Navigationspfad: Home
medizin-forum.de • Thema anzeigen - Ich oute mich!
Aktuelle Zeit: 15.12.17, 08:01

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 3 Beiträge ] 
Autor Nachricht
 Betreff des Beitrags: Ich oute mich!
BeitragVerfasst: 23.01.16, 08:09 
Offline
DMF-Mitglied

Registriert: 03.05.14, 07:19
Beiträge: 41
Hallo,

ok, für ein richtiges Outing müsste ich meinen richtigen Namen verwenden, aber das kann und will ich nicht.

Ich habe seit Jahren die Diagnose, dass ich eine emotionale Persönlichkeitsstörung - impulsiver Typ, einen Hang zum Narzissmus und mittelgradige Depressionen habe.

Ich war über ein Jahr in ambulanter Verhaltenstherapie und für mehrere Monate in stationärer Therapie. Ich nahme eine zeitlang täglich 100 mg Quetiapin.
Während der stationären Therapie hatte ich mich im Griff. Es gab zwar Situationen, in denen ich lauter geworden bin, aber nicht beleidigend, auch habe ich nicht geschrien.
Aber und das ist der erste Punkt, warum ich mich endlich dazu gebracht habe, zumindest und erst einmal anonym Hilfe zu suchen, weil ich mich für manche Sachen einfach schäme, ich Angst habe, dass ich weggesperrt werde, wenn die ein Arzt erfahren.

Ich hatte mich in der Klinik soweit im Griff, weil, und da bin ich mir verdammt sicher, es eben ein ganz anderes Leben da ist, man ist nicht mit den alltäglichen Problemen konfrontiert. Es war teilweise wie Urlaub. Wenige Therapien, die dann aber doch sehr intensiv waren. Aber, ja es gibt viele "Aber" bei mir und in meinem Leben, manchmal glaube ich selbst, ich hätte mind. zwei Gesicher und die habe ich wohl, denn ich bin sonst ein echt geiler, lustiger, hilfsbereiter und netter Typ und andererseits ein echtes Arschloch, wenn ich nämlich einen impulsiven Ausbruch habe. Aber dazu später mehr! Auch hatte ich mich im Griff, weil ich wusste, und das war eine Behandlungsvereinbarung zwischen der Klinik und mir als Patienten, wenn ich ausraste, dann fliege ich. Mir wird nicht selten gesagt, dass ich ein opportuner Typ bin. Ja, das bin ich. Ich bin ... meistens ... oder sogar immer auf meinen Vorteil aus. Ich bin trotz Ehe ein echter Egoist. Allerdings ist es mir ... meistens ... oder auch hier immer daran gelegen, dass es meiner Frau gut geht. Ich wäge zwar Dinge immer so ab und drehe Entscheidungen oder Kompromisse dann doch zu gerne zu meinen Gunsten. Es muss einfach nach meinem Kopf gehen. Wenn nicht, dann ist das Stress für mich. Ich bin unzufrieden. Unzufrieden wohl am meisten oder nur mit mir selbst. Ich habe dann übelst schlechte Laune und lasse diese an meiner Frau aus. Es frustriert mich aufs Äußerste, wenn etwas nicht läuft, wie ich es will oder wenn ich in meinen festen Planungen gestört werde oder aber auch in meiner Ruhe. Wenn jemand schreit, muss ich mitschreien. Ich kann mich da meistens echt nicht zurückhalten und muss mich auf das schlechte Niveau von "Gesprächspartnern" herablassen. Dabei kann ich doch auch ruhig bleiben, aber zumindest nicht im ersten Schritt, sondern erst im Nachgang. Erst einmal auskotzen und dann währenddessen schon bereuen, in welcher Lautstärke ich welche Wörter von mir gegeben habe. Denn diese Wörter sind dann meist oder sogar immer nicht schön! Ich werde dann übelst beleidigend.

