Navigationspfad: Home
medizin-forum.de • Thema anzeigen - Mangelnde Aufklärung der Patienten!
Aktuelle Zeit: 13.12.17, 01:02

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 49 Beiträge ]  Gehe zu Seite Vorherige  1, 2, 3, 4  Nächste
Autor Nachricht
BeitragVerfasst: 04.10.14, 20:12 
Offline
DMF-Mitglied

Registriert: 06.09.14, 21:41
Beiträge: 57
Hochleistungsmedizin vergisst manchmal, dass der Arztberuf auch ein sprechender Beruf ist.
Und da kommt es nicht nur auf reine Information an, sondern auch darauf, wie und wann sie vermittelt wird.
Will das nicht weiter vertiefen, spreche aus Erfahrung. Das kann man nicht studieren, scheint angeboren.
In Krankenhäusern sind die Ärzte vielleicht sehr verplant, wäre dann eine Frage an die Gesundheitspolitik.
Aber ich glaube, daran liegt es nicht alleine. Denn es gibt durchaus Ärzte, die das gut hin bekommen.

LG


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: 04.10.14, 22:20 
Offline
DMF-Mitglied
DMF-Mitglied

Registriert: 31.12.12, 15:22
Beiträge: 2029
Farah64 hat geschrieben:
Das kann man nicht studieren, scheint angeboren.

Es kommt sehr darauf an, ob Ärztin oder Arzt, weil nämlich:
Ärztinnen sprechen länger und intensiver mit ihren Patienten
http://patientenkompetenz.info/278/aerz ... patienten/
:)

Frdl. Grüße
Christiane


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: 05.10.14, 08:04 
Offline
DMF-Mitglied
DMF-Mitglied

Registriert: 06.08.13, 13:05
Beiträge: 1152
Würde ich daran nicht ausmachen, Christiane :lol: es gibt schon mehr Ärzte als Ärztinnen, die den Patienten umfangreich aufklären, es ist eben die Sache der Persönlichkeit und wie man hinter dem Job steht. War es rein des Geldes wegen, kann man kaum etwas erwarten, ist es gelebter Beruf, dann kommt schon weit mehr rüber, sogar auch ein Stück Mitgefühl, auch wenns nicht im Abrechnungskatalog steht :lol: So manche/r maulfaule Dr. sieht halt schnell zu, oftmals zur OP geraten zu haben, obwohl die vielleicht gar nicht nötig wäre und rasselt ein bisschen "Aufklärung" herunter. Ist gar nicht lange her, als ich das erlebte. Und dann der Kracher, ob die Sprache überhaupt beherrscht wird, denn das ist bei einigen immernoch nicht der Fall, obwohl es doch angeblich Voraussetzung ist, oder? Ich frage mich dann, ob und wie man das denn geprüft hätte. Ja und nein deutlich aussprechen und schon ist der Ärztemangel gelöst? :lachen:

_________________
"Es amüsiert mich immer, wenn Menschen all ihr Unglück dem Schicksal, dem Zufall oder dem Verhängnis zuschreiben, während sie ihre Erfolge oder ihr Glück mit ihrer eigenen Klugheit, ihrem Scharfsinn oder ihrer Einsicht begründen." (Coleridge)


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: 05.10.14, 09:25 
Offline
DMF-Mitglied
DMF-Mitglied

Registriert: 27.12.06, 00:51
Beiträge: 3416
Christianes Herz hat geschrieben:
Farah64 hat geschrieben:
Das kann man nicht studieren, scheint angeboren.

Es kommt sehr darauf an, ob Ärztin oder Arzt, weil nämlich:
Ärztinnen sprechen länger und intensiver mit ihren Patienten
http://patientenkompetenz.info/278/aerz ... patienten/
:)

Frdl. Grüße
Christiane


hallo,

ich denke es kommt auch darauf an wieviel der Patient versteht und in solch einem Gespräch überhaut aufnimmt.
Wie oft lesen wir hier dass der Arzt irgendwas erklärt hat und man weiß es einfach nicht mehr was der alles gesagt hat.
Der Patient sollte auch nachfragen wenn er was nicht versteht, oder wenn die Erklärung zu schnell kommt. Das liegt auch in der eigenen Verantwortung.
Ich habe auch irgendwo mal gelesen, dass Frauen ihrem Arzt ihre Symptome wesentlich besser und genauer beschreiben als Männer.


