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medizin-forum.de • Thema anzeigen - Stichverletzung durch die Ehefrau
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 Betreff des Beitrags: Stichverletzung durch die Ehefrau
BeitragVerfasst: 06.02.05, 17:47 
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DMF-Moderator

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Beiträge: 983
Hallo Leute!

Wieder einmal ein Fall, dieses Mal nichts internistisches :lol:

Anforderung: Ehestreit, möglicherweise Messerstecherei

alarmierte Einsatzkräfte: NAW (Anfahrtszeit 20 min), RTW (8 min), örtlicher Allgemeinmediziner.

Situation vor Ort: Polizei, vor Ort, Pat. männlich liegt auf Trage RTW, deutliche Atemnot bei bekannter COPD, vom Arzt wurde bereits ein Zugang (rosa) gesetzt und 500 ml Ringer angehängt.

Inspektion: Stichverletzungen Hals unterhalb des Kehlkopfes und an der rechten Halsseite, Stichverletzung linke vordere Thoraxhälfte im Mamillenhöhe. Hautemphysem rechte Halsseite und linke Thoraxwand.

Umlagern auf NAW Trage, massive Zunahme der Atemnot. Parallel wird im NAW alles für die weitere Versorgung vorbereitet.

Vitalparameter (noch im RTW) 170/80; Puls 100/min; AF 20/min; SaO2 92 tendenz rasch fallend.

Vorschläge ? :?:

Weiterer Verlauf folgt

Gruß

Erbschwendtner

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Dr.Ch. Erbschwendtner
Internist, LNA
Rett-Med
DMF-Moderator im Forum Rettungsdienst und präklinische Notfallmedizin


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 07.02.05, 00:32 
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DMF-Mitglied

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Beiträge: 20
Wohnort: Leer (Ostfriesland)
Moin!

Na gut, versuch ich's mal: :?

Monitoring (RR, EKG, SpO2) setz ich mal voraus, Oberkörperhochlage auch

Was machen denn die Atemgeräusche mit und ohne Stethoskop?
- spastisch von der Vorerkrankung?
- oder eher auf Pneumothorax DD Hämatothorax hinweisend?

Wobei nach Dauer der NAW- Anfahrt der relativ gute Druck u.U. gegen eine intrathorakale Blutung spricht, also auch wohl gegen eine schwere Verletzung der Hals- und Claviculagefässe. By the way: wie stark sind denn überhaupt die Blutungen?

Wie groß war das Messer, was für eine Klinge wurde benutzt und wie tief ist sie vermutlich eingedrungen? Also mal die Polizei um die Tatwaffe zur Ansicht bitten.
Da die Frau zugestochen hat, geht man ja wohl empirisch von einem Stichkanal von oben nach unten eindringend aus, oder? Wer ganz genau ist, fragt nach Position von Angreiferin und Opfer während beider Stiche!

Bei der Thoraxverletzung links ggf. Herzbeteiligung (Herzbeuteltamponade? Hab ich noch nie erlebt, müsste also für die Symptome jetzt nachkucken, kann ich draussen aber auch nicht...)

Unabhängig davon bekommt der Patient natürlich Sauerstoff und ich würde die HA-Nadel durch zwei großlumige Zugänge ersetzen bzw. ergänzen., erst mal VEL (Vollelektrolytlösung) . HAES bereitliegend..

Nach auskultatorischem Befund also schon mal Intubation und Thoraxdrainage vorbereiten, während über die passende Analgesie/ Anästhesie nachgedacht werden darf (spar ich mir jetzt, wird schon woanders konstruktiv diskutiert :wink: )

Nun bin ich mal wieder gespannt... :shock:

Gruß
Andreas


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 07.02.05, 03:54 
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Interessierter

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Wohnort: Hückelhoven und Freudenstadt
Nach Übergabe des Patienten an den NAW:

Weitere Aufklärung durch die RTW Besatzung mit Hilfe des örtlichen Allgemeinmediziners (Hausarzt des o.g. Patienten?) bei gesichertem Szenario und Ausschluß einer Gefährdung für alle Beteiligten:

- Reichen die alarmierten Kräfte vor Ort noch aus? Oder sind weitere Verletzte/Erkrankte zu erwarten? Ganz wichtig: Sind Kinder unmittelbar betroffen?

