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medizin-forum.de • Thema anzeigen - Verwirrtheit während Sepsis
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 Betreff des Beitrags: Verwirrtheit während Sepsis
BeitragVerfasst: 31.03.15, 19:11 
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DMF-Mitglied

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Beiträge: 55
Hallo!
mein Schwiegerpapa kam letzten Freitag ins Krankenhaus wegen Verwirrtheit. Laut meiner Schwiegermama war er nicht wirklich ansprechbar. Dort hat man erstmal per CT einen Schlaganfall ausgeschlossen. Es kam dann heraus, daß er wohl eine Infektion hat mit einem CRP von 85. Er blieb erstmal auf Normalstation. Am Samstag ging seine Sättigung rapide nach unten. Er wurde auf die Intensivstation verlegt und seine Sauerstoffsättigung ist mit einer Sauerstoffbrille im Moment okay. Es steht immer wieder die Befürchtung im Raum, daß er intubiert werden muß. Laut der Krankenschwester würde er dann nicht mehr davon loskommen. Er hatte am Samstag schlimme Herzrhytmusstörungen, die im Moment aber nicht mehr da sind. Dazu kam 39,7 °C Fieber und ein CRP von 185 am Samstag. Er ist laut meiner Schwiegermama ansprechbar, erkennt aber niemanden wirklich. Er erinnert sich nur an die entfernte Vergangenheit. Er weiß zwar, daß er eine Frau und 2 Söhne hat, erkennt sie aber nicht, wenn sie vor ihm stehen. Laut der Ärzte ist die Situation im Moment nicht mehr so kritisch wie am Samstag, aber er ist noch nicht über den Berg. Prognosen will keiner abgeben. Leider sind die Ärzte nicht wirklich auskunftswillig. Die Diagnose Pneumosepsis hat mein Mann aus den Unterlagen erfahren. Weder mein Mann noch meine Schwiegermama trauen sich, genauer nachzufragen. Dazu kommt, daß wir 200 km weiter weg wohnen..
Mein Schwiegerpapa ist 78 Jahre, Diabetiker und hat Morbus Addison, was es laut den Ärzten sehr schwierig macht, ihn zu behandeln.
Wenn mein Schwiegerpapa die Sepsis übersteht, gibt es eine Chance, daß sich die Verwirrung wieder legt? In den Veröffentlichungen zu dem Thema steht, daß bei einer schweren Sepsis der Hippocampus geschädigt werden könnte. Sprechen die Verwirrtheit und die Herzrhytmusstörungen dafür? Bei der Diagnosesuche am Samstag war auch der Verdacht der Meningitis im Raum. Eine Ärztin meinte Veränderungen im Schädel-CT gesehen zu haben. Beim Röntgen-Thorax zeigten sich aber Verschattungen auf der Lunge. Behandelt wird er jetzt mit Ciprobay und einem anderen Antibiotikum sowie die Höchstdosis Cortison wegen dem Addison.
Ich bin immer noch total geschockt von der Situation. Es ging so schnell und war so schnell so lebensbedrohlich. Ich hoffe so sehr, daß er die Sepsis überlebt.
Vielleicht kann mir jemand Mut machen.
Viele Grüße, Nina


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 Betreff des Beitrags: Re: Verwirrtheit während Sepsis
BeitragVerfasst: 03.04.15, 18:15 
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DMF-Moderator

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Beiträge: 4393
Wohnort: Hildesheim
Guten Abend,

Verwirrtheitsphasen während einer Sepsis sind normal - in der Regel bessert sich der Zustand, wenn die Infektion rückläufig ist. In der Regel sind solche Zustände komplett reversibel, d.h.: der "alte" Zustand wird wieder hergestellt sein, wenn die Krankheit überwunden ist.

Aktuell steht die Behandlung des Infektes natürlich absolut im Vordergrund. Alles weitere wird sich im Verlauf zeigen.

Leider sind aufgrund Ihrer Informationen keine spezielleren Auskünfte möglich - normalerweise sollten aber die Ärzte vor Ort entsprechende Informationen geben.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. A. Flaccus

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Dr. A. Flaccus
Facharzt für Anästhesie
- Notfallmedizin -
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 Betreff des Beitrags: Re: Verwirrtheit während Sepsis
BeitragVerfasst: 31.05.15, 13:28 
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DMF-Mitglied

Registriert: 05.09.07, 08:25
Beiträge: 55
Hallo Herr Dr. Flaccus,
vielen Dank für Ihre Antwort! Mein Schwiegervater hat die schwere Sepsis lebend überstanden. Die Verwirtheit ist allerdings geblieben. Er hat sich mit VRE infiziert und hatte in den 6 Wochen im Krankenhaus diverse Infektionen (Harnwegsinfekt). Es fiel auf, daß die Verwirrtheit während der Infekte schlimmer wurde. Er konnte zeitweise weder schlucken noch sprechen. Jetzt ist er zuhause, ist aber nicht mehr in der Lage für sich selbst zu sorgen. Er kann nicht mehr alleine essen oder überhaupt aufstehen. Er erkennt auch seine Kinder nicht mehr. Das Krankenhaus hat alle möglichen Untersuchungen gemacht, um herauszufinden, warum sich sein geistiger Zustand so schnell deutlich verschlechtert hat. Alle Untersuchungen (Liquorpunktion, Schädel-MRT etc) lieferten nur alterstypische Befunde, aber keinen Anhalt für eine Demenz oder einen Schlaganfall. Er war früher schon ab und an leicht verwirtt, aber es hat sich schnell wieder gebessert und er war nicht pflegebedürftig. Die Verwirrtheit fing 3 Tage vor seiner Einlieferung wegen einer Pneumosepsis auf die Intensivstation an. Aus Ihrer Erfahrung, kann es sein, daß die schwere Verwirrtheit eine Spätfolge der Sepsis ist? Oder daß sich sein Körper nicht mehr richtig erholt hat von der Sepis? Da der geistige Zustand während der Entzündungen sich massiv verschlechtert hat, könnte es mit seinem Morbus Addison zusammenhängen? Wir haben auch schon mit den Ärzten darüber gesprochen und auch sie können sich die massive Verschlechterung nicht erklären. Er ist medikamentös gut eingestellt auch mit Hydrocortison und alle Untersuchungen waren ohne Befund.
Vielen Dank im Voraus!

Viele GRüße, Nina


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 Betreff des Beitrags: Re: Verwirrtheit während Sepsis
BeitragVerfasst: 31.05.15, 13:46 
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DMF-Moderator

Registriert: 06.03.05, 08:30
Beiträge: 4393
Wohnort: Hildesheim
Liebe Nina,

anhaltende Verwirrtheitszustände nach schweren Erkrankungen (nicht unbedingt nur nach einer Sepsis) sind leider gar nicht so selten. Insbesondere im Zusammenhang mit den bereits früher bestehenden kurzfristigen Verwirrtheitszuständen ist das Risiko deutlich erhöht.

Es ist durchaus möglich, das sich der Zustand in den nächsten Monaten noch (leicht) verbessert. Möglicherweise hilft auch die Mitbehandlung durch einen Neurologen, falls dies nicht schon veranlasst wurde.

Im Rahmen einer schweren Erkrankung laufen verschiedene Stoffwechselprozesse im Körper ab, deren Nebenprodukte das Gehirn schädigen können. Auch kurzfristige Minderdurchblutungen - z.B. bei niedrigem Blutdruck - können ein vorgeschädigtes Gehirn weiter beeinträchtigen.
Diese Dinge kann man im MRT, im CT oder im Liquor leider oftmals nicht sehen - man sieht nur den deutlich veränderten Zustand.

Ich weiß, das Ihnen das in der akuten Situation jetzt auch nur wenig weiterhilft - aber möglichweise hilft es, die Dinge besser einordnen zu können.

Mit freundlichen Grüßen

Alfred Flaccus

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Dr. A. Flaccus
Facharzt für Anästhesie
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 Betreff des Beitrags: Re: Verwirrtheit während Sepsis
BeitragVerfasst: 31.05.15, 19:33 
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DMF-Mitglied

Registriert: 05.09.07, 08:25
Beiträge: 55
Hallo Herr Dr. Flaccus,
vielen Dank für Ihren Beitrag und Ihre Einschätzung! Ich hatte gehofft, es gäbe vielleicht noch einen Hebel, wo man ansetzen könnte, vor allem weil es so schnell ging mit dem Abbau des Mentalstatus. Mein Schwiegervater wurde im Krankenhaus bereits von Neurologen mitbetreut auch im Konzil. Aber eine Idee hatten sie leider auch nicht. Die Sepsis scheint aber dann der wirklich tiefe Einschnitt gewesen zu sein. Was mich aber wundert, warum wurde der Zustand nach ausgeheilter Sepsis noch ein bißchen schlimmer? Gibt es da noch eventuelle Spätfolgen? Mein Schwiegervater war nach ausgeheilter Sepsis schlechter dran als vorher, aber noch besser als jetzt. Kann es sein, daß jede weitere Infektion seine Verwirrtheit noch weiter steigert?
Ihre Einschätzung hat mir sehr geholfen, seine Situation immerhin zu verstehen. Die Ärzte im Krankenhaus sind da leider bei der Information nicht sehr offen auch bei intensivem Nachbohren nicht. Vielleicht ist es Ihnen unangenehm, seinen Gesundheitszustand mit uns Angehörigen diskutieren zu müssen. Verstehen könnte man es ja..
Meinten Sie, daß er weiterhin vom Neurologen mitbetreut werden sollte? Oder nur zur Diagnose?
Vielen Dank noch einmal und einen schönen Abend! Nina


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 Betreff des Beitrags: Re: Verwirrtheit während Sepsis
BeitragVerfasst: 31.05.15, 20:05 
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DMF-Moderator

Registriert: 06.03.05, 08:30
Beiträge: 4393
Wohnort: Hildesheim
Guten Abend,

leider sind die Vorgänge rund um Verwirrtsheitszustände nicht immer mit einem "Schema" zu erklären. So können neben den bereits genannten Faktoren auch Nebenwirkungen von Medikamenten eine Rolle spielen.

Man erkauft sich den "Sieg" über die Sepsis und zahlt dafür leider den Preis der Wahrnehmungsstörung.
wie gesagt: Es ist längst nicht immer so, aber es passiert regelmäßig. Intensivmediziner kennen das und man sollte auch mit den Angehörigen offen darüber sprechen.
Schließlich müssen vor allem Sie damit leben - in den nächsten Monaten und evtl. sogar Jahren.

Aus der Ferne ist es schwer zu sagen, was genau jetzt noch hilft und ob eine engmaschige neurologische Betreuung Vorteile hat.

Auf jeden Fall sollten Sie aber mit den behandelnden Ärzten und dem Sozialdienst die weitere "Lebensplanung" besprechen: Pflege daheim? Pflege im Heim? Pflegestufe?
GGfs. müssen ja auch (Miet-)Verträge gekündigt/geändert werden.
Deshalb ist es wichtig, das die Ärzte vor Ort Ihnen Perspektiven aufzeigen - selbst wenn es am Ende nicht das ist, was sie gerne hören würden.

Leider haben auch diese zeilen von mir wieder so einen negativen Grundton. Ich hoffe, es nutzt Ihnen dennoch ein bißchen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. A. Flaccus

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Dr. A. Flaccus
Facharzt für Anästhesie
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 Betreff des Beitrags: Re: Verwirrtheit während Sepsis
BeitragVerfasst: 31.05.15, 20:26 
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DMF-Mitglied

Registriert: 05.09.07, 08:25
Beiträge: 55
Hallo Herr Dr. Flaccus,er
obwohl der Grundton negativ ist, dennoch vielen Dank für Ihre Antwort! Sie haben uns schon viel geholfen! Zumindest ist es gut, wenn man die Erfahrungen eines Fachmannes zu dem Thema hört, auch wenn es nichts ändert.
Er nimmt leider sehr viele Medikamente und hatte wegen einem ACE-Hemmer schon ein acute on chronic Nierenversagen (er hat schon chronisches Nierenversagen). Wir hoffen, daß es zuhause bei der Pflege wieder besser wird und daß er nicht bald wieder einen Infekt mitnimmt!
Vielen Dank für die Hilfe! Liebe Grüße, Nina


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 Betreff des Beitrags: Re: Verwirrtheit während Sepsis
BeitragVerfasst: 31.05.15, 23:03 
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DMF-Mitglied
DMF-Mitglied

Registriert: 10.01.07, 16:48
Beiträge: 4216
Hallo,
es gibt kleine Hirnschädigungen die man im MRT nicht sehen kann, muss nur eine kleine Verbindung gestört sein. Kann sich ggf. wieder beruhigen. Nennt sich Irritation. Tritt durch Fieber auf. Man muss auch bedenken, dass manche kleine Schädigungen erst viel später im MRT sichtbar sind.
Einschätzen kann das ein Neuropsychologe - inzwischen bei viele Rehas Programm. Sie können kognitive Symptomen sehr gut einordnen.
Sonst ambulante Überweisung durch einen Neurologe möglich.
Es gibt auch inzwischen viele neuropsychologische Ambulanzen.
Gruß
Muppet


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