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medizin-forum.de • Thema anzeigen - Nitrospray bei hypertensiver Krise?
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 Betreff des Beitrags: Nitrospray bei hypertensiver Krise?
BeitragVerfasst: 22.01.10, 14:24 
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Hallo,
Hatten letztens einen Patienten mit einem Blutdruck von 230 mmHg sys. Eine zerebrale Ursache konnte man nicht ausschließen.
Habe mal "gehört", dass NitroSpray nicht zur Blutdrucksenkung verwendet werden darf. Frage nun: Warum darf man Nitro Spray nicht zur Blutdrucksenkung bei möglicher zerebraler Ursache verwenden?

Besten Dank
nebel

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Man hat nicht verloren, wenn man zu Boden geht...man hat erst verloren, wenn man nicht wieder aufsteht !!


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BeitragVerfasst: 22.01.10, 16:52 
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Hallo Nebel

stell dir mal bildlich vor wie Nitrate im Körper wirken. Größtenteils venöse aber partiell auch arterielle Vasodilatation mit erhöhung des Blutflusses. Ebenso wird der Blutdruck gesenkt.
Bei einer Embolie im Gehirn würde durch Autoregulation der RR steigen um eine Restdurchblutung sicher zu stellen, dem würdest du entgegen wirken. Blutdrucksenkung in diesem Falle nur bei extrem hohen Druckverhältnissen und kontrolliert langsam bis zu 30% in der ersten Stunde mit Urapidil oder ähnlichem. Die Wirkung von Nitraten ist schwer einschätzbar was die Blutdrucksenkung betrifft und es kann in manchen Fällen sogar die Autoregulation außer Kraft setzen. Zusätzlich würdest du durch die venöse dilatation den Hirndruck erhöhen welches die Blutdrucksenkung zusätzlich schädlich werden lässt und dem startenden Ödem in die Hände spielt.
In einem hämorrhagischen Vorfall würdest du die Blutung verschlimmern durch den erhöhten Blutfluss und der erhöhte Hirndruck würde sich mit der Druckerhöhung der Blutung addieren.

Es gibt einfach besser geeignete Medikamente um im Falle einer hypertensiven Krise die ja zu diesem Zeitpunkt eine unklare Genese hat den Blutdruck zu senken.


Ich hoffe das beantworted deine Fragen.

mfg Marcus


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BeitragVerfasst: 22.01.10, 18:11 
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Dem Paramedicwissen kann ich nur noch hinzufügen, dass Nitro-Spray keine Zulassung als Antihypertensivum hat. Es wird zwar oft von Ärzten und evtl. auch von Rettungsfachpersonal dafür verwendet, aber es gibt bessere Medikamente zum Blutdrucksenken, sofern kein Thoraxschmerz vorhanden ist.

Grüße

Markus Bela

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BeitragVerfasst: 22.01.10, 19:38 
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Gerüchten zufolge besteht mittlerweile eine Zulassung zur RR-Senkung bei Hypertensiver Krise mit koronarer Symptomatik.
Soweit ich der RotenListe glauben darf besteht diese Zulassung aber nur für das i.v.-Produkt.
Die Indikation ist auf jeden Fall sehr eng gesetzt und gerade bei neurologischer Symptomatik eher kontraindiziert.

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Quid pro quo?


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BeitragVerfasst: 23.01.10, 21:56 
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ich ging von der Anwendung sublingualer Darreichungsformen aus (Tablette, Spray). Die i.v. Variante ist bei uns für viele andere Anwendungen zugelassen.
- Aufhebung adrenerger Vasokonstriktion
- prolongierte hypotension unter Vollnarkose zur Blutungsminimierung
- perioperative Blutdruckregulierung
- Erhöhung des cerebralen Blutflusses bei der Wiedererwärmung