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: 05.10.14, 14:28 
Offline
DMF-Mitglied
DMF-Mitglied

Registriert: 31.12.12, 15:22
Beiträge: 2029
Guten Tag wünsche ich.
Es kommt ja auch immer darauf an, wie ernst die Krankheit ist, die man bespricht. Ich will nicht alles über einen Kamm scheren. Wenn ich von meinem Arzt eine zum baldigen Tod führende Krankheit bestätigt bekäme, würde ich (wie ich mich selber einschätze) gar nicht mehr zuhören, gehen und nach einigen Tagen um einen erneuten Termin bitten, wenn ich es für mich erst einmal halbwegs begriffen habe.
Ansonsten, bei den Routineterminen plaudert es sich mit Ärztinnen schon anders als mit Ärzten. Ich habe 2 Ärztinnen (Zahn, Haut), die sich viel ausführlicher mit optischen Auswirkungen mit mir als Patientin auseinandersetzen. Und in beiden Fällen war ich vor einigen Jahren bei Ärzten. Die schauten, ob alles in Ordnung ist und gut ist es.
Meine Hautärztin z. B. schaut mir nach dem Ganzkörperscannen auch noch genau ins Gesicht und erklärt mir, was man bei welcher Faltentiefe langsam kosmetisch angehen könnte, welche Möglichkeiten es gibt. Und nein, sie hat keinen angeschlossenen Beautybereich.
Ganz überrascht hat mich allerdings mein Augenarzt, den ich seit der Herzmedikation aufsuche. Der ließ sich in ein Gespräch mit mir ein und gab mir Tipps im Umgang mit Pflege (Augencremes usw.). Fand ich toll und ich hätte nie damit gerechnet.
Aber und das bedauere ich ja so sehr, diese Art der Unterhaltungsführung hört auf und wird auch hier bei mir drastisch weniger, weil sich die selbständigen Ärztinnen und Ärzte immer mehr verabschieden.
Dafür hören wir, dass die Frauen die Medizin gerade erobern. Evtl. führt das dann zu einer Art gefühlten Kompromiss zwischen Massenabfertigung und dem Luxus von heute in der Einzelpraxis.

Ich wünsche Euch allen eine schöne Woche.
Frdl. Grüße
Christiane


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: 05.10.14, 16:34 
Offline
DMF-Mitglied
DMF-Mitglied

Registriert: 06.08.13, 13:05
Beiträge: 1152
@Dora, ja nachzufragen, wenn etwas nicht verstanden wurde, wäre richtig, aber wie viele machen das? Das ist die andere Sache , ja. Ich vergewissere mich auch mit der sinngemäßen Wiedergabe der Erklärung, ob ichs verstanden habe und dann kommt das Nicken oder halt , "genau" .