- Fremdanamnese zum Patienten im NAW

- falls möglich: Kreuzbluttransport in die aufnehmende Klinik mit Maximalversorgung durch den RTW

Im NAW:

Nach Erreichen des NAW wird der Patient in Schocklage gebracht. Anschließend werden sämtliche Befunde (siehe unten) überprüft sowie das Monitoring (Pulsoxymetrie, NIBP, EKG) angeschlossen und fortgeführt. Der Patient wird per Maske mit 15 l/min Sauerstoff präoxygeniert und erhält zwei weitere großvolumige (möglichst 14G), periphervenöse Zugänge am linken Arm und/oder der unteren Extremitäten; Labor-, Kreuzblut werden abgenommen, eine BZ-Bestimmung wird primär vernachlässigt. Es folgt sodann hierüber die Volumensubstitution mit an G20: 500 ml Ringer, G14: 500 ml Ringer und G14: 500 ml HAES 6% oder HyperHAES 7,2%. Parallel werden eine Rapid Sequence Induction, Notfallkoniotomie und eine Thoraxpunktion nach Monaldi vorbereitet.

Zitat:
Stichverletzungen Hals unterhalb des Kehlkopfes und an der rechten Halsseite [mit] Hautemphysem rechte Halsseite


:arrow: dringender Verdacht einer Gefäßverletzung, insbesondere der Aa. carotidis externa et. interna und Eröffnung einer Vene (CAVE: Luftembolie)

- Ist eine arterielle Blutung sichtbar und sind cranial der Verletzung beidseits Carotispulse palpabel?

- neurologischer Status: Paresen? Motorik und Sensibilität der Extremitäten? Glasgow Coma Scale?

:arrow: dringender Verdacht einer penetrierenden Verletzung der Trachea und des Kehlkopfes

- Tritt Luft aus den Wunden und ist das Sputum blutig?

- Heiserkeit bzw. Sprachverlust?

Nach lokaler Untersuchung werden die Wunden am Hals mit einer "luftdichten" sterilen Kompresse versorgt. Auch in Hinblick auf die Intubation findet nun wiederholt eine orale Inspektion statt.

Zitat:
Stichverletzung linke vordere Thoraxhälfte im Mamillenhöhe. Hautemphysem [mit] linke Thoraxwand


:arrow: dringender Verdacht eines (Spannungs-)pneumothorax, Hämatothorax mit Verletzung intrathorakaler Organe und Gefäße

- Auskultations-, Palpations-, Perkussionsbefunde?

- Atmung paradox? Obere Einflussstauung?

- EKG-Interpretation?

- Sind die peripheren Pulse palpabel und wie ist die Rekapillarisierung?

- Hautkolorit?

- (kalt-)schweißiger Aspekt?

- COPD exazerbiert?

Auch hier wieder anschließende Wundversorgung nach lokaler Inspektion.

Zitat:
deutliche Atemnot bei bekannter COPD [...] Umlagern auf NAW Trage, massive Zunahme der Atemnot.

Vitalparameter (noch im RTW) 170/80; Puls 100/min; AF 20/min; SaO2 92 tendenz rasch fallend.




Allgemeine Fragen zum Patienten:

- Alter, Gewicht, Vorerkrankungen, Allergien, häusliche Medikation

- Nikotin-, C2H5OH-Abusus?

- Ist der Patient nach o.g. Maßnahmen den Umständen entsprechend im Verlauf hämodynamisch und respiratorisch stabil? Zwischenfälle, Ereignisse, Komplikationen?

- Ist der Patient agitiert?

Allgemeine Fragen zur Logistik:

- Steht ein RTH zur Verfügung?

- Entfernung zu Krankenhäuser der Maximal- bzw. Regelversorgung?

Über die weiteren Maßnahmen jetzt schon zu diskutieren, wäre wohl verfrüht! Ganz gespannt, wie es weitergeht... :D

@ doc-in-not: Ich würde mich freuen, wenn Du auch hier wieder mit überzeugenden Argumenten dabei bist. Vielleicht darf ich Dir ja diesmal Fenta anbieten. :) Später an anderer Stelle mehr dazu.

_________________
Mit freundlichem Gruß

Philipp Rüdiger Vondeberg (22)
Rettungsassistent


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 Betreff des Beitrags: Viele Fragen - Antworten ?
BeitragVerfasst: 07.02.05, 09:29 
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DMF-Moderator

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Beiträge: 983
Hallo !

