Navigationspfad: Home
medizin-forum.de • Thema anzeigen - Arzt rät zu Sterbehilfe
Aktuelle Zeit: 11.12.17, 14:28

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 5 Beiträge ] 
Autor Nachricht
 Betreff des Beitrags: Arzt rät zu Sterbehilfe
BeitragVerfasst: 07.12.15, 11:09 
Offline
noch neu hier

Registriert: 07.12.15, 10:27
Beiträge: 2
Hallo,
Bei dieser Frage geht es um meine Mutter, die sich im Endstadium einer COPD befindet. Sie wiegt keine 30kg mehr, aber psychisch ist sie sehr gut drauf. Mein Vater pflegt sie zu Hause und sie bemüht sich nach Kräften, so oft wie möglich aufzustehen und umher zu gehen. Dennoch kommen die Erstickungsanfälle immer häufiger und trotz der Gabe von Morphiumtropfen muss dann manchmal der Rettungsdienst gerufen werden (in diesem Jahr fünfmal). Kurzum: alle wissen Bescheid, dass es täglich vorbei sein kann, sie auch. Aber sie hat trotzdem Freude am Leben und das ist gut so!
Ende letzter Woche war es nun wieder soweit und sie wurde ins Krankenhaus gebracht. Nach einer Nacht auf der Intensivstation wurde sie schon verlegt und sie freute sich auf Zuhause. Am Sonntag morgen kam der Oberarzt. Mein Vater, wie man sich vorstellen kann ziemlich runter mit den Nerven, erklärt dann in vorauseilenden Gehorsam, dass er ja alles in seiner Macht stehende tun würde, aber dennoch nichts ausrichten könnte und er eben gezwungen sei, den Rettungsdienst zu rufen. Der Arzt hat den beiden dann nahegelegt, doch das nächste mal einfach nicht anzurufen. Was er stattdessen tun sollte, fragte mein Vater. Der Arzt sagte: "Nichts!". Er würde sich auch nicht strafbar machen oder so, sie würde dann eben ersticken. Sie sollten sich das in einer ruhigen Stunde einfach mal durch den Kopf gehen lassen. Als der Arzt weg war hat meine Mutter gesagt: "Aber ich will doch leben!"
Wir alle sind fassungslos über so eine Äußerung. Wie kann ein Arzt zu so einer Grausamkeit raten? Weder mein Vater noch meine Mutter haben jemals den Wunsch geäußert, eine Information zum Thema Sterbehilfe zu erhalten. Vor dem Hintergrund der (wichtigen) Debatte über dieses Thema finde ich es mehr als fahrlässig, wenn Ärzte ihren Patienten klarmachen, wie wenig lebenswert doch ihr Leben ist.
Hier die Fragen: Wie stelle ich sicher, dass meine Mutter nicht mehr von diesem Arzt behandelt wird (sie hat verständlicherweise kein Vertrauen in seinen Willen, ihr zu helfen)?
An wen wende ich mich, um sein Verhalten zu melden?
Danke und Gruß!


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Arzt rät zu Sterbehilfe
BeitragVerfasst: 07.12.15, 14:55 
Offline
DMF-Moderator

Registriert: 20.05.07, 08:00
Beiträge: 2261
Hallo,

das ist schwierig, weil der diensthabende Assistenz-/Facharzt ja ggf. seinen Hintergrunddienst habenden Oberarzt hinzuziehen muss, wenn es Unklarheiten gibt. Diese Situation sollten Sie in der Klinik thematisieren oder den Rettungsdienst in die Einweisung in eine andere Klinik (soweit im Einzugsgebiet verfügbar und aufnahmebereit) bitten.

Insgesamt scheint dieser Arzt der Meinung zu sein, dass sich der Gesundheitszustand Ihrer Mutter mittlerweile so verschlechtert hat, dass es nicht nur jederzeit zu Ende sein kann, wie Sie selbst schon schreiben. Er scheint auch Gründe zu der Annahme zu haben, dass weitere intensivmedizinische Maßnahmen, wie z.B. immer häufiger und länger notwendige (nicht)invasive Beatmung mit allen Problemen und möglichen Komplikationen nur noch eine Quälerei für Ihre Mutter bedeuten würden.
Hat Ihre Mutter denn eine Patientenverfügung verfasst? Oder sind Sie / Ihr Vater Betreuer bzw. Bevollmächtigte in gesundheitlichen Fragen? Das ist auch für Notarzt und Klinik wichtig zu wissen (Vorlage entsprechender Schriftstücke).