@Christiane, da würde ich dem Doc auch erstmal sagen, dass ich das verdauen müsste und dann gern beim nächsten Termin noch mal drauf zu sprechen kommen möchte, denn bei wirklich ernsthaften Erkrankungen ist man eh erstmal wie betäubt und kaum noch aufnahmefähig.
Zitat:
Ich habe 2 Ärztinnen (Zahn, Haut), die sich viel ausführlicher mit optischen Auswirkungen mit mir als Patientin auseinandersetzen. Und in beiden Fällen war ich vor einigen Jahren bei Ärzten. Die schauten, ob alles in Ordnung ist und gut ist es.
ist bei mir andersrum :lol: der vorerst vermeintlich schweigsame Schmerztherapeut kam später in den Sprechstunden vom Hundertsten ins Tausenste, als er mir nur die Änderung der Diagnose erklärte. Vorerst hatte er ja meine eigene Einschätzung gelesen (es war ein Fragebogen mit Textfeld, in dem ich anbringen sollte, was ich selbst unternahm, um die Schmerzen zu lindern und was ich überhaupt hätte) und er sah ja dass ich die alte Diagnose begriffen hatte und brauchte mir nur noch den Unterschied erklären. Missverständnisse gabs eher bei den Ärztinnen und wir Teilnehmer hatten alle dasselbe verstanden, was der Sinn des Tensgerätes sein sollte bzw. welchen Effekt man damit erzielen sollte. Als ich beim anderen Arzt nachfragte,war der verwundert und ich hätte sicher falsch verstanden, passiert schon mal, aber als ich ihm erklärte, dass die anderen Teilnehmer der Gruppe es auch so auffassten, war der schon verwirrt :lol: die einzige Ärztin, die ich kenne, die ausführlich und nachvollziehbar erklärt, dabei auch noch eine herzensgute ist, ist die Hautärztin.
Zitat:
Ganz überrascht hat mich allerdings mein Augenarzt, den ich seit der Herzmedikation aufsuche. Der ließ sich in ein Gespräch mit mir ein und gab mir Tipps im Umgang mit Pflege (Augencremes usw.). Fand ich toll und ich hätte nie damit gerechnet.
:shock: da hätte ich mich auch gewundert :lol:
Zitat:
Aber und das bedauere ich ja so sehr, diese Art der Unterhaltungsführung hört auf und wird auch hier bei mir drastisch weniger, weil sich die selbständigen Ärztinnen und Ärzte immer mehr verabschieden.
so richtig Unterhaltungen kenne ich überhaupt nicht und hier verabschieden sich zwar nicht so viele Ärzte, jedenfalls nicht so rasant wie in anderen Gegenden, aber es geht eben überall immer mehr um Quantität, schnell abfertigen, tschüss bis zum nächsten Quartal, wo es dann wieder mindestens Pauschale und die dollsten Diagnosen gibt 8) also muss man als Patient ganz schön bohren, was nun los ist und wofür nun Medikament A oder B ist, wenn es nicht gerade offensichtlich ein Schmerzmittel ist.

_________________
"Es amüsiert mich immer, wenn Menschen all ihr Unglück dem Schicksal, dem Zufall oder dem Verhängnis zuschreiben, während sie ihre Erfolge oder ihr Glück mit ihrer eigenen Klugheit, ihrem Scharfsinn oder ihrer Einsicht begründen." (Coleridge)


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: 05.10.14, 17:06 
Offline
DMF-Mitglied
DMF-Mitglied

Registriert: 31.12.12, 15:22
Beiträge: 2029
schnuffeldi hat geschrieben:
so richtig Unterhaltungen kenne ich überhaupt nicht ...

Unterhaltung ist auch nicht richtig ausgedrückt von mir, hier haben die Ärztinnen und Ärzte auch mal mehr und mal weniger die Zeit und Muße für Erklärungen. Aber die Bereitschaft ist halt vorhanden. Noch.

Ich wünsche Dir, dass es Dir bald besser geht.

Frdl. Grüße
Christiane


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: 06.10.14, 11:58 
Offline
DMF-Mitglied
DMF-Mitglied

Registriert: 06.08.13, 13:05
Beiträge: 1152
Naja, ich dachte wirklich, dass es vorkommt, dass manche Ärzte mit z.B. länger vertrauten Patienten auch mal plaudern, nicht nur über Krankheiten. Noch ganz viel früher, als ich jahrelang bei meiner Hausärztin in Behandlung war, nahm sie sich mal Zeit für mein damaliges Gewichtsproblem. Sie schlug mir vor, dass ich aufschreibe, was ich esse und daneben, was ich weglassen würde, wenn ich mich zusammenreiße. Sie nahm sich dann die Zeit, mit mir darüber zu reden,obwohl sie damit eigentlich nichts zu tun hatte und neben der Schildiplauderei (Werte besprechen,wenn die zu dolle waren etc) und das war wirklich ein gutes Verhältnis, wie man es sich wünscht. Ich bin damals also sehr verwöhnt worden, wo ich hier und heute noch denke: "autsch, ist es wirklich noch mit Studium verbunden oder kriegt man den Titel jetzt so?" jedenfalls bei den meisten Docs hier im Örtchen, nicht bei allen. Und kaum Zeit, sich sogar genau erklären zu lassen, WIE es WO wehtut, bis ich wirklich mal endlich an zwei richtige Ärzte kam. Ich will nunmal nicht nur wissen,wofür welches Medikament ist oder wogegen, sondern auch was genau mit mir passiert ist. Und wenn man das endlich mal deutlich , mit neuer Diagnose :lol: erklärt bekam, dann bin ich A beruhigt, dass es nichts lebensbedrohliches ist, aber eben schmerzhaft und langwierig und mit dauerhaften Einschränkungen. Damit lerne ich zu leben. Je mehr man seine Krankheit versteht, umso gezielter kann man auch sich selbst ein Stück helfen, sei es weiter kühlen oder irgendwelche Sachen vermeiden oder stärker in Angriff nehmen. Ich lasse beim Arzt dann aber auch das Feedback, dass ich dankbar bin, dass endlich gehandelt wurde und vor allem jetzt deutlich ist, was da gerade bei mir los ist und wie man weiter verfärt, da er auch weiß, dass mir eine Menge bei der ersten "Schmerztherapie" versprochen wurde und nichts kam. Er war bei den Visiten ja schweigend dabei. Nun stand die wirkliche Schmerztherapie unter seiner Verantwortung und holla die Waldfee, da ging was! :D Ein Arzt ,der nicht völlig erkaltet ist, merkt auch meist ohne Feedback , dass man ihm vertraut und vor allem viel von ihm hält und dankbar ist.
Zitat:
Ich wünsche Dir, dass es Dir bald besser geht.
Danke und vor allem kann ich nur in die Runde wünschen, nie wirklich krank zu werden, wo es um mehr geht als eine Erkältung. 8) Tschakka (oder so)

