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medizin-forum.de • Thema anzeigen - Reizüberflutung bei Demenzkranken : mittl. Krankheitsstadium
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BeitragVerfasst: 19.02.16, 15:48 
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Interessierter

Registriert: 19.02.16, 15:34
Beiträge: 5
Sehr geehrtes Moderatorenteam,
liebe Forenteilnehmer,

... ich höre von Pflegern, Angehörigen und Bekannten, dass bei dementen Patienten im mittleren Stadium der Publikumskontakt eingeschränkt werden sollte um eine Überforderung auszuschließen. Diese Regel ist sicherlich auf den ersten Blick für alle Beteiligten sofort einleuchtend.

In diesem Zusammenhang bin ich jedoch recht unsicher, ab wann man bei einem Demenzerkrankten von einer Reizüberflutung überhaupt gesprochen werden kann. Zudem habe ich bisher noch nie erlebt dass dieser wegen psychischer Überforderung "aggressiv" wurde. Das soll aber in der Praxis durchaus vorkommen und soll eine Ausdrucksform der Demenzerkrankung im mittleren und erst recht in der Endphase (dem letzten Krankheitsstadium) sein.

Wie kann man sich in der Einschätzung dieser Frage als Betroffener am besten orientieren ? Ich schätze dass es hier von Patient zu Patient entsprechende Unterschiede gibt, die man unbedingt beachten sollte.


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BeitragVerfasst: 22.02.16, 14:44 
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DMF-Moderator

Registriert: 29.09.04, 14:41
Beiträge: 1079
Wohnort: Hannover
Hallo Helmut,

ich denke das ist individuell sehr verschieden, hängt zumal noch von der Tagesform und dem Befinden des Bewohners ab.

Es gibt Bewohner die ihr Leben lang immer in Gesellschaft verbracht haben. Diese sind wohl, obwohl es Ausnahmen geben mag, für Besuche empfänglicher als andere Bewohner. Dann gibt es solche, die sehr zurückgezogen lebten. Diese kämen durch Reizüberflutung sehr schnell an ihre Grenzen.
Auch die Tagsform entscheidet darüber wieviel ein Bewohner vertragen kann. So ibtes Früh-,Spätaufsteher und manche leben abends auf, ja sogar nachts...
Auch das Befinden des Bewohners sollte mit einbezogen werden, denn wer will schon übermäßig Besuch wenn er unter starken Schmerzen leidet.

Verschiedene Situationen können Aggressivität hervorrufen, darunter fällt auch die Reizüberflutung. Denn wie sollte sich ein Bewohner denn zur Wehr setzen, wenn er verbal nicht mehr in der Lage ist seine eigenen Bedürfnisse zu äußern?!

Ein geregelter Tagesablauf ist bei Dementen sehr wichtig, alles sollte dosiert erfolgen und mit Individualität gepaart.

_________________
Liebe Grüße

Annette Koch
---------------------
DMF-Moderatorin
Geriatrie/Gerontologie
Pflege


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BeitragVerfasst: 22.02.16, 17:07 
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Interessierter

Registriert: 19.02.16, 15:34
Beiträge: 5
Das ist sicherlich richtig. Die Aggressivität die ich erfahren habe war für mich unerwartet und angenehm: so erhielt ich einmal eine heftige Ohrfeige ohne das hierfür ein Grund erkennbar war.

Nach meinem Eindruck können jedoch möglicherweise Demenzkranke nicht mehr so ohne weiteres differenzieren was konkret Ursache war für die körperliche Gewalt. Eine Wutattacke ohne Grund, das ist für mich jedoch nicht denkbar. Gibt es so etwas überhaupt ?

Wer kann denn guten Gewissens ausschließen, dass sich hier bspw. meine Mutter als Erkrankte zuvor über die Pflegerin soweit geärgert hatte dass ich als Besucher diese Emotion in Form einer Ohrfeige zu spüren bekam ?!


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BeitragVerfasst: 01.03.16, 12:16 
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DMF-Moderator

Registriert: 29.09.04, 14:41
Beiträge: 1079
Wohnort: Hannover
Hallo Helmut,

sorry für die verspätete Antwort, ich habe im Moment Uni-Klausurenphase...

Bei Dementen gibt sich die Stimmungslage immer sehr wechselnd d.h. am Vormittag kann man noch die "Gute Pflegerin" sein nachdem man ihr etwas zu trinken anbietet und etwas später ist man die "Böse" da sie es als Belastung ansieht etwas trinken zu müssen. Folglich können Emotionen auch verfälscht wiedergegeben werden, je nach Emfpfindung und dem momentanen seelischen Zustand des Dementen. Genauso können innere Nöte wie:"Wann kommt mein Sohn/meine Tochter usw. richtige Panikatacken auslösen, die sich in Wut oder Niedergeschlagenheit äußern. Dazu mischt sich dann das Langzeitgedächtnis das gute/schlechte Erinnerungen speichert, je nachdem wie die Gewichtung im Leben verlaufen ist. So erleben sie vielleicht Situationen wieder, die im Moment nichts mit der jetzigen Situation zu tun haben. Man kann hier meist nur spekulative Aussagen treffen was im Moment in der zu pflegenden Person vorgeht...

_________________
Liebe Grüße

Annette Koch
---------------------
DMF-Moderatorin
Geriatrie/Gerontologie
Pflege


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BeitragVerfasst: 01.03.16, 13:32 
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DMF-Mitglied
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Registriert: 10.01.07, 16:48
Beiträge: 4216
Hallo,
bzgl. Wutausbrüche.
Gibt verschiedene Gründe. Bei manche Demenzerkrankte ist die Frustrationsgrenze allgemein herabgesetzt. Auch gibt es klarer Momente wobei der Patient seiner Erkrankung stark bewusst ist. Das verunsichert.
Dazu kommt das Problem, dass durch die Atrophie das Emotionsregulationssystem beschädigt ist. Ist die Frontallappen beschädigt, ist die Hemmung herabgesetzt. D.h. die Emotionen werden ungebremst rausgelassen. Trigger kann eine externe oder interne (im Kopf der Demenzerkrankte) Vorgang sein.

Gruß
Muppet


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