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medizin-forum.de • Thema anzeigen - Unterlassene Hilfeleistung?!
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 Betreff des Beitrags: Unterlassene Hilfeleistung?!
BeitragVerfasst: 22.04.11, 23:18 
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Registriert: 15.03.09, 12:11
Beiträge: 76
Wohnort: an der Grenze zum Ruhrpott
Hallo!

Ich hatte vor Weihnachten aufgrund eines Asthmaanfalls, den ich selber nicht mehr in den Griff bekam, ärztliche Hilfe benötigt. Trotz je 8 Hub Formoterol, Ipramprotiumbromid, 1/2 Amp. Terbutalin s.c. und 100mg Prednison, hatte ich immer noch starke Luftnot, Husten und "pfiff" quasi auf dem letzten Loch. Sprechen war nur noch in Einwortsätzen und mit Mühe möglich. Aufgrund der Tatsache, dass das nächte Ärztehaus in "Spuckweite" war und die HNO mich kannte, bin ich dorthin. Sie war allerdings schon in Mittagspause. Darum bin ich dann eine Etage tiefer und habe bei dem "Privatarzt" in dem Haus geklingelt, in der Hoffnung, er sei noch da. Er hat mir auch die Türe geöffnet. Ich ihm versucht zu erklären, dass ich keine Luft kriege und war kurzfristig der Meinung, jetzt gleich bekommst du Hilfe. Er hat mich von "oben bis unten" betrachtet und mir dann erklärt, er behandele keine Kassenpatienten, ich möge zu einem anderen Arzt gehen. Damit hat er mich dann stehen lassen und die Türe von innen geschlossen.

Ich war sprachlos, entsetzt, furchtbar wütend und brauchte immer noch dringend Luft. Zum Glück brannte in dem gegenüberliegenden Ärztehaus auf der anderen Straßenseite noch Licht und dort hat man mir dann auch den Asthmaanfall medikamentös durchbrochen. Wahrscheinlich wäre es sinniger gewesen, mir über die 112 einen Notarzt zu rufen, aber sprechen ging dermaßen schlecht, dass ich nicht in der Lage gewesen wäre, die Adresse zu nennen und es war wie verhext. In dem Moment bin ich auch keiner Menschenseele begegnet, der ich mein Handy in die Hand hätte drücken können, mit der Bitte mir Notarzt zu rufen. Eine absolut unschöne Situation. In meinen Augen hat sich der "Privatarzt" der unterlassenen Hilfeleistung schuldig gemacht.

Ich war jedenfalls danach richtig sauer, habe bei der Ärztekammer angerufen und mich beschwert. Nach der Schilderung der Situation und des Ablaufes, meinte die Dame am Telefon, dass ich das bitte auf jeden Fall schriftlich machen möchte. Auch das habe ich getan. Mittlerweile ist der "Privatarzt" zur Stellungnahme aufgefordert worden, ich habe noch eine Schweigepflichtentbindung für den anschließend behandelnden Arzt einreichen müssen. Das habe ich auch gemacht. Die Beschwerde ist nun von der Kreisstelle an die Landesstelle und die dortige Rechtsabteilung abgegeben worden. Von dort soll ich dann irgendwann weitere Nachricht bekommen. Eine zuerst in Erwägung gezogene Strafanzeige wegen unterlassener Hilfeleistung, habe ich nicht gestellt, weil ich da leider wegen "Aussage gegen Aussage" wenig Chancen auf Erfolg ausrechne.

Wie lange dauert solch eine Beschwerdebearbeitung?
Mit welchen Konsequenzen hat der "Arzt" zu rechnen, wenn ich mit der Beschwerde "Erfolg" haben sollte?
Macht eine Strafanzeige, wovon ich ja erstmal abgesehen habe, evtl. doch noch Sinn?

Mit freundlichen Grüßen

Jumanji


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 Betreff des Beitrags: Re: Unterlassene Hilfeleistung?!
BeitragVerfasst: 24.04.11, 20:51 
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Registriert: 21.06.08, 21:36
Beiträge: 107
Hallo Jumanji,

auf jeden Fall bekommt der Arzt viiiiel Ärger!
Habe mich auch einmal wegen unterlassener Hilfeleistung bzw. einem Arztfehler an die zuständige KV gewendet. Allerdings hatte ich vorher den Chef dieses Arztes informiert - das war der größte Fehler!
So stand dann Aussage gegen Aussage und die KV konnte nichts tun.

Ich habe mich dann an die Staatsanwaltschaft gewandt und die versuchten der Sache auf den Grund zu gehen und Beweise zu finden.
So weiß ich, dass der Arzt viel Ärger hatte mit Hausdurchsuchungen privat und in der Praxis. Leider wurde die ganze Sache dann eingestellt - aber ich hatte doch einige Genugtuung!

