Navigationspfad: Home
medizin-forum.de • Thema anzeigen - Wann MUSS ein Notarzt kommen?
Aktuelle Zeit: 17.12.17, 08:49

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 26 Beiträge ]  Gehe zu Seite Vorherige  1, 2
Autor Nachricht
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 02.11.10, 12:18 
Offline
DMF-Mitglied

Registriert: 07.10.10, 09:39
Beiträge: 54
Sternenman*** hat geschrieben:
VK-Retter hat geschrieben:
Was genau ist denn die Erwartungshaltung? Warum überhaupt der RD-Ruf? Das man den kurzfristig absetzt, weil man mit der Situation als Angehöriger überfordert ist, ist ja keine Schande und nur menschlich. ABer warum im nachhinein darauf bestehen? Dem Patienten hätte nicht (nur begrenzt) geholfen werden können, sein Leiden wäre damit - gegen seinen Willen - verlängert worden und es wäre ein Rettungsmittel gebunden worden, welches nicht für die Versorgung von echten Notfallpatienten zur Verfügung gestanden hätte.
Das ist in meinen Augen nicht zielführend. Statt agressiver Schuldzuweisung wäre in meinen Augen hier eine Bewältigung von Trauer und Verlust sinnvoller...


Lesen Sie bitten den Thread "Elektrolytenentgleisung" aufmerksam- da steht genau drin, worum es im Kern geht. Ihre Aussage über den Willen des Patienten ist FALSCH, denn DIE PATIENTIN SELBST WOLLTE; dass der Notruf abgesetzt wird- somit erübrigt sich alles weitere Gerede darüber- ob es noch möglich gewesen wäre Leiden zu lindern, das Sterben rauszuzögern oder wie auch immer. Selbst einem schwerstkranken, dem prognostiziert ist, dass er vielleicht nur noch wenige Tage, ja selbst Stunden zu leben hat( was im konkreten Fall aber gar nicht der Fall war), ist Notfallmedizinische Versorgung zu gewährleisten. Und was nun ECHTE Notfälle sind bzw. eben nicht, ich glaube darüber sich jetzt hier mit Ihnen rumzustreiten, bringt eh nichts, da werden sich schlauere Köpfe wie wir beide damit beschäftigen. So wie das jedenfalls gelaufen ist, so geht das nicht!

Ihre Ausführungen zu den von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmten Tonaufzeichnungen sind nicht ganz korrekt, denn ich habe sie selbstverständlich ALLE zusammen mit meinem Rechtsanwalt abgehört. Von Nebenklage usw usw- war hier auch nicht die Rede. Ich verstehe hier in dem Forum eines nicht- warum wird nie konkret auf die Ausgangsfrage eingegangen, das war im Thread Elektorlytenentgleisung schon so? Aber trotzdem Danke für Ihre Antwort. Finden werden Sie aber wohl auch mit Ihren Beziehungen beim DRK oder wo auch immer nichts, denn bisher ist der Fall eben noch nicht öffentlich gemacht- was aber wohl noch passieren könnte...

Gruß

Sternenman***


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 02.11.10, 15:13 
Offline
Interessierter

Registriert: 12.06.10, 20:47
Beiträge: 14
Wohnort: Berlin
erst wollt ich ja noch zur sache antworten ...
nach dem durchlesen des anderen threads erpar ich mir dies.
aktive verarbeitung geht anders, herr sterneman***
bei leuten wie ihnen wird mir einfach nur schlecht


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 02.11.10, 17:09 
Offline
DMF-Mitglied
DMF-Mitglied

Registriert: 10.09.07, 13:30
Beiträge: 4732
1. Was auch immer man sich denkt - persönliche Beleidigungen sind hier völlig fehl am Platz.
2. Hier ist ein Medizin- und kein Rechtsforum. Die Auskünfte hier können nicht umfassend sein.
3. Die Prüfung eines Einzelfalls ist im Internet nicht möglich, weil nahezu sämtliche Informationen fehlen.
4. Eine Antwort auf eine Frage kann auch falsch sein, wenn sie stimmt. Sie, Sternenmann, stellen eine Frage, die nicht eindeutig umfassend zu beantworten ist. Sie dürfen sich deshalb nicht beschweren, wenn Antworten auf eine gewisse Art und Weise ausweichend sind.

