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 Betreff des Beitrags: Totgeburt
BeitragVerfasst: 23.08.17, 17:46 
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Beiträge: 6
Hallo Zusammen,

ich versuche kurz einen Fall zu schildern und stelle im Anschluss dazu ein paar Fragen, wobei ich nicht weiß, ob man diese so einfach beantworten kann. Vor ein paar Wochen befand sich eine Freundin in der 36. SSW und hatte einen Termin zur Feindiagnostik im Krankenhaus. Die Untersuchung durch den Arzt verlief ohne besonderen Befund, alle Werte laut Aussage des Arztes seien perfekt. Kein Folgetermin nötig, wenn das Kind nicht in den nächsten 4 Wochen normal zur Welt kommt, solle sie zum errechneten Termin im KH erscheinen. Nun vergingen 4 Tage und am 5. Tag stand für sie wieder das Routine-CTG bei der Frauenärztin an. Nun der Schock, beim CTG konnten keine Herztöne mehr festgestellt werden. Sofort in die Klinik und dort die traurige Bestätigung, das Kind im Mutterleib lebt nicht mehr :cry: Das Kind wurde im Anschluss geboren und die Hebamme lobte noch die Unversehrtheit des Kindes und die Größe der Plazenta. Um die genaue Ursache für diesen dramatischen Verlauf klären zu können, hat sie eine Untersuchung beauftragt. Das Ergebnis verwundert uns nun alle. Das Kind ist gesundheitlich ohne Fehler, kein Gendefekt, nichts, alles in bester Ordnung. Als Grund wurde laut Bericht ausgemacht, dass das Kind zu groß war; und die Plazenta zu klein, um das große Kind zu versorgen. Dies führte dann zum Tod des Kindes im Mutterleib. Nun fragen wir uns:

1) Hätte man die zu kleine Plazenta im Vorfeld diagnostizieren können?
2) Kann eine Plazenta in nur 4 Tagen ihre Versorgung komplett einstellen?
3) Wieso wurde bei einer Risiko-Schwangerschaft (Diabetes) nicht bei besten Werten und gesundem Kind (Kind > 3.000g) in Erwägung gezogen, die Geburt einzuleiten?
4) Wieso wird die Plazenta als groß und versorgungsbereit für sogar 2 Kinder gelobt und ist nun laut Untersuchung doch zu klein und die Ursache für den Tod des Kindes im Mutterleib?

Für weitere Fragen stehe ich euch gerne Rede und Antwort.


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 Betreff des Beitrags: Re: Totgeburt
BeitragVerfasst: 24.08.17, 13:06 
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DMF-Moderator

Registriert: 31.01.07, 15:01
Beiträge: 11117
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Hallo,
1. wie schwer war das Kind?
2. Wie schwer war die Plazenta?
3. Liegt ein feingewebliche Untersuchung der Plazenta durch einen Pathologen vor- was extrem wichtig wäre zur Beantwortung Ihrer Fragen.

_________________
Grüße Dr. Fischer
Unter Bezugnahme auf § 7 (3) der Berufsordnung für Ärzte ist mein Beitrag eine Stellungnahme,die auf den vorliegenden Angaben beruht .Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beratung, Untersuchung und Behandlung durch Ihren Arzt.


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 Betreff des Beitrags: Re: Totgeburt
BeitragVerfasst: 24.08.17, 18:47 
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Interessierter

Registriert: 23.08.17, 15:57
Beiträge: 6
Dr.med.Holger Fischer hat geschrieben:
Hallo,
1. wie schwer war das Kind?
2. Wie schwer war die Plazenta?
3. Liegt ein feingewebliche Untersuchung der Plazenta durch einen Pathologen vor- was extrem wichtig wäre zur Beantwortung Ihrer Fragen.


Hallo Herr Dr. med. Holger Fischer,

vielen Dank für die schnelle Rückmeldung.

1) Das Kind war 3.460 g schwer.
2) Die Plazenta war 319 g schwer.
3) Auf mikroskopischer Ebene war das Organbild weitgehend regelrecht, wobei sich Hinweise auf eine chronische Mangeldurchblutung zeigten.

Viele Grüße

Tears in Heaven


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 Betreff des Beitrags: Re: Totgeburt
BeitragVerfasst: 25.08.17, 06:57 
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DMF-Moderator

