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medizin-forum.de • Thema anzeigen - Herzschrittmacher
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 Betreff des Beitrags: Herzschrittmacher
BeitragVerfasst: 19.11.17, 14:52 
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Zwei für mich wichtige Fragen:
Erste: Ich gehe in einem Av Block 3 bei zur Zeit hohem privaten Streß und Belastungen über 135 Watt. Herzschrittmacher ist indiziert. Die Kardiologen geben mir aber Bedenkzeit weil ich noch nie bewußtlos war oder unter Schwindel litt und das Herz noch eine gute Kompenstionsleistung hat. Op Termin hätte ich wenn ich will in 4 Wochen. Hat jemand schon mal einen Av Block 3 rückgängig bekommen oder hatte jemand schon mal ähnlicher Erfahrungen? Es ist mir bewußt diese Art der Leitungsstörung schwer zu beheben und lebensgefährlich ist. Es ist bloß schwer zu verstehen, weil ich mit 55 noch relativ fit bin. Ausdauerprobleme hatte ich allerdings schon immer.
Zweitens: muß ich mich natürlich mit der Option Schrittmacher ernsthaft auseinandersetzen. Ich mache in meiner Freizeit Kundaliniyoga und modernen Tanz alles mit maximaler Armhebung und maximaler Brustkorbbeweglichkeit. Dies ist für mich das beste Antidepressiva, was ich mir 100% ig nicht nehmen lassen möchte. Gibt es eine Op Technik oder ein Zweikammerschrittmachersystem welches diese Bewegung wieder erlaubt. In dem Bauchraum oder Rippen möchte ich mir den Schrittmacher nicht implantieren lassen. Für das neue System welches in das Herz eingesetzt wird, bin ich mit meiner Diagnose anscheinend nicht geeignet. Oder hält das Standartsystem welches unter der Clavicula eingebaut wird nach dem einwachsen alles aus?
Danke schon.mal für die Antworten und sorry für den langen Text.
Es grüßt herzlich Bernd


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 Betreff des Beitrags: Re: Herzschrittmacher
BeitragVerfasst: 20.11.17, 08:51 
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Hallo,
eine kurze Antwort:
1.) Die ganz aktuellen Schrittmacher, die direkt ins Herz eingesetzt werden, kommen bei einem AV Block nicht zum Einsatz.
2.) AV Block verschwindet wieder: Kommt vor, z.B. nach einer Borrelieninfektion nach Zeckenbiss. Sonst eigentlich nie.
3.) Mit Schrittmacher und AV Block kann man uralt werden.
4.) Yoga: Warum nicht, aber es muss einiges bedacht werden: Die Schrittmacherelektroden (Kabel) müssen im Herzen richtig einwachsen, d.h. 8 Wochen, besser 3 Monate keine "wilden" Armbewegungen machen, schon Brustschwimmen ist keine gute Idee. Ich kenne einen Bodybuilder, der nach 1 Woche wieder Gewichte gestemmt hatte, und sich die Elektroden aus dem Herzen herausgerissen hat.

Zu beachten ist, dass bei starken Armbewegungen die Kabel auch zwischen 1. Rippe und Schlüsselbein abgequetscht werden können, das kommt um so seltener vor, wenn die Kabel (die ja durch eine Vene ins Herz gelangen) sehr weit seitlich (lateral) ins venöse System gelangen. In der Regel ist das der chirurgische Implantationsweg: Präparieren der v. cephalica. Bei "internistischer" Punktion der v. subclavia sind Elektrodenprobleme zwar auch selten, aber häufiger als beim Zugang via cephalica. Zudem sollten die Elektroden am Venenzugang fixiert werden (was die Regel ist), ab und zu aber "vergessen" wird.

Ob es sinnvoll sein könnte, den Schrittmacher nicht direkt unter der Haut, sondern in tieferen Schichten, unter der Muskelfaszie oder direkt unter dem Muskel zu platzieren, kann ich nicht beurteilen. Ein Implanteur, der auch (größere) Defibrillatoren implantiert, sollte damit keine Probleme haben.

5.) Das Durchschnittsalter, einen Schrittmacher zu bekommen, ist in der Bundesrepublik ca. 75 Jahre. Die Funktionalität aller erhältlichen Geräte entspricht dieser Patientengruppe perfekt. Nun sind Sie jünger, so dass der Geräteauswahl mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte, z.B. bei der Maximalfrequenz die der Schittmacher beherrschen muss. Es gibt Geräte die gehen nur bis 150/min, andere bis über 200/min. Generell gilt, je jünger ein Patient ist, desto schneller muss der Puls werden können. Ich kenne einen Patienten, der mit Anfang 50 noch Pulsfrequenzen von über 180/min entwickelt; er wäre mit einem 150er Gerät schlecht behandelt.