Ich bin mir sicher, dass die Medikation auch nichts gebracht hat. Alle haben gesagt, dass wäre DAS Wundermittel. In der Klinik schien es mir fast so, als wenn Patienten teilweise einfach nur damit ruhiggestellt werden sollen. Denn sogar ich mit den "nur" 100 mg konnte täglich mind. zwölf Stunden am Stück schlafen, wobei die Hälfte der Normalfall ist. Tagsüber war ich wahrscheinlich wegen der Schlappheit dennoch gut drauf. Ich hatte wahrscheinlich gar keine Kräfte, mich richtig auszupowern. Ich weiß es nicht. Meine Frau meinte zumindest, dass die selbst nichts merkt. Weder von der Therapie noch wegen den Medikamenten.

Entweder ich bin nicht behandelbar, wobei ich mich ja behandeln (lassen) möchte oder ich bin nie richtig therapiert worden, weil ich, und das ist jetzt das Schlimmste, nie richtig ehrlich in den Therapien war.

In der stationären Therapie gab es z. B. eine Art von Therapie, von der ich nicht mehr weiß, wie das heißt. Man sollte sich eine Sache oder auch mehrere Dinge aus einer Liste heraussuchen und diese dann machen, wenn man merkt, dass man jetzt einen Ausraster bekommt. Mein Problem und das habe ich auch gesagt, dass das für mich alles nicht infrage kommt, weil ich so schnell einen Ausraster bekomme, da spüre ich das gar nicht oder kündigt sich nicht an. Ich kenne zwar eben Situationen, von denen ich weiß, dass ich dann ausrasten kann oder werde. Aber ich kann mich ja nicht komplett solchen Situationen verschließen, denn das ist ja das Leben und soll ich mich in eine schallisolierte Kammer einschließen und keinen Kontakt zur Außenwelt haben? Vielleicht war ich da nicht ganz ehrlich zu den Therapeuten und zu mir selbst, weil mir diese ganzen Sachen einfach auch nicht gefallen haben und ich keine Lust hatte, etwas zu suchen und finden, war mir hilft. Ich meine immer, dass mir Sport sehr gut hilft. Wenn ich mich da auspowere, habe ich weniger Lust und Energie für Ausraster. Das kann meine Frau allerdings auch nicht bestätigen. Habe ich soooo und zu viel Energie? Mir wurde dann genau das Gegenteil empfohlen. Also etwas Entspannendes, wie PMR, Qi Gong ... Puh ... das war mir alles zu ... lahm. Da musste ich mich quälen, bis zum Ende auszuhalten. Ich konnte auch nicht gezielt immer nur einen Körperbereich anspannen und dann entspannen. Ich neigte dazu, dann den gesamten Körper anzuspannen.

Und dieses nicht ehrlich sein, Lügen erzählen, hat sich während der gesamten Therapien ereignet. Eben weil ich wohl zu sehr auf meinen Vorteil bedacht war und eben wegen Ängsten. Dazu zum Ende noch abschließend etwas.

Zu meiner Vorgeschichte, was könnte mind. ein Auslöser für meinen Typus sein. Tja, ich weiß es nicht. Ich hatte vor zehn Jahren einen schweren Verkehrsunfall, aber ich war vorher auch schon so, wie mir Angehörigen bestätigt haben und ich mich z. T. auch erinnern kann. Es gab Momente, da habe ich vor Wut Löcher in die Rigipswand geschlagen oder mal was in die Ecke geschmissen. Beim Fußball gab es nicht selten verbale Rangeleien mit den Gegenspielern. Teilweise musste man miich vom Platz nehmen, damit ich keine Rote bekomme. Beim Autofahren will ich immer der Erste und Schnellste sein, was aber mit einem kleinen Fiat nicht immer oder sogar nie funktioniert. Ich lasse mich zu schnell zu sehr anmachen. Ich springe zu sehr drauf an. Genau wie Marty McFly! Das ist doch zum Kotzen. Ich schlage zwar keine Löcher mehr in irgendwelche Wände und ich schmeiiße auch nichts mehr in die Ecken, aber diese Gefühle danach sind nach wie vor vorhanden. Wie oft würde ich einfach nur etwas kaputtschlagen, alles und jeden fallen lassen. Wenn etwas nicht klappt, wie zuletzt bei der Reparatur meines Fahrrads, was normalerweise für mich kein Problem ist, aber da hat etwas partout nicht klappen wollen und da hab ich dann doch mal das Werkzeug in die Kiste geschleudert und laut ... sehr laut "Schei.e" geschrien. Das hat wohl die ganze Stadt gehört. Ich kann echt sehr sehr laut schreien. Ich habe auch eine relativ laute Stimme, aber ich rede meistens so, als wenn ich mich selbst zurückhalte, also leis(er) spreche, weil ich Angst habe, dass ich zu laut werde. Wenn ich dann aber andere sprechen höre und die mich mit ihren Stimmen übertönen, mich unterbrechen ... das geht ja gar nicht. Da krieg ich die Krise. Ich unterbreche auch niemanden.