Gruß
Die Anästhesieschwester


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Arzt rät zu Sterbehilfe
BeitragVerfasst: 07.12.15, 16:18 
Offline
noch neu hier

Registriert: 07.12.15, 10:27
Beiträge: 2
Danke schonmal für die Einschätzung.

Meine Mutter hat keine Patientenverfügung, obwohl ihr dies schon unzählige Male von verschiedensten Seiten (auch uns) dringend ans Herz gelegt wurde. In diesem Stadium akzeptieren wir aber, zugegebenermaßen schweren Herzens, dass sie sich diesem Thema konsequent verweigert.

Das spielt für das Verhalten des Arztes jedoch auch überhaupt keine Rolle. Es ist nicht seine Aufgabe, den Angehörigen zu raten, den Patienten auf diese grausame Weise sterben zu lassen. Wäre es der Wunsch meiner Mutter zu sterben so müssten sich sie und mein Vater eine Lösung überlegen und gegebenenfalls einen Arzt hinzuziehen. Das will sie aber eindeutig nicht. Und das ist nicht zu hinterfragen oder zu verurteilen oder anzuzweifeln, selbst wenn er annimmt, dass künftige Behandlungen zur Qual würden. Er muss auf die Frage ihrerseits warten. Ohne wenn und aber.

Beste Grüße!


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Arzt rät zu Sterbehilfe
BeitragVerfasst: 08.12.15, 09:20 
Offline
DMF-Moderator

Registriert: 20.05.07, 08:00
Beiträge: 2261
Hallo,

es ist aber auch fraglich, ob Ihre Mutter die Frage beim nächsten oder übernächsten Mal oder wann auch immer noch stellen kann. Wenn nicht - was ist dann?
Dass sich Ihre Mutter einer Patientenverfügung - auch mit der Möglichkeit zu verfügen, dass grundsätzlich eine Maximaltherapie gefahren wird - veweigert, erweckt für mich (wohlgemerkt aus der Ferne, ich kenne sie ja nicht) den Eindruck, dass sie selbst Angst vor möglichen Therapiekomplikationen und einem eher "Dahinsiechen" hat, und eigentlich selbst noch nicht konkret weiß, was Sie im Fall des Falles möchte.
Da sollten dringend nochmals Gespräche mit den behandelnden Ärzten geführt werden.
Auch wäre eine Beratung durch einen Pflegedienst für sog. spezielle ambulante Palliativversorgung sinnvoll, welche Möglichkeiten es außerhalb der Klinik gäbe.

Gruß
Die Anästhesieschwester


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Arzt rät zu Sterbehilfe
BeitragVerfasst: 08.12.15, 14:20 
Offline
DMF-Mitglied

Registriert: 05.11.15, 08:45
Beiträge: 21
BellaMella hat geschrieben:
Hier die Fragen: Wie stelle ich sicher, dass meine Mutter nicht mehr von diesem Arzt behandelt wird (sie hat verständlicherweise kein Vertrauen in seinen Willen, ihr zu helfen)?
An wen wende ich mich, um sein Verhalten zu melden?
Danke und Gruß!


Hallo,

Als erstes würde ich das Gespräch mit dem zuständigen Chefarzt suchen und als nächstes, falls das Gespräch nicht zufriedenstellend ist, schauen ob es eine Beschwerdestelle in der Klinik gibt.

Der Vorgang macht mich sprachlos. Letztlich zählt doch der Wille des Patienten und der Arzt scheint diesen gar nicht gefragt zu haben. Dazu noch die Vorstellung qualvoll zu ersticken.

schöne Grüße


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 5 Beiträge ] 

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast


Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.

Suche nach:
Powered by phpBB® Forum Software © phpBB Group
Deutsche Übersetzung durch phpBB.de
Karma functions powered by Karma MOD © 2007, 2009 m157y
© Deutsches Medizin Forum 1995-2017. Ein Dienst der Medizin Forum AG, Hochwaldstraße 18 , D-61231 Bad Nauheim ,HRB 2159, Amtsgericht Friedberg/Hessen, Tel. 03212 1129675, Fax. 03212 1129675, Mail jaeckel@medizin-forum.de. Plazieren Sie Ihre Werbung wirkungsvoll! Hier finden Sie unsere Mediadaten!