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Guten Morgen,
Auffallend ist zu nächst das Gewicht des Kindes, im Durchschnitt beträgt dies in der 36. SSW ( genaue SSW ist ja nicht angegeben) deutlich unter 3000 g, mit 3460 g hat es ja schon das Gewicht der 40. SSW erreicht. Das Gewicht ist also zu groß für das Schwangerschaftsalter, was bei Diabetes ( je nach Einstellung des Diabetes mit Insulin ) vorkommen kann. Hinweis würde aber auch eine genauere und individuelle Gewichtsberechnung geben, die auf den Ultraschallmessungen beruht. Dazu hat sich doch der Kollege, der die Feindiagnostik machte ( warum überhaupt) doch sicher geäußert. Ihm ist sicherlich das zu große fetale Gewicht aufgefallen. Bei der Feindiagnostik wird ja neben der peniblen Untersuchung der fetalen Organe auch Kopfdurchmesser, Abdomenumfang ( zu groß bei diasbetischen Kindern !!) gemessen. Man kann schon fast von einer fetalen Makrosomie sprechen.
Auch die Menge des Fruchtwassers ist von enormer Bedeutung.
Auch die Plazenta ist deutlich zu klein, sie ist im Mittel über 400 g schwer. Auch diesbezüglich kann man Messungen vornehmen, sind etwas schwierig und aufwendig, aber machbar.
Im Krankenhaus wurde doch sicher auch eine US-Doppleruntersuchung durchgeführt, hierbei sieht man bei chronischer Plazentainsuffizienz gewisse Auffälligkeiten.
Ferner würde man bei chronischer Plazentainsuffizienz normalerweise Auffälligkeiten im CTG sehen, das ja bei Diabetikerinnen schon 2-3 x/Woche aufgezeichnet werden sollte. Innerhalb weniger Tage stirbt ein Fet nicht, das bahnt sich meist schon früher an und kann dann mit geschultem Auge im CTG erkannt werden-bevor es zu spät ist.
Zur Frage der Geburtseinleitung: ich hätte- wenn man mir erkannte ( ? )Größenauffälligkeiten mitteilt, eine stationäre Einweisung veranlasst, vorerst aber noch keine Geburtsleitung durchgeführt, eher noch 2 Wochen abgewartet, tgl. CTG schreiben lassen. Gerade in den letzten 4 Wochen besteht allerhöchste Aufmerksamkeit bei Diabetikerinnen.

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Grüße Dr. Fischer
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 Betreff des Beitrags: Re: Totgeburt
BeitragVerfasst: 25.08.17, 09:00 
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Interessierter

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Beiträge: 6
Guten Morgen Herr Dr. med. Holger Fischer,

Tag der Untersuchung Feindiagnostik war 36. SSW (03.08.) dort wurde das Kind mit ca. 3.200g durch den Arzt der Feindiagnostik vermessen. Ebenfalls wurden die ganzen Durchmesser und Umfänge gemessen. Laut dem Arzt waren alle Werte und auch CTG im ideal Bereich und man solle am 01.09. in die Klinik kommen, wenn bis dahin das Kind noch nicht geboren wurde.

Die genaue Menge des Fruchtwassers ist mir nicht bekannt, jedoch wurde auch nie etwas zu zu viel oder zu wenig Fruchtwasser gesagt.
Ja im Krankenhaus wurde eine US-Doppleruntersuchung gemacht - ohne Auffälligkeiten (es gab 3 x eine Feindiagnostik Untersuchung).

Für die letzten 4 Wochen gab es nur 3 Termine für CTG (3.8. FD - 8.8. FA und 22.8. FA).

> Gewicht wurde mitgeteilt, jedoch keine un-normale Größenauffälligkeit
> Stationäre Einweisung am 03.08. nach der Feindiagnostik wurden wir wieder nach Hause geschickt mit Termin 01.09. 10 Uhr


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 Betreff des Beitrags: Re: Totgeburt
BeitragVerfasst: 25.08.17, 09:16 
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DMF-Moderator

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Beiträge: 11117
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Guten Tag,
Sie finden im Netz sicher zahlreiche Gewichtstabellen für die 36. SSW. Bedenken Sie dabei, dass diese SW von 35+1 bis 35+6 geht, es ist schon ein Unterschied, ob man sich in der 35+1 SSW oder 35+6 SSW befindet, aber beides ist die 36. SSW.
Dennoch: das Gewicht ist zu groß für diese SSW.
Zwischen dem 8.8. und 22.8. wirklich nur zwei Tage- das wäre natürlich gravierend. Das passt doch zeitlich aber nicht zusammen: " am 5. Tag stand für sie wieder das Routine-CTG bei der Frauenärztin an."
ein CTG am 3. 8. und dann am 8.8. Es ist doch danach gestorben, da kann doch kein CTG mehr am 22.8. geschrieben worden sein.

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Grüße Dr. Fischer
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 Betreff des Beitrags: Re: Totgeburt
BeitragVerfasst: 25.08.17, 10:08 
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Interessierter

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Beiträge: 6
Guten Tag,

am 03.08. bei der FD war alles in Ordnung laut behandeltem Arzt.
Am 08.08. wurde bei der FA beim CTG keine Herztöne mehr gemessen. (Was 5 Tage später ist)
Der Termin 22.08. FA für CTG hat natürlich nicht statt gefunden, da ja am 08.08. schon die Diagnose stand.

Die Termine waren eine Listung für die Aussage "...im CTG sehen, das ja bei Diabetikerinnen schon 2-3 x/Woche aufgezeichnet werden sollte"
Die letzten 4 Wochen mit 2-3 x die Woche CTG wären ja 8-12 CTG Termine - bei uns gab es gerade mal 3 Termine bei denen ein CTG erstellt werden sollte.