Alles nicht gerade präklinik denke ich. Ich habe keine Zulassung für i.v. Nitrate und dadurch einige Lücken was die Indikationen betrifft. Wenn VK sagt in der RL sei die Indikation hypertonie aufgenommen nach Ausschluss eines cerebrovaskulären Ereignisses hat es sich für die Präklinik auch schon wieder erledigt.

mfg Marcus


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BeitragVerfasst: 24.01.10, 12:45 
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So ist das.
Obwohl es durchaus Rettungsdienstbereiche in Deutschland gibt in denen der Algorhythmus vorgibt bei Hypertensiver Krise mit kardiovaskulärer Symptomatik (ohne neurologische Symptomatik oder andere KIs natürlich) den RR mit NitroSpray zu senken...
...und das in der Regelkompetenzvorgabe für RettAss durch den ÄLRD.

Bei neurologische Symptomatik ist dann natürlich Urapidil angesagt.
Warum man dieses Risiko eingeht weiß ich nicht, aber so ist das in der Medizin.
Ist ja eigentlich auch einleuchtend bei cardialen Sachen Nitro zu nehmen, nur kann man ja wie schon gesagt präklinisch eine vorhergehende oder begleitende neurologische Sache nie sicher ausschließen...

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BeitragVerfasst: 24.01.10, 20:26 
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Wie VK-Retter beschrieben gibts bei uns die EVMs für NitroSpray und Urapidil, wobei NitroSpray beim ACS mit RR > 120 mmHG sys. die Vorgabe ist. Mir ist aber noch kein Patient mit thorakalen Beschwerden im hypertensiven Notfall mit neurologischer Begleiterscheinung untergekommen. Für den Fall dass es mal passiert würde ich Urapidil wählen.

Grüße

Markus Bela

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BeitragVerfasst: 25.01.10, 20:28 
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Vielen Dank für die sehr guten interessanten Antworten.

Zitat:
...Bei einer Embolie im Gehirn würde durch Autoregulation der RR steigen um eine Restdurchblutung sicher zu stellen, dem würdest du entgegen wirken. Blutdrucksenkung in diesem Falle nur bei extrem hohen Druckverhältnissen und kontrolliert langsam bis zu 30% in der ersten Stunde mit Urapidil oder ähnlichem....


Das Unterlassen einer unkontrollierte RR-Senkung bei einer zerebralen Ursache war mir bekannt. Meine Frage sollte eigentlich mehr auf das zu verwendete Präparat abzielen. Jedoch muss ich eingestehen, dass meine offene Fragestellung evtl. auch zu anderen Antworten verleiten lässt :lol:

Zitat:
... Die Wirkung von Nitraten ist schwer einschätzbar was die Blutdrucksenkung betrifft ...

Vielen Dank

Zitat:
...und es kann in manchen Fällen sogar die Autoregulation außer Kraft setzen...

...und genau darauf zielte meine Frage ab. Die Beeinflussung der Autoregulation durch Nitrate habe ich mal "gehört", jedoch bisher keine weitere zuverlässige Quelle gefunden.
Ich hoffe, dass mir jremand diese Beeinflussung genauer erklären kann.
Ich vermute mal, dass die Nebenwirkung "Kopfschmerz" auch damit zu erklären ist.

Grüße und allen einen schöenen Abend

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BeitragVerfasst: 03.02.10, 19:30 
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Der sog. Nitratkopfschmerz kommt durch die venöse Gefäßerweiterung in den Meningen.

Grüße

Markus Bela

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BeitragVerfasst: 18.04.10, 10:58 
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Ganz einfach :

Nitrospray ist für die Blutdrucksenkung NICHT zugelassen !

Zwischen Theorie und Praxis bestehen aber Unterschiede, wenn du verstehst was ich meine.

Ob du nun als verantwortlicher RettAss auf dem RTW nun Nitro bei hypertensiver Krise verabreichst im Rahmen der Notkompetenz oder nicht, bleibt dir überlassen, nur WENN du das machen solltest, dann sorge im Vorfeld für einen sicheren Venenzugang, falls der Patient abschmieren sollte. Nitro ist dahingehend nicht zu unterschätzen.

