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medizin-forum.de • Thema anzeigen - Ergebnis eines OGTT-Tests
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 Betreff des Beitrags: Ergebnis eines OGTT-Tests
BeitragVerfasst: 11.01.09, 09:06 
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Oh, jetzt hab ich diesen Unterpunkt gefunden :oops:

Hier passt meine Frage natürlich besser:

ich habe einen OGTT gemacht und folgendes Ergebnis erhalten:

Nüchtern: 90
nach 1 Stunde: über 200
nach 2 Stunden: etwas über 140
nach 3 Stunden: unter 60

Beschwerden waren Unterzuckerungsprobleme und Schwächegefühle. Bei mir wurde bisher kein Diabetes festgestellt und ich nehme kein Insulin.

Die Werte scheinen mir nicht ganz normal. Was für ein weiteres Vorgehen wäre denn zu raten und worauf könnte das hindeuten?

Danke und Mfg


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BeitragVerfasst: 11.01.09, 10:33 
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@mediapostel

Der oGTT zeigt sowohl eine grenzwertige Nüchternblutglukose und gibt auch einen Hinweis auf eine gestörte Glukosetoleranz.
Diabetes mellitus, auch wenn >= 200 mg/dl mehrmals als Zufallswerte festgestellt werden.

Der hypoglykämische 3h-Wert deutet auf eine reaktive Hypoglykämie, die typisch im prädiabetischen Bereich auftritt.

Behandlung:
Siehe Basistherapie bei T2-Diabetes.
Kompensation durch Ernährungsumstellung und Bewegung.
Regelmäßige Blutglukosekontrollen beim Arzt.

_________________
Mit freundlichen Grüßen
Hans Reuter


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BeitragVerfasst: 11.01.09, 11:33 
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Moin Mediapostel

Grenzwertiger Nüchtern-Blutzucker:
Die Alpha-Zellen in Deiner Bauchspeichedrüse haben die Aufgabe, in Zeiten, in denen keine Glukose gegessen wird, also z.B. meistens in der Nacht, bei zu niedrigem Blutzucker Glukagon auszugeben und damit die Leber zur Zuckerausgabe zu stimulieren. Wenn der Blutzucker dann wieder normal hoch ist, stellen sie gesund die Glukagon-Ausgabe ein. Diabetisch gestört (niemand weiß bis heute warum) wie bei Dir machen sie dann einfach noch eine Weile weiter und heben damit den Blutzucker über normal an. Wenn Du die diabetische Entwicklung einfach so weiter laufen lässt, werden im Rahmen der nächsten 5 Jahre da warscheinlich statt der 90 morgens mehr als 150 mg/dl abzulesen sein :-(

Gestörte Glukosetoleranz:
Wenn sich ein gesunder Mensch Glukose einverleibt, bestellt die bei ihrer Ankunft im Darm über einige Hormone (Inkretine) dort bei den Beta-Zellen des Pankreas eine erste Ladung Insulin, das auf diese Weise praktisch gleichzeitig mit der Glukose aus dem Darm im Blutkreislauf eintrifft. Damit steigt der Blutzucker gesund gerade mal für ein paar Minuten auf 120 oder ein bisschen darüber, nie über 140, und ist nach 2 Stunden längst wieder zurück bei um 80 mg/dl. Für das Abarbeiten jedes Glukoserestes, den diese vorbestellte erste Phase der Insulinausgabe noch übrig lässt, sorgt direkt vom Blutzucker gesteuert die zweite Phase der Insulinausgabe.

Der sogenannte Inkretin-Effekt der Phase1 der Insulinausgabe wurde Mitte der 80ger Jahre des vorigen Jahrhunderts entdeckt. Dabei wurde auch entdeckt, dass der Blutzucker mit der selben Menge Glukose intravenös eingefüllt wegen der Umgehung des Inkretin-Effekts der Phase1 auch bei völlig gesunden Probanden immer ungesund hoch ansteigt bis lange nach dem Anstieg die Insulinausgabe der Phase2 endlich nachkommt - und mit der ungewohnt großen Aufgabe deutlich über das Ziel hinauszuschießen neigt. Und zwar wird dabei dann umso mehr zuviel Insulin ausgegeben, je höher der Blutzucker vorher angestiegen ist. Damit bekommt man in aller Regel einen Bährenhunger, auch wenn man gerade 2-3 Stunden vorher völlig satt gegessen hat, muss wieder essen und damit den Blutzucker wieder viel zu hoch treiben und damit... Und wenn er die Diagnose-Schwellen auf diese Weise nach einigen Jahren erreicht hat, is der Diabetiker endlich fett und bestätigt das bekannte Vorurteil :-(

Was tun?
Du siehst an Deinem OGTT-Ergebnis, dass Dir der Inkretin-Effekt mit der ersten Phase der Insulinausgabe fehlt und dass Deine Phase2 alles alleine machen muss. Und Du siehst auch, dass sie das noch ganz gut kann. Vielleicht noch für viele Jahre, wenn Du ihr mit Deinem Futter-Input nach Art und Portionsmenge in Zukunft so entgegen kommst, dass Dein Blutzucker zu keiner Zeit und auch nicht 1 Stunde nach dem Essen über 140 mg/dl ansteigt und nach Möglichkeit nach 2-3 Stunden wieder deutlich unter 100 mg/dl zurück ist :-)

Daumendrück, Jürgen


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BeitragVerfasst: 11.01.09, 13:42 
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Vielen Dank für die Antworten und die ausführlichen Erklärungen :D

Wenn ich auch noch nicht alles so komplett verstanden habe. Ich muss mich denke ich noch in die Materie einlesen.