Angie


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 Betreff des Beitrags: Re: Unterlassene Hilfeleistung?!
BeitragVerfasst: 24.04.11, 23:58 
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Registriert: 07.09.05, 20:58
Beiträge: 583
Ich würde mit von den Ermittlungen der KV oa nicht zuviel versprechen.
Nochmal dort nachhaken, was bis wann erreicht wird.
Nicht erwähnen, dass du zur Kripo gehst

Zur Kriminalpolizei gehen, nachfragen was bei einer Anzeige
Vorwurf:
-unterlassene Hilfeleistung im Amt
-ersticken oder Verunfallung billigend in Kauf genommen
-trotz Ausbildung als Arzt ( genaue Bezeichnung ) mit ( Spezialkenntnissen in ) nicht gehandelt
-
-
-
Anfragen ob eine Anzeige nötig ist
ob Staatsanwaltschaft hier schon von selbst ermitteln muss
nicht erwähnen, dass du später zur Regionalpresse gehst
alle Aussagen der Polizei notieren, du kriegst wahrscheinlich keine Durchschrift
Dienstgrad Name Datum Uhrzeit Dauer des Gespräches notieren.

Nach gewisser Zeit ( je nach Aktionen oder Info der genannten Parteien ) zur Regionalpresse gehen, Ablaufprotokoll und alle Schriftstücke in Kopie vorlegen.

Hast du Rechtschutzversicherung ? Anfragen was evtl. möglich ist
die Kripobeamten fragen ob Fahrlässigkeit oder schon Vorsatz in Frage kommt


In Deutschland muss man Recht und Gesetz und Respekt vor dem Mitbürger immer wieder
auf die Sprünge helfen
Viel Glück
weiterhin hier posten und bitte mir pn


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 Betreff des Beitrags: Re: Unterlassene Hilfeleistung?!
BeitragVerfasst: 24.06.11, 14:08 
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Registriert: 05.03.07, 19:16
Beiträge: 1738
Wohnort: Hannover
SUEDBALKON hat geschrieben:
-unterlassene Hilfeleistung im Amt
-ersticken oder Verunfallung billigend in Kauf genommen
-trotz Ausbildung als Arzt ( genaue Bezeichnung ) mit ( Spezialkenntnissen in ) nicht gehandelt


Da ein Arzt in der Regel kein Amtsträger ist (es sei denn, er ist Amtsarzt), kann er sich nicht der unterlassenen Hilfeleistung im Amt strafbar machen.

Alles andere fällt unter die "einfache" unterlassene Hilfeleistung (§ 323c StGB). Es könnte aber eine eventuelle "Garantenstellung" des Arztes prinzipiel Strafverschärfend wirken.

Aber im Groben wie im feinen geht Suedbalkons Beitrag an der Rechtslage vorbei


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 Betreff des Beitrags: Re: Unterlassene Hilfeleistung?!
BeitragVerfasst: 21.08.11, 06:49 
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Registriert: 21.08.11, 05:51
Beiträge: 41
Das ganze ist menschlich absolut daneben.

Daraus folgen wird aber eher nicht viel.

Letztlich ist die juristisch wichtige Frage, welche chronischen Folgen also Schäden Du davon getragen hast, weil dieser Arzt Dich nicht behandelt hat. Da das letztlich nicht der Fall ist aus Deiner Schilderung heraus, ist da auch nichts womit Du ihn haftbar machen kannst.

Abgesehen davon - ruf nächstes mal die 112. Durch das Rumlaufen und panische Suchen nach jemandem, der Dir hilft, schaukelst Du den Anfall nur hoch.


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 Betreff des Beitrags: Re: Unterlassene Hilfeleistung?!
BeitragVerfasst: 18.09.11, 09:42 
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Interessierter

Registriert: 17.09.11, 09:21
Beiträge: 13
Hallo,

Ich kann Ihre Enttäuschung durchaus verstehen. Das der Kollege menschlich alles andere als gut gehandelt hat steht außer Frage. Trotzdem dürfte Ihre Beschwerde zwar den betreffenden Arzt wachrüttelen, aber sehr wahrscheinlich im Sande verlaufen. Ich versuche Ihnen mal zu antworten, warum ich dies denke:


Jumanji hat geschrieben:

Trotz je 8 Hub Formoterol, Ipramprotiumbromid, 1/2 Amp. Terbutalin s.c. und 100mg Prednison, hatte ich immer noch starke Luftnot,


Dieses Maß an Medikation ist deutlich mehr als das Übliche, was man zu Hause als Asthmatiker oder COPDler hat. Nun muß man allerdings auch sagen, dass es deutlich mehr ist als in vielen Notkoffern im ambulanten Bereich zu finden ist. Insbesondere bei Nicht- Internisten werden Sie nicht mehr als diese Ausstattung finden. Wenn man nun einwendet, dass man schlicht von allem mehr hätte geben können, wird man einwenden, dass dies in einer Praxis mangels fehlender Überwachungsmöglichkeit nicht möglich sei. Hier wäre der Kollege meines Erachtens eventuell schon "raus"

Zitat:
Sprechen war nur noch in Einwortsätzen und mit Mühe möglich. Aufgrund der Tatsache, dass das nächte Ärztehaus in "Spuckweite" war und die HNO mich kannte, bin ich dorthin.