Viele diese Fragen habe ich mir auch gestellt.

So ist es weitergegangen:
:arrow: Einladen in den NAW
:arrow: RR 160 syst. HF 140 / min. Atmung 35 / min. SaO2 72 %
:arrow: Hautemphyseme wie beschrieben, zunehmend bds. AG li schwächer, bronchitische obstruktive RGs laut rechts.

Zeit für weitere Anamnese ?

Hausarzt ist auch in NAW eingestiegen und erzählt neben der Versorgung des Patienten, daß die Situation bei sozial eher sehr einfachen Verhältnissen unter C2 Einfluß der Ehefrau eskaliert ist. Frau hat dreimal zugestochen, dann hat ihr der Mann das Messer weggenommen und der Frau in den Oberschenkel gestochen, sie sei stabil und von bereits verbunden worden. Der Mann rauche trotz COPD noch relativ viel.

Inspektion:
:arrow: keine wesentlichen Blutungen nach außen, jedoch Luftaustritt aus der medianen Stichverletzung am Hals (ca. 1 cm breite Wunde)
:arrow: keine wesentliche Blutung aus Stichverletzung thorakal
:arrow: keine wesentliche Blutung oder Hämatombildung an der lateralen Stichwunde am Hals.

Versorgung:
also der Vorschlag von Andreas wurde umgesetzt, zwei Zugänge braun und Ringer dran.


Zitat:
Im NAW:

Nach Erreichen des NAW wird der Patient in Schocklage gebracht. Anschließend werden sämtliche Befunde (siehe unten) überprüft sowie das Monitoring (Pulsoxymetrie, NIBP, EKG) angeschlossen und fortgeführt. Der Patient wird per Maske mit 15 l/min Sauerstoff präoxygeniert und erhält zwei weitere großvolumige (möglichst 14G), periphervenöse Zugänge am linken Arm und/oder der unteren Extremitäten; Labor-, Kreuzblut werden abgenommen, eine BZ-Bestimmung wird primär vernachlässigt. Es folgt sodann hierüber die Volumensubstitution mit an G20: 500 ml Ringer, G14: 500 ml Ringer und G14: 500 ml HAES 6% oder HyperHAES 7,2%. Parallel werden eine Rapid Sequence Induction, Notfallkoniotomie und eine Thoraxpunktion nach Monaldi vorbereitet


@ RettA:
:?: Wieso Schocklage
:arrow: Monitoring und O2 ganz deiner Meinung
:?: Warum Zugänge nur links oder am Bein ?
:arrow: Blutabnahme: okay erfolgte
:?: 1000 ml Ringer + Hyperhaes oder Haes ? - hypovolämer Schock ?
:arrow: Rapid Sequence Induction :arrow: super :!:
:arrow: Notfallkoniotomie :arrow: Der Mann denkt mit :!: Die Intubation bei dem Trauma könnte schwierig werden, Critical Airway Management
:arrow: Thoraxpunktion

Fortsetzung folgt ...

Gruß

Erbschwendtner

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Dr.Ch. Erbschwendtner
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DMF-Moderator im Forum Rettungsdienst und präklinische Notfallmedizin


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 07.02.05, 09:31 
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Beiträge: 20
Wohnort: Leer (Ostfriesland)
@RettA

NAW ist vor Ort, also sind mindestens 20 Minuten + Alarmzeit seit der Tat vergangen, Polizei ist vor Ort, Pat. bereits in RTW-Versorgung

RR 170/80, COPD und die Stichverletzung im Thorax sprechen m.E. gegen eine Schocklage und auch gegen eine Verletzung der A. carotis oder einer großen Vene. Da wäre das ganze Geschehen noch einen Tick dramatischer würd ich meinen...

Auch hätte ich Zweifel bei der "luftdichten Abdeckung"! Nach allem was ich gelernt habe, kann das die Entstehung eines Spannungspneus massiv begünstigen, weil Ventilmechanismen erst recht zum Tragen kommen

Ich lass mich aber gerne in allen Punkten eins Besseren belehren, man lernt ja nicht aus.
Ansonsten Respekt, woran Du alles denkst!

Gruß Andreas


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 07.02.05, 17:47 
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Wohnort: Hückelhoven und Freudenstadt
Zitat:
Wieso Schocklage?