Da Sie noch locker 30 Jahre Lebenerwartung haben, wenn nicht noch mehr, ist nicht auszuschließen, dass Sie irgendwann (Knie, Hüfte etc.) mal ein MRT benötigen. Um in der Zukunft nicht eingeschränkt zu sein, sollte bereits heute ein MRT fähiges Gerät ausgewählt werden, die gibt es von einigen Herstellern.

Ihnen alls Gute wünscht: Schrittmacher
PS: Insbesondere die Punkte 4 und 5 sollten Sie, falls Sie mit diesem Vokabular nicht sattelfest sein sollten, durchaus ausdrucken, mitnehmen und mit Ihrem Kardiologen besprechen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Herzschrittmacher
BeitragVerfasst: 20.11.17, 23:50 
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Hallo,
Danke für die sehr hilfreichen Antworten. Wegen chronischer Borreliose wurde ich schon 2 x ausreichend Antibiotisch behandelt. Da ich im Spätsommmer einen erneuten Zeckenbiss hatte vermutete man eine akute Infektion die sich aber nicht bestätigte. Es wurde bezüglich des Wertes mit Borreliosespezialisten der Klinik telefoniert. Wahrscheinlich schießt man auch nicht gleich wieder mit Antibiotika beim erneutem Aufflackern einer chronischen Borreliose. Allerdings schlafen mir in den letzten 14 Tagen häufig kurz unterschiedliche Armnerven ein. Vlt. gehört auch meine chronische Reizblase und Darm dazu.
Im Bezug auf Herzschrittmacherwahl und Op Zugang hoffe ich vor der geplanten Op (19.12.) nochmal mit der Opperateurin reden zu können. Das implantieren unter dem Muskel ist dort sicher kein Problem. Sicher ist das aber auch ein höherer Eingriff zumal bei mir auch der Schrittmacher öfter getauscht werden muß. Kosmetisch hätte ich mit dem einpflanzen unter der Haut keine Probleme. Oder hat der Zugang unter dem Muskel einem besseren venöser Zugang? Oder geht es eher um bessere Polsterung beim Drück von außen wie z.B.Rucksacktragen oder bei engem körperlichen Kontakt beim zeitgenössischem modernen Tanz? Reicht da nicht auch ein Polster von außen?
Danke nochmal für das offene Ohr. Ich bin sehr froh auf diese Art für mich sehr hilfreichen Informationen zu bekommen. Für mich ist dadurch schon sehr vieles klarer. Herzlichen Dank dafür.
Bernd


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 Betreff des Beitrags: Re: Herzschrittmacher
BeitragVerfasst: 21.11.17, 08:50 
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Hallo,
Leider nochmal eine letzte Frage zu dem Thema.Ich habe Bedenken das mein Herz vollkommen fremdgesteuert wird. Mein Sinusrythmus ist nicht gestört. Ich hoffe das dieser bei einen Zweikammerschrittmacher nicht beeinflußt wird und mein eigener Herzschlagimpuls nicht gesteuert wird. Ist das so? Da die Ventrikelreaktion bei mir zu spät anspricht reagiert der Schrittmacher dann aber sicher etwas öfter.
Ich bitte um Nachsicht für die vielen Fragen.
Es grüßt herzlich Bernd


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 Betreff des Beitrags: Re: Herzschrittmacher
BeitragVerfasst: 21.11.17, 20:27 
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Beiträge: 144
Hallo,

der Reihe nach: Sie schrieben, Sie würden hoffen, dass Sie bezüglich Aggregatauswahl und Art der Operation nochmals mit Ihrer behandelnden Ärztin sprechen könnten. Hier sind Sie zu zurückhaltend! Sie sollten da nicht hoffen, sondern fordern, denn das, was wünscheswert ist, kann und darf Ihnen niemand vorenthalten, und das sollte nicht dem Zufall überlassen bleiben.

Es wird 24h vor der Operation ein Aufklärungsgespräch geben. Darin werden Sie informiert, dass es -selten zwar aber immerhin- zu Komplikationen kommen kann. Die Kabel können z.B. den Kontakt zum Herzen verlieren, es kann zu Einblutungen unter die Haut kommen, es kann zu Wundheilungsstörungen kommen und so weiter und so fort. Am Ende der Aufklärung werden Sie gebeten, Ihre Einwilligung (mit Datum und Unterschrift) in die OP zu geben.