_________________
"Es amüsiert mich immer, wenn Menschen all ihr Unglück dem Schicksal, dem Zufall oder dem Verhängnis zuschreiben, während sie ihre Erfolge oder ihr Glück mit ihrer eigenen Klugheit, ihrem Scharfsinn oder ihrer Einsicht begründen." (Coleridge)


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: 08.10.14, 15:19 
Offline
DMF-Moderator

Registriert: 06.03.05, 08:30
Beiträge: 4399
Wohnort: Hildesheim
Guten Tag,
Zitat:
Wie oft lesen wir hier dass der Arzt irgendwas erklärt hat und man weiß es einfach nicht mehr was der alles gesagt hat.


Genau darum geht´s.

Es werden in kurzer Zeit zuviel komplexe Informationen vermittelt:

7:30 Uhr - administrative Aufnahme, Karte einlesen, 10-seiter-Aufnahmevertrag :arrow: unterschreiben, Datenweitergabe Hausarzt :arrow: unterschreiben, Hinweise Datenschutz etc. :arrow: unterschreiben

8:30 Uhr Aufklärungsgesprach Chirurg (6 Seiten eng bedrucktes Papier): Eingriff, typische Risiken, seltene Risiken, sehr seltene Risiken und sterben kann man theoretisch auch... noch Fragen? Jetzt nicht? Fein :arrow: unterschreiben.

9:30 Aufklärungsgespräch Narkose (6 Seiten eng bedrucktes Papier): typische Risiken, seltene Risiken, sehr seltene Risiken und sterben kann man theoretisch auch... noch Fragen? Jetzt nicht? Fein :arrow: unterschreiben.

Sie sind Privatpatient? Dann bitte noch Datenweitergabe Abrechnungsstelle, Chefarzt Behandlungsvertrag und Zuschlag Einzelzimmer mit Kostenerklärung... :arrow: unterschreiben.

Am Ende hält man rund 20 Seiten Papier in der Hand, die man sich zu Hause in Ruhe durchlesen kann, nachdem man sie unterschrieben hat. Für eine Information vorher läßt der Krankenhaus-Alltag keine Lücken.

Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich sagen: Die allermeisten Patienten machen nicht den Eindruck, als würde sie das stören. Nicht wenige haben Ihren Bogen schon vor dem ärztlichen Aufklärungsgespräch unterschrieben. Und nicht wenige geben zu erkennen: Ich vertraue Ihnen, machen Sie das, was Sie für richtig halten.

Vor diesem Hintergrund besteht eine erhebliche Diskrepanz zwischen "gesetzlicher Anforderung" und "gelebter Praxis". Wie so oft im Leben.

