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medizin-forum.de • Thema anzeigen - Bypass-OP ja oder nein
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 Betreff des Beitrags: Bypass-OP ja oder nein
BeitragVerfasst: 17.12.08, 17:08 
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Interessierter

Registriert: 17.12.08, 16:58
Beiträge: 5
Meinem Vater (78) wurde heute nach einer Herzkatheter-Untersuchung mitgeteilt, dass er zwei Bypässe braucht.
Wir fragen uns jetzt, inwiefern das wirklich nötig ist, weil er bis auf einen Schwindelanfall und einen kurzen Blackout vor drei Wochen keinerlei Beschwerden hatte. Das LangzeitEKG von letzter Woche war völlig in Ordnung, beim Szintigramm wurde erwähnt, dass es Stellen gebe, die man untersuchen sollte, aber alles im grünen Bereich sei. Er treibt seit Jahren viel Sport, spielt auch jetzt mit 78 zweimal in der Woche Tennis und geht einmal die Woche zu Gymnastik/Fußball.
Die Oparation scheint mir recht risikoreich zu sein. Hat jemand Erfahrung damit oder kann mir jemand qualifiziert erklären, wie es sein kann, dass praktisch ohne Herzbeschwerden ein solcher Befund zu Stande kommt?
Für Rückmeldungen wäre ich sehr dankbar!


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BeitragVerfasst: 17.12.08, 17:58 
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Administrator

Registriert: 15.09.04, 09:49
Beiträge: 7270
Wohnort: Bad Nauheim
Liebe Lina7,

es gibt es auch Minderversorgung des Herzmuskels mit Sauerstoff und sogar Herzinfarkte ohne Beschwerden (sog. "stumme Infarkte"). Diese sind besonders heimtückisch in dem Sinn, da der Patient nichts merkt und oftmals gar nicht zum Arzt geht. Leider gibt es dabei oft fatale Verläufe. Es heisst dann "er ist einfach umgefallen". Das muss unbedingt vermieden werden!

Die Herzkatheter-Untersuchung gilt als "der Goldstandard" der Beurteilung der Herzkranzgefäßverengung (Koronare Herzkrankheit = KHK). Wenn dabei festgestellt wird, "dass er zwei Bypässe braucht" ist davon auszugehen, dass der Befund auch gravierend/gefährlich ist. Sport kann man bis zur OP daher nicht empfehlen.

Einen guten Überblick und viele Antworten finden Sie in der PatientenLeitlinie zur KHK (beruhend auf der Nationalen VersorgungsLeitlinie).

Alles Gute!
Ihr
Dr. med. Achim Jäckel
Facharzt für Innere Medizin
www.medizin-forum.de

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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 17.12.08, 18:53 
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Interessierter

Registriert: 17.12.08, 16:58
Beiträge: 5
Lieber Herr Dr. Jäckel,

zunächst vielen Dank für die rasche Rückmeldung! DA Sie nun von einem gravierenden Befund sprechen, hab ich gleich die nächste FRage:
Inwiefern ist eine OP- da ja anscheinend wirklich ein Risiko für ihn besteht (er erhält inzwischen Blut verdünnende Medikamente) - in Zusammenhang mit den bevorstehenden Feiertagen empehlenswert? Feiertage abwarten, würde ja das Risiko eines Infarktes bedeuten; möglichst schnell, vor dem Fest - bestünde da ein Versorgungsrisiko?
Meine FRage richtet sich auf die "Ausstattung" der Kliniken mit Personal während der Feiertage. ....

Nochmals danke!
Lina7


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BeitragVerfasst: 18.12.08, 01:17 
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Registriert: 09.06.08, 09:46
Beiträge: 968
Guten Morgen Lina7,

wenn die Ärzte zu einem schnellstmöglichen Eingriff geraten haben, sollten Sie diesen Rat befolgen. Während den Feiertagen gibt es in der Regel keine "Versorgungslücke", Notfall-OPs werden sowieso durchgeführt, das gleiche gilt auch dringliche elektive OPs. Intensivstationen der Kardiochirurgie sind in den Häusern die ich kenne voll besetzt, haben also genauso viel Personal wie an normalen Tagen. Wie es auf Normalstationen und Überwachungsstationen aussieht, kann ich ihnen nicht sagen.

Jedoch ist die Frage, was das für einen Unterschied macht. Ihr Vater benötigt zwei Bypässe und das wohl in nicht allzu ferner Zukunft. Jetzt abzuwarten in der Hoffnung, dass man nach den Feiertagen besser versorgt ist, wäre meiner Ansicht nach ein Fehler.
Wenn die behandelnden Ärzte jedoch der Meinung sein sollten, dass diese Operation auch elektiv in einigen Wochen durchgeführt werden kann (was mich bei diesem Befund jedoch wundern würde), sollten Sie auf die Ärzte hören. Sie kennen die Situation ihres Vaters mit allen Umständen besser, als wir hier im Forum.

