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medizin-forum.de • Thema anzeigen - Antidepressiva und Neuroleptika im Pflegeheim
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BeitragVerfasst: 08.03.16, 22:13 
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Beiträge: 1
Sehr geehrte Damen und Herren,

ich wende mich auf diesem Wege mit Bitte um Hilfe an Sie, da sich der Zustand meiner Großmutter, die seit zweieinhalb Jahren in einer Pflegeeinrichtung wohnt, zusehends verschlechtert. Vor knapp drei Jahren wurde ihr mit 90 Jahren ein Herzschrittmacher eingesetzt, bis zu diesem Zeitpunkt wohnte sie noch allein und kümmerte sich um den Haushalt (so gut das mit 90 Jahren noch geht) und kochte sich etwas zu Essen. Nach dem Krankenhausaufenthalt folgte eine Zeit schlimmer Stimmungsschwankungen, Panikattacken, Halluzinationen etc. Es dauerte mehrere Wochen, bis die Diagnose eines Durchgangssyndroms gestellt werden konnte. Dieses wurde medikamentös behandelt, meine Großmutter erholte sich und entschied im Folgenden, in ein Pflegeheim zu ziehen. Hier ging es ihr zunächst gut, bist im Sommer vor zwei Jahren der absolute Einbruch kam. Sie saß teilnahmslos im Rollstuhl (wenige Wochen zuvor konnte sie noch laufen), sprach nicht mehr, bekam pürierte Nahrung, angedickte Getränke und war völlig weggetreten. Um diesen Zustand, der mich erschütterte, nachvollziehen zu könne, ließ ich mir die Pflege- und Medikamentendokumentation aushändigen. Meine Großmutter, die bis dahin nur Herz- und Blutdruckmedikamente bekommen hatte, erhielt nun
-Exelon 4,6mg Pflaster
-Valproat 300mg
-Torasemid 5mg
-Trimipramin 25
-Citalopram 10
-Risperidon

Wir schritten als Familie sofort ein und verlangten von dem betreuenden Neurologen, der seiner Arbeit in der Einrichtung noch ehrenamtlich nachgeht, dass die Medikamente augenblicklich reduziert werden. Der Zustand meiner Großmutter besserte sich schnell, sie konnte wieder allein essen, sprach und hatte Freude am Leben. Nun, keine zwei Jahre später stehen wir vor eine ähnlichen Situation. Der Pflegedokumentation ist zu entnehmen, dass sie bis zum 20.01.16 erhielt:
-Mirtazapin 1
-Citalopra
-Levodopa+Benserazid
-Torasemid 10mg
-Aldactone 25mg
-Madopar 62,5mg

ab dem 20.01. zusätzlich Venlafaxin statt Citalopram. (Hinzu kommen weiterhin die Blutdruckmedikamente, Pantropozol, Ibuprofen ...) Die Dosierung Venlafaxin wurde seit dem 03.03. noch auf 1-1 und Madopar auf 2-1-2-1, sowie Mirtazapin auf 2 erhöht.

Seit meinem letzten Besuch Ende Januar hat sie sich in einem erschreckenden Maße verändert. Sie kann kaum sprechen, versucht dies zwar, es gelingt ihr jedoch nicht, die Worte herauszubringen. Sie ist völlig lethargisch, nicht ansprechbar und wirkt abwesend.
Mir bereitet diese erneute Änderung der Medikation große Sorge, da meine Großmutter bis vor der Umstellung noch völlig ansprechbar und im Rahmen der Möglichkeiten, die das Wohnen in einem Pflegeheim bieten kann, lebensfroh war. Eine Indikation wird durch eine "schwere Depression" erklärt, aus der sie aktuell befreit werden müsse. Keiner der Angehörigen, die sie regelmäßig sehen, hat vor der Umstellung etwas bemerkt. Sicher ist sie nicht immer voller Freude, aber das scheint den Umständen entsprechend auch normal, mit einem Alter von 93. Bis vor ihrem Einzug in das Pflegeheim zeigte sie keine Anzeichen einer Demenz, Parkinson oder Ähnlichem. Ich hoffe, einen kleinen Hinweis erhalten zu könne, inwiefern die Gabe einer solchen Menge an Medikamenten der gängigen Praxis entspricht, sie dem Alter angemessen sind oder wir eventuell Hilfe erhalten können.

Mit freundlichen Grüßen und herzlichem Dank für Ihre Antwort im Voraus

N.S.


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BeitragVerfasst: 09.03.16, 06:19 
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DMF-Mitglied
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Registriert: 10.01.07, 16:48
Beiträge: 4216
Hallo,
persönlich finde ich die Menge an Medikamenten sehr hoch. War sie akut suizidal?
Sonst sehe ich das sehr kritisch. Sie ist offensichtlich viel zu hoch eingestellt. Bei ältere Leute reichen 20mg Citalopram meistens völlig aus. Mirtazepin sediert sehr stark - wird auch als Schlafmittel benutzt. Würde mit den Herr Doktor sprechen. Scheint recht verschreibungsfreudig zu sein. Könntet ihr mit ihr zu ein anderen Neurologe gehen und alles überprüfen lassen?

Gruß
Muppet


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BeitragVerfasst: 28.04.16, 07:39 
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Interessierter

Registriert: 26.04.16, 20:55
Beiträge: 7
Hallo
Die Neurologen haben sehr wenig Zeit. Meiner ist zwar sehr kurz angebunden. Ich halte ihn aber für fachlich und menschich 1a.
Vielleicht einmal den Neurologen fragen warum er so handelt. Vielleicht hat das auch seinen Grund.
Man kann viel über die Medikamente und Psychopharmaka schimpfen jedoch die Chemie verlängert in der Regel das Leben.
Vor gut 50 Jahren gab es in Deutschland 7000 Leute die über 90 geworden sind Heute sind es 700 000 alleine in Deutschland, die so alt werden. 100% Steigerung.
Ob das gut ist oder ob das ein vorzügliches Geschäft für Ärzte und Pharmaindustrie ist soll jeder sellbst entscheiden.


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BeitragVerfasst: 28.04.16, 08:36 
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Interessierter

Registriert: 26.04.16, 20:55
Beiträge: 7
Die Info ist falsch mit den über 90 Jährigen. Richtig ist
7000 über 100 Jährige und jetzt 700 000 über 100 Jährige

Ob das Fluch oder Segen ist weiß ich nicht.


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