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medizin-forum.de • Thema anzeigen - Fallbeispiel: GCS 3 nach Unfall
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 Betreff des Beitrags: Fallbeispiel: GCS 3 nach Unfall
BeitragVerfasst: 12.08.10, 17:36 
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DMF-Moderator

Registriert: 06.03.05, 08:30
Beiträge: 4393
Wohnort: Hildesheim
Moin, moin,

hier wie versprochen das Fallbeispiel als Ergänzung zum Thread Atemwegssicherung.

1 Uhr nachts.
NEF wird alarmiert zu "VU mit bewußtloser Person".
Strasse innerorts, Polizei und RTW schon vor Ort, Patient liegt bereits auf der Trage im RTW.
Anamnese: Pat sei plötzlich auf die Straße vor das Auto gelaufen und förmlich "auf die Haube gesprungen" (so die Fahrerin). Dann habe er sich abgerollt und sei leblos auf der Strasse liegengeblieben.

Befund:
Pat. (mediteranner Abstammung, ca. 20 Jahre, viele angetrunkene Freunde warten vor dem RTW) liegt entkleidet und mit geschlossenen Augen auf der Trage.
Atmung leicht hyperventlierend, SpO2 97% unter Raumluft.
Bodychek: Absolut keine äußeren Verletzungen.
Reaktion auf Ansprachen: Keine.
Schmerzreiz (Kneifen in Arm, Bein und Bauch): Ohne Reaktion.
Pupillen: eng, sehr schwer zu beurteilende, träge Lichtreaktion.
Cornealreflex: vorhanden.
RR 110/70, Herzfreq.: 115/min., Atemfreq. ca. 20/min.
V.a. Foetor alc., aber nicht massiv.

Begutachtung Auto: Keine größere Beule, Winschutzscheibe unversehrt, ca. 10 m angedeutete Bremsspur.

Weg in die nächste Klinik: 15 - 20 min. Fahrzeit.

Und nun?

Bitte Vorschläge für´s weitere Procedere...

Gruß
A. Flaccus

_________________
Dr. A. Flaccus
Facharzt für Anästhesie
- Notfallmedizin -
DMF-Moderator


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BeitragVerfasst: 12.08.10, 18:15 
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Registriert: 06.07.05, 19:31
Beiträge: 475
Wohnort: England, Newcastle
Puh,

erste Gedanke, das Offensichtliche, Trauma, scheint aufgrund der bisheringen Anamnese nicht sicher. Keine äußeren Anzeichen für Verletzungen, keine Anhalte am Fahrzeug.
Leichter foetor, also gefeiert, von der Beschreibung des Unfallhergangs, euphorisiertes Verhalten vor dem Unfall, oder suicid Versuch?
Also... er ist kreislaufstabil, vermutlich unverletzt aber GCS 3. BZ Messung und stabile Seitenlage unter vollem Monitoring. In der Seitenlage würde ich überprüfen ob er einen Güdeltubus akzeptiert, hauptsächlich zur Überprüfung ob er seinen eigenen Atemweg schützt, Cornealreflex war ja noch vorhanden.
Fremdanamnese durch RD Personal durchführen lassen, Medikamente, Drogen, Vorerkrankungen etc. Milde Tachykardie bei engen Pupillen..... Normale Reflexe peripher?
Ich glaube ich würde so transportieren wenn sich nichts in der Fremdanamnese findet.

Ich werd nicht schlau, außer psychischer Ausnahmezustand habe ich so weit nichts...

_________________
mfg Marcus

Urban Search and Rescue Paramedic


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BeitragVerfasst: 12.08.10, 20:53 
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Registriert: 06.03.05, 08:30
Beiträge: 4393
Wohnort: Hildesheim
BZ ist normal.
Guedeltubus?
Hm...während alle Extremitäten extrem schlaff sind, läßt sich der Mund nur mit einiger Kraft etwas öffnen...

_________________
Dr. A. Flaccus
Facharzt für Anästhesie
- Notfallmedizin -
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BeitragVerfasst: 12.08.10, 22:24 
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Registriert: 06.07.05, 19:31
Beiträge: 475
Wohnort: England, Newcastle
hmm.....
ist der Eindruck mehr eines hohen Muskeltonus in der Kiefermuskulatur oder macht der Patient aktiv dicht?
Irgendetwas in der Fremdanamese über ein Krampfleiden?
Wie schaut es mit der Bulbusbewegung aus?

_________________
mfg Marcus

Urban Search and Rescue Paramedic


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 13.08.10, 01:51 
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Registriert: 27.02.06, 11:39
Beiträge: 299
Wohnort: Reutlingen (D Ba-Wü)
Hmm, die Schilderung lässt vermuten, dass nicht das Trauma als Ursache für die GCS von 3 angenommen wird.

Folgendes Procedere wäre wohl bei uns hier üblich:

A: Bei GCS 3 Atemweg gefährdet, HWS-Verletzung nicht auszuschliessen >> HWS-Immobilisation, Lagerung Spineboard, Intubation
B & C: stabil, jedoch würden mich Tachycardie und Tachypnoe auf ein möglicherweise drohenden Schock vermuten lassen (Hautzustand?) >> 1 großlumiger Zugang, Blutentnahme, kristalloide Infusion
D: BZ normal, GCS 3
E: kein Anhalt auf Verletzungen

So, nun gehts in den Schockraum. Unklare Bewußtlosigkeit nach VU.
Wiedereinmal einer dieser fragwürdigen Schockraumalarme, aber ohne besseres Wissen würde ich es so machen bzw. dem Notarzt raten, auch wenn der Unfallhergang ein schweres Trauma nach Aussage der Fahrerin und dem Aussehen des Fahrzeugs nicht erwarten lässt.
Vermutlich liegt dem ganzen ein Intox oder psychischer Grund zugrunde, somit wäre der Pat mit den o.g. Maßnahmen überversorgt, aber woher soll man es wissen.

Grüße

M. Bela

_________________
Lehrrettungsassistent / ILS-Disponent / QMB
"Gut gemeint" ist nicht gut genug.
Skype: m.bela77


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