Was ich aber wirklich nicht verstehe ist, wie das überhaupt entstanden ist. Denn ich hatte mich eigentlich gesund ernährt bis, ja bis auf einmal diese Unterzuckerungsgefühle da waren. Da habe ich dann um nicht umzukippen nach was anderem gegriffen. Und davon erstaunlicherweise auch nicht zugenommen. Irgendwie merkwürdig.

Das Ergebnis der Blutuntersuchung (Abnahme nüchtern) ergab, dass ich viel zu viel Insulin habe, bestimmt 3x soviel wie die äußerste Grenze. Was das nun zu bedeuten hat weiß ich auch nicht.

Bin doch ein wenig am grübeln :?


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BeitragVerfasst: 11.01.09, 14:42 
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@mediapostel

Zitat:
Was ich aber wirklich nicht verstehe ist, wie das überhaupt entstanden ist.

Das Geschehen um die Entwicklung eines Diabetes mellitus vom Typ2 ist multifaktoriell, d.h.die Stoffwechselstörung hat mehrere, noch vielfach ungeklärte Ursachen und eine längere latente Phase. Die genetische Disposition ist die eine Seite der Medaille, die andere wahrscheinlich
äußere Einflüsse und Verhaltensweisen.

Zitat:
Das Ergebnis der Blutuntersuchung (Abnahme nüchtern) ergab, dass ich viel zu viel Insulin habe, bestimmt 3x soviel wie die äußerste Grenze.

Infolge Insulinresistenz - Unempfindlichkeit der Leber-,Fett-und Muskelzellen gegenüber dem Hormon Insulin - versucht die Bauchspeicheldrüse vermehrt Insulin zu produzieren um die Zellignoranz zu überwinden und den Anstieg des Blutglukosespiegels zu revidieren.
Folge: Hyperinsulinämie.

_________________
Mit freundlichen Grüßen
Hans Reuter


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BeitragVerfasst: 11.01.09, 16:09 
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Moin Mediapostel


zuviel Insulin hast Du nur immer dann, wenn Du einen zu niedrigen Blutzucker hast. Wenn Du gesund normalen Blutzucker hast, dann hast Du auch genau passend Insulin. Wenn Du dabei mehr Insulin als normal in Umlauf hast, bist Du sogenannt insulinresistent und in guter Gesellschaft, denn das sind nach den verschiedensten Schätzungen etwa 40-60% der Bevölkerung. Und die meisten davon haben und entwickeln keinen auffälligen Blutzucker und keinen Diabetes, denn bei denen ist die Menge der Insulin produzierenden Beta-Zellen halt entsprechend ihrem größeren Insulinbedarf auch größer. Diese allgemein so genannte Insulinresistenz, dass alle Zellen mehr Insulin als in der Norm brauchen, um eine Einheit Glukose zu verarbeiten, ist mithin keine Ursache für einen Diabetes, auch wenn das vielfach noch immer so dargestellt wird.


Daneben wird der Begriff Insulinresistenz auch völlig irreführend gebraucht, z.B. in Bezug auf die Leber, hepatische (=die Leber betreffene) Insulinresistenz. Sie gebe zu viel Zucker aus, weil sie insulinresistent sei. Dabei richtet sie sich nur, wie in meinem Post oben schon skizziert, ordentlich nach den Anweisungen, die sie von den Alphazellen des Pankreas bekommt. Die reagieren dabei halt nicht ordentlich auf Glukose oder Insulin oder beides. Zwar umfangreich, aber durchaus auch für uns Laien verständlich findest Du's hier fachoffiziell ausführlich beschrieben: www.online-cme.de/cme/downloads/Fortbil ... istenz.pdf


Wir haben also als notwendige Faktoren für den Typ2 Diabetes die zu geringe und abnehmende Menge an Insulin produzierenden Zellen, den fehlenden Inkretin-Effekt und die irreführend sogenannte hepatische Insulinresistenz, also die Fehlsteuerung der Alpha-Zellen des Pankreas. Für keinen dieser Defekte gibt es bislang veröffentlicht auch nur ernstere Vermutungen, welche Ursache(n) dazu führen könnte(n). Verhalten im Sinne von angefressen & angesessen ist jedenfalls dafür auszuschließen. Allerdings können wir Betroffenen die Störungen unserer Automatik ausgleichen und unseren Blutzucker zu einem mehr oder weniger großen Teil mit systematisch passendem Verhalten in gesunden Grenzen steuern - Bsp.: der Phase2 der Insulinantwort wie oben skizziert entgegen kommen. Und wie auch schon oben geschrieben, braucht vielleicht lange bis überhaupt nicht auf Diagnose Diabetes vorzurücken, wer sich persönlich passend verhält. Und das geht am einfachsten in einem so frühen Stadium wie z.B. in Deinem :-)


Daumendrück, Jürgen

edit Nachtrag:
Wenn Dein Insulintest bei mehr 85 mg/dl stattgefunden hat, war er eher irreführend, weil das eine BZ-Höhe ist, bei der der Organismus schon wie bei zusätzlich gegessener Glukose den BZ senken will und zusätzlich Insulin aktiviert!