Der Begriff "Schocklage" scheint im ersten Moment zu verwirren. Bei penetrierenden Verletzungen des Halses mit Verdacht der Eröffnung einer Vene, sollte der Patient in Schocklage (vielleicht besser: Trendelenburglage) gebracht werden, um eine Luftembolie zu vermeiden.

Zitat:
Warum Zugänge nur links oder am Bein?


Um eine Extravasation proximal des periphervenösen Zugangs zu verhindern.

Zitat:
1000 ml Ringer + Hyperhaes oder Haes? - hypovolämer Schock?


Ja. Bis jetzt wurden Deinerseits noch keine "eindeutigen Schockzeichen" benannt. Aber: Verletzungsmuster und die Gefahr, dass der Patient den Blutverlust/Schock anfangs kompensiert, sollten initial mit einer agressiven Volumenersatztherapie beantwortet werden.

@ Andreas: Meine "luftdichte Abdeckung" bezieht sich nur auf die Wundversorgung am Hals. Stichwort: Luftembolie
Inhalt meiner Rettungsassistentenausbildung war auch die Wundversorgung bei offenen und penetrierenden Thoraxverletzungen: Vergessen und nicht notiert! :mrgreen: Treppen- oder Stufenverband :?: Echt, keine Ahnung...

Zitat:
Zeit für weitere Anamnese?


Immer diese rhetorischen Fragen: Auch im NAW wird in puncto Vorbereitung, Assistenz und Durchführung der Maßnahmen eine kleine Ewigkeit vergehen, so dass meine gewünschten Untersuchungen vom Notarzt zeitlich parallel erfolgen können. Trotzdem und ohne Zeitverlust: Sobald die Rapid Sequence Induction mit Notfallkoniotomie steht, wird intubiert und beatmet.

Es ist noch nicht alles gesagt, viele Fragen bleiben offen und unbeantwortet! Wie es weitergeht, ich bin gespannt! :lol:

_________________
Mit freundlichem Gruß

Philipp Rüdiger Vondeberg (22)
Rettungsassistent


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 07.02.05, 19:48 
hallo, hier ein paar gedanken zu dem thema, die mir so durch den kopf gegangen sind:

1. wenn die verletzung wirklich sicher unterhalb des kehlkopfes ist, sehe ich nicht in wie fern eine koniotomie helfen könnte.

2. wenn ein hämatothorax erwogen wird, halte ich eine drainage nach bülau für sinnvoller als eine nach monaldi.

3. klinische bzw. paraklinische zeichen auf die im hinblick auf tamponade und spannungspneu noch geachtet werden sollte, sind trachealverlagerung, evtl. leise ht (obwohl die bei copd nicht selten ohnehin schon leise sind), klopfschall udn im ekg niedervoltage bzw. elektrischer alternans.

4. bei einem spannungspneu würde ich weniger ein abgeschwächtes als vielmehr ein nichtmehr vorhandenes atemgeräusch auf der betroffenen seite erwarten.

5. habe mal irgendwo gelesen, dass copd'ler eher weniger zu spannungspneu neigen, weil die erniedrigte elastizität der lunge einem vollständigen kollabs entgegenwirkt.

6. wenn der pat. spastisch ist, dann könnte eine broncholyse +/- steroid zur verbesserung des zustandes beitragen.

7. einen drohenden schock mit haes und/oder ringer zu behandeln mag diskutabel sein. aber ohne evidente hypovolämie und bei einem druck von 170/min halte ich z.b. das elektrolyt-derrangement durch hyperhaes für mehr oder weniger fahrlässig. ausserdem scheint mir eine weitere erhöhung des blutdrucks das risiko einer blutung eher noch zu verstärken. von den einflüssen von haes auf die hämostase gar nicht erst zu sprechen.

8. von dem moment an, in dem der patient intubiert ist und beatmet wird, ist vermehrt auf das auftreten eines spannungspneu zu achten.

9. obwohl ich es für unwahrscheinlich halte, dass eine stichwunde in den hals und eine auf höhe des 5. icr die v. subclavia, axillaris o.ä. verletzen: wenn die möchlichkeit besteht, auf der anderen seite einen zugang zu legen, kann sicherlich nicht schaden. auf der anderen seite ist die möglichkeit wie ich finde unwahrscheinlich genug, um, wenn das irgendwie unpraktikabel oder zeitaufwändig ist, eben doch am linken arm zugänge anzubringen, wenn erforderlich.


