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medizin-forum.de • Thema anzeigen - Insulin bei Schädelhirntrauma
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 Betreff des Beitrags: Insulin bei Schädelhirntrauma
BeitragVerfasst: 15.05.10, 09:05 
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Registriert: 16.08.09, 15:25
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Hallo zusammen,
seit einiger Zeit führen wir Insulin mit bei uns auf dem NEF. Es soll beim SHT bei erhöhtem ICP indiziert sein um den Hirndruck zu senken. Kann mir vielleicht jemanden den genauen Wirkungsmechanismus erklären?
Dankeschön.


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BeitragVerfasst: 15.05.10, 10:04 
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Beiträge: 475
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Hallo Cleo

Patienten mit einem erhöhten ICP entwickeln eine manchmal signifikante Hyperglykaemie die mit verlängerter Beatmungszeit und generell schlechterem outcome verbunden ist. Es gibt eine single centre Studie von van Dyke et. al. die recht positive Auswirkungen einer strengen normoglykaemischen Therapie zeigte. Die Studie war allerdings nur single centre und der Trauma Anteil war sehr gering. Meyer et. al. haben 2008 in einer multi centre Studie mit einem realistischen Patientenmix diese Befunde relativiert. Es ist z.Z. Evidenzlevel 3.... also so viel Wert wie griechische bonds.
Die meisten Patienten die wir im RD mit erhöhtem ICP antreffen sind Traumapatienten die wahrscheinlich nicht von diesem Therapieansatz profitieren.
Die hyperglykaemie fördert das intra cranielle ödem da hyperglykaemie zu Gewebeazidose fuehrt.... Mannitol und Diuretika sind bei der Hirndrucksenkung wesentlich effektiver.
Es ist eine recht sensible Therapie da hypoglykaemie wiederum den ICP erhöht... Ich würde mir diese Gratwanderung bei einem kritisch kranken/verletzten Patienten nicht zutrauen neben Allem anderen was noch zu tun ist bei dem geringen Benefit...


Mfg Marcus


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BeitragVerfasst: 15.05.10, 11:20 
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Beiträge: 275
Wohnort: Köln/Magdeburg
Auf jeden Fall!
DIe Studienlage ist mehr als kritisch zu bewerten und wie schon gesagt wurde ist das Handling vor Ort sehr, sehr schwierig!
Ich halte also - zumindest im RD - nicht viel davon.
Selbst Manitol und Co werden in der Präklinik (Sonderfälle mal ausgenommen) ja noch/wieder kritisch diskutiert.

Halte das ganze für einen (typisch deutschen) Schnellschuss a la ÄLRD hat neue Studie gelesen und vergessen ihre empirische Relevanz/EBL zu prüfen...!

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Quid pro quo?


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BeitragVerfasst: 20.05.10, 12:53 
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Beiträge: 11
Wohnort: Viersen
Dankeschön für die schnellen Antworten!


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BeitragVerfasst: 21.05.10, 06:09 
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Registriert: 30.01.05, 10:41
Beiträge: 983
Guten Morgen!

Es gibt mittlerweile eine sehr gute Datenlage, die für eine (unter engmaschiger Kontrolle) nahe normoglykämische Blutzuckerkontrolle des chirurgischen Intensivpatienten spricht.

Für die Präklinik ist die Suppe noch sehr dünn, die Hypoglykämie ist als prognoseverschlechtender Faktor sicher nicht zu unterschätzen, daher wird vor einer breiten Empfehlung sicher noch viel Forschung notwendig sein.

mfG

Erbschwendtner

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Dr.Ch. Erbschwendtner
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BeitragVerfasst: 06.06.10, 17:59 
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Registriert: 28.02.05, 20:02
Beiträge: 71
Dr. Ch. Erbschwendtner hat geschrieben:
Es gibt mittlerweile eine sehr gute Datenlage, die für eine (unter engmaschiger Kontrolle) nahe normoglykämische Blutzuckerkontrolle des chirurgischen Intensivpatienten spricht.



Hallo,

seit VISEP und NICE-SUGAR ist die intensivierte Insulintherapie auf Intensivstationen Geschichte...


Gruß


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BeitragVerfasst: 24.06.10, 18:51 
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DMF-Moderator

Registriert: 30.01.05, 10:41
Beiträge: 983
Hallo !

Zitat:
seit VISEP und NICE-SUGAR ist die intensivierte Insulintherapie auf Intensivstationen Geschichte...



Die Welt ist halt nicht nur schwarz oder weiss.

In NICE-Sugar war die "konventionelle" Gruppe im Schnitt ja knapp über 140 (Zielbereich 140 - 180), während die "intensivierte" Gruppe im Schnitt auf knapp über 100 "nüchtern" eingestellt war. Dies repräsentiert ja nich die früher gängige Praxis mit häufig Werten um 200 wieder.

In den Fachgesellschaften wird heftig über die Problematik diskutiert, tatsächlich ist die Datenlage unter Berücksichtigung der letzten Studien nicht eindeutig,.

Ein vorrangiges Problem dürfte bei guter BZ-Einstellung der Vermeidung der Hypoglykämie zukommen.

Es bedarf sicher weiterer Untersuchungen, um die offenen Fragen zu klären:
- präexsitenter DM versus Nichtdiabetiker
- welcher Patient mit welchem Krankheitsbild profitiert von welchen BZ-Werten.

Ein sehr interessantes Thema, bin gespannt, was die Zukunft bringen wird.

mfG

Erbschwendtner

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Dr.Ch. Erbschwendtner
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