In diesem Gespräch aber können Sie einfordern, dass a) das Aggregat MRT fähig sein soll, dass es b) eine maximale Ventrikelfrequenz bis mindestens 180/min realisieren können muss und dass Sie c) sich einen venösen Zugangsweg wünschen, der die geringste Wahrscheinlichkeit für ein Elektrodenproblem aufweist, und das ist der Zugang über die Vena Cephalica. Und dass es für Rucksacktragen etc. zu keinen Problemen bezüglich Schrittmacher kommen sollte, und da wäre eine Platzierung des Gerätes unter der Fascie ("subfascial") wünschenswert. Ich kenne Implanteure, die prinzipiell immer subfascial implantieren, egal ob Schrittmacher oder Defibrillator. Wenn man Ihnen diese Dinge nicht zusagen kann oder will, dann sollten Sie Ihr Einverständnis in die OP einfach nicht geben. Man kann das Gerät auch an einer Klinik bekommen, die genau so implantiert, wie empfohlen, und da gibt es mehrere! Vielleich aber haben Sie das Glück, dass Sie von vornherein in genau so einer Klinik behandelt werden, wie ich Sie Ihnen ans Herz legen würde.

Da es nun aber für die Ärzte in Ihrer Klinik äußerst ärgerlich wäre, wenn sie das alles erst im Aufklärungsgespräch erfahren, wäre es sicher geboten, dieses Gespräch im Vorfeld zu führen, es könnte z.B. einfach der Fall sein, dass ein Gerät, wie es für Sie sinnvoll wäre (MRT fähig, 180/min oder mehr) in der Klinik nicht vorrätig ist, und es erst bestellt werden müsste. Der Preis sollte an dieser Stelle keine Rolle spielen, alle Agreagte am Markt werden von der "DRG" (Diagnosis Related Group - der Pauschale, die die Klinik von den Kassen erhält) komplett bezahlt.

Sie können sich vorstellen, dass es heutzutage häufig der Fall ist, dass sich Patienten ihre Erkrankung im Internet zusammensuchen und es sehr oft der Fall ist, dass das Gefundene der unglaublichste Unfug ist, und die Patienten mit diesem zusammengeoogelten Unsinn ihre Ärzte nerven. In Ihrem Fall ist das jedoch nicht so, Sie werden kaum eine bessere Auskunft finden. Daher halten Sie sich auch nicht zurück, meine erste Antwort zum Gespräch mitzunehmen.

Und für Ihre zweite Frage: Diese Sorge plagt Sie nicht zu Unrecht. Wenn der Herzschrittmacher nicht entsprechend der Herzrhythmusstörung eingestellt wird, kann er einigen Unsinn produzieren. Es gibt (eine andere Schrittmacherindikation) auch einen zu langsamen Sinusrhythmus. Hier muss der Schrittmacher durch Stimulation diesen Sinusrhythmus ersetzten. Stellt man den Schrittmacher in dieser Betriebsart bei einem Patienten mit AV Block ein, ist nicht viel geholfen. Davon gehe ich jedoch nicht aus. Wird der Schrittmacher entsprechend AV Block programmiert, wartet der Schrittmacher prinzipiell immer auf den Sinusrhythmus (eine "P-Welle" im EKG). Da die AV Leitung nicht so stattfindet wie sie eigentlich sollte, wird der Schrittmacher dann, passend zu jeder P-Welle einen kleinen Impuls (ca. 2V, ca. eine halbe Millisekunde lang - spürt man nicht) für die Herzhauptkammern (Ventrikel) abgeben, die sich dann so verhalten, als wäre da die AV Leitung nie gestört gewesen. Daher kommt auch die 180/min oder mehr weiter oben. Wenn Ihr Sinusrhythmus bei richtig starker körperlicher Belastung noch bis 180 kommen sollte, dann muss der Schrittmacher da auch hinterherkommen. Hier ist dann übrigens von "fremdgesteuert" keine Rede, sondern von Sinusrhythmus-gesteuert.
Wenn ab und zu auch die AV Leitung funktioniert, dann stellt dies der Schrittmacher fest, und stimuliert dann nicht, weil's ja auch gerade nicht gebraucht wird.

Apropos: Sie nehmen an, dass Sie irgendwann auch einen neuen Schrittmacher benötigen, wenn die Batterie eines Tages leer sein wird. Nach aktueller Statistik halten die Geräte im Mittel 8,5 bis 9 Jahre. Für die Wechsel OP ist es von untergeordneter Bedeutung, ob sich ein Gerät unter der Haut oder unter der Muskelfascie befindet.

Ich wünsche Ihnen alls Gute,
Schrittmacher


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 Betreff des Beitrags: Re: Herzschrittmacher
BeitragVerfasst: 23.11.17, 09:02 
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Registriert: 16.11.17, 09:29
Beiträge: 4
Herzlichen Dank für Ihre ausführliche Antwort.
Es ist mir jetzt sehr vieles klar. Ich habe nur noch etwas Bedenken mir den Schrittmacher unter dem Muskel einsetzten zu lassen. Unter der Haut erscheint mir ein deutlich kleinerer Eingriff. Befürchte beim einsetzen unter dem Muskel vielleicht auch Einschränkungen am M.pectoralis zu bekommen.
Haben Sie großen Dank für alles was sie für mich getan haben!
Bernd Wesenigk-Sturm


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