Dr. A. Flaccus

_________________
Dr. A. Flaccus
Facharzt für Anästhesie
- Notfallmedizin -
DMF-Moderator


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: 08.10.14, 19:15 
Offline
DMF-Mitglied
DMF-Mitglied

Registriert: 06.08.13, 13:05
Beiträge: 1152
Gut, so fette Abläufe hat man in wenigen Berufen (bei mir hätte man sich zwar auch seitenweise durch den Vertrag kämpfen müssen, dass bitte auch in Ruhe zu Hause und wenn alles klar ist
Zitat:
"Fein :arrow: unterschreiben"
:lol: so auch bei vereinbarten Veränderungen.

Zitat:
Am Ende hält man rund 20 Seiten Papier in der Hand, die man sich zu Hause in Ruhe durchlesen kann, nachdem man sie unterschrieben hat.
Hm, ich habe ja in letzter Zeit nur einen Eingriff gehabt und erst bekam ich die Bögen nach Hause, um sie mir durchzulesen und Unklarheiten zu notieren, wenn sie bestehen , ansonsten unterschrieben zurücksenden oder wenn der Termin zeitnah ist, mitbringen. Bei Diagnostik wie MRT habe ich sofort meinen Krakel hingesetzt, aber auch nur, da es mir nichts neues war.

Es passiert wahrlich sicher vielen, dass die durch den Wust an Informationen auch schnell vergessen, was der Arzt nun erklärt hat, alles einfach weg, aber dann hake ich nach nach dem ich gestanden habe, dass ichs völlig im Kopf vermurkst habe. Wenns eben auch ne Kurzfassung ist, ewig hat ja keiner Zeit und dann ists gut.

Zitat:
Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich sagen: Die allermeisten Patienten machen nicht den Eindruck, als würde sie das stören. Nicht wenige haben Ihren Bogen schon vor dem ärztlichen Aufklärungsgespräch unterschrieben. Und nicht wenige geben zu erkennen: Ich vertraue Ihnen, machen Sie das, was Sie für richtig halten.
Wenn das Vertrauen da ist, sehr gut und wenn sich Arzt und Patient länger kennen , woraus sich ja evtl. Vertrauen ergibt.

Ich bin einer OP entgangen und das zum Glück, das "Aufklärung"sprozedere war schon komisch. Und zum Glück habe ich mich andernorts informiert. 8)

Ich kann also nur mit gewissem Neid (was nicht immer negativ sein muss) sagen, dass ich auch gern mehr Vertrauen haben möchte, aber dann müsste ich doch wieder umziehen :roll:

Zitat:
Vor diesem Hintergrund besteht eine erhebliche Diskrepanz zwischen "gesetzlicher Anforderung" und "gelebter Praxis". Wie so oft im Leben.
eigentlich immer, ob im Job oder privat. Wenn ich für meinen damaligen Bereich immer so Dinger gelesen habe, wie geschmeidig das alles doch läuft, habe ich mich oft fast verschluckt! :twisted: und auch da reden wir von öffentlicher und privater Finanzierung und dann leiert man Gesetze rauf und runter , dabei müsste man die eher tanzen und klatschen. Musste ja nu eh umsteigen.

_________________
"Es amüsiert mich immer, wenn Menschen all ihr Unglück dem Schicksal, dem Zufall oder dem Verhängnis zuschreiben, während sie ihre Erfolge oder ihr Glück mit ihrer eigenen Klugheit, ihrem Scharfsinn oder ihrer Einsicht begründen." (Coleridge)


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: 17.01.15, 20:43 
Offline
DMF-Mitglied

Registriert: 10.11.07, 00:44
Beiträge: 46
Hallo,

mangelnde Aufklärung der Patienten ist ein großes Problem in vielen Krankenhäusern.
Außer den hier schon genannten Gründen gibt es noch weitere:

In dem Krankenhaus, in dem ich lag, gibt es einen ausländischen Chefarzt, der auch nach drei Jahren (so lange ist er Chefarzt) immer noch einen Dolmetscher zur Visite mitnimmt. Dieser ist ein Landsmann, der zwar recht gut Deutsch spricht, aber keinerlei medizinische Ausbildung hat. Da ergeben sich mannigfache Verständnisprobleme.
Ich frage mich, wie ein ausländischer Arzt Chefarzt werden kann, wenn er nicht alleine ein Gespräch mit einem Patienten führen kann.

