu ner anderen Lösung entschlossen.
Auch wenn´s etwas unkonventionell ist.
Mein Fahrer (RS) begleitet zwei Personen im Polizeifahrzeug und der Beifahrer des Polizeifahrzeuges fährt den RTW.
Weitere Kräfte wurden nicht gerufen.
Bis zum Krankenhaus ging dann auch alles gut. Nur die Leitstelle hat etwas komisch geschaut als ich dann 4 Namen für ein Fahrzeug durchgegeben hab.

Die dünne Besetzung hier ist übrigens deßhalb so, weil die "Ortschaft" in deren Nähe der Unfall war im Wald ist (Nur eine Zugangsstraße) und die anderen Wachen an uns vorbei fahren müssten.

Gruß Bambi

P.S. Was habt ihr eigentlich für nen Großraum-RTW?
Wenn du da 4 Patienten einen Natarzt und einen Sanni unterbringen willst?


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 13.02.05, 20:12 
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DMF-Moderator

Registriert: 30.01.05, 10:41
Beiträge: 983
Hi Bambi !

Was mir ausgesprochen gut gefällt, ist das Einfließenlassen des Unfallherganges in deine Entscheidungsfindung.

Zitat:
Bei Ankunft Schock Geschockt :
Kleinwagen gegen Baum gerast, Wagen total schrott


Ist zum Glück doch relativ gut ausgegangen, aber bei entsprechendem Unfallmechanismus, muß man auf schwere (wenn auch "nur" innerliche) Verletzungen vorbereitet sein.

Das Gesicht vom Disponenten kann ich mir vorstellen, dem war die Lösung wahrscheinlich zu flexibel :wink:

Gruß

Erbschwendtner

_________________
Dr.Ch. Erbschwendtner
Internist, LNA
Rett-Med
DMF-Moderator im Forum Rettungsdienst und präklinische Notfallmedizin


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 15.02.05, 09:54 
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DMF-Mitglied

Registriert: 09.02.05, 09:26
Beiträge: 74
Innerklinisch hat sich dann herausgestellt, dass das Mädel doch verletzt war (wenngleich auch eher gering für den Unfall).
Die Schultergelenkspfanne der rechten Schulter war teilweise abgesplittert.
Daher auch die Schmerzen.
Die anderen Kids wurden noch am selben Tag (Nacht) entlassen.
Das war wohl Glück.
Gruß
Bambi


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