Der Kollege wird sich auf zwei Dinge zurückziehen:
1. Überlegung: Der Anfall wird nicht so dramatisch gewesen sein in seinen Augen. Da es sich um keine Notfallsituation in seinen Augen gehandelt hat. Unterstützen kann man das mit seiner Fachkentniss und der Tatsache, dass Sie eben selbstständig (!) und zu Fuß (!) in das Ärztehaus gegangen sind.
2. Grundsätzlich besteht im ambulanten Bereich die Behandlungsfreiheit. Ein Arzt ist immer nur als Krankenhausarzt und bei Notfällen in Deutschland verpflichtet zu helfen (in vielen eurpäischen und nicht-europäischen Ländern ist dies übrigens keineswegs so. Da dürfen Patienten sogar Tod umfallen ohne, dass der Arzt handeln muß). Das heißt ganz simpel: so wie der Patient seinen Arzt aussuchen darf, darf der Arzt seinen Patienten aussuchen. Mit o.g. Einschränkung.
Kommt der Kollege nun zur Erkentniss, dass es sich um keinen Notfall handelt -da er Sie von oben bis unten betrachtet hat, kann man ihm nicht mal vorwerfen, er habe sich nicht mit ihrem klinischen Zustand befasst- kann er natürlich Ihre Behandlung ablehnen.

Zitat:
Wahrscheinlich wäre es sinniger gewesen, mir über die 112 einen Notarzt zu rufen, aber sprechen ging dermaßen schlecht, dass ich nicht in der Lage gewesen wäre, die Adresse zu nennen und es war wie verhext.


Wenn der Anfall so schlimm gewesen sein sollte -ich war ja nicht dabei, daher Konjunktiv ;-)- wäre der Notarzt sicher die bessere Alternative gewesen. Die Leitstellendisponenten der Feuerwehr können Ihren Anruf übrigens jederzeit örtlich zurückverfolgen. Im Zweifelsfall wird Ihnen die Polizei vorbeigeschickt, die Hilfe nachfordert.

Zitat:
Eine zuerst in Erwägung gezogene Strafanzeige wegen unterlassener Hilfeleistung, habe ich nicht gestellt, weil ich da leider wegen "Aussage gegen Aussage" wenig Chancen auf Erfolg ausrechne.


Meiner persönlichen Meinung nach werden Sie damit auch wenig Erfolg haben. Für einen Juristen dürfte es schlichtweg nicht nachvollziehbar sein, wie jemand, der nicht den Rettungsdienst ruft, dafür aber in mehrere Gebäude zu Fuß gehen kann und dabei auch noch die Etagen wechselt, sich auf eine akut lebensbedrohliche Situation berufen will. Zudem wird man davon ausgehen, dass Sie als Asthmatiker ein gutes Wissen über Ihre Krankheit und eventuelle Konsequenzen besitzen. Untermauert wird dies durch Ihre umfassende Medikation zu Hause und die Tatsache, dass Sie schon eine komplexe medizinsche Behandlung an sich selbst begonnen haben durchzuführen. Mit anderen Worten wird Ihnen ein Jurist wahrscheinlich antworten: Sie hätten es selbst wissen müssen und Sie seien gar nicht so bedroht gewesen. Zudem erwähnten Sie bereits, dass Sie doch noch hätten sprechen können. Der Jurist würde sagen, dass "Name", "Adresse" und "Asthma" ins Telefon zu sprechen gereicht hätten, um den Rettungsdienst zu alarmieren (was ich persönlich auch denke)
Insofern glaube ich persönlich nicht, dass eine Anzeige sinnvoll wäre. Ist aber meine persönliche Meinung.


Verstehen Sie mich bitte nicht falsch mit folgendem: So eine Art von schwerem Asthmaanfall, bei der man sich noch minutenlang bewegt und für den Kollegen auch noch nicht bedrohlich wirkt, ist eher unüblich. Ganz ausdrücklich: ich spreche Ihnen nicht ab, dass es so gewesen ist in dieser Situation!! Und ich möchte das Verhalten des Kollegen nicht rechtfertigen, nur versuchen vielleicht nachvollziehbarer zu machen wieso es wahrscheinlich ergenbislos oder "nur" mit einer Ermahnung des Kollegen enden wird. Das es menschlich unterirdisch war ist klar und für mich kaum nachvollziehbar.

Was mich interessieren würde: haben Sie eigentlich schon mal den Kollegen direkt darauf angesprochen? Er wird Ihnen alles am besten schildern können


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