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medizin-forum.de • Thema anzeigen - Probleme beim Krankentransport
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 Betreff des Beitrags: Probleme beim Krankentransport
BeitragVerfasst: 05.04.11, 06:39 
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Registriert: 28.04.08, 13:13
Beiträge: 1472
Ein Hilfsunternehmen (aus der Kategorie DRK, JUH, Malteser, ASB etc.) wird im Rahmen des Patientenfahrdienstes beauftragt, einen Patienten "zum Sterben" vom Krankenhaus nach Hause zu fahren. Nach kürzester Zeit stellt das Begleitpersonal einen Atemstillstand fest, reanimiert den Patienten (erfolgreich) und der Fahrer fährt zurück zum Krankenhaus. Dort weigert sich der Arzt, den Patienten wieder aufzunehmen: "Er ist schon entlassen, den nehmen wir nicht mehr." Auf den Hinweis mit dem Atemstillstand kommt nur der Kommentar: "Ja, und? Jetzt atmet er doch wieder."

Bei einem früheren, ähnlichen Vorfall wurde dem Patientenfahrdienst-Personal gesagt: "Ist mir egal, was Ihr mit ihm macht, Hauptsache, Ihr bringt ihn nicht wieder hierher."

:shock:

Ich bin nicht in der Branche, aber ist sowas wirklich normal?
Auch wenn der Patient dem Tod näher ist als dem Leben, und selbst wenn das Krankenhaus auch nicht mehr viel machen kann (er ist ja "zum Sterben" entlassen worden) aber der Patient soll ja daheim sterben und nicht in irgendeinem Fahrzeug!

Falls aber die Einstellung des Arztes normal ist: Haben die Mitarbeiter auf so einem Fahrzeug überhaupt Ausrüstung und Ausbildung, um den Tod zweifelsfrei festzustellen? Und was soll der Hilfsdienst mit dem (vermeintlich?) Verstorbenen machen? Ihn daheim abliefern ("Guten Tag, wir bringen Ihnen Ihren Opa. Er ist uns zwar unterwegs gestorben, aber wir haben unsere Aufgabe erfüllt. Da haben Sie ihn.")? Das kann es ja wohl auch nicht sein!

Falls die Einstellung des Arztes nicht normal ist: Was kann der Patientenfahrdienst tun? Wie sollen sich Fahrer und Beifahrer verhalten? Den Patienten einfach in der Lobby des Krankenhauses liegen lassen? Das wäre doch auch nicht gerade die Ideallösung! Oder 500 m vom Krankenhaus entfernt (beim Feststellen des Atemstillstands) einen RTW rufen und das Problem auf die Besatzung desselben "abdrücken"? Das erschiene mir nicht gerade kollegial. Außerdem ist es bei dieser Nähe zum Krankenhaus schneller, den Patienten (auch ohne Sonderrechte, die das Patiententransportfahrzeug ja nicht hat) selbst und direkt in das Krankenhaus zurück zu bringen.
Ich nehme an, ein Patientenfahrdienst kann die Beförderung verweigern, wenn der Patient erkennbar nicht stabil genug ist, um die Beförderung zu überstehen, aber woran erkennen die durchschnittlichen Patientenfahrdienst(bei)fahrer so etwas?

Irgendwie schwanke ich im Moment zwischen Schock, Empörung und Verwirrung. Gibt es für diese Situation überhaupt eine "Ideallösung"? Wie sähe die aus?


Zuletzt geändert von Renate02 am 05.04.11, 16:38, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Probleme beim Krankentransport
BeitragVerfasst: 05.04.11, 09:31 
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DMF-Moderator

Registriert: 06.03.05, 08:30
Beiträge: 4393
Wohnort: Hildesheim
Guten Morgen!

Die reine Sachlage ist relativ eindeutig:

1. Ein RTW/KTW darf keine toten Menschen transportieren.
2. RTW/KTW-Personal hat keinerlei Befugnisse über "Leben und Tod" des Patienten zu entscheiden. Das darf nur ein Arzt.

Aus meiner Sicht ergeben sich daraus verschiedene Möglichkeiten:

A. Es muß mit der Reanimation begonnen werden, das ist für das KTW-Personal (ohne Arzt oder schriftliche Anweisung) ohne Alternative.
B. Ein hinzugezogener Arzt kann die Reanimation abbrechen und im KTW den Tod feststellen.
C. Je nach örtlicher Gegebenheit fährt der KTW dann das ursprüngliche Krankenhaus, die Wohnung des Patienten oder die Leichenhalle eines Friedhofes an. Dies zu klären ist Aufgabe des Arztes vor Ort.

Da in diesem Fall der Patient aber (wieder) lebt, ist das Krankenhaus zur Aufnahme verpflichtet.
Der Arzt im Krankenhaus hat sich - nach Ihrer Schilderung - der unterlassenen Hilfeleistung schuldig gemacht.

Eine "Ideallösung" gibt es nicht - es erfordert sehr viel Fingerspitzengefühl und engagierte (vor allem ärztliche) Mitarbeiter, die bereit sind, über ihren Schatten zu springen und auch mal Dinge außerhalb der "Regeln" zu machen.
Ich hätte den Patienten aufgenommen und ihm (je nach Zustand) ein würdiges Sterben in der Notaufnahme oder auf einer Station ermöglicht.
Wenn man will, geht das.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. A. Flaccus

_________________
Dr. A. Flaccus
Facharzt für Anästhesie
- Notfallmedizin -
DMF-Moderator


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 Betreff des Beitrags: Re: Probleme beim Krankentransport
BeitragVerfasst: 05.04.11, 10:48 
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Interessierter

Registriert: 31.03.11, 14:50
Beiträge: 14
Dr. A. Flaccus hat geschrieben:

1. Ein RTW/KTW darf keine toten Menschen transportieren.



Wenn ich richtig informiert bin und sich nichts geändert hat, ist es in Bremen erlaubt Patienten die IM Fahrzeug verstorben sind zu transportieren.
Andernfalls muss beim festgestellten Tod angehalten werden und auf den Bestattungsdienst gewartet werden.