Mittel der Wahl bei hypertensiven Entgleisungen ist und bleibt vorerst Ebrantil / Urapidl


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BeitragVerfasst: 18.04.10, 13:09 
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Hallo Nebel

die Frage wie genau Nitrate Probleme bei der Autoregulation bereiten kann ich dir leider nicht beantworten, vieleicht kann edies einer der Ärzte. Was der Grund sein kann, ist das NO und Derivate ein wichtiger Bestandteil der cerebralen Autoregulation sind und deshalb eine Zufuhr von Außen diese negativ beeinflusst.
http://www.nature.com/jcbfm/journal/v23 ... 1406a.html
Dieser Artikel befasst sich mehr mit natürlichen NO Spiegeln im Blut nach Schädel-Hirn-Trauma als Indikator für das Verhalten der Autoregulation nach Trauma aber im rein physiologischen Teil wird auf die Autoregulation und den Anteil den No derivate haben eingegangen. Hoffe es hilft dir ein wenig, habe leider keinen deutschen Abstrakt gefunden.

@RettAss911
Ich glaube Nebel war nicht nur auf die Anwendung durch RAs aus, sondern auf den physiologischen / pharmakologischen Hintergrund warum Nitrate ungeeignet sind. Ärzten ist der "off-label" Gebrauch durchaus gestattet und ich erinnere mich das es in D gang und gebe war sicher auch weil viele HÄ oder auch NÄ wenn sie nicht aus der Inneren kommen mit Urapidil wenig Erfahrung haben und sich deshalb lieber mit einem Medikament beholfen haben das sie kennen und beherschen.

Mfg Marcus


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BeitragVerfasst: 20.04.10, 19:33 
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Interessierter

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Das mag sein, dass die Hausärzte oder Notärzte sich auf Medis beziehen die sie kennen, doch sollte JEDER Notarzt Urapidil kennen und wissen das Nitro-Spray für die Blutdrucksenkung NICHT FREIGEGEBEN ist und wenn es in die Hose geht sie dafür den Kopf hinhalten müssen.

Wie gesagt, es bleibt einem jedem selbst überlassen, denn wir haben alle gelernt und wissen was wir tun, oder nicht ?


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BeitragVerfasst: 20.04.10, 20:24 
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Hallo 911,

ich gebe dir völlig recht das es wünschenswert wäre wenn jeder Arzt mit jedem gängigen Medikament Erfahrung hätte, dies ist aber bei der Vielfallt der heutigen Medikamente und der immensen Spezialisierungstiefe des Arztberufes langsam jenseits des menschlich machbaren. Mir persönlich ist es dann lieber der Behandelnde Arzt fällt auf ein Medikamenz zurück das er sicher beherrsch und das den Job erledigt, als das er ein Medikament benutzt ds auf dem Papier besser geeignet ist er aber null Erfahrung damit hat und sich dabei unsicher fühlt oder mögliche unerwünschte Wirkungen folglich nicht beherscht und der Patient unnötig Schaden nimmt.

Korregieren muss ich dich bei einer Kleinigkeit. Jedes auf dem deutschen Markt zugelassene Medikament ist für einen Arzt für jegliche Anwendung freigegeben. Dies ist teil der Therapiefreiheit in Deutschland. Obwohl Nitrate nicht als Antihypertensivum zugelassen sind, darf ein Arzt sie im sogenannten "off label use" offiziell als solches einsetzen. Andere Heilberufe dürfen dies nicht. Es gibt viele solcher Beispiele. Nitrate zur Blutdrucksenkung oder zur Spasmolyse (Galle, Niere etc.) Glucagon zur Herzkraftsteigerung bei z.B. Betablockerintoxukation usw. Die Liste ist lang. RAs sollten natürlich von Alle dem die Finger lassen.


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