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BeitragVerfasst: 11.01.09, 18:06 
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Vielen Dank nochmal für die Antworten :D


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BeitragVerfasst: 11.01.09, 18:13 
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Jetzt muss ich aber nochmal nachfragen :oops:

[quote]Allerdings können wir Betroffenen die Störungen unserer Automatik ausgleichen und unseren Blutzucker zu einem mehr oder weniger großen Teil mit systematisch passendem Verhalten in gesunden Grenzen steuern - Bsp.: der Phase2 der Insulinantwort wie oben skizziert entgegen kommen. Und wie auch schon oben geschrieben, braucht vielleicht lange bis überhaupt nicht auf Diagnose Diabetes vorzurücken, wer sich persönlich passend verhält.
[/quote]

das habe ich oben schon nicht verstanden. Wie denn konkret?

[quote]
edit Nachtrag:
Wenn Dein Insulintest bei mehr 85 mg/dl stattgefunden hat, war er eher irreführend, weil das eine BZ-Höhe ist, bei der der Organismus schon wie bei zusätzlich gegessener Glukose den BZ senken will und zusätzlich Insulin aktiviert![/quote]

meinst du jetzt die Blutabnahme? die wurde vor dem OGTT gemacht und da kam das 3x höhere Insulin raus. Dann wurde der Nüchternblutzucker gemessen und dann musste ich die Lösung trinken und dann wurden nacheinander die anderen Werte gemessen.[/quote]


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BeitragVerfasst: 11.01.09, 18:16 
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sorry, ich weiß nicht warum der HTML-Code nicht funktioniert und die Zitate nicht so angezeigt werden.


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BeitragVerfasst: 11.01.09, 19:42 
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1. Defekt der Automatik systematisch und gezielt ausgleichen:
Ausprobieren, welche Portionsgrößen wovon zu welcher Tageszeit den BZ nur bis max 140 mg/dl ansteigen und in spätestens 3 Stunden wieder unter 100 mg/dl absinken lassen und sich daran halten.
Dazu ausprobieren, wie sich Bewegung auf den BZ auswirkt. Wie Du in meinem Beitrag "BZ & Bewegung" sehen kannst, braucht es nicht unbedingt zusätzliche Bewegung, sondern die alltäglich übliche braucht vielleicht nur zeitlich angepasst zu werden. Wichtig ist, dass man zunächst einmal herausfindet, wie was bei einem selbst funktioniert.
Ausprobieren, wie sich beide Punkte kombinieren lassen. Wenn also Bewegung direkt nach dem Essen den BZ bei Dir schneller abarbeitet/gar nicht erst besonders ansteigen lässt, kannst Du vielleicht mit anschließender Bewegung eine doppelt so große Portion BZ-unschädlich verdrücken wie ohne.

2. Insulintest:
Wenn der BZ über irgendwo um 80 mg/dl ansteigt, geben die Beta-Zellen eben BZ-gesteuert Insulin aus, so wie sie das tun, wenn wir etwas gegessen haben und die Phase1 mit der neuen Glukosemenge nicht ganz fertig geworden ist oder wie bei Dir gar nicht gefunzt hat. Du kannst also bei 90 mg/dl nicht die Leerlauf-/nüchternleistung deines Systems bestimmen, sondern was da läuft, ist Arbeitsleistung.
Noch einmal ausdrücklich: die BZ-gesteuert Arbeitsleistung richtet sich nicht nach gegessen oder nicht, sondern nach dem BZ. Ein Nüchtern-Insulin-Vergleich ist ausschließlich mit gesund-normalen Nüchtern-BZ-Werten im Bereich von 60-80 mg/dl aussagefähig.

Oder noch wieder anders ausgedrückt: Dein Insulinwert muss höher als der normale Nüchternwert sein, weil Dein System bei 90 und mehr dauernd auf eine Glukoselast wie nach dem Essen reagiert. Viel interessanter wäre daher, Deinen Testwert mit der Norm unter Last zu vergleichen. Da hättest Du vielleicht sogar weniger, und nix wär mit Insulinresistenz :-(


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BeitragVerfasst: 11.01.09, 20:37 
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Hallo Jürgen,

danke nochmal :D

zu 1. Also wäre es wohl gut ein Blutzuckermessgerät zu besorgen?!

zu 2. ah ja, jetzt hab ich es begriffen.


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