Ein weiterer Grund sind Vertuschungen bei Ärztefehlern.
Ich hatte eine Gallenblasenoperation, und als ich aufwachte, wurde mir nur gesagt, alles sei bestens verlaufen, aber man habe eine Bauchschnitt machen müssen. In den nächsten Tagen wurde ich gelb, und mein Urin wurde braun. Der Operateur sagte, das sei normal nach einer solchen Operation. Am 4. Tag kam ein Oberarzt mit einem Zettel, den er mich bat, sofort zu unterschreiben. Oben drauf stand ERCP. Er sagte mir, das sei notwendig, um mal in meinen Bauch 'von oben reinzuschauen. Das macht man nach einer Gallenblasenoperation'.
Ich habe den Zettel schnell durchgelesen, aber nicht alles verstanden. Ich habe aber trotzdem unterschrieben, weil der Arzt drängte: 'Nun unterschreiben Sie schon, ich muss gleich zu einer Operation.'
Die ERCP wurde gemacht und der Gastro-Enterologe sagte hinterher nur: 'Es ist alles in Ordnung'.
Die Gelbsucht ging zurück, und ich wurde entlassen.

Den Entlassungsbrief habe ich gleich bei meinem Hausarzt in den Briefkasten geworfen. Er war im Urlaub. Zwei Wochen später rief mein Hausarzt mich an und bat mich, zu ihm zu kommen. Im Bericht stand, dass der Gallengang verengt sei und man mir daher einen Stent eingesetzt habe. Ich fiel aus allen Wolken. Mein Hausarzt forderte daraufhin den OP-Bericht an, aber auch nach dreimaliger Bitte kam der Bericht nicht. Erst als ich drei Monate nach der OP ins Sekretariat des Arztes ging und sagte, ich würde so lange im Krankenhaus bleiben, bis ich den Bericht bekommen hätte, wurde er mir nach 5 Stunden Wartezeit ausgehändigt.
Der Bericht war richtiggehend 'hingeschludert' worden. Ganze Sätze oder Satzteile waren wiederholt worden, die Chronologie der Ereignisse völlig undurchsichtig, aber der Satz: 'Es musste eine tangentiale Übernähung des Ductus choledochus gemacht werden' ließ darauf schließen, dass der Gallengang während der OP verletzt worden war.
Als ich noch im Sekretariat war, lief der Chirurg schnell durch das Zimmer, und auf meine Frage: 'Wurde bei mir der Gallengang verletzt' sagte er nur: 'Das weiß ich nicht mehr.' Dann war er verschwunden.
Noch schlimmer war die Tatsache, dass ich inzwischen wieder gelb wurde und Gallenkoliken hatte.
Ich ging dann zum Gastro-Enterologen, der sagte, ich hätte schon längs zu einem Stentwechsel kommen müssen. Das hatte mir ja niemand gesagt. Jetzt muss ich alle 5-6 Wochen eine ERCP haben, weil der Stent immer wieder verstopft.

Der behandelnde Chirurg hat bis heute nicht zugegeben, dass der Gallengang während der Operation verletzt worden ist. Als Chefarzt der Chirurgie darf er wohl einen Fehler nicht zugeben.

Im selben Krankenhaus hat ein Arzt eine Nierenoperation durchgeführt, der Patientin versehentlich die Bauchschlagader durchgeschnitten, sie selber notdürftig zusammengenäht, aber der Patientin, der Station und den Schwestern nichts erzählt. Die Patientin stand in der Nacht mit Erlaubnis der Schwester auf und ging zur Toilette. Am nächsten Morgen war sie nicht mehr ansprechbar. Sie kam auf die Intensivstation und dann in den OP, wo sie während einer Notoperation verstarb. Die Familie hat Klage eingereicht.

Mangelnde Aufklärung geschieht wahrscheinlich oft, weil ein Arztfehler vertuscht werden soll.