Bin ich einfach von Geburt an ein solcher Typ oder bin ich so (erzogen) worden?

Was kann alles vielleicht auch ohne Medikamente helfen? Tabletten wollte und will ich auch gar keine mehr nehmen. Zu groß sind mir die Nebenwirkungen. Und ich möchte nicht nur anders werden und sein, zumindest größtenteils, nur weil ich auf "Drogen" bin.

So und jetzt noch das, was mir selbst immer tierische Ängste bereitet. Ich habe solche Verlustängste bzgl. meiner Frau, das kann nicht normal sein. Nämlich deswegen, weil ich einerseits jedes Mal so weit denke, was wäre, wenn sie nicht mehr da wäre. Aber das ist doch Müll! Ich male mir schon aus, wie es mit anderen Frauen wäre. Andererseits möchte ich sie partout nicht verlieren und wüsste nicht, wie es ohne sie für mich weitergehen soll.

Und zum Schluss das allerschlimmste und ich weiß nicht, woher diese schei. Gedanken kommen und warum ich diese habe. Wenn ich ein Messer in der Hand halte, habe ich Angst, dass ich damit jemanden verletze, einfach jemanden niedersteche. Ich habe diesbzgl. keine weiteren Impulse. Ich habe also noch nie jemanden verletzt und mich selbst auch nicht. Es kommt dann nicht selten der Song "Alles aus Liebe" von den Hosen in meinen Kopf. Ich liebe meinen Körper und ich könnte mich selbst nie verletzen. Ich liebe auch meine Frau und ihren Körper. Ich finde Tattoos oder Ohrringe schon echt schlimm. Soll jeder mit seinem Körper das machen, was er will, aber ich kann mir das an mir absolut nicht vorstellen. Ich habe tierische Ängste vor Spritzen. Blut abnehmen ist immer zumindest ein kleines Abenteuer. U. a. deswegen habe ich auch keine Ängste, mal von Drogen abhängig zu werden. Ich bekomms nicht in meinen Kopf, wie sich leute ihre eigene Gesundheit ruinieren können.

Vielleicht mache ich es mir immer zu leicht, möchte am liebsten immer den einfachen Weg gehen. Was aber nicht immer so in meinem Leben war. Aber vielleicht genau deswegen! Aber vielleicht kommt da auch wieder mein Opportunismus zum Tragen!?

Ich würde am liebsten hier und jetzt die Masterlösung für mein Problem lesen, diese ohne Probleme anwenden können und alles ist schön. Aber das wird wohl leider nicht möglich sein, oder!?
Ich will einfach keine impulsiven Ausbrüche mehr haben. Weder bei der Fahrradreparatur noch im Straßenverkehr noch bei "Unterhaltungen"/verbalen Angriffen oder sonstigen verbalen Auseinandersetzungen. Ich bin doch sonst echt ein gescheiter Mann, aber dann schmeiße ich meinen ganzen IQ über Bord und handle so, wie man nicht handeln sollte und besonders ich nicht handeln möchte.
Vielleicht gibt es ja im Laufe der Zeit neue Erkenntnisse und Therapiemethoden, die bei mir Früchte tragen können.

Was hat euch geholfen oder hilft euch aktuell?

Ich weiß, dass z. B. die Suche nach einem Therapeuten bereits mit zur Therapie gehört. Ich habe damals echt verdammt lange suchen und warten müssen, bis ich eine Therapeutin gefunden habe, mit der ich klar kam. Es musste auch eine Frau sein. Ja kein Mann. Warum? Manchmal habe ich mir vorgestellt und sogar gewünscht, dass ich einfach Sex mit der Therapeutin habe, sie mich hypnotisiert und dann Sex mit mir hat oder micht hypnotisiert und alle Ängste und Sorgen und schlechte Erinnerungen sind wie weggeblasen.
So ehrlich und offen war ich noch nie, zu niemanden.