Um die Sache abzurunden und zu einem Ende zu bringen, lade ich Sternenmann ein, das Ergebnis der Ermittlungen und ein eventuelles Urteil hier einzustellen, damit daraus gelernt werden kann. Von allen. Eine vorherige weiterführende Diskussion ist schlicht nutzlos.

_________________
Augenarzt? Flatrate. Für nur 18 Euro all you can (tr)eat, ein ganzes Quartal lang! DAS ist heutige Gesundheitspolitik.


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 02.11.10, 19:29 
Offline
DMF-Moderator

Registriert: 06.03.05, 08:30
Beiträge: 4399
Wohnort: Hildesheim
Moin,

Ausgangsfrage...also gut, dann will ich es mal Versuchen:
Zitat:
wohnach richtet sich im Bundesland Bayern ein Disponent einer RLS (ILS) für die Entscheidung des einzusetzenden Rettungsmittels? Also wohnach entscheidet er?
Ist der "Notarztindikationskatalog" die einzige Entscheidungsgrundlage ob ein Notarzt zum Patienten kommt oder nicht?

Der Notarzteinsatzkatalog ist eine wichtige Entscheidungshilfe.
Aber er ist nicht die Einzige.
Wenn die Information nur lautet: "Atemstillstand" - dann ist die Sache klar: Notarzt mit Alerm umgehend zum Einsatzort.
Wenn es aber Zusatzinformationen gibt wie z.B. "Finalstadium", "tot aufgefunden", "schon kalt und/oder steif", dann muß die Notarzt-Indikation überdacht werden.

Zur Ergänzung und vollständigen Betrachtung nun die Informationen aus dem bereits zitierten Thread "Elektrolytentgleisung":
Zitat:
Grunderkrankung war allerdings ein metastasierendes Pankreaskopfkarzinom (also Bachspeicheldrüsentumor) - nicht operabel und sozusagen "austherapiert" und sie wurde für palliative Maßnahmen nach Hause nach langem Klinikaufenthalt entlassen, um die letzten Monate noch so angenehm wie möglich zu verleben. Aus den angegebenen Monaten wurden jedoch leider nur wenige Tage.

Eine wichtige Information.
Wußte das auch der Leitstellendisponent?
Wenn ja: Dann ist es aus meiner Sicht nicht falsch, die NA-Indikation zu überdenken.

Zitat:
Leider wurden ihre Elektrolytwerte im Blut wohl zu schlecht (sagen wir mal so: überhaupt nicht) von ihrem Hausarzt überwacht und innerhalb kürzester Zeit - so nach 8 Tagen seit der Entlassung aus der Klinik in das häusliche Umfeld verschlimmerte sich ihr Zustand innerhalb von wenigen Stundne derart rapide - was eben offenbar auf die Entgleisung der Elektrolyte im Blut zurückzuführen war. Kurze Zeit später ist sie dann - weil erst fast 4 Stunden später nach Absetzen eines Notrufes über 19222 ein Notarzt eingetroffen war, an den Folgen dieser Entgleisung verstorben.

Diese Behauptung können Sie nicht belegen.
Sie schreiben an anderer Stelle, die Diagnose "Elektrolytentgleisung" stand im Totenschein.
Das ist demnach eine absolut unbewiesene Verdachtsdiagnose.
Sie wurde aufgrund der Krankengeschichte angenommen.
Mehr nicht.

Zitat:
Im Gesamtzusammenhang geht es im Prinzip darum, ob eine - wie auch immer geartete Elektrolytenentgleisung - die nicht sofort behandelt wird - dann zu solchen gravierenden Flogen (Exitus) führen kann.

Die Antwort lautet: Ja, natürlich ist das möglich.

Zitat:
Es stellt sich allgemein die Frage, hätte eine schnellere Notfallbehandlung und ein Ausgleich der entgleisten Elektrolyte eine derartige Entwicklung verhindern können.

