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medizin-forum.de • Thema anzeigen - Lipidapherese – Neue Entwicklungen
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 Betreff des Beitrags: Lipidapherese – Neue Entwicklungen
BeitragVerfasst: 03.05.17, 08:54 
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Ich bin 72, Mann, Lebenskünstler. Nach Herzinfarkt und 6 Stents bin ich seit 3 Jahren Lipidapherese Patient. Die beiden Hauptrisikofaktoren LDL und LP(a) lagen über 100mg/dl.
In der Regel – aber öfter unterbrochen durch Reisen – gehe ich einmal wöchentlich zur Apherese. Ich gehe sogar ziemlich gerne dahin, es gibt immer unterhaltsamen Austausch mit Mitpatienten, Schwestern und Ärzten und ich fühle mich gesundheitlich in keiner Weise eingeschränkt. Ich habe auch gute Erfahrung mit Ferienapherese in Deutschland und Italien. Was mich nur stört, sind die hohen Kosten der Apherese und die Einschränkungen meiner Bewegungsfreiheit.

Durch Zufall erfuhr ich über den Rückgang reiner LDL Apherese, weil ein neues Medikament auf dem Markt ist, das das LDL effektiv und dauerhaft auf ein sehr niedriges Niveau bringen kann. Die meisten LDL Apherese Patienten scheinen plötzlich keine Apherese mehr zu benötigen. Angeblich sollte dieses Medikament auch eine etwa 20prozentige Absenkung des LP(a) bewirken.

Eingedenk der Auskunft, dass das Infarkt/Schlaganfallrisiko auf der Kombination von zwei Risikofaktoren (hohes LDL und hohes LP(a)) beruht, besorgte ich mir in meiner Apotheke eine Monographie über dieses Medikament (Wirkungsstoff Evolocumab, zwei Spritzen pro Monat) und entschloss mich nach der Lektüre mit Einverständnis meiner Ärzte zu einem dreimonatigem Selbstversuch: Apherese nur noch alle zwei Wochen in Kombination mit Evolocumab (das ich mir selbst subkutan spritze). Während der dreimonatigen Testphase wurden meine LDL und LP (a) Werte vor und nach Apherese ständig erhoben.

Zu meiner Überraschung ist der sogenannte Rebounce Effekt, also der Wiederanstieg der LP(a) Werte, bei dieser Methode geringer als nach einwöchiger Apherese. Zudem pendelt mein LDL Wert zwischen nur noch sagenhaften 10 und 30 mg/dl. Ich habe mich daher entschlossen, ab jetzt dauerhaft dieses Regime beizubehalten.

Das Medikament kostet zur Zeit noch etwa 600€, erspart aber etwa 2400€ in Apheresekosten. Krankenkassen aufhorchen! Hier liegt eine massive Ersparnis für die Versichertengemeinschaft vor, die natürlich von den betroffenen Einrichtungen bedauert würde. Aber wichtiger noch, es gibt uns Patienten mehr Freiheit.

Dies ist natürlich nur meine persönliche Erfahrung, Andere Patienten mögen auf ein solches Regime anders reagieren. Aber ich halte es für meine Pflicht, auf diese Option hinzuweisen.

Willi Momm, München


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BeitragVerfasst: 08.05.17, 07:12 
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Guten Morgen,
hier können Sie weitere Informationen gewinnen:
http://www.pharmazeutische-zeitung.de/i ... 0_06/NL&id
Diese neue Medikation ist durchaus bekannt. Es sind aktuell noch weitere entsprechende Medikamente in der Pipeline, man muß die Studienergebnisse abwarten.
"Aber ich halte es für meine Pflicht, auf diese Option hinzuweisen."- das machen hoffentlich auch jene Ärzte, die Patienten mit Lipidstoffwechsel behandeln.

_________________
Grüße Dr. Fischer
Unter Bezugnahme auf § 7 (3) der Berufsordnung für Ärzte ist mein Beitrag eine Stellungnahme,die auf den vorliegenden Angaben beruht .Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.