Grundsätzlich: Es besteht allen Anschein nach die Gefahr eines Infarktes, dem wird jetzt mit Gerinnungshemmern entgegengewirkt, die die Entstehung von Blutgerinnseln verhindern sollen, welche einen Infarkt auslösen können. Das bietet jedoch keine 100%ige Sicherheit.
Das sogenannte "Outcome" eines Patienten nach Herzoperation, lapidar gesagt der postoperative Verlauf und die Chance auf ein bestmögliches Ergebnis / Erholung, ist bei einer elektiven Operation ohne Infarktgeschehen besser, als bei einer Notoperation bei Infarkt - denn dann besteht bereits eine Schädigung des Herzmuskels.

Ich wünsche Ihnen und Ihrem Vater alles Gute!

_________________
der Matze,
(dieser Benutzer ist nicht mehr im DMF aktiv)

Info: Koma und Aufwachen auf der Intensivstation


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BeitragVerfasst: 18.12.08, 18:41 
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Interessierter

Registriert: 17.12.08, 16:58
Beiträge: 5
Auch Ihnen vielen DAnk für die rasche und hilfreiche Rückmeldung!

Wir haben jetzt einen Termin für die OP, am Dienstag. Solange bleibt er im Krankenhaus. Wir hoffen sehr, dass alles gut geht, aber ich denke auch, dass er in wirklich guten Händen ist.
Großen DAnk auch an die Betreiber des Forums! Es ist sehr wohltuend, hier einfach FRagen zu können bei Menschen, die sich auskennen im Gesundheitswesen und die gerne Rückmeldung geben und weiterhelfen! Sie machen das ja auch noch "nebenher"!

Herzlich
Lina 7


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BeitragVerfasst: 03.01.09, 00:14 
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Interessierter

Registriert: 17.12.08, 16:58
Beiträge: 5
Liebes Forum-TEam,

mein Vater hat die Operation letzte Woche gut überstanden und wartet jetzt auf einen Reha-Platz. Er fühlt sich gut - und die Betreuung in der Klinik ist hervorragend, das Pflegepersonal und die Ärzte sehr sehr nett und immer um Erklärung bemüht, geben immer genau Auskunft - ein tolles Team!
Wir sind sehr froh - mein Vater selbst auch - das beste Weihnachtsgeschenk überhaupt!
Wir hoffen, dass es so gut weitergeht.

GRüße an das Team mit seinen offenen Ohren!
Lina7


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BeitragVerfasst: 03.01.09, 13:54 
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DMF-Mitglied

Registriert: 09.02.08, 05:54
Beiträge: 38
hi Lina7,

das hört sich doch gut an. Fürs neue Jahr also ihm alles Gute.
In welcher Klinik wurde Ihr Vater operiert?

_________________
Bully


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 Betreff des Beitrags: Ostiumplastik
BeitragVerfasst: 05.01.09, 12:26 
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Interessierter

Registriert: 17.12.08, 16:58
Beiträge: 5
Liebes Forum-Team,

wir haben jetzt kurz vor der Entlassung erfahren, dass mein Vater keinen Bypass, sondern eine Ostiumplastik erhalten hat. Leider ist mir nich so ganz klar geworden, was genau der Unterschied ist bzw. was "besser" ist usw. Vielleicht kann mir ja da ja jemand Auskunft geben.


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BeitragVerfasst: 05.01.09, 22:49 
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DMF-Moderator

Registriert: 05.06.05, 13:27
Beiträge: 1031
Wohnort: bei Hannover
Guten Tag.

Als Ostium wird der allererste Teil eines Kranzgefässes (quasi die Einmündung aus der Haupschlagader [=Aorta]) bezeichnet. Eine Operation mit Eröffnung des Gefässes und Ausschälung der Ablagerung und einer Erweiterung durch einen sogenannten Patch wird Ostiumplastik genannt.
Ein Bypass ist ein Gefäß, welches man z.B. aus dem Bein oder Brustkorb entnehmen kann und als Umgehungsversorgung eingesetzt wird. (Ist auf Seite 28 in der schon von Dr. Jaekel erwähnten Leitlinie grafisch aufgearbeitet)

Wenn also bei Ihrem Vater eine Verengung direkt am Abgang gewesen ist, macht es Sinn, hier eine Plastik zu machen, um ortsfremdes Gefäßmaterial zu sparen (also nicht noch eine Vene aus dem Bein transplantieren zu müssen). Für eine Hauptschlagader-nahen Verengung sprach schon die Vorsicht der Kollegen, Ihren Vater bis zum Operation in der Klinik zu belassen...
Da sie allerdings im ersten Posting von 2 Bypässen sprachen und ich mir nicht vorstellen kann, dass isoliert nur 2 Stenosen an den Abgängen vorlagen, gehe ich davon aus, dass man auch einen Bypass - an der 2. Verengung - operiert hat. Hierzu verwendet man - je nach Lage - gerne eine "überflüssige" Arterie (A. thoracica interna oder A. mammaria), welche aufgrund des anderen anatomischen Aufbaus in der Regel länger als ein venöser Bypass, z.B. aus dem Bein, hält.

Fragen Sie ruhig noch einmal genau nach oder lassen Sie im Verlegungsbericht nachlesen.

MfG und besten Wünschen für Ihren Vater,

_________________
J. Kniese
Facharzt für Innere Medizin


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