Katti


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: 18.01.15, 17:51 
Offline
DMF-Mitglied
DMF-Mitglied

Registriert: 06.08.13, 13:05
Beiträge: 1152
@Katti, das ist wahrscheinlich auch der einzige Grund. Aber man möge sich ja bei allem bitte selbst belesen, das mag bei Behandlungsmethoden hilfreich sein, aber nie bei Eingriffen, davor wie danach Und ein solcher selbsternannter Halbgott möchte dementsprechend bezahlt und anerkannt werden. Diagnose-OP und Behandlungsfehler sind ja gern Sache des Patienten. Daher bleibe ich immer dabei: nach Leistung und zwar nach tatsächlicher Leistung. Dann dürften sich wirklich gute Ärzte n icht drüber aufregen.

_________________
"Es amüsiert mich immer, wenn Menschen all ihr Unglück dem Schicksal, dem Zufall oder dem Verhängnis zuschreiben, während sie ihre Erfolge oder ihr Glück mit ihrer eigenen Klugheit, ihrem Scharfsinn oder ihrer Einsicht begründen." (Coleridge)


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: 19.01.15, 09:54 
Offline
DMF-Mitglied
DMF-Mitglied

Registriert: 25.09.12, 09:29
Beiträge: 290
schnuffeldi hat geschrieben:
Aber man möge sich ja bei allem bitte selbst belesen, das mag bei Behandlungsmethoden hilfreich sein, aber nie bei Eingriffen, davor wie danach

Bei einer Not-OP ist natürlich keine Zeit sich vorher zu belesen. Bei einer geplanten OP hat man schon mehr Zeit und es ist besser sich vorher zu belesen, vor allem über verschiedene OP-Methoden.
schnuffeldi hat geschrieben:
Diagnose-OP
Was meinst Du ? Eine OP zur Diagnostik?
schnuffeldi hat geschrieben:
Und ein solcher selbsternannter Halbgott möchte dementsprechend bezahlt und anerkannt werden....nach Leistung und zwar nach tatsächlicher Leistung.

Leistung ist Arbeit pro Zeit. Das ist ja gerade das Problem heutzutage. Es gibt Zeiten wie lange eine OP dauert. Dauert eine OP länger als geplant, weil die Sache sich komplizierter darstellt, wenn der Patient offen daliegt oder ein weniger erfahrener Arzt operiert, ist das Chaos da. Da werden z.B. OP's verschoben. Ein Krankenhaus ist nunmal kein Produktionsbetrieb.


LilyG


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: 19.01.15, 11:38 
Offline
DMF-Mitglied
DMF-Mitglied

Registriert: 06.08.13, 13:05
Beiträge: 1152
Sicherlich, wenn man das Internet hat ansonsten in der Bibliothek graben. Eigentlich aber müsste man sich auf den Arzt verlassen können, aber die Praxis zeigt ja, dass man den dann schon gezielt auf die eine oder andere Methode ansprechen muss. Und dann kommt das "achjaaaaaaaa, stimmt" :lol: (diese doofe Patientin raubt mir die Zeit, die ist begoogelt :mrgreen: )

Und ja, das was oben beschrieben war, war ja glaube ich einmal zur Diagnostik, also ergänzend.

Dass ein KH nicht als Produktionsbetrieb gesehen werden möchte oder sollte, ist klar, aber letzendlich ist es doch schon Akkordarbeit, die sicher sehr stressig ist, aber da muss ja auch m al Ablösung her und reicht die nicht, müssen noch Ärtze ran, das muss (sich) ein KH leisten können die ziehen doch ab wie verrückt. Und klar kommts zu Zwischenfällen, die die Zeiten bzw. Pläne danach mächtig durcheinanderwirbeln, dass man die Prioritäten neu setzen muss, was an OPs nötiger ist und was noch einen oder zwei Tage verschoben werden kann. Und ein Krankenhaus, welches sich irgendnen Prunk und KLavierklimperer und Bauchtänzerinnen leistet (mal so ein Glanzbeispiel :lachen: ), dann sind mehr Ärzte, Schwestern oder Transportleute nötiger. Zur Not kann der Geschäftsführer oder ein begabter Patient klimpern, wenn man so Wert auf solche Sachen legt und das hiesige KH ist sicher kein Einzelbeispiel.