Also noch mal zusammengefasst:

03.08. Termin Feindiagnostik mit keinen Auffälligkeiten
08.08. Termin Frauenarzt zum CTG - Keine Herztöne mehr


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 Betreff des Beitrags: Re: Totgeburt
BeitragVerfasst: 28.08.17, 11:37 
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Beiträge: 6
Hallo Herr Dr. med. Holger Fischer,

ich habe hier noch mal eine kurze Zusammenfassung der wesentlichen Untersuchungsergebnisse der Obduktion sowie der Plazenta:

- Plazenta wesentliche Auffälligkeit, in Relation zur SSW deutlich zu klein (je nach Literatur Plazenta-Größe eher 25. SSW, als einer 37. SSW)
- Mikroskopische Ebene Organ-Bild weitgehend regelrecht, Hinweise auf chronische Mangeldurchblutung
- Befund: Plazenta Reifungsstörung

- Foetus (3.460 g) in Relation zur SSW sehr groß bzw. schwer
- Organe vergrößert, am meisten betroffen: Herz
- Keine fetalen Fehlbildungen festgestellt
- Etwas überproportionale Herzvergrößerung ist am ehesten auf eine vermehrte Herztätigkeit durch die zu kleine Plazenta zurückzuführen

- Die Ursache des intrauterinen Fruchttodes ist Mangelversorgung durch zu kleine Plazenta (Plazentainsuffizienz)
- Wichtigster Faktor: Sehr großer Foetus und nur sehr kleinen Plazenta
- Geburtsgewicht des Foetus (3.460 g) Plazenta hätte für ausreichende Versorgung ca. 700 g wiegen sollen (Plazentagewicht jedoch nur 319 g)


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 Betreff des Beitrags: Re: Totgeburt
BeitragVerfasst: 28.08.17, 14:06 
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DMF-Moderator

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Beiträge: 11117
Wohnort: 87727 Babenhausen ( Schwaben)
Hallo,
es wundert mich doch, dass bei der " Feindiagnostik" die viel zu kleine Plazenta und das große Herz nicht erkannt wurde. Diese Untersuchungen machen Frauenärzte, die besonders nach DEGUM qualifiziert sind und mindestens DEGUM Stufe 1 besser noch Stufe 2 haben ( kann man googlen).
" HInweis auf chronische Mangeldurchblutung"- er schreibt aber nicht, welchen Hinweis, da gibt es diverse Zeichen, die darauf hinweisen.
Ferner bin ich erstaunt, dass in den CTG's nichts erkannt wurde. Entweder waren diesbezüglich schon Veränderungen der Herztöne da oder aber sie wurden übersehen.
Ferner müßte eigentlich sowieso bei bekanntem Diabetes intensiv Gebrauch vom Farbdoppler gemacht worden sein, da würde man bei chronischer Plazentainsuffizienz eigentlich Veränderungen des Durchblutungsmusters u.a. erkennen.
Ein großes Kind bei Diabetes wäre für mich absolut beunruhigend als Frauenarzt und würde die Alarmglocken wecken.

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Grüße Dr. Fischer
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 Betreff des Beitrags: Re: Totgeburt
BeitragVerfasst: 29.08.17, 11:15 
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Registriert: 23.08.17, 15:57
Beiträge: 6
Dr.med.Holger Fischer hat geschrieben:
Hallo,
es wundert mich doch, dass bei der " Feindiagnostik" die viel zu kleine Plazenta und das große Herz nicht erkannt wurde. Diese Untersuchungen machen Frauenärzte, die besonders nach DEGUM qualifiziert sind und mindestens DEGUM Stufe 1 besser noch Stufe 2 haben ( kann man googlen).


Ich habe gerade geschaut, die Feindiagnostik wurde ja von einem Dr. med. in der Klinik gemacht, dieser hat Stufe II für Gynäkologie u. Geburtshilfe.

Dr.med.Holger Fischer hat geschrieben:
" HInweis auf chronische Mangeldurchblutung"- er schreibt aber nicht, welchen Hinweis, da gibt es diverse Zeichen, die darauf hinweisen.


Da liegen mir aktuell leider keine weitere Informationen vor außer diese.

Dr.med.Holger Fischer hat geschrieben:
Ferner bin ich erstaunt, dass in den CTG's nichts erkannt wurde. Entweder waren diesbezüglich schon Veränderungen der Herztöne da oder aber sie wurden übersehen.
Ferner müßte eigentlich sowieso bei bekanntem Diabetes intensiv Gebrauch vom Farbdoppler gemacht worden sein, da würde man bei chronischer Plazentainsuffizienz eigentlich Veränderungen des Durchblutungsmusters u.a. erkennen.


Von der letzten Feindiagnostik habe ich Video-Aufnahmen, bin aber natürlich als "Laie" natürlich nicht in der Lage das was man sieht zu interpretieren.


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