Und das genau ist der Punkt.
Man wird das nie beweisen können.
Möglicherweise war die Grunderkrankung schon so weit fortgeschritten, das hier auch mit schneller Hilfe keine Heilung möglich gewesen wäre.
Ein medizinischer Gutachter wird sich auf die Akte des Krankenhauses beziehen und da ist die Sachlage relativ eindeutig:
Zitat:
nicht operabel und sozusagen "austherapiert" und sie wurde für palliative Maßnahmen nach Hause nach langem Klinikaufenthalt entlassen, um die letzten Monate noch so angenehm wie möglich zu verleben.


Die Kernfrage ist: Wußte der Disponent von dem Grundleiden?
Wenn ja - dann hat er nicht unbedingt falsch gehandelt.

Wenn nein - dann hat er (je nach vorliegender information) evtl. doch einen Fehler gemacht.

Ob dieser Fehler allerdings zum Tod führte, wird man m.E. nicht beweisen können.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. A. Flaccus

_________________
Dr. A. Flaccus
Facharzt für Anästhesie
- Notfallmedizin -
DMF-Moderator


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 02.11.10, 21:49 
Offline
Administrator

Registriert: 15.09.04, 09:49
Beiträge: 7270
Wohnort: Bad Nauheim
Statistisch gesehen kommen spezifische Behandlungen von Elektrolytentgleisungen in der präklinischen Notfallmedizin ja eher selten vor, weil man ohne Laborwerte blind behandeln müsste.

In der Tat kommt aber dagegen oft vor, dass todkranke Patienten in ihren letzten Tagen vollkommen unnötig notfallmedizinische Maßnahmen, Transporte, quälende Untersuchungen, intensivmedizinische Maßnahmen fernab von ihrer Familie und ihrem vertrauten Umfeld erleiden müssen, weil die "fürsorglichen Angehörigen" es versäumt haben, mal über ein würdiges Sterben und ihre eigene Verantwortung nachzudenken und im offenen Gespräch gemeinsam mit dem Kranken eine sinnvolle Patientenverfügung aufgesetzt haben.

Ich für meinen Teil meine, dass vernunftbegabte erwachsene Kinder in solchen Fällen diejenigen sein müssten, auf die sich die erkrankten Eltern verlassen können sollten.

Zitat:
Grunderkrankung war allerdings ein metastasierendes Pankreaskopfkarzinom (also Bachspeicheldrüsentumor) - nicht operabel und sozusagen "austherapiert" und sie wurde für palliative Maßnahmen nach Hause nach langem Klinikaufenthalt entlassen, um die letzten Monate noch so angenehm wie möglich zu verleben. Aus den angegebenen Monaten wurden jedoch leider nur wenige Tage.


Einem solchen Patienten ein würdiges Sterben in seiner häuslichen/familiären Umgebung zu versagen, ist aus meiner Sicht ein humanitäres Versäumnis.

Mit großem Unverständnis lese ich hier, wenn Angehörige nicht mal uns Rettungs-Profis, Klinik- und Notärzten glauben mögen, dass man einem todgeweihten Patienten die letzte sinnlose "Geisterbahnfahrt" in die trostlose Klinikmedizin zu Gunsten einer mit dem Hausarzt konzipierten Palliativversorgung im vertrauten Kreis ersparen könnte.

_________________
Herzlichen Gruss
Ihr Achim Jäckel
www.medizin-forum.de


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 03.11.10, 11:40 
Offline
DMF-Mitglied

Registriert: 07.10.10, 09:39
Beiträge: 54
toha hat geschrieben:
erst wollt ich ja noch zur sache antworten ...
nach dem durchlesen des anderen threads erpar ich mir dies.
aktive verarbeitung geht anders, herr sterneman***
bei leuten wie ihnen wird mir einfach nur schlecht


Behalten Sie doch Ihren Senf für sich? HeRRR oder Frau TOBA tzzzz

Also unglaublich was Sie sich einbilden.


