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medizin-forum.de • Thema anzeigen - Gibt es Leute die krank sein wollen?
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 Betreff des Beitrags: Gibt es Leute die krank sein wollen?
BeitragVerfasst: 13.01.09, 14:41 
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Kann sich hier jemand vorstellen, daß jemand enttäuscht ist wenn er keine "schlimmen" Befunde bekommt, und harmlose Mittel nicht nehmen will die seine Beschwerden sicher lindern können, und statt dessen sich extrem restriktiv ernährt, obwohl das nur vorübergehend hilft? Was könnte dafür die Ursache sein? Es handelt sich um einen Erwachsenen, er hat adhs , ich spreche aber hier nicht von Ritalin etc... Er bildet sich absolut ein, eine Autoimmunerkrankung zu haben, obwohl das schon sicher widerlegt wurde.
kann das eine Art von Münchhausen Syndrom sein?

_________________
samira


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 Betreff des Beitrags: Münchhausen-Syndrom
BeitragVerfasst: 20.01.09, 15:01 
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hallo Samira,
ja, solche fälle gibt es!
ob es sich hier tatsächlich um ein münchhausen-syndrom handel ist so weder zu bestätigen, noch zu widerlegen, dazu reichen die angaben nicht aus.
es ist aber vermutlich zu einem teil eine form des auf-sich-aufmerksam-machens.
mal anders betrachtet, was heisst denn ADS /ADHS = aufmerksamkeits-defizit-(hyperaktivität)-syndrom?
diese patienten haben genau dieses problem mit ihrer umgebung, mit ihren bezugspersonen, eigentlich mit jedem, mit dem sie in kontakt treten.
sie stellen zwar eine beziehung her, empfinden diese aber nicht in form einer ausreichenden "objektpräsenz", sondern als defizitär. daraus resultiert ein ständiges auf-sich-aufmerksam-machen, wobei jedes mittel recht ist, um eine erneute, aber weider unzureichend empfundene zuwendung zu bekommen.
aber auch andere formen neurotischer abwehrmechanismen können hier ursächlich sein.
hoffe, dass hilft dir etwas weiter, auch wenn es an dem problem zunächst nichts ändern kann.
LG nail


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BeitragVerfasst: 21.01.09, 21:23 
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Guten Abend,

ich wollte nur mal einwerfen, dass das sg. "Münchhausen-Syndrom", welches auch als Pseudologie oder notorisches Lügen bezeichnet wird, eine psychische Erkrankung ist, bei der der Patient ein Lügengebäude um sich aufbaut. Das bezieht sich meist auf seine Lebenssituation.

Menschen die bezüglich ihres physischen Zustandes lügen bzw. sich Krankheiten ersehnen sind dann wohl eher Hyppochonder..und was diesen Bekannten angeht ist es wohl nochmal eine speziellere Sache. Durch das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADS) lassen sich da ganz andere Rückschlüsse ziehen.

Ich kann aus persönlicher Erfahrung sagen, dass ich gerne krank war. Psychische Krankheiten kann man nicht sehen, da kümmert sich niemand um einen. Aber wenn man eine Krankheit hat, die man sehen kann oder die zumindest geläufiger und einwandfrei beweisbar ist ("handfest", "greifbar") kümmern sich alle um einen. Man bekommt die so dringend benötigte Aufmerksamkeit.

Lg


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BeitragVerfasst: 25.11.09, 23:04 
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auch wenn der Beitrag schon etwas älter ist...
Zitat:
daraus resultiert ein ständiges auf-sich-aufmerksam-machen, wobei jedes mittel recht ist, um eine erneute, aber weider unzureichend empfundene zuwendung zu bekommen.


Das stimmt so nicht, ist aber eine häufige Fehlbeschreibung. Dass ADHS-ler Probleme in Beziehungen haben, ist häufig. Es liegt aber an anderen Dingen, wie z. B. Impulsivität oder dem Anschein von Desinteresse an einer Person. "Aufmerksamkeits-Defizit" heißt nicht, dass man zu wenig Aufmerksamkeit bekommt (dann wäre es ja keine Krankheit, sondern ein soziales Problem), sondern dass man nicht "aufmerksam" sein kann, d. h., sich schlecht konzentrieren kann, schlecht organisiert ist, mehrere Dinge zur gleichen Zeit macht, ohne mit irgendwas richtig fertig zu werden, zerstreut, eben unaufmerksam ist. Und das liegt weder an irgendeiner Einbildung, noch kann es ausgelöst werden, sondern ist eine rein organische Fehlfunktion der Synapsen.

_________________
Viele Grüße, Rina


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BeitragVerfasst: 03.12.09, 16:05 
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Zitat:
Das stimmt so nicht. Es liegt aber an anderen Dingen, wie z. B. Impulsivität oder dem Anschein von Desinteresse an einer Person. dass man nicht "aufmerksam" sein kann, d. h., sich schlecht konzentrieren kann, schlecht organisiert ist Und das liegt an einer rein organische Fehlfunktion der Synapsen.

die "fehlfunktion der synapsen oder stoffwechselfuntionsstörung" in bestimmten hirnarealen ist das neurophysiologische korrelat, soweit ist das korrekt.
das ist aber nur eine sichtweise, dieses phänomen ADHS/ADS zu betrachten.
die betrachtung der damit einhergehenden psychopathologien eine andere.


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BeitragVerfasst: 15.12.09, 14:39 
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Wohnort: BaWue
Zitat:
die betrachtung der damit einhergehenden psychopathologien eine andere.


Die Quelle dazu würde mich wirklich interessieren, weil ich darüber bisher noch nichts gehört habe und mir jede Information weiterhilft. Danke!

_________________
Viele Grüße, Rina


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BeitragVerfasst: 16.12.09, 12:08 
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Hallo!
Für mich drückt das eine gewissen Lebensmüdigkeit aus. Unterstütze deswegen auch die hier schon vertretene Ansicht, dass der von dem du sprichst, auf sich aufmerksam machen will und so vielelicht um hilfe bittet. Wenn man krank befindet man sich ja so gesehen in einem außerordentlichen Zustand, man selbst/der Körper funktioniert nicht so wie er eigentlich müsste und sollte. Deswegen sit das, was er sagt durchaus als ernst anzunehmen. Er hat, ogleich er nciht "krank" sein mag, vielelicht das Gefühl nicht richtig zu funktionieren, das etwas mit ihm nicht stimmt. Vielelicht meint er seinen, aber auch dazu gesehen den Ansprüchen anderer nicht gerecht zu werden.

Das schlimme ist anscheinend, dass daraus wohl eine Lebensverneinung entsteht. So wie du es beschreibst, klingt es als fühle er sich nicht mehr in der Lage am normalen leben teil zu nehmen. Ich glaube es geht bei ihm darum die Lebensfreude wieder zu wecken, ihm zu zeigen, dass ein toller Mensch ist, auch mit seinen Problemen und methoden zu entwickeln wie er an den problemen arbeiten kann.

Es geht wohl darum ihm eine Aussicht zu vermitteln. jetzt wo ihm mitgeteilt wurde, dass er anscheinend nicht schwer krank ist muss er sich mit dem auseiander setzen, was wir als Leben bezeichnen. Dabei müsste man ihm vielleicht helfen :cry:


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 21.12.09, 20:05 
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Beiträge: 151
Karina81 hat geschrieben:
Zitat:
die betrachtung der damit einhergehenden psychopathologien eine andere.


Die Quelle dazu würde mich wirklich interessieren, weil ich darüber bisher noch nichts gehört habe und mir jede Information weiterhilft. Danke!


hi Rina
es war das thema einer psychoanalytischen arbeitsgruppe "ADHS aus psychoanalytischer sicht". mal ganz ab von der üblichen ritalin schiene. ob es darüber ein protokoll gibt, weiss ich nicht, da ich damals nur gast war.
glg nail


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BeitragVerfasst: 25.12.09, 19:30 
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Beiträge: 46
Ich stimme Medicon zu.
Ich hab mal ein Buch gelesen (Verrückt vor Angst - Jana Frey) und dem Mädchen geht es ähnlich.
Ich glaube, es ist mit das schlimmste, Schmerzen oä zu haben, die niemand sieht.
Auch ärgert mich regelmäßig, wenn ich von sowas höre die Arroganz einiger Ärzte, blitzschnell zu sagen "Der hat nichts" - so nach dem Motto "Der spinnt nur"
Ich habe eine Freundin, die bei diversen Ärzten war, ich hab vergessen wegen was, und auch von ein paar ziemlich heftig gesagt bekommen hat, dass sie sich das nur einbildet - bis dann irgendein Arzt herausgefunden hat, dass sie tatsächlich was hat.
Das war ein ziemlich seltener Fall, also nicht gerade alltäglich, und nach gewissen Jahren im Praxisalltag vergisst man ja auch manche Sachen wieder.
Aber es geht meiner Meinung nach auch um einen angemessen Umgang mit Patienten.
Meine Freundin hat Depressionen bekommen.
Das ist jetzt 2 Jahre her und es geht ihr wieder gut :)

Und von wegen ADS, das habe ich selber und wie Karina sagte hat es nichts mit "Ich brauche Aufmerksamkeit" zu tun, sondern mit "Ich kann mich auf Sachen nicht Konzentrieren, obwohl ich es unbedingt möchte"
Ist aber weit verbreitet, diese "Übersetzung" ...

liebe grüße


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BeitragVerfasst: 05.06.15, 06:59 
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Die Diagnose steht. Es handelt sich um ein Gendefekt, die Mitochondrien (kompliziert) arbeiten nicht gut genug. Es hilft u.A das Coenzym Q 10 (und Vitamin B12). Wir sind so glücklich dass das Suchen ein Ende hat. LG:

_________________
samira


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BeitragVerfasst: 06.06.15, 18:35 
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Beiträge: 24
Hallo,

ich finde es immer wieder erstaunlich, welche Vorstellungen manche von diversen Krankheiten haben.

Zitat:
ich wollte nur mal einwerfen, dass das sg. "Münchhausen-Syndrom", welches auch als Pseudologie oder notorisches Lügen bezeichnet wird, eine psychische Erkrankung ist, bei der der Patient ein Lügengebäude um sich aufbaut. Das bezieht sich meist auf seine Lebenssituation.


Es stimmt, der Patient baut ein Lügengebäude auf, aber nicht nur auf die Lebenssituation beziehend, sondern schon auf Krankheiten bezogen. Du meinst wahrscheinlich die Pseudologica Phantastica. Es gibt ja unterschiedliche Münchhausen-Syndrome. Die Symptombildung geschieht bewußt (d.h. dem Patienten ist bewußt, dass er die symptome aggraviert bzw. "simuliert", aber der Hintergrund ist ihm nicht bewußt. Hier ist zur simulation abzugrenzen. Simulationen geschehen, weil sie Menschen Vorteile verschaffen wollen wie finanzielle Sachen, oder andere Dinge.
Menschen mit Münchhausen-Syndrome sind krank, auch wenn sich das Verständnis der Menschen im Allgemeinen (und auch Ärzten) in Grenzen hält, um es mal gelinde auszudrücken.

Zitat:
Menschen die bezüglich ihres physischen Zustandes lügen bzw. sich Krankheiten ersehnen sind dann wohl eher Hyppochonder..und was diesen Bekannten angeht ist es wohl nochmal eine speziellere Sache. Durch das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADS) lassen sich da ganz andere Rückschlüsse ziehen.


Hypochonder ist wieder was anderes. Ein Hypochonder glaubt wirklich krank zu sein und vielleicht sogar zu sterben. Dabei geht es ihm nicht um Aufmerksamkeit. Jedes noch so kleines symptom ist eine Katastrophe und einer totbringenden Krankheit zuzuordnen. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen (hatte im Zuge einer Depression einen hypochondrischen Wahn), dass das nichts zum belächeln ist (wie jede psychische Krankheit) und auch nicht zu verurteilen, sondern wirklich schlimm. Am Ende hatte ich solche Angstzustände und mein Körper fühlte sich jeden Tag so an, als würde ich sterben. Und jemanden mit Todesangst nicht ernst zu nehmen finde ich ganz schlimm (solche Ärzte habe ich leider auch kennengelernt)

Und AD(H)S wurde ja schon richtig gestellt. Hat nichts mit Aufmerksamkeit haben wollen zu tun. Aufklärung tut wohl echt Not.

Sorry, wenn ich nochmal meinen senf dazu geben musste :mrgreen:


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