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 08.02.05, 11:38 
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DMF-Moderator

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Hallo !

Ohne auf den weiteren Verlauf eingehen zu wollen, möchte ich einfach ein paar Dinge, die oben gesagt wurden, kommentieren, um die Lage vor Ort anschaulicher zu gestalten und die Gedanken vor Ort einfließen zu lassen.

Zitat:
1. wenn die verletzung wirklich sicher unterhalb des kehlkopfes ist, sehe ich nicht in wie fern eine koniotomie helfen könnte.


:arrow: Die Überlegung war nicht einen neuen Zugang (= Koniotomie) zu setzten, sondern die Wunde als Zugangsweg zu nutzen. Daher chirurgisches Besteck und Notkoniotomieset bereitgelegt.


Zitat:
4. bei einem spannungspneu würde ich weniger ein abgeschwächtes als vielmehr ein nichtmehr vorhandenes atemgeräusch auf der betroffenen seite erwarten


:arrow: Ob das links abgeschwächtes oder nur von rechts vorgeleitetes Giemen war, hat man nicht unterscheiden können (Distanzgiemen !); Klopfschall war hypersonor.

Zitat:
9. obwohl ich es für unwahrscheinlich halte, dass eine stichwunde in den hals und eine auf höhe des 5. icr die v. subclavia, axillaris o.ä. verletzen: wenn die möchlichkeit besteht, auf der anderen seite einen zugang zu legen, kann sicherlich nicht schaden. auf der anderen seite ist die möglichkeit wie ich finde unwahrscheinlich genug, um, wenn das irgendwie unpraktikabel oder zeitaufwändig ist, eben doch am linken arm zugänge anzubringen, wenn erforderlich.

Zitat:
Zitat:
Warum Zugänge nur links oder am Bein?

Um eine Extravasation proximal des periphervenösen Zugangs zu verhindern.


:arrow: Die Idee nicht links zu stechen (V.a. V.subclavia Verletzung) ist mir noch plausibel, wenn die Verletzung dafür doch relativ tief ist.
Rechts nicht zu stechen, ist mir immer noch nicht klar, der Abfluß des rechten Arms geht ja nicht über die V. Jug. int oder ext.

:arrow: Eine Verletzung der großen Gefässe erschien vor Ort unwahrscheinlich, da der Stichkanal, ganz lateral gelegen und ohne nenneswerte Blutung (bei 170 syst. RR) war.

Zitat:
Zitat:
Zeit für weitere Anamnese?

Immer diese rhetorischen Fragen: Auch im NAW wird in puncto Vorbereitung, Assistenz und Durchführung der Maßnahmen eine kleine Ewigkeit vergehen, so dass meine gewünschten Untersuchungen vom Notarzt zeitlich parallel erfolgen können. Trotzdem und ohne Zeitverlust: Sobald die Rapid Sequence Induction mit Notfallkoniotomie steht, wird intubiert und beatmet.

:arrow: Die war nicht rhetorisch gemeint ! Angesicht eines Patienten der rapidest verfällt, ist da noch Zeit um alle die Dinge zu erfragen.
:arrow: Beim Aussteigen (Doc) Anweisung an RA (Beifahrer) alles für Intubation herzurichten (Medika + Equipment)
:arrow: Beim Umlagern auf NAW Trage kurze Inspektion und Untersuchung
:arrow: Anweisung an RA (Fahrer) chirurgisches Besteck bereitzulegen.
:arrow: Da vorbereitete Sets, beim EInladen des Patienten, alles bereits fertig.

Fortsetzung folgt

Gruß

Erbschwendtner

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Dr.Ch. Erbschwendtner
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BeitragVerfasst: 10.02.05, 21:03 
Hallo Forum,

bin ja etwas spät dran, wollte aber doch noch ein paar Worte zu dem Fall sagen.

Also Schocklage hätte ich bei einem bekannten COPD-Patienten, der dazu noch "pfeift" nur gemacht, wenn er wirklich schockig ist (und dann würde ich vorher intubieren). Ansonsten wird durch diese Lagerung bei COPD-Patienten die Atmung drastisch verschlechtert.
Auch mit einer massiven Volumengabe wäre ich hier vorsichtig gewesen, da ich bei COPD ein Cor pulmonale mit Rechtsherzinsuffizienz vermuten würde und es durch massiv Volumen zu einer kardialen Dekompensation kommen könnte.

