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medizin-forum.de • Thema anzeigen - Kardiogener Schock nach schwerem Vorhofflimmern
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BeitragVerfasst: 16.09.15, 21:44 
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Beiträge: 55
Hallo liebe Forenuser, Hallo Dr. Flaccus,

nachdem mein Schwiegerpapa im Mai auf der Internsivstation war, hat es nun meinen Papa getroffen (69), Normalgewichtig, Hashimoto-Thyreoiditis, überstandene Dermatomyositis 1982.

Mein Papa hat eine Herzinsuffizienz (zuerst nur rechts, jetzt global) NHYA-Grade II (vor OP III) aufgrund eines langjährig bestehenden schweren Klappenfehlers. Er war schon 3 Mal dekompensiert. Das zeigte sich in Wassereinlagerungen und Atemnot. Er hatte auch immer wieder seit ca 30 Jahren episodisch Vorhofflimmern, was kardiovertiert wurde.

Die Dekompensationen mußten in den letzten Jahren stationär behandelt werden und war auch immer wieder in den Griff zu bekommen. 2012 wurden ihm die
Mitralklappe ersetzt und die Trikuspidalklappe rekonstruiert. Die Mitralklappe ist dicht, die Trikuspidalklappe hat noch eine Insuffizienz Grad II, besser hat man es leider nicht reparieren können wohl.

In letzter Zeit hat er nicht an Gewicht zugenommen. Er hatte am Samstag nach Rasenmähen Anzeichen eines Vorhofflimmerns (ihm wurde kurz schwarz vor Augen) und es ging ihm danach sehr schlecht mit den typischen Symptomen der Dekompensation (Atemnot, hat erbrochen und Anzeichen von Aszites).
Am Sonntag morgen konnte ich ihn endlich überzeugen, ins Krankenhaus zu gehen. Dort hatte er noch in der Ambulanz massives Vorhofflimmern und mußte notfallmäßig kardiovertiert werden und mit Amiodaron versorgt werden. Er kam dann auf die Intensivstation und wurde dort wieder kardiovertiert. Der Blutdruck war systolisch sehr gering mit ca 89:50. Mit Katecholaminen ist sein Wert jetzt bei ca 105:71. Es entwickelte sich bei ihm auch ein acute on chronic Nierenversagen mit einem Kreatinin-Wert von 3,3 (die Niere ist durch das Rechtsherzversagen wie die Leber etwas angegriffen, aber der Krea-Wert lag bei ca 1,3 beim letzten Mal). Die Leber war vor seiner OP etwas angegriffen, hat aber bis zu seinem Zusammenbruch normal funktioniert. Die Nierenwerte waren gestern noch bei 2,1 und die NIere scheidet auch Urin aus. Er ist wach und es geht ihm soweit gut. Er hängt aber an den Katecholaminen und braucht keinen Sauerstoff mehr. Der pro-BNP-Wert war astronomisch hoch mit 30000.
die
Es scheint so, als hätte mein Papa einen kardiogenen Schock gehabt aufgrund massivem Vorhofflimmerns. Ich finde die Situation irgendwie deutlich beunruhigender als die Male davor und habe die Befürchtung, daß er sich davon nicht mehr richtig erholen wird und daß es dieses Mal so richtig schlimm ist. Wie kann es sein, daß er so schnell nach Rasenmähen ein Vorhofflimmern entwickelt und in einen Schock abrutscht? Bei den letzten Malen war das ein schleichender Prozess über mehrere Tage und er hatte deutlich mehr Wasser eingelagert.
Die Ärzte sind noch auf Diagnosesuche und haben bis jetzt ein Herzkatheter gemacht. Befund werde ich morgen erfragen. Ist es wirklich so, daß sich aus dem kardiogenen Schock ein SIRS entwickeln kann? Macht es Sinn, bei meinem Papa die entsprechenden Entzündungsparameter zu testen?
Ich habe gelesen, daß die Katecholamine in der Situation kontrovers diskutiert werden wegen des Verdachtes, die Sterblichkeit zu erhöhen. Woran erkennt man das? Erholt sich das Herz dann schlechter? Oder gibt es da einen Zeitraum, den man einfach irgendwie überstehen muß?

Traurige Grüße, Nina


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BeitragVerfasst: 04.10.15, 15:51 
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DMF-Moderator

Registriert: 06.03.05, 08:30
Beiträge: 4393
Wohnort: Hildesheim
Liebe Nina,

leider reichen Ihre Informationen nicht aus, um eine weitergehende Einschätzung zu diesem Fall zu treffen.

Nach Ihren Schilderungen teile ich die Ansicht, das hier ein ausgeprägter kardiogener Schock vorliegt.
Ob und in welcher Form man hier Katecholamine einsetzt, hängt sehr von verschiedenen Werten ab.

Wie ist die Ejektionsfraktion des Herzens (Auswurfleistung)?
Wie hat sich die Herzfunktion insgesamt im Herzkatheter dargestellt?
Spielt eine Infektion (SIRS) ein zusätzliche Rolle?
Wird zum Erhalt der Nierenfunktion ein höherer systolischer Blutdruck benötigt?

Durch die zusätzliche Klappenfehlfunktion ist das ganze sehr komplex. Oft muß man auch in der Therapie Kompromisse machen oder verschiedene Dinge schlichtweg "ausprobieren", weil jeder Mensch unterschiedlich auf Therapieversuche reagiert.

Vielleicht berichten Sie mal über den weiteren Verlauf der letzten beiden Wochen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. A. Flaccus

_________________
Dr. A. Flaccus
Facharzt für Anästhesie
- Notfallmedizin -
DMF-Moderator


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BeitragVerfasst: 04.10.15, 22:20 
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DMF-Mitglied

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Beiträge: 55
Hallo Herr Dr. Flaccus,
vielen Dank für Ihre Antwort!
Mein Vater war hat sich unter den Katecholaminen und unter Amiodaron erholt und ist seit einiger Zeit wieder zuhause.
Laut Arztbericht hatte er einen kardiogenen Schock nach ausgeprägter Tachyarrythmie (Puls 160) und Vorhofflimmern . Die Auswurffraktion links hat sich wieder auf erfreuliche 49% links (wie vorher) gebessert.
Die linke Herzkammer war normal groß, die beiden Vorhöfe und der rechte Ventrikel stark erweitert. Die Herzkranzgefäße waren o.B..
Die Entzündungsparameter ( CRP, pro-Calcitonin waren nur gering erhöht, das CRP war bei etwa 18, das pro-Calcitonin bei etwa 0,2). Ich habe leider
keine Einheiten dazu, aber laut Ärztin waren die Entzündungserscheinungen nach kardiogenem Schock nur sehr gering ausgeprägt. Eine zusätzliche Infektion lag nicht vor.
Das Kreatinin lag am Tag der Entlassung bei 1,7.

Mein Papa fühlt sich seit Entlassung wieder etwas schlechter. Ich habe den Eindruck, daß sich sein NYHA-Stadium auf 3 verschlechtert hat. Ist es möglich, daß es durch den kardiogenen Schock Herzmuskelgewebe abgestorben ist und deshalb der Grad hochgegangen ist?
Kann die Nierenfunktion noch etwas besser werden im Laufe der Zeit oder ist das eher unwahrscheinlich?
Kann man die Funktion der rechten Herzkammer nur im Herzecho grob abschätzen oder gibt es wie bei der Auswurffraktion dazu auch Zahlen? Ich habe leider in keinem Bericht dazu je etwas gefunden, außer, daß die rechte Herzmuskelfunktion eingeschränkt ist.
Mein Vater hat auch eine diastolische Herzinsuffizienz Grad III.

Mein Vater hatte 2012 auch eine Trikuspidalklappenrekonstruktion. Die Klappe konnte nicht vollständig repariert werden und hatte eine Restinsuffizienz vom Grad i-II. Nach dem kardiogenen Schock hatte er einen Insuffizienz-Grad II-III laut Echo. Kann sich durch die Dekompensation der Cossgrove-Edwards-Ring gelockert haben?

Bezüglich des Blutdrucks und der Nierenfunktion kann ich leider wenig sagen. Er hatte bei Entlassung einen Blutdruck von 100:60. Darunter war das Kreatinin bei 1,7, der Harnstoff-Wert war leider auch etwas erhöht. Der pro-BNP war bei 2150 (leider auch sehr hoch).

Ich mache mir wegen meines Vaters große Sorgen und seit dem kardiogenen Schock habe ich keine ruhige Minute mehr. Ich habe auch gelesen, daß die 30-Tage-Sterblichkeit beim Kardiogenen Schock bei Herzinsuffizien bei ca 50% liegt.
Gäbe es bei einer weiteren Dekompensation, wenn alle weiteren Optionen ausgeschöpft sind, die Möglichkeit, ihm einen RVAD einzusetzen? Gibt es die RVADs auch wie ausgeählte LVADS, die Möglichkeit, daß nur das Kabel nach außen geleitet wird?

Bitte entschuldigen Sie meine vielleicht etwas komischen Fragen. Nachdem ich meine Mama vor einigen Jahren verloren habe, nimmt mich die Herzinsufffizeinz meines Vaters leider sehr mit..

Vielen Dank für Ihre Antwort und Hilfe, Nina


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BeitragVerfasst: 05.10.15, 08:45 
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Beiträge: 4393
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Liebe Nina,

grundsätzlich ist es so, das jede "Krise" die Gesamtfunktion des Herzens natürlich nicht verbessert.
Wie ja leider zu sehen ist, leiden bei einer akuten Dekompensation auch andere Organe (Niere, Leber) darunter.

Zitat:
Die linke Herzkammer war normal groß, die beiden Vorhöfe und der rechte Ventrikel stark erweitert. (...) Mein Vater hat auch eine diastolische Herzinsuffizienz Grad III.

Der erweiterte rechte Ventrikel und die diastolische Herzinsuff. stellen gemeinsam aus meiner Sicht das Hauptproblem dar.
Welche Behandlungsoptionen konkret möglich sind, kann man aus der Ferne nicht beurteilen. Das ist vielmehr die Aufgabe eines versierten Kardiologen vor Ort.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. A. Flaccus

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Dr. A. Flaccus
Facharzt für Anästhesie
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BeitragVerfasst: 05.10.15, 18:39 
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DMF-Mitglied

Registriert: 05.09.07, 08:25
Beiträge: 55
Hallo Dr. Flaccus, vielen Dank. Wir haben einen Termin in einem speziellen Zentrum für Herzinsuffizienz vereinbart. Die Herzerkrankung meines Vaters scheint doch sehr speziell und komplex zu sein. Vielleicht hilft es, wenn jemand mit sehr viel Erfahrung ihn zusätzlich zu seinem Kardiologen betreut. Wenigstens hat er für den Moment den kardiogenen Schock lebend überstanden. Viele Grüße und vielen Dank, Nina


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