Aber zurück zu Fehlern, na klar sind da Menschen dahinter, die genauso wie auch Geräte und Maschinen Fehler machen, aber dazu stehen wäre A und die Konsequenzen daraus ziehen und auch B nicht Gehälter fordern, als wäre man Superman oder so, sondern angemessen und wirklich das, was getan wurde und bei Fehlern Entschädigungen, denn das müssen wir alle selbst mit geringem Einkommen leisten, wenn wir Fehler machen. Es darf eben nicht nur bei Fehlern "festgestellt" werden, dass es auch nur Menschen sind. Sich so verhalten wäre schon ein Anfang und auch Kompetenz zeigen und die zeigt sich mitunter neben anderen Dingen auch in der Art der Aufklärung. Ich kann jemandem ein Lehrbuch zitieren und wenn Fragen kommen, stocken, weil ich das Gelesene nicht begriffen habe oder ich spreche frei , mit evtl. ein paar Notizen, um nichts zu vergessen und zeige, dass ich vom Fach etwas verstehe und auch dahinterstehe. Und leider haperts da bei vielen und ich schreibe auch artig dazu, dass es nun auch nicht alle trifft. Ich schreibe ja meist "viele", "einige" etc. um zu zeigen, dass ich nicht alle meine. Gibt ja schon ein paar kleine Wunder :wink:

_________________
"Es amüsiert mich immer, wenn Menschen all ihr Unglück dem Schicksal, dem Zufall oder dem Verhängnis zuschreiben, während sie ihre Erfolge oder ihr Glück mit ihrer eigenen Klugheit, ihrem Scharfsinn oder ihrer Einsicht begründen." (Coleridge)


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
BeitragVerfasst: 19.01.15, 13:51 
Offline
DMF-Moderator

Registriert: 06.03.05, 08:30
Beiträge: 4399
Wohnort: Hildesheim
Zitat:
Ein weiterer Grund sind Vertuschungen bei Ärztefehlern.

Langsam, langsam...

Zitat:
'Es musste eine tangentiale Übernähung des Ductus choledochus gemacht werden' ließ darauf schließen, dass der Gallengang während der OP verletzt worden war.

Das ist kein "Fehler", sondern bis zum Beweis des Gegenteils eine mit dem Eingriff verbundene Komplikation.
Darüber wird in der Regel vorher aufgeklärt:Verletzung von Gefäßen, Nerven, Organen, Gallengang etc.
Ich gehe davon aus, das dies auch hier geschah und das der Patient das unterschrieben hat.

Und Komplikationen kommen in der Medizin nun mal vor. Man kann Sie - trotz größter Sorgfalt - nicht immer vermeiden. Wer also meint, hier wurde ein Fehler gemacht, der muß beweisen, das hier nicht sorgfältig genug gearbeitet wurde.

Wer nicht bereit ist, das Risiko solcher Komplikationen in Kauf zu nehmen, der darf eben nicht in eine OP einwilligen. Oder er muß sich mehr Bedenkzeit nehmen und sich einen neuen Termin geben lassen.

Zitat:
Daher bleibe ich immer dabei: nach Leistung und zwar nach tatsächlicher Leistung.

Wo ist das Problem? Die Leistung wurde erbracht. Eine OP der Gallenblase.
Was hier wohl eher gemeint ist: Der Behandlungserfolg.
Doch Vorsicht - wenn man ein solches Vergütungssystem einführt, operiert demnächst kein Arzt mehr. Denn eine Erfolgsgarantie für medizinische Leistungen gibt es nicht. Damit müssen alle Beteiligten leben.

Dr. A. Flaccus

_________________
Dr. A. Flaccus
Facharzt für Anästhesie
- Notfallmedizin -
DMF-Moderator


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 49 Beiträge ]  Gehe zu Seite Vorherige  1, 2, 3, 4  Nächste

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 3 Gäste


Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.

Suche nach:
Powered by phpBB® Forum Software © phpBB Group
Deutsche Übersetzung durch phpBB.de
Karma functions powered by Karma MOD © 2007, 2009 m157y
© Deutsches Medizin Forum 1995-2017. Ein Dienst der Medizin Forum AG, Hochwaldstraße 18 , D-61231 Bad Nauheim ,HRB 2159, Amtsgericht Friedberg/Hessen, Tel. 03212 1129675, Fax. 03212 1129675, Mail jaeckel@medizin-forum.de. Plazieren Sie Ihre Werbung wirkungsvoll! Hier finden Sie unsere Mediadaten!