Ansonsten stimme ich dem vorher geschriebenen zu. :)
Es ist immer eine komplizierte Sachlage in der es schwer ist nicht gesetzeswidrig zu handeln, gegen eigene moralsiche Grundsätze zu verstoßen und dabei die Würde des Patienten zu wahren.

_________________
Die erste Reanimation vergißt man ebenso wenig wie den ersten richtigen Sex den man hatte.
Ein unvergessliches Erlebnis!
Der einzige Unterschied besteht darin, dass reanimieren, auch mit viel Übung nicht schöner wird.


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 Betreff des Beitrags: Re: Probleme beim Krankentransport
BeitragVerfasst: 05.04.11, 11:33 
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DMF-Moderator

Registriert: 06.03.05, 08:30
Beiträge: 4393
Wohnort: Hildesheim
Moin,

andere (Bundes-)länder, andere Sitten:

§ 7 des Nds. Bestattungsgesetzes schreibt:
Zitat:
Aufbewahrung und Beförderung von Leichen
(3) (...) Für die Beförderung in einem Fahrzeug im Straßenverkehr dürfen nur Fahrzeuge verwendet werden, die ausschließlich für den Transport von Särgen und Urnen bestimmt und hierfür eingerichtet sind. (...) Die untere Gesundheitsbehörde kann von den Anforderungen der Sätze 4 und 5 im Einzelfall eine Ausnahme zulassen.


Aber ich persönlich würde mich - im Einzellfall - wohl darüber hinwegsetzen und mich eben auf den "Einzelfall" berufen.
Aber das ist auch eine Frage des "breiten Rückens"...

Gruß
A. Flaccus

_________________
Dr. A. Flaccus
Facharzt für Anästhesie
- Notfallmedizin -
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 Betreff des Beitrags: Re: Probleme beim Krankentransport
BeitragVerfasst: 29.08.13, 17:30 
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DMF-Mitglied

Registriert: 07.10.10, 09:39
Beiträge: 54
Hallo,

es ist lange her, dass ich zuletzt in diesem Forum war und mich damals wegen eines Falles (ähnlich wie oben geschildert) hier im Forum angemeldet habe.

Endlich gibt es mal Jemanden, der sich mit der Problematik beim "Krankentransport" eines dem Tode geweihten Menschen widmet und diverse Fragen aufwirft.

Im Februar 2010 befand sich meine damals verstorbene Mutter in einer vergleichbaren Situation, wie oben vom Themeneröffner geschildert. Sie wurde nachweislich in einem Krankenhaus (zuständiges KH im Landkreis in dem meine Mutter wohnte und auch monatelang behandelt wurde) mit dem Hinweis abgelehnt, dass sie nicht mehr aufgenommen werden könne.

Damals stellte ich Strafanzeige gegen den Hausarzt und auch den diensthabenden Disponenten der Rettungsleitstelle. Leider sah sich die in Bayern zuständige Strafjustiz außer Stande hier ein Verschulden der Beschuldigten festzustellen und berief sich im Wesentlichen auf ein medizinisches Gutachten eines von der damals zuständigen Staatsanwaltschaft hinzugezogenen Sachverständigen (der sein Gutachten anhand Aktenlage anfertigte und meine Mutter nie gesehen hatte und zu keinem Zeitpunkt ihres Krankheitsverlaufes jemals behandelt hat). Ein Verschulden der Beschuldigten hinsichtlich der zur Strafanzeige gebrachten Tatvorwürfe (fahrlässige Tötung und unterlassene Hilfeleistung) hat die Staatsanwaltschaft nicht erkennen können und selbst eine Beschwerde gegen den Einstellungsbescheid beim zuständigen Generalstaatsanwalt wurde aufgrund der vorliegenden o. g. Gutachten abgwiesen und das Verfahren wurde auch dort eingestellt.


Da damals an den zur Strafanzeige gebrachten Tatvorwürfen "nur" der Hausarzt und der Disponent der Rettungsleitstelle beteiligt waren, wirft sich nun die Frage bei mir auf, ob sich nicht doch ein Mitarbeiter (Arzt?) des Krankenhauses auch strafbar gemacht hat, nachdem meine Mutter stundenlang - obwohl Notarztindikation nach dem Bayerischen Rettungsdienstgesetz vorlag - im Krankentransportwagen (kein RTW!) im Landkreis umherkutschiert worden ist, bis sie schlußendlich nach über 4 Stunden seit Absetzen des Notrufes über 19222 vergangen waren, von einem weiteren Krankenhaus im Landkreis aufgenommen wurde und dann genau 10 Tage nach der Einlieferung verstorben war.

Zum Sachverhalt hier nochmals die im Totenschein eingetragene Todesursache: Elektrolytenentgleisung.

Mein damals eröffnetes Thema "Elektrolytenentgleisung" brachte hier kein zufriedenstellendes Ergebnis. Das Thema findet man unter:

viewtopic.php?f=30&t=105271

und

viewtopic.php?f=52&t=105371





Ich beabsichtige den Fall nochmals aufzurollen und eine weitere Strafanzeige gegen das KH zu stellen, die meine Mutter abgwiesen haben.


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