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BeitragVerfasst: 08.05.17, 09:01 
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Registriert: 03.05.17, 08:29
Beiträge: 2
Ich habe sehr starke Zweifel, dass Ärzte von sich auf die Möglichkeit einer nur zweiwöchigen Lipidapherese in Kombination mit der erwähnten Spritze hinweisen. Das würde unweigerlich zu massiven Einnahmeverlusten führen. Sie werden nach meiner Erfahrung im Gegenteil alles daran setzen, um die Patienten zu verunsichern, um sie davon abzuhalten. Ich glaube, dass die Initiative von den Krankenkassen kommen müsste. w.momm


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BeitragVerfasst: 08.05.17, 09:25 
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DMF-Moderator

Registriert: 31.01.07, 15:01
Beiträge: 11107
Wohnort: 87727 Babenhausen ( Schwaben)
Hallo,
"Ich glaube, dass die Initiative von den Krankenkassen kommen müsste"- da haben Sie recht. An einer Lipidapherese verdient man sicherlich, bei der Rezeptierung eines Medikamentes so gut wie gar nichts. Unser Gesundheitssystem ist krank und wenn Sie näheres darüber wissen wollen, lesen Sie die zahlreichen Beiträge im Unterforum Gesundheitspolitik. Bei dieser teuren Medikation, die aber letztlich für die Krankenkassen billiger wäre auf lange Sicht gesehen, kommt leider auch noch der Aspekt hinzu, dass verordnende Ärzte ständig Angst haben müssen, ihr Medikamentenbudget zu überschreiten. Das führt dann automatisch zu Regressen und oftmals hilft dann-sitzt man vor diesem Gremium dann wie ein Beklagter-auch eine gute Argumentation nicht viel. Die Beisitzer ( Vertreter von den Krankenkassen und 2 Ärzte- sagen in der Anhörung, dass man mit seiner Verordnung über dem Durchschnitt der Fachkollegen liegt und dann wird man zur Kasse gebeten. Diese Abstrusität führt leider so weit, dass man Patienten nicht nur sinnvolle Innovationen im medikamentösen Bereich vorenthält, sondern auch andere Leistungen ( Labor, bildgebende Verfahren).

_________________
Grüße Dr. Fischer
Unter Bezugnahme auf § 7 (3) der Berufsordnung für Ärzte ist mein Beitrag eine Stellungnahme,die auf den vorliegenden Angaben beruht .Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.


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BeitragVerfasst: 09.05.17, 09:34 
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Registriert: 31.12.12, 15:22
Beiträge: 2029
Dr.med.Holger Fischer hat geschrieben:
Hallo,
"Ich glaube, dass die Initiative von den Krankenkassen kommen müsste"- da haben Sie recht. An einer Lipidapherese verdient man sicherlich, bei der Rezeptierung eines Medikamentes so gut wie gar nichts. Unser Gesundheitssystem ist krank und wenn Sie näheres darüber wissen wollen, lesen Sie die zahlreichen Beiträge im Unterforum Gesundheitspolitik. Bei dieser teuren Medikation, die aber letztlich für die Krankenkassen billiger wäre auf lange Sicht gesehen, kommt leider auch noch der Aspekt hinzu, dass verordnende Ärzte ständig Angst haben müssen, ihr Medikamentenbudget zu überschreiten. Das führt dann automatisch zu Regressen und oftmals hilft dann-sitzt man vor diesem Gremium dann wie ein Beklagter-auch eine gute Argumentation nicht viel. Die Beisitzer ( Vertreter von den Krankenkassen und 2 Ärzte- sagen in der Anhörung, dass man mit seiner Verordnung über dem Durchschnitt der Fachkollegen liegt und dann wird man zur Kasse gebeten. Diese Abstrusität führt leider so weit, dass man Patienten nicht nur sinnvolle Innovationen im medikamentösen Bereich vorenthält, sondern auch andere Leistungen ( Labor, bildgebende Verfahren).


Das finde ich richtig gut, dass ein weiterer Arzt hier so offene Worte spricht. Heute habe ich auch in einer der hiesigen Lokalzeitungen einen Artikel von einer Gynäkologin gefunden. Sie kritisiert höflich aber sehr bestimmt, dass einige Vorsorgeuntersuchungen nicht mehr jedes Jahr stattfinden sollen. Und das nimmt sie zum Anlass, um ebenfalls auszuprechen, dass Patienten sinnvolle Behandlungen/Medikamente vorenthalten werden, da viele sie sich finanziell nicht erlauben können, obwohl letztendlich die Solidargemeinschaft einen Nutzen durch verkürzte Behandlung hätte.

Frdl. Grüße
Christiane


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