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 03.11.10, 11:45 
Offline
DMF-Mitglied

Registriert: 07.10.10, 09:39
Beiträge: 54
jaeckel hat geschrieben:
Statistisch gesehen kommen spezifische Behandlungen von Elektrolytentgleisungen in der präklinischen Notfallmedizin ja eher selten vor, weil man ohne Laborwerte blind behandeln müsste.

In der Tat kommt aber dagegen oft vor, dass todkranke Patienten in ihren letzten Tagen vollkommen unnötig notfallmedizinische Maßnahmen, Transporte, quälende Untersuchungen, intensivmedizinische Maßnahmen fernab von ihrer Familie und ihrem vertrauten Umfeld erleiden müssen, weil die "fürsorglichen Angehörigen" es versäumt haben, mal über ein würdiges Sterben und ihre eigene Verantwortung nachzudenken und im offenen Gespräch gemeinsam mit dem Kranken eine sinnvolle Patientenverfügung aufgesetzt haben.

Ich für meinen Teil meine, dass vernunftbegabte erwachsene Kinder in solchen Fällen diejenigen sein müssten, auf die sich die erkrankten Eltern verlassen können sollten.

Zitat:
Grunderkrankung war allerdings ein metastasierendes Pankreaskopfkarzinom (also Bachspeicheldrüsentumor) - nicht operabel und sozusagen "austherapiert" und sie wurde für palliative Maßnahmen nach Hause nach langem Klinikaufenthalt entlassen, um die letzten Monate noch so angenehm wie möglich zu verleben. Aus den angegebenen Monaten wurden jedoch leider nur wenige Tage.


Einem solchen Patienten ein würdiges Sterben in seiner häuslichen/familiären Umgebung zu versagen, ist aus meiner Sicht ein humanitäres Versäumnis.

Mit großem Unverständnis lese ich hier, wenn Angehörige nicht mal uns Rettungs-Profis, Klinik- und Notärzten glauben mögen, dass man einem todgeweihten Patienten die letzte sinnlose "Geisterbahnfahrt" in die trostlose Klinikmedizin zu Gunsten einer mit dem Hausarzt konzipierten Palliativversorgung im vertrauten Kreis ersparen könnte.


Vielen vielen Dank für den sehr guten Beitrag. Daran sollten sich hier manche Vorredner - auch im Thread Elektrolytenengleisung ein Beispiel nehmen. Höflich, verbindlich und sehr sachlich. Nochmals Danke

Gruß

Sternenman***


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 03.11.10, 11:48 
Offline
DMF-Mitglied

Registriert: 07.10.10, 09:39
Beiträge: 54
Dr. A. Flaccus hat geschrieben:
Moin,

Ausgangsfrage...also gut, dann will ich es mal Versuchen:
Zitat:
wohnach richtet sich im Bundesland Bayern ein Disponent einer RLS (ILS) für die Entscheidung des einzusetzenden Rettungsmittels? Also wohnach entscheidet er?
Ist der "Notarztindikationskatalog" die einzige Entscheidungsgrundlage ob ein Notarzt zum Patienten kommt oder nicht?

Der Notarzteinsatzkatalog ist eine wichtige Entscheidungshilfe.
Aber er ist nicht die Einzige.
Wenn die Information nur lautet: "Atemstillstand" - dann ist die Sache klar: Notarzt mit Alerm umgehend zum Einsatzort.
Wenn es aber Zusatzinformationen gibt wie z.B. "Finalstadium", "tot aufgefunden", "schon kalt und/oder steif", dann muß die Notarzt-Indikation überdacht werden.

Zur Ergänzung und vollständigen Betrachtung nun die Informationen aus dem bereits zitierten Thread "Elektrolytentgleisung":
Zitat:
Grunderkrankung war allerdings ein metastasierendes Pankreaskopfkarzinom (also Bachspeicheldrüsentumor) - nicht operabel und sozusagen "austherapiert" und sie wurde für palliative Maßnahmen nach Hause nach langem Klinikaufenthalt entlassen, um die letzten Monate noch so angenehm wie möglich zu verleben. Aus den angegebenen Monaten wurden jedoch leider nur wenige Tage.

Eine wichtige Information.
Wußte das auch der Leitstellendisponent?
Wenn ja: Dann ist es aus meiner Sicht nicht falsch, die NA-Indikation zu überdenken.

Zitat:
Leider wurden ihre Elektrolytwerte im Blut wohl zu schlecht (sagen wir mal so: überhaupt nicht) von ihrem Hausarzt überwacht und innerhalb kürzester Zeit - so nach 8 Tagen seit der Entlassung aus der Klinik in das häusliche Umfeld verschlimmerte sich ihr Zustand innerhalb von wenigen Stundne derart rapide - was eben offenbar auf die Entgleisung der Elektrolyte im Blut zurückzuführen war. Kurze Zeit später ist sie dann - weil erst fast 4 Stunden später nach Absetzen eines Notrufes über 19222 ein Notarzt eingetroffen war, an den Folgen dieser Entgleisung verstorben.

Diese Behauptung können Sie nicht belegen.
Sie schreiben an anderer Stelle, die Diagnose "Elektrolytentgleisung" stand im Totenschein.
Das ist demnach eine absolut unbewiesene Verdachtsdiagnose.
Sie wurde aufgrund der Krankengeschichte angenommen.
Mehr nicht.

Zitat:
Im Gesamtzusammenhang geht es im Prinzip darum, ob eine - wie auch immer geartete Elektrolytenentgleisung - die nicht sofort behandelt wird - dann zu solchen gravierenden Flogen (Exitus) führen kann.

Die Antwort lautet: Ja, natürlich ist das möglich.

Zitat:
Es stellt sich allgemein die Frage, hätte eine schnellere Notfallbehandlung und ein Ausgleich der entgleisten Elektrolyte eine derartige Entwicklung verhindern können.

Und das genau ist der Punkt.
Man wird das nie beweisen können.
Möglicherweise war die Grunderkrankung schon so weit fortgeschritten, das hier auch mit schneller Hilfe keine Heilung möglich gewesen wäre.
Ein medizinischer Gutachter wird sich auf die Akte des Krankenhauses beziehen und da ist die Sachlage relativ eindeutig:
Zitat:
nicht operabel und sozusagen "austherapiert" und sie wurde für palliative Maßnahmen nach Hause nach langem Klinikaufenthalt entlassen, um die letzten Monate noch so angenehm wie möglich zu verleben.


Die Kernfrage ist: Wußte der Disponent von dem Grundleiden?
Wenn ja - dann hat er nicht unbedingt falsch gehandelt.

Wenn nein - dann hat er (je nach vorliegender information) evtl. doch einen Fehler gemacht.

Ob dieser Fehler allerdings zum Tod führte, wird man m.E. nicht beweisen können.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. A. Flaccus


Danke auch für Ihren Beitrag- er ist sehr sachlich und freundlich. Was man von Toha's Beitrag nicht gerade behaupten kann.


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 03.11.10, 18:50 
Offline
DMF-Mitglied
DMF-Mitglied

Registriert: 27.01.07, 13:57
Beiträge: 364
Wohnort: Schwarzwald
Es wäre nett, wenn du uns mal erklären könntest, was bei den Gesprächen mit den Leitstellendisponenten genau gesagt wurde.
Zu den abgehörten Tonbandaufnahmen: Ich gehe davon aus, daß sie nur diejenigen abgehört haben, die ihre Mutter betreffen. Alles andere wäre Datenschutztechnisch nicht möglich.


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 12.11.10, 23:01 
Offline
noch neu hier

Registriert: 01.10.10, 20:10
Beiträge: 1
Hallo,
mit sehr großem Interesse habe ich die bisherige Diskission mitverfolgt.

Um auf die Kernfrage zurückzukommen besteht eine Notarztindikation in Bayern bei folgenden Meldebildern:
1. Notfallbeschreibung (N)
N 1 Vermutlich Schwerverletzte oder mehrere Verletzte (Unfallmechanismus)
N 2 Sturz aus großer Höhe (mehr als 3 Meter)
N 3 Wasser-, Ertrinkungs-, Tauch- und Eisunfälle
N 4 eingeklemmte oder verschüttete Personen
N 5 Verbrennungen, Verbrühungen, Verätzungen größeren Ausmaßes (> 10 % der Körperoberfläche oder im Gesichtsbereich)
N 6 Suizid, suizidale Handlung
N 7 Schuss-, Stich-, Hiebverletzungen im Kopf-, Hals- oder Rumpfbereich
N 8 unmittelbar bevorstehende oder stattgefundene Geburt
2. Zustandsbeschreibung (Z)
Z 1 Bewusstseinsstörungen
Z 2 Atemstörungen
Z 3 Kreislaufstörungen
Z 4 Starke Schmerzen
Z 5 Akute Lähmung
(näheres siehe nachfolgendes/beiliegendes Schema)
3. Ausschlusskriterien für Notarzteinsatz (A)
A 1 Schmerzen, die nicht unter Z 4 fallen (z.B. chronische Kopfschmerzen, Gelenk-, Bauchschmerzen, Menstruationsbeschwerden, Bandscheibenschmerzen)
A 2 Atembeschwerden (schon länger bestehend) oder unter Ausschluss Z 2
A 3 Bluthochdruck-, Rhythmusstörungen ohne Begleiterscheinungen (Atmung, Kreislauf)
A 4 „Kleine“ Frakturen oder Amputationen (z.B. Finger, Zehen)
Schema zu 2.
Störungen/Meldebild
Zustand
Hinweiszeichen (Beispiele)
Z 1: Bewusstsein
Reagiert nicht oder nicht adäquat auf Ansprache und Rütteln
Z 2: Atmung
Ausgeprägte oder akute zunehmende Atemnot, Zyanose, Atemstillstand
deutlicher Stridor, Lungenödem, schwerer Asthmaanfall, Aspiration, Thoraxtrauma, (Inhalations-) Vergiftung, Anaphylaxie
Z 3: Herz/Kreislauf
Ausgeprägte oder zunehmende Schockzeichen, Kreislaufstillstand, Kreislaufinsuffizienz
entgleister Hypertonus
Herzrhythmusstörungen
Deutliche RR-Abweichungen bei Erwachsenen (systolisch über 220 mmHg), mit Symptomen, Tachykardie, Bradykardie, Arrhythmie mit Symptomen, Anaphylaxie, akutes Koronarsyndrom
Z 4: Starke Schmerzen
Akut auftretende (schlagartig), zunehmende, stechende oder atemunabhängige Schmerzen (Vernichtungsschmerz)
Spezielle Lokalisationen:
z. B. Thorax (retrosternal, bandförmig mit Ausstrahlung),Hinweis auf akutes Koronarsyndrom
Abdomen (krampfartig, schlagartig beginnend mit großer Intensität),
Kopf (schlagartig, heftigst)
Z 5: Akute Lähmung
Akuter motorischer und/oder sensibler Ausfall
Zustand nach Trauma (WS), Sprach-/Seh-/Gehstörungen, Halbseitenlähmung

Quelle: STMI Bayern

soviel zur Kernfrage bezüglich den NAIK (Notarzteinsatzindikation)

Ein ähnlich gelagerter Fall wurde vor kurzem beim LG München beschrieben:

Eine Gruppe stark alkoholisterter Jugendlicher wählten in der Landeshauptstadt die Notrufnummer 112, ein Saufkumpane sei nicht mehr in der Lage gewesen gerade zu stehen und sei somnolent. Der Leitstellendisponent verwehrte jedenfalls die Entsendung eines RTW´s mit dem Hinweis, dass es nicht Aufgabe des Rettungsdienstes sei, Betrunkenentaxi zu spielen. Die Eltern des betrunkenen Jugendlichen verbrachten diesen in eine Klinik, wo er Intensivmedizinisch mit 1,? Promille überwacht und am nächsten Tag entlassen wurde. Die Eltern zeigten den Leitstellenbeamten wegen unterlassene Hilfeleistung an.
Interessant war die Argumentation der Richterin die den Freispruch des Beamten damit begründete, dass es durchaus Aufgabe des Leitstellendisponent sei, "echte Notfälle" von "Falschen Notfällen" "herauszufiltern", gerade um Notarzt- und Rettungs -wägen für echte Notfälle in Vorhaltung zu haben.

Sicher ist ein Krebspatient der präfinal Zuhause ist, kein Alkoholisierter Jugendlicher!
Es wäre daher mit Sicherheit interessant, wie der Notfall am Telefon geschildert wurde, um einen Eindruck zu bekommen, welches Meldebild dem Disponent vorlag.

Ich möchte hier beim bessten Willen keinen in Schutz nehmen, ich bin der Meinung, dass derjenige der Hilfe benötigt, diese auch umgehend und zeitnah erhalten sollte.
Genau deswegen kann ich auch unter Umständen das Verhalten des Disponenten nachvollziehen. Durch meine Arbeit als Rettungsassistent kenne ich es leider, dass wirklich wichtige Einsätze (Cardia 1(Herzinfarkt) , Hausarztpraxis, Luftlinie 75 m vom aktuellen Einsatzort) verzögert werden, weil man als Besatzung bei einem uneinsichtigen Patient, der wegen einer Lapalie den Rettungsdienst gerufen hat, gebunden ist.
Man darf eines nicht außer Acht lassen, allein im Leitstellenbereich der BF München gehen innerhalb von 24 Stunden ca. 3500 Notrufe ein. Das heißt in einer 12 Stundenschicht 1500 Anrufe auf 12 Disponenten verteilt... macht nach Adam Riese für jeden Disponent 125 Einsaätze die es zu Dispositionieren gilt und zu selektieren ob tatsächlich ein Notfall vorliegt oder nicht!
Wer selbst einmal auf euf einer Leitstelle Dienst versehen hat, kann es vielleicht nachvollziehen, dass es zum Teil gar nicht so einfach ist, wie man sich es als "Normal Sterblicher" vorstellt.
Was ich damit Aussagen wollte ist, dass bei der Annahme von "Notrufen" durchaus ein subjektiver Eindruck beim Disponenten entsteht, wie der "Notfall" weiter zu händeln ist.

Wie gesagt, es wäre sicherlich Interessant, um einen objektiven Eindruck, weg von allen Vorurteilen, zu erhalten, was gemeldet wurde.

Ich hoffe ein wenig geholfen zu haben.
Mit freundlichen Grüßen
Freebandit

PS.: Rechtscheibfehler sind gewollt und sollen zum Schmunzeln anregen...


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 13.11.10, 13:45 
Offline
DMF-Mitglied

Registriert: 07.10.10, 09:39
Beiträge: 54
freebandit hat geschrieben:
Ich möchte hier beim bessten Willen keinen in Schutz nehmen, ich bin der Meinung, dass derjenige der Hilfe benötigt, diese auch umgehend und zeitnah erhalten sollte.
Genau deswegen kann ich auch unter Umständen das Verhalten des Disponenten nachvollziehen. Durch meine Arbeit als Rettungsassistent kenne ich es leider, dass wirklich wichtige Einsätze (Cardia 1(Herzinfarkt) , Hausarztpraxis, Luftlinie 75 m vom aktuellen Einsatzort) verzögert werden, weil man als Besatzung bei einem uneinsichtigen Patient, der wegen einer Lapalie den Rettungsdienst gerufen hat, gebunden ist.
Man darf eines nicht außer Acht lassen, allein im Leitstellenbereich der BF München gehen innerhalb von 24 Stunden ca. 3500 Notrufe ein. Das heißt in einer 12 Stundenschicht 1500 Anrufe auf 12 Disponenten verteilt... macht nach Adam Riese für jeden Disponent 125 Einsaätze die es zu Dispositionieren gilt und zu selektieren ob tatsächlich ein Notfall vorliegt oder nicht!
Wer selbst einmal auf euf einer Leitstelle Dienst versehen hat, kann es vielleicht nachvollziehen, dass es zum Teil gar nicht so einfach ist, wie man sich es als "Normal Sterblicher" vorstellt.
Was ich damit Aussagen wollte ist, dass bei der Annahme von "Notrufen" durchaus ein subjektiver Eindruck beim Disponenten entsteht, wie der "Notfall" weiter zu händeln ist.

Wie gesagt, es wäre sicherlich Interessant, um einen objektiven Eindruck, weg von allen Vorurteilen, zu erhalten, was gemeldet wurde.

Ich hoffe ein wenig geholfen zu haben.
Mit freundlichen Grüßen
Freebandit

PS.: Rechtscheibfehler sind gewollt und sollen zum Schmunzeln anregen...


Danke für den aus meiner Sicht sehr sachlichen und guten Beitrag. Dass hier allgemein der Wunsch besteht, die beschlagnahmten Audiodateien auch mal zu hören, kann ich gut verstehten- geht jedeoch leider nicht, da das Verfahren (Ermittlungsverfahren, Anklage der Staatsanwaltschaft beim zuständigen Gericht usw usw.) nicht rechtskräftig abgeschlossen ist. Es ist auch davon auszugehen, dass das eher länger dauern wird. Ich hab von vergleichbaren Fällen gehört, in denen erst nach über 5 Jahren die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen wurden. Ich denke auch, ich würde ich die Dateien ohnehin nicht einstellen, da diese Dateien offizielle Bestandteile der Ermittlungsakten sind und nur mir bzw. mir mit anwaltlicher Begleitung zugänglich sind - oder eben den Beschuldigten. Ich kann nur soviel noch dazu sagen. Der Fall hat sich nicht in einer Großstadt zugetragen sondern eher in einem kleinem beschaulichen Städtchen, mit einer doch überschaubaren RLS, jetzt ILS. Und von Überlastung war an dem besagten Abend wahrlich nicht zu reden. Zu den Telefonaten ansich, ist noch eins anzumerken, dass da zum Teil über Dinge geredet wurde (teilweise fast 15 Minuten), die mit dem Fall gar nix zu tun hatten - über Politik, über das Gesundheitssystem in unserem Land überhaupt usw usw.... einfach erschütternd, wenn man solche Telefonate (geführt zwischen Hausarzt und Disponenten, teiweise sogar mit extremen Beleidigungen versehen...) hört und zuhause eine Patientin lag, die Hilfe brauchte und auch WOLLTE, um das noch mal ganz klar herauszustellen - es war der Wunsch der Patientin selbst. Über die Streitfrage ob einem Krebspatienten im "finalen Stadium", Notfallmedizin zur Verfügung stehen sollte, bin ich der Meinung - ja. Denn was heißt schon "Finales Stadium"?

Stunden? Tage? Wochen? Monate? Wenn man es nämlich mal so sieht - wir alle müssen sterben (und Gott sei Dank auch Ärzte) und somit befinden wir uns alle im "Finalen Stadium" - irgendwie jedenfalls - ist zwar eine sehr philosophische Ansicht. Und wem steht es überhaupt zu, zu bewerten - ob die Patientin nicht doch noch - bei entsprechender Hilfe - einige Zeit bei doch schmerzfreier Lebensqualität hätte leben können? Bei der Entlassung aus dem Krankenhaus nur wenige Tage vor dem Vorfall, war wirklich absolut nicht damit zu rechnen, dass das dann so derart dramitische Ausmaße in so kurzer Zeit annimmt.

In diesem Sinne

Gruß

Sternenman***


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 26 Beiträge ]  Gehe zu Seite Vorherige  1, 2

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 5 Gäste


Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.

Suche nach:
Powered by phpBB® Forum Software © phpBB Group
Deutsche Übersetzung durch phpBB.de
Karma functions powered by Karma MOD © 2007, 2009 m157y
© Deutsches Medizin Forum 1995-2017. Ein Dienst der Medizin Forum AG, Hochwaldstraße 18 , D-61231 Bad Nauheim ,HRB 2159, Amtsgericht Friedberg/Hessen, Tel. 03212 1129675, Fax. 03212 1129675, Mail jaeckel@medizin-forum.de. Plazieren Sie Ihre Werbung wirkungsvoll! Hier finden Sie unsere Mediadaten!