Zur Frage einer Kopf-Tief-Lagerung zur Vermeidung einer Luftembolie: Ich weiß nicht, wie das aktuell mit Trauma-Patienten gehandhabt wird. In der Versorgung von Tauchunfällen wird diese Trendelberg (nicht Trendelenburg)-Lagerung nicht mehr praktiziert, da hierunter das Risiko eines Hirnödemes steigt (Empfehlung des Arbeitskreises Notfallmedizin und Rettungswesen der LMU München bei Tauchunfällen).

Diese Messerstickverletzungen sind sehr schwer in ihrem Ausmaß einzuschätzen, werden eher unterschätzt, da bei scharfen und schmalen Klingen nur ganz geringe Hautwunden sichtbar sind. Wenn mir die Zeit bleibt, taste ich die Einstiche mit sterilen Handschuhen aus, um mir ein "Bild" über die Tiefe und Stichrichtung machen zu können. Zum Glück kommt das ja nicht so häufig vor...

Einen herzlichen Gruß doc-in-not :wink:


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BeitragVerfasst: 11.02.05, 21:47 
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Beiträge: 36
Hallo Doc-in-not!
Einen Stichkanal auszutasten mit oder ohne sterile Handschuhe halte ich persönlich für keine glückliche Aktion. Welche Information kann man daraus wirklich gewinnen, die einem in seiner Entscheidungsfindung weiterhilft?? Aber vielleicht setze ich damit erst eine Blutung die mich in Bedrängnis bringt.


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BeitragVerfasst: 12.02.05, 10:56 
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Beiträge: 30
Wohnort: Deutschland
Akut Lebensbedrohlich ist die Tatsache, daß keine Luft mehr reingeht. Bei Verdacht auf Spannungspneu ist eine Entlastung angebracht, wobei bei man bei Verletzungen der großen Luftwege natürlich schlechte Karten hat, damit etwas entscheidend zu verbessern.

Eine Koniotomie (bzw. hier: Tracheotomie) und dazu noch durch den Stichkanal halte ich persönlich für heldenhaft und nur als ultima ratio Maßnahme angebracht.

Als Hauptstrategie bei diesem Patienten (nach Versuch der Behebung der dringlichen "Atemproblematik") würde ich scoop and run empfehlen, auch unter der Inkaufnahme einer etwaigen Hypotension bei geringem Volumenersatz. Alle präklinischen Maßnahmen, die nicht der absolut unmittelbaren Abwendung des Versterbens dienen sind m. E. bei diesem Verletzungsmuster nur prognoseverschlechternd und damit kontraindiziert.

Eine schönen Samstag wünscht, G. Ast! :)


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BeitragVerfasst: 12.02.05, 19:32 
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DMF-Moderator

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Beiträge: 983
Hallo Leute !

Die Idee mit Scoop and run ist gut, aber der Patient verfällt rapidest und das nächste (nicht geeignete) KH ist mindestens 25, das nächste geeignete Zentrum fast 50 Fahrminuten entfernt. Der nächste NAH war damals 17 Flugminuten entfernt stationiert.

Weiterer Verlauf:
:arrow: 2. großlumiger Zugang
:arrow: Rapid Sequence Induction (Propofol, Fentanyl, Succi)
:arrow: Intubation 9,0 OT problemlos möglich, Notfalltracheotomie über Wunde vorberitet
:arrow: Minithorakotomie und Anlage einer Drainage
:arrow: Ignorieren der oberflächlichen Wunde am Halsrand.
:arrow: Nach Stabilisierung keimfreier Verband aller Wunden.
:arrow: parallel trifft der (Anforderung der Exekutive vei Übernahme des Patienten angeordnet) NAH ein.
Gesamtversorgungszeit von Eintreffen bis NAH laut Zeiten der Leitstelle (Statusmeldungen) 19 min.

Ergebnis:
Versorgung der Halswunden durch HNO, die Trachea auf ca 1 cm Breite eröffnet
Extubation am Folgetag, Drainage Entfernung nach 4 Tagen ohne Probleme.

Gruß

Erbschwendtner

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Dr.Ch. Erbschwendtner
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