Ich hoffe echt inständig, dass ich hier Hilfe bekomme, mir Anregungen gegeben werden, wieso und weshalb ich so bin, wie ich bin und was mir helfen könnte.

Recht herzlichen Dank bereits vorab.

Viele Grüße


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Ich oute mich!
BeitragVerfasst: 23.01.16, 10:25 
Offline
DMF-Mitglied
DMF-Mitglied

Registriert: 10.01.07, 16:48
Beiträge: 4216
Hallo,
Persönlichkeitsstörungen sind oft schwierig zu behandeln, da Probleme öfters auf andere geschoben werden. jedoch scheinst du sehr reflektiert zu sein und deine Probleme selber zu erkennen. Ist schon eine gute Ansatz für ein Therapie.
Deine Persönlichkeit kann man nicht ändern. Solche Störungen sind angeboren. Man kann aber deiner Verhalten anpassen und Strategien finden. Da darfst du aber in der Therapie nicht lügen oder manipulieren. Bringt nichts.

Deine Gedanken beim Messer halten - tritt relativ oft bei Zwangsstörungen auf.

Deine Therapeutin wird nicht mit dir schlafen. Lieber ein männlichen suchen. Du bist da um deine Probleme zu lösen und nicht deine sexuelle Fantasien zu befriedigen. Zudem mit einer Patienten zu schlafen kann, wie bei Ärzte, die Approbation kosten.

Gruß
Muppet


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Ich oute mich!
BeitragVerfasst: 10.06.16, 22:29 
Offline
noch neu hier

Registriert: 10.06.16, 22:14
Beiträge: 1
Ambulante Verhaltenstherapie schon probiert mit Impulskontrolltraining, einhergehend mit biographischer Arbeit / Erklärungsmodell erarbeiten zur Entstehung der Impulskontrollstörung unter Validierung der ehemaligen Funktionalität?

Tolle Voraussetzungen für Psychotherapie würde ich aus Deiner differenzierten und selbstreflektierten Schilderung schließen (auch wenn F60.x / Persönlichkeitsstörungen chronische Krankheiten sind bzw. man oft ein Residuum behält oder nur lernen kann etwas besser damit umzugehen); aber wenn Du Dich bemühen solltest um einen ambulanten Therapieplatz, als Tipp: Sag den ambulanten Kollegen, dass es um eine Achse II / Persönlichkeitsstörung geht, und zwar schon, wenn Du Dich auf eine Warteliste setzen lässt: Da es tatsächlich auch für viele VTler ein anstrengendes Störungsbild ist (und man sich für den eigenen Energiehaushalt nicht endlos viele leisten kann, und weil viele Therapeuten auchVorurteile gegenüber Persönlichkeitsstörungen haben). Weiter ist Bindung ein zentraler Wirkfaktor, also lass Dich auf eine zweite Warteliste setzen, falls es aus irgendeinem Grund nicht klappen sollte; dass Du nicht so ewig wieder warten musst. Absagen kannst Du immer noch, freut sich der nächste, der vorrutscht.

Und wenn Du dann in Therapie bist: So reflektiert, wie Du bist, lasse bitte die Beziehungstests (also zu schauen, ob der Therapeut "würdig" ist). Macht es für Euch beide leichter.


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 3 Beiträge ] 

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast


Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.

Suche nach:
Powered by phpBB® Forum Software © phpBB Group
Deutsche Übersetzung durch phpBB.de
Karma functions powered by Karma MOD © 2007, 2009 m157y
© Deutsches Medizin Forum 1995-2017. Ein Dienst der Medizin Forum AG, Hochwaldstraße 18 , D-61231 Bad Nauheim ,HRB 2159, Amtsgericht Friedberg/Hessen, Tel. 03212 1129675, Fax. 03212 1129675, Mail jaeckel@medizin-forum.de. Plazieren Sie Ihre Werbung wirkungsvoll! Hier finden Sie unsere Mediadaten!