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medizin-forum.de • Thema anzeigen - Hashimoto. zwangsläufig Hormone?
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 Betreff des Beitrags: Hashimoto. zwangsläufig Hormone?
BeitragVerfasst: 06.09.17, 21:25 
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Registriert: 06.09.17, 21:10
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Guten Abend,

bei mir wurde 2014 Hashimoto festgestellt. Mein Werte schwanken immer. Bei der letzten Untersuchung lag der TSH Wert bei 5,5, und T3, T4 im Normbereich. Bis jetzt nehme ich keine Hormone, denn ich habe absolut keine Beschwerden. Ich denke sowas nennt man latente Hypothyreose? Bin etwas verunsichert, denn einerseits lese ich das mal bis TSH 10 nicht zwangsläufig Hormone nehmen muss, aber andererseits soll schon eine geringe Unterfunktion Herzprobleme auslösen können. Natürlich möchte ich wenn möglich nichts einnehmen, möchte aber auch keine gravierenden Gesundheitsschäden bekommen.
Meine Frage ist nun, muss es sich zwangsläufig verschlechtern, und welche Auswirkung können der Verzicht auf Hormone haben? Ich war in den letzten Jahren bei 3 verschiedenen Ärzten, und keiner hielt es für nötig mir Hormone zu verschreiben.

MfG
Jennifer


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BeitragVerfasst: 09.09.17, 15:21 
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DMF-Moderator

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Beiträge: 11117
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Guten Tag,
bei klinischem Wohlbefinden ist eine Therapie nicht zwingend erforderlich. Allerdings sollte man bei Hashimoto die Indikation zur Thyroxintherapie großzügiger betrachten, da doch die Gefahr von Herz/Kreislauferkrankungen erhöht ist. Ferner liest man immer noch die alten Referenzbereiche-hierüber habe ich viel geschrieben. Der obere Referenzbereich liegt seit einigen Jahren bei 2,5 mU/l, hat sich seltsamerweise noch nicht überall herumgesprochen.

_________________
Grüße Dr. Fischer
Unter Bezugnahme auf § 7 (3) der Berufsordnung für Ärzte ist mein Beitrag eine Stellungnahme,die auf den vorliegenden Angaben beruht .Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.


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BeitragVerfasst: 09.09.17, 19:08 
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DMF-Mitglied

Registriert: 13.08.15, 07:10
Beiträge: 28
Hallo Herr Dr.Fischer,

Dr.med.Holger Fischer hat geschrieben:
Ferner liest man immer noch die alten Referenzbereiche- ...... Der obere Referenzbereich liegt seit einigen Jahren bei 2,5 mU/l, hat sich seltsamerweise noch nicht überall herumgesprochen.
Hätten Sie den letzten Teil nicht so provokant in rot geschrieben, ich hätte ihn einfach übersehen und mir die Arbeit erspart, so viele Quellen zu zitieren.

Sehr oft höre ich in der Selbsthilfe ähnliche Aussagen und korrigiere diese Behauptungen jedes mal, also auch hier :wink:

Es gibt einige Labore, die ihre Obergrenze mit 2,5 mU/l angeben, aber die Diskussion um die Absenkung ist noch lange nicht beendet, sie wurde nirgendwo offiziell definiert oder eingeführt. Erst vor kurzem habe ich das bei uns an der Uniklinik wieder gehört, es gibt keine veraltete Obergrenze. Die empfehlende Stellungnahme der European Thyroid Association lautet:
"There are two categories of SCH according to the elevation in serum TSH level: mildly increased TSH levels (4.0–10.0 mU/l), and more severely increased TSH value (>10 mU/l)."
Quelle: http://www.eurothyroid.com/files/downlo ... oidism.pdf

Doccheck:
"Es ist Gegenstand aktueller Kontroversen, ob die Obergrenze des TSH-Referenzbereichs abgesenkt werden sollte, und ob die so definierten sublatenten Funktionsstörungen einen Krankheitswert besitzen."
Quelle: http://flexikon.doccheck.com/de/Hypothyreose

Das schreibt ihr Kollege Ralf Tillenburg :wink: (er steht hier noch als Moderator):
"All dies wird seit Jahren wissenschaftlich diskutiert, und es ist keineswegs so, dass der Grenzwert von 2,5 "neuer und aktueller" sei. Er repräsentiert die Meinung einer Gruppe von Wissenschaftlern (im Jahr 2000 in einer medizinischen Fachzeitschrift veröffentlicht), während es eine noch größere Gruppe anderer Wissenschaftler gibt, die zu der Erkenntnis kommen, dass eine Absenkung des oberen Grenzwertes mehr Nachteile als Vorteile hätte (2002 veröffentlicht)."
Quelle: http://www.info-medico.de/index.php/sch ... ese/21-tsh

Aussage von Prof. Dr. Georg Brabant, Mitglied der Sektion der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie:
"Der Normbereich variiert zwischen 0,3 bis 0,5 im unteren Bereich und 4 bis 4,5 Mikroeinheiten pro Milliliter im oberen Bereich. International hat man den Bereich zwischen 0,5 und 4 Mikroeinheiten pro Milliliter als Kernbereich für den TSH-Wert gefunden."
Quelle: http://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/I ... se114.html

„Deshalb gilt bei Grenzbefunden zwischen 4 und 10 mIU/l – wenn keine offensichtliche Erklärung für den erhöhten Wert vorliegt –, dass man den Patienten noch einmal einbestellt und diesen Wert erneut abnimmt“, betont Führer. Das entspreche auch den internationalen Empfehlungen, „an die wir uns halten sollten“.

„Auch in Deutschland werden viel zu schnell Schilddrüsenhormone verordnet, ohne sich darüber Gedanken zu machen, wo das Problem eigentlich herkommt – und ob es überhaupt eines ist.“
Prof. Dr. Dagmar Führer - Vize-Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie.
Quelle: http://deutsch.medscape.com/artikel/4901614

Ein sehr großes spezielles Hormonlabor mit dem viele Universitätskliniken arbeiten:
http://www.labor-limbach.de/Leistungsve ... id%5D=1130

Abgesehen von meiner "Beschwerde" heute :oops:, lese ich Ihre Beiträge sehr gerne und bin froh, dass Sie das DMF in so vielen Unterforen mit Ihrem großen Einsatz am Leben halten!

Danke und liebe Grüße


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BeitragVerfasst: 11.09.17, 00:59 
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Beiträge: 3
Sehr geehrter Dr. Fischer und ABC123xyz,

vielen Dank für die ausführlichen und sehr interessanten Informationen. Das war genau das Problem das mich verunsichert hat.
Beim recherchieren bin ich stets auf unterschiedliche Studien bzw. Meinugen gestoßen.
Anhand der neu gewonnenen Erkenntnisse, werde ich wohl auch weiterhin auf Einnahme von Hormonen verzichten. Zumindest bis zur nächsten Untersuchung.

Lg
Jennifer


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BeitragVerfasst: 11.09.17, 21:25 
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Beiträge: 3
Ach ja, gilt das auch bei nachgewiesenen Antikörpern?


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BeitragVerfasst: 12.09.17, 07:48 
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DMF-Moderator

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Beiträge: 11117
Wohnort: 87727 Babenhausen ( Schwaben)
Hallo,
" Allerdings sollte man bei Hashimoto die Indikation zur Thyroxintherapie großzügiger betrachten,"-damit meine ich-bei aller Diskussion über die Referenzbereiche- dass bei nachgewiesenen AK ( je nach Höhe) durchaus eine Thyroxingabe erwägt werden kann. Ferner kann der AK-Titer durch die Gabe von Selen 100-200 Mikrogramm proTag reduziert werden. Man muß dabei aber beachten, dass eine überschießende Selengabe das Diabetesrisiko erhöht, weshalb Selenspiegelkontrollen sinnvoll sind.

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Grüße Dr. Fischer
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BeitragVerfasst: 12.09.17, 21:57 
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Registriert: 03.06.17, 15:19
Beiträge: 28
Dr.med.Holger Fischer hat geschrieben:
Ferner kann der AK-Titer durch die Gabe von Selen 100-200 Mikrogramm proTag reduziert werden. Man muß dabei aber beachten, dass eine überschießende Selengabe das Diabetesrisiko erhöht, weshalb Selenspiegelkontrollen sinnvoll sind.

Interessant, das wußte ich gar nicht. Ich nehme 300 Mikrogramm Selen täglich auf Anordnung meines Arztes. (Aber bei mir haben sich die Selenwerte nachgewiesenermaßen trotzdem kaum erhöht).

Was ich bestätigen kann ist, dass die Antikörper davon signifikant runtergehen - und ich finde auch, dass man sich damit auch relativ schnell etwas besser fühlt. Könnte aber auch einfach ein Placeboeffekt sein.

Zu der Frage mit dem TSH-Grenzwerten:

Dass man bei Schilddrüsenfehlfunktionen schnell auch bei Werten um 4 - 5 mU/l L-Thyroxin bekommt - jedenfalls bei Beschwerden und Hashimoto - kann ich aus eigener Erfahrung überhaupt nicht bestätigen. Wenn man Glück hat, steigt der TSH-Wert irgendwann bei einer BE auf fast 10 mU/l nach Monaten, dann bekommt man L-Thyroxin. Aber auch eher sehr sparsam. Ich weiß aber nicht, ob das immer so läuft, vielleicht bin ich da auch eine Ausnahme.

Da ich festgestellt habe, dass es mir am besten geht mit einer Einstellung mit einem TSH unter 1,0 mU/l und ft3 und ft4 im oberen Drittel des Normalbereichs, lese ich die Diskussion über die Grenzwerte und Aussagen wie die, dass man da kein L-Thyroxin geben muss, sicher auch mit anderen Augen.

Was ich bei jenjen entscheidend finde ist, dass sie "absolut keine Beschwerden" hat. Dann würde ich den TSH zwar weiterhin regelmäßig kontrollieren lassen und im Auge behalten, aber bei einmalig 5,5 mu/l die nächste Untersuchung abwarten und dann über L-Thyroxin ja/nein entscheiden